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12. Jahrhundert
Das 12. Jahrhundert begann am 1. Januar 1101 und endete am 31. Dezember 1200. Es ist die Epoche des europäischen Hochmittelalters.
Zeitalter/Epoche
- Auf der Grundlage von Handel und Handwerk entwickelt sich das Bürgertum und Zünfte entstehen.
- Durch systematische Übersetzung von Büchern aus dem Arabischen ins Lateinische wird die Basis für den wissenschaftlichen und geistigen Aufstieg Europas geschaffen. Gleichzeitig weicht mit dem Aufblühen von Städten in Mitteleuropa die dörfliche Beschränktheit der Bevölkerung.
- Die katholische Kirche beginnt die Inquisition einzuführen, die 1235 von Papst Gregor IX. offiziell eingesetzt wird.
- Im Kaiserreich China entwickelt sich eine allgemeine Volksschrift.
- Gegen Ende des Jahrhunderts wird in Mittelamerika das Reich der Tolteken durch die Chichimeken-Indianer vernichtet.
Ereignisse/Entwicklungen
- Anfang des Jahrhunderts werden in Deutschland erstmals den Vornamen Familiennamen beigefügt.
- 1103 - Der deutsche Kaiser sichert den Juden seinen Schutz zu
- Alfons I. (Portugal) wird 1009 erster König von Portugal.
- Um 1120 übersteigt die Bevölkerungszahl Englands 3 Millionen.
- Um 1130 gibt es in Straßburg die erste städtische Müllabfuhr.
- 1137 - in Montpellier (Südfrankreich) wird eine Hochschule für Medizin gegründet
- Ab etwa 1140 führen die mongolischen Kin in China die Zopftracht ein.
- Zweiter und dritter Kreuzzug
- Der Abt Suger errichtet einen Neubau der Abtei Saint-Denis nördlich von Paris, der als das erste Gebäude im Stil der Gotik gilt.
- In der europäischen Musik entstehen die ersten mehrstimmigen, schriftlich fixierten Kompositionen. Die Entwicklung erreicht am Ende des Jahrhunderts in der Notre-Dame-Schule einen ersten Höhepunkt
- Die Araber übernehmen von den Indern die indischen Zahlen, die mit ihrem Stellenwertsystem revolutionär sind.
- 1173 - Der Papst verbietet allen Christen, Handel mit den Arabern zu treiben.
- Der erste Derwisch-Orden (Tariqa) wird von dem bekannten Sufi Abd al-Qadir al-Dschilani gegründet.
- In Angkor (Kambodscha) wird der Angkor Wat erbaut.
- In Europa treten die ersten Inquisitionstribunale auf.
- Das Mausoleum von Halikarnassos wird durch ein Erdbeben zerstört.
- 1199 - Papst Innozenz III. verbietet dem einfachen Volk das Lesen der Bibel.
- In diesem Jahrhundert wird ganz Europa flächendeckend vom Christentum erschlossen.
Persönlichkeiten
+ Lothar von Supplinburg, letzter deutscher Kaiser aus sächsischem Haus
- Roger II., König von Sizilien und Süditalien
- Petrus Abaelardus, französischer Philosoph und Scholastiker
- Arnold von Brescia, italienischer Freiheitskämfer und Reformator
- Wace, französischer Dichter und Geschichtsschreiber
- Gerhard von Toledo, italienischer Gelehrter
- Bernhard von Clairvaux, französischer Kreuzzugsprediger
- Peter Waldes, französischer Freiheitskämfer und Reformator
- Mosche ben Maimon (Moses Maimonides), jüdischer Philosoph, Rechtsgelehrter und Arzt
- Thomas Becket, englischer Priester und Staatsmann
- Ibn Rushd (Averroes), arabischer Philosoph und Naturforscher in Spanien
- Salah ad-Din Yusuf ibn Ayub (Saladin), arabischer Sultan
- Friedrich Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs
- Heinrich der Löwe, deutscher Fürst
- Hildegard von Bingen, deutsche Mystikerin
- Moses Maimonides, jüdischer Philosoph, Rechtsgelehrter und Arzt
- Innozenz III., italienischer Papst
- Snorri Sturluson, isländischer Geschichtsschreiber, Staatsmann und Dichter
- Heinrich VI., deutscher Kaiser
- Richard Löwenherz, englischer König
- Dominikus, spanischer Dichter
- Franziskus, italienischer Wanderprediker
- Hermann von Salza, deutscher Staatsmann
- Albertus Magnus, deutscher Gelehrter
Erfindungen und Entdeckungen
- um 1110 verbreitet sich in Mitteleuropa der Steinkohlebergbau
- um 1120 kommen in Deutschland Bleistifte aus Graphit auf
- um 1130 wird im Kaiserreich China das Schießpulver aus Salpeter erfunden (anderen Quellen zufolge war Schwarzpulver in China schon um das Jahr 1000 bekannt)
- um 1130 wird in Europa die Alkoholherstellung durch Destillation bekannt
01-12
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ja:12世紀
ko:12세기
simple:12th century
th:คริสต์ศตวรรษที่ 12
1101
Politik und Weltgeschehen
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- 27. Juli - Konrad (König von Italien), König von Italien von 1093 bis 1098 und König von Deutschland von 1087 bis 1098 ( - 1074)
- 6. Oktober - Bruno von Köln, Heiliger, Begründer des Kartäuserordens ( - 1027)
ko:1101년
HochmittelalterAls Hochmittelalter wird in der Mediävistik die Epoche von der Mitte des 11. Jahrhunderts bis zum Beginn beziehungsweise der Mitte des 13. Jahrhunderts bezeichnet. Wichtig dabei ist, dass sich dieser Begriff im wissenschaftlichen Sinne ausschliesslich auf West- und Mitteleuropa bezieht; er trifft weder (oder nur sehr begrenzt) für den benachbarten byzantinischen noch für den islamischen Bereich zu. Von der außereuropäischen Geschichte ganz abgesehen.
Die Abgrenzung des Hochmittelalters zum Frühmittelalter wird
unterschiedlich vorgenommen. Eine Möglichkeit ist die Mitte des 11. Jahrhunderts, weil sich ab dieser Zeit ein umfassender
Wandel in Europa vollzog. Dieser Wandel wurde durch ein
bis in das 14. Jahrhundert anhaltendes Bevölkerungswachstum
ausgelöst. Neue Gebiete mussten erschlossen, Produktionsmethoden
zur Erhöhung der Erträge verbessert werden. Dies förderte
Handwerk und Handel, und damit wiederum die Geldwirtschaft.
Neue Märkte entstanden, die wiederum die Kassen der Städte füllten. Eine seit der Antike nicht gekannte soziale Mobilität entwickelte sich, sowohl örtlich als auch den sozialen Stand betreffend.
Die Kirche mit dem herausgebildeten Papsttum entwickelte
nach innen eine klare Hierarchie und nach außen kämpfte sie mit
den weltlichen Herrschern um die Vormacht. Diese Machtkämpfe wurden
von vielen Zeitgenossen kritisch beurteilt. So entstanden in
Deutschland kirchliche Reformbewegungen, es kam in dieser Zeit allerdings auch zum Investiturstreit. Das Hochmittelalter war auch eine Blütezeit der geistlichen Orden, wie beispielsweise der Zisterzienser oder Prämonstratenser.
Bildung wurde in den Vordergrund gerückt. Es entstanden
Dom- und Klosterschulen und die ersten Universitäten wurden gegründet; allerdings nicht in den deutschen Ländern des Heiligen Römischen Reichs.
Neben Theologie wurden vor allem die Fächer Medizin (vor allem in Frankreich) und Jura (vor allem in Italien und dort insbesonders in Bologna) gelehrt. Diese Bildungsrevolution wurde durch die Wiederentdeckung antiker Schriften ermöglicht (wie des Aristoteles), die aus dem arabischen beziehungsweise byzantinischen Bereich nach Westeuropa gelangten. In Folge dieses Prozesses bestimmte nun die Scholastik das wissenschaftliche Denken.
Lesen und Schreiben waren nicht mehr nur Fertigkeiten des Klerus, sondern zunehmend auch von Teilen der Laien (Ministeriale) und Teilen des Adels. Die Literatur bediente die neuen Leser, indem sie nicht nur geistliche und philosophische Themen verarbeitete. Es wurde nicht mehr nur in lateinischer Sprache, sondern auch in Landessprache geschrieben. In der Malerei wandte man sich von der Darstellung geistlicher Themen hin zur Darstellung von Natur
und Alltag. In der Architektur herrschte die Romanik vor.
Die Menschen, denen dies möglich war, konnten sich relativ sicher
frei innerhalb weiten Teilen Westeuropas bewegen.
Das Hochmittelalter war allerdings auch die Zeit der Kreuzzüge, welches als die erste europäische Kolonisation betrachtet werden kann. Das Hochmittelalter war auch die Blütezeit des Rittertums, welches sich in Folge der Kreuzzüge neu definierte (siehe Ritterorden).
Im staatlichen Bereich büßte in jener Zeit das Heilige Römische Reich an Macht ein, während die "nationalen Königreiche" (England und Frankreich) an Macht und Einfluss gewannen. Im wirtschaftlichen Bereich kam es zur Ausbildung eines Bankensystems, vor allem in Oberitalien.
Die auf das Hochmittelalter folgende Epoche wird als das Spätmittelalter bezeichnet.
Siehe auch: Mittelalter und die entsprechenden Geschichtsabschnitte der einzelnen Länder.
Literatur
- Michael Borgolte: Europa entdeckt seine Vielfalt. 1050-1250, (Handbuch der Geschichte Europas 3), Stuttgart 2002. Hervorragende Einführung mit zahlreichen Literaturangaben. Es wird auch den sozialen und kulturellen Strömungen Rechnung getragen.
- Hermann Jakobs: Kirchenreform und Hochmittelalter 1046-1215 (Oldenbourg Grundriß der Geschichte 7), München 1999 (unv. ND der 4. Aufl. 1994). Über 1400 Literaturangaben und Überblick über den Stand der Forschung
Kategorie:Zeitalter
Kategorie:Mittelalter
HandelUnter Handel versteht man das kommerzielle Anbieten von Waren im Tausch gegen andere Waren (Tauschhandel) bzw. gegen Zahlungsmittel Geld. Echter Handel existiert dort wo ein (Händler) Dritter am Transfer von Waren beteiligt ist und von diesem Austauschverfahren lebt. Handel beschränkt sich auf den Ankauf, Transport und Verkauf von Gütern, Kapital oder Wissen, ohne dass diese wesentlich verändert oder weiterverarbeitet werden. Vorrausetzung für den Beginn von Handel ist unter prähistorischen Bdingungen eine Infrastruktur, die Handel - nicht den Austausch von Geschenken - ermöglicht. Juristisch gesehen werden unter heutigen Handelspartnern Verträge geschlossen. Zwischen den am Handel beteiligten Partnern besteht eine Handelsbeziehung.
Volkswirtschaftliche Aspekte modernen Handels
Der Handel ist eine der bestimmenden Größen für eine Volkswirtschaft. Man unterscheidet zwischen Binnenhandel, der innerhalb der nationalen Grenzen oder einer Staatengruppe wie der EU abläuft, dem grenzüberschreitenden Außenhandel und dem durchlaufenden Transithandel. Werden Waren ins Ausland verkauft, so spricht man von Export, im umgekehrten Fall von Import.
Nach der Zielgruppe lassen sich im Binnenmarkt Großhandel, (Großverbraucher Weiterverkäufer) und Einzelhandel (Endverbraucher bzw. Konsumenten) unterscheiden. In Abhängigkeit vom Standort der Handelstätigkeit sind der ambulante Handel vom stationären Handel und vom elektronischen Handel (bzw- E-Commerce) zu unterscheiden.
Übersteigt der Export eines Landes den Import, so spricht man von Außenhandelsüberschuss. Exporte haben den Vorteil, dass Geld ins Land fließt, aber den Nachteil, dass man stark vom wirtschaftlichen Wohlergehen der Länder abhängig ist, in die man exportiert. So kann eine Wirtschaftskrise in einem Land auf ein anderes Land "überschwappen".
Überwiegt der Import eines Landes, so spricht man von einem Außenhandelsdefizit. Importe haben den Vorteil, dass man so zu Waren kommt, die im eigenen Land nicht vorhanden sind (z.B. Rohstoffe, oder Früchte, die nicht im eigenen Land wachsen), aber den Nachteil, dass man sich von anderen Ländern abhängig macht. Dies wurde insbesondere in der Ölkrise deutlich, als die OPEC die Fördermengen von Erdöl drastisch reduzierte, was eine weltweite Energiekrise auslöste.
Für die Erklärung der Bedeutung der Vorteile von Handel lässt sich einerseits das Konzept der komparativen Kostenvorteile, andererseits das Heckscher-Ohlin-Theorem heranziehen. Die zugehörigen Artikel erklären die Vorteile des Handels vertiefend.
Ethische Aspekte
Wie bei allem Handeln spielen beim Handel auch ethische Aspekte eine Rolle. Wurde ein Produkt etwa unter ökologischen Gesichtspunkten, z.B. unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit, gefertigt? Wurden den Produzenten angemessene Preise für ihre Waren / Dienstleistungen bezahlt? Wurde das Handelsprodukt mit Hilfe von Kinderarbeit (Teppiche, Produktion von Fußbällen) hergestellt oder nicht?
Der Faire Handel ist das Modell eines sozial und ökologisch verträglichen Handels, bei dem alle Handelsschritte von den Produzenten bis hin zu den Verbrauchern auch unter ethischen Gesichtspunkten ("fair" im Sinne von gerecht) betrachtet werden.
Sahen etwa die Klassiker wie Adam Smith im Handel noch unproduktiven Konsum, so ist man heute der Auffassung, dass Handel durchaus als produktiv angesehen werden kann: So ist man bereit für den Handel ein Entgelt zu bezahlen, also muss es auch einen Mehrwert durch ihn geben. Handelstreibende generieren volkswirtschaftlich einen Mehrwert durch Wahrnehmung der Handelsfunktionen wie beispielsweise Sortimentsbildung (im Sinne der Nachfrage), quantitative (mengenmäßige) und qualitative Anpassungen sowie räumliche (Angebotsbündelung) und zeitliche Überbrückungen (z. B. saisonale Schwankungen). Handel trägt somit zum Sozialprodukt bei. Der Konsument spart offenbar, indem er Produkte über den Händler bezieht, statt direkt vom Produzenten. Dies erklärt sich beispielsweise durch Reduktion der Wege ("One-Stop-Shopping"). Somit rechtfertigen sich auch die Handelsspannen des Händlers (definiert als Umsatz abzüglich Wareneinsatz), der ja beispielsweise einen Gebrauchtwagen wesentlich teurer verkauft als er ihn einkauft. Das "produktive" Moment liegt in dem Zusammenbringen von Angebot und Nachfrage sowie der Übernahme diesbezüglicher Risiken (siehe Arbitrageur). Er gibt jedoch dem Konsumenten die Möglichkeit Kosten zu sparen. Die Handelspanne ist somit nicht unmoralisch, niemandem entsteht ein Nachteil, vielmehr schafft der Händler Vorteile.
Zu berücksichten ist, dass die Handelsspanne nicht der Gewinnspanne eines Produzenten entspricht, denn für die Übernahme der Handelsfunktionen werden Ressourcen (z. B. Raum, Kapital, menschliche Arbeitskraft) benötigt.
Geschichte und soziale Bedeutung des Handels
Schon in der "vorgeschichtlichen" Zeit (gesichert in der Bronzezeit) und der Antike gab es Handel (zunächst im Mittelmeerraum) und entsprechende Handelswege wie die Bernsteinstraße oder die Seidenstraße. Damals operierten erstmals "Fernkaufleute", nach dem Soziologen Ferdinand Tönnies überhaupt als diejenige Berufsgruppe anzusehen, die in traditionelle Gemeinschaften das rechenhafte Zweckdenken bringen und sie damit global vergesellschaften.
Der europäische Seehandel im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit wurde wesentlich von Stadtrepubliken (z.B. Venedig, Genua, den flämischen und niederländischen Städten und der Hanse) beherrscht.
Die Suche nach neuen Seewegen nach Indien und China war eine wesentliche Motivation für die Entdeckungsreisen am Ende des Mittelalters/Anfang der Neuzeit. So war Christoph Kolumbus davon überzeugt, Indien erreicht zu haben, was auch das eigentliche Ziel seiner Reise war.
Globalisierung
Heute steht der Welthandel im Kontext der Globalisierung. Unter Federführung der Welthandelsorganisation (WTO) sollen international Zollschranken abgebaut und der freie Waren- (GATT) und Dienstleistungsverkehr (GATS) gefördert werden. Diese Politik des Freihandels ist umstritten; Globalisierungskritiker sehen darin eine Zementierung der Benachteiligung der Länder in der so genannten unterentwickelten Dritten Welt und auch eine Beeinträchtigung der hoheitlichen Verwaltung der Staaten ("Souveränitätsverlust").
Allerdings hat neben der Theorie (s. o.) auch die Empirie belegt, dass Handel zu Wohlstand führt. So ist seit den 1950er Jahren die Armut (s. dort) der Welt kontinuierlich gesunken, auch sank die Anzahl der vom Hunger bedrohten Menschen. Diese Grundidee einer freien Marktwirtschaft ist vielfach aber durch Krisen, Korruption und staatliche Eingriffe in den Staaten beschränkt. Statt Handel zuzulassen verschließen sich viele Gebiete den Vorteilen des freien Handels. Andererseits gehen einige Ökonomen davon aus, dass die dritte Welt nur mit Starthilfe, etwa über Entwicklungshilfe, einen Aufstieg in die erste Welt schaffen könnten. So müssten Infrastrukturen erst aufgebaut, Humankapital erst angesammelt werden.
Literatur
- Braudel, Fernand: Sozialgeschichte des 15.-18. Jahrhunderts. Der Handel. München 1986
- Hildebrand, Knut (Hrsg.): [http://hmd.dpunkt.de/235/ IT-Lösungen im Handel], HMD 235, dpunkt.verlag, Heidelberg 2004, ISBN 3-89864-287-9.
- Müller-Hagedorn, Lothar: Der Handel, Stuttgart 1998.
- Müller-Hagedorn, Lothar: Handelsmarketing, Stuttgart 2002.
Siehe auch
Siehe auch: Verkauf, Einzelhandel, Discounter, Distributionspolitik, Versandhandel, Fairer Handel, Sklavenhandel, Kinderhandel, Organhandel, Frauenhandel, Waffenhandel, Drogenhandel, Welthandel/Tabellen und Grafiken
Kategorie:Volkswirtschaftslehre
Kategorie:Handel
ja:貿易
simple:Trade
Bürgertum
Bürgertum ist eine Gesellschaftsschicht, die traditionell gegenüber dem Adel und Klerus einerseits, gegenüber Bauern und später Arbeitern andererseits abgegrenzt wird.
Entstehung und Grundzüge des Bürgertums
Als Wort und Begriff für eine Bevölkerungsgruppe ausgehend von dem mittellateinischen burgus, einer vor den Mauern gelegene Vorburg, in der die Kaufleute wohnten, hat das Bürgertum im Lauf der geschichtlichen Entwicklung einen sozialgeschichtlichen Wandel durchlaufen, insbesondere sehr verschiedene Unterformen des Bürgertums ausgeprägt. Der Begriff des Bürgertums als solcher ist deswegen nur sehr allgemein definierbar. Zudem ist der Begriff des Bürgertums in den verschiedenen Staaten aufgrund teils unterschiedlicher geschichtlicher Entwicklung nicht bedeutungsgleich.
Das Bürgertum ist eine ökonomische, eine politische und eine kulturelle Erscheinung. Es prägte in der Zeit des Frühkapitalismus die "bürgerliche Weltanschauung" aus, die eng mit den "bürgerlichen Tugenden" Leistung, Fleiß und Sparsamkeit verbunden ist.
In der Zeit des abendländischen Feudalismus erkämpfte sich das Bürgertum in Abgrenzung zu Bauern und Adel seine bürgerlichen Freiheiten. Die in der französischen Revolution von den Bürgern erkämpften Bürgerrechte gelten heute als Menschenrechte.
Kritik und Auflösung des Bürgertums
Das Bürgertum in seinen verschiedenen Ausprägungen ist andererseits selbst Gegenstand lang anhaltender Kritik (gewesen). Während die kommunistische Kritik einerseits die Bourgeoisie als Klassengegner definierte und Abweichler intern als nicht-proletarische "Kleinbürger" ausgrenzte, wurde der Begriff des Bürgers auch in anderem Zusammenhang negativ verwendet, wie die Ausdrücke "Verbürgerlichung" oder "verbürgerlichtes Christentum" deutlich machen. Gleiches gilt für den von der Jugendbewegung schon des 17. Jahrhunderts übernommenen Begriff der "Spießbürgers", ein aus der verächtlichen Rede des Ritterheeres übernommenes Schimpfwort.
In den Niedergang des (z.B. "viktorianischen" oder "wilhelminischen") Bürgertums in späten 19. Jahrhundert gehört bereits das sich - teils vom Adel her - verbreitende Ideal, dass die Frau nur noch Repräsentationspflichten besitze und den Haushalt allenfalls noch beaufsichtige. Für die Hausarbeit gab es Personal. So hatte die bürgerliche Frau Zeit, dem Geld verdienenden Mann die bürgerlichen Bildungsanstrengungen abzunehmen, die Geselligkeit in den jeweiligen Verkehrskreisen zu organisieren, ggf. auch wohltätig zu sein.
Mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel wird schon seit der Mitte des 20. Jahrhunderts vertreten, dass das Bürgertum insgesamt zu Ende gegangen sei. Hervorgegangen sei eine nachbürgerliche Gesellschaft von Angestellten, Beamten und anderen Gruppierungen, die im wesentlichen in einem neuen Mittelstand verschmolzen seien und sich ungeachtet ihrer Wurzeln im Bürgertum im Stil nicht vom allgemeinen Stil der Industriegesellschaft unterschieden. (Vgl. auch die Nivellierte Mittelstandsgesellschaft.)
Weiterführende Artikel
- Bürger
- Großbürger
- Kleinbürger
- Bildungsbürgertum
- Bourgeoisie
- Citoyen
- Adel
- Soziale Schicht
- Soziologie
Typische Beispiele für verschiedene Bürgergruppen (Deutschland)
Aufgeführt sind - mit Ausnahme der gesondert zu behandelnden Kleinbürger - Familien, die in der Vergangenheit den genannten Bürgergruppen zugehörten. Während die Krupp erloschen sind oder wie die Gründerfamilien Howaldt und Overbeck ihre herausgehobene Stellung verloren haben, behaupten andere Familien auf Grund des in ihren Händen erhaltenen Kapitals wie die Quandt und die Siemens oder auf Grund der Leistungsfähigkeit einzelner Familienmitglieder wie die Weizsäcker oder die Jauch über den erfolgreichen Moderator, Fernsehproduzenten und Mäzen Günther Jauch eine wahrnehmbar über dem Durchschnitt liegende Stellung in der heutigen Gesellschaft. Soweit einzelne Familien oder Familienzweige noch vor Abschaffung des Adels - wie z.B. die v. Siemens 1888 oder die Freiherrn v. Weizsäcker 1916 - nobilitiert wurden, ändert dies nichts an ihrer für die vorliegenden Zwecke zutreffenden soziologischen Einordnung als Bürger.
Bildungsbürger
- Delbrück
- Krummacher
- Mann (Schriftstellerfamilie)
- Overbeck
- Weizsäcker
Großbürger
- Jauch
Industrielle
- Howaldt
- Krupp
- Quandt
- Siemens
- Thyssen
Kleinbürger
Unter den in Wikipedia zu findenden Familien sind, da diese insgesamt oder ihre Mitglieder bessere Chancen haben, in Enzyklopädien zu erscheinen, eher Groß- oder Bildungsbürger. Die von diesen im Lebensstil abgehobenen Kleinbürger sind - relativ zu ihrem zahlenmäßigen Anteil am Bürgertum - unterrepräsentiert oder oft gar nicht als solche gekennzeichnet. Als typisches Beispiel sei Joschka Fischer genannt, dessen Vorfahren über sechs Generationen in Ungarn das Metzgerhandwerk ausübten.
Literatur
- Oskar Köhler, Artikel "Bürger, Bürgertum" in: Staatslexikon Band 1, Spalten 1040ff, Freiburg im Breisgau 1985 ISBN 3-451-19301-9 mit zahlreichen weiter führenden Literaturangaben
- Manfred Hettling, Bernd Ulrich (Hgg.), Bürgertum nach 1945, Hamburg (Hamburger Edition), 2005, ISBN 3-936096-50-3
ja:市民
Kategorie:Politischer Begriff
Kategorie:Sozialgeschichte
Kategorie:Migration
Kategorie:Nationalismus
Kategorie:Behörde
ZunftEine Zunft, auch Gilde oder Einigung - von althochdeutsch "zumft" (zu ziemen) - ist eine ständische Körperschaft von Handwerkern, Gewerbetreibenden und anderen Berufsgruppen (Notare), die im Mittelalter entstand und bis ins 19. Jahrhundert existierte.
Notar
Die Zunft galt allgemein für die handwerklichen Berufe, wobei die Gilde vor allem der Zusammenschluss von Händlern und Gewerbetreibenden zur wechselseitigen Hilfe war...
Geschichte
Die Anfänge liegen im Hochmittelalter im Zusammenhang mit der Entstehung eines städtischen Bürgertums als Gegenentwurf zur feudalistisch bedingten Leibeigenschaft ("Stadtluft macht frei").
Innere Erstarrung verbunden mit der Aufhebung der Zunftverfassung und der Einführung der Gewerbefreiheit leiteten das Ende der Zünfte ein. Mit dem Aufkommen von Manufakturen und der vorindustriellen Massenproduktion verloren die Zünfte zu Beginn des 19. Jahrhunderts an Bedeutung und wandelten sich von Handwerkerinnungen zu exklusiven Altherrenclubs und zu Karnevalsgesellschaften.
Kodex
Für Zunftmitglieder galt ein Ehrenkodex. Bei Verstößen gegen diesen Kodex, dem unzünftigem Verhalten, konnte man der Mitgliedschaft verlustig gehen. Als äußeres Zeichen des Ausschlusses wurde häufig ein zur Zunfttracht gehörender Ohrring aus dem Ohrläppchen, welcher eigentlich als Entgelt für den Bestatter diente, gerissen. Das hierdurch entstehende Schlitzohr wurde sprichwörtlich zur Bezeichnung für listige, durchtriebene Menschen.
Elite
Um die Zahl der Handwerksmeister künstlich klein zu halten, wurden die Aufstiegschancen zum Meister erschwert.
Die Gesellen, die ihre Meisterprüfung ablegen wollten, hatten folgende Bedingungen zu erfüllen:
- ein Meisterstück auf eigene Kosten anfertigen
- das Bürgeraufnahmegeld zahlen
- sich einen eigenen Brustpanzer anfertigen lassen
- verschiedene Beträge an die Zunft zahlen
- für die Zunftkirche Wachskerzen kaufen
- einen Hausbesitz oder das nötige Geld dazu vorlegen und
- ein Mahl von mehreren Gängen für alle Meister der Zunft spenden.
Doch bei den geringen Löhnen war es für die Gesellen unmöglich, diese Bedingungen zu erfüllen.
Um sich gegen die schlechten Arbeitsverhältnisse zu wehren, organisierten sich die Gesellen in Brüderschaften oder Verbänden. Durch Androhung von Streik konnten sie z.B. Lohnerhöhungen, die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit, über die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, durchsetzen.
Zugang
Nur bei vier Zünften wurden Frauen als Zunftmitglieder akzeptiert: die Garnmacher, die Goldspinner, die Seidenweber und die Seidenmacher. Starb ein Meister, musste die Witwe innerhalb ein oder zwei Jahren erneut heiraten, ansonsten verlor sie die Werkstatt ihres Mannes. In einigen Städten war es auch möglich, dass die Witwe, wenn sie einen Sohn und Nachfolger besaß, den Laden bis zu dessen Mündigkeit weiterführte.
Für die Ausübenden eines bestimmten Berufszweiges bestand Zunftzwang. Juden war die Mitgliedschaft in einer Zunft verwehrt.
Soziologie
Die Zünfte bildeten ein soziales, ökonomisches und religiöses System zur Regelung von Rohstofflieferungen, Beschäftigungszahlen, Löhnen, Preisen, Absatzmengen bis hin zur Witwenversorgung. Sie bestanden teilweise aus mehreren Berufsgruppen und symbolisierten sich häufig durch Wappen und/oder Zunftzeichen und Zunftkleidung.
Die Zünfte schrieben ihren Mitgliedern häufig auch die Produktionsmethoden vor. Dadurch wehrten sie zwar einerseits Überproduktionen ab, andererseits verhinderten sie die Einführung neuer, produktiverer, gelegentlich weniger gesundheitsgefährdender Produktionstechniken. Dadurch garantiert er seinen Mitgliedern ein standesgemäßes, "gerechtes" Einkommen und den Verbrauchern ein stabiles Preis-Leistungs-Verhältnis.
Ökonomisch betrachtet verhinderten Zünfte, dass möglicherweise geeignete Menschen einen Beruf ausüben konnten.
Regionale Besonderheiten
- In Hamburg und Schleswig-Holstein hießen diese Handwerkerzusammenschlüsse "Amt".
- In Köln wirkten sie in den als "Gaffeln" bezeichneten Corporationen mit.
- Im Rahmen der Burgergemeinde Bern sind die Zünfte heute noch Körperschaften des öffentlichen Rechts.
- In Zürich findet jedes Jahr das Sechseläuten, ein Umzug der Zünfte statt.
Kategorie:Handwerk
Kategorie:Wirtschaftsgeschichte
ja:ギルド
Arabische Sprache
Die arabische Sprache (auf Arabisch: اللغة العربية)
gehört zum südlichen Zweig der semitischen Sprachen und damit zur afro-asiatischen Sprachfamilie. Der Language Code ist ar bzw. ara (nach ISO 639).
Allgemeines
Die einzelnen arabischen Dialekte in den verschiedenen Ländern unterscheiden sich teilweise sehr stark voneinander und sind, wenn sie weit auseinander liegen (z. B. Marokko - Irak), auf basilektaler Ebene oft gegenseitig nicht oder nur schwer verständlich, in etwa vergleichbar mit den verschiedenen deutschen Mundarten.
Algerische Filme, die natürlich im dortigen Dialekt gedreht worden sind, werden zum Teil hocharabisch untertitelt, wenn sie in den Golfstaaten ausgestrahlt werden.
Die arabische Sprache in einem erweiterten Sinne umfasst eine Vielzahl von verschiedenen Sprachformen, die in den letzten anderthalb Jahrtausenden gesprochen wurden und werden.
Was all diese Sprachformen zu einer Sprache zusammenbindet, ist vor allem der Islam und speziell der Koran. Das Beispiel des Maltesischen zeigt sehr deutlich die große Rolle des Islam, was die Einheit des Arabischen angeht. Das Maltesische ist eine den maghrebinischen Dialekten der arabischen Sprache nah verwandte Sprache, die aber weitestgehend zu einer modernen, eigenständigen Standardsprache ausgebaut worden ist.
Aus dem Alt-Arabischen, das dem klassischen Hocharabisch sehr nahe stand, hat sich eine Vielzahl von Dialekten entwickelt, die neuarabischen Dialekte; für alle Sprecher dieser Sprache außer dem Maltesischen ist das unverändert geschriebene Hocharabisch weiterhin Schriftsprache und Dachsprache.
Ob Hocharabisch als moderne Standardsprache zu betrachten ist, ist umstritten (siehe auch Halsbandsittich in vielen Sprachen). Die panarabischen Satellitensender könnten es dazu werden lassen. Es fehlt oft noch an einem einheitlichen Wortschatz für viele Dinge der modernen Welt, sowie am Fachwortschatz für viele Bereiche der modernen Wissenschaften. Darüber hinaus ist Hocharabisch innerhalb der einzelnen arabischen Ländern relativ selten ein Mittel zur mündlichen Kommunikation.
Das Arabische im Semitischen
Das klassische Hocharabisch unterscheidet sich nicht wesentlich von der alt-arabischen Sprache. Versucht man durch Vergleich aller semitischen Sprachen die Wurzel eines Wortes zu ermitteln, findet man oft, dass sie genau der klassisch-arabischen Form gleicht. Dadurch kommt dem klassischen Hocharabisch eine zentrale Stellung innerhalb der semitischen Sprachen zu.
Lange betrachteten viele Semitisten das klassische Arabisch als die ursprünglichste semitische Sprache überhaupt. Erst langsam stellt sich durch den Vergleich mit anderen afro-asiatischen Sprachen heraus, dass vieles doch nicht so ursprünglich ist, wie man dachte. Klassisches Hocharabisch stellt wohl eine neuere Schicht semitischer Sprachen dar, die viele Möglichkeiten, die in der Grammatik der semitischen Sprachen angelegt sind, konsequent ausgebaut hat. Es hat einen sehr reichen semitischen Wortschatz bewahrt und sogar noch weiter ausgebaut. Die heutigen Dialekte haben viele Veränderungen durchgemacht, wie sie andere semitische Sprachen schon sehr viel früher (2000-3000 Jahre) durchgemacht haben. So fällt beispielsweise auf, dass Alt-Hebräisch und moderne arabische Dialekte, was Lautgestalt und Grammatik angeht, viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Es gibt Spekulationen, dass die Aufgabe der nomadischen Lebensweise und die Überlagerung anderer Sprachen immer wieder ähnliche sprachliche Entwicklungen hervorgerufen haben.
Verbreitung
Varianten des Arabischen werden von ca. 200 bis 300 Millionen Menschen gesprochen. Es ist (nicht immer alleinige) Amtssprache in folgenden Ländern: Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, Eritrea, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Komoren, Katar, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, Oman, Palästinensische Autonomiegebiete, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien, Tschad, Tunesien, Vereinigte Arabische Emirate. Darüberhinaus ist es eine der sechs offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen.
In aller neuester Zeit gewinnt das gesprochene Hocharabische wieder an Raum, Schrittmacher ist dabei u.a. der Fernsehsender Aljazeera in Katar. Dort gibt es sehr lebendige Diskussionen von Sprechern aus allen Ecken der Arabischen Welt, die sich bemühen eine dem Hocharabischen nahe kommende Sprache zu gebrauchen.
Durch die dominierende ägyptische Film- und Fernsehproduktion (u.a. bedingt durch die Bevölkerungszahl) gilt der gesprochene Kairoer Dialekt des Arabischen in der arabischen Welt als allgemein verständlich, sozusagen "gemeinsprachlich". Gewöhnliche Filme auf hocharabisch zu drehen ist nicht üblich, da diese Sprache eher ernsten Themen wie den Fernseh- und Rundfunknachrichten, religiösen Sendungen und Gottesdiensten vorbehalten ist.
Geschichte
Schon in vorislamischer Zeit existierte auf der arabischen Halbinsel eine reichhaltige Dichtersprache, die nur mündlich weitergegeben wurde. Auf dieser Dichtersprache fußt zum Teil das Arabische des Korans, das aber wohl schon modernere Züge aufwies, wie man am Konsonantentext sehen kann. Wohl erst nachträglich hat man durch Zusatzzeichen das Koran-Arabisch für neue nicht arabische Muslime einfacher gemacht. In frühislamischer Zeit wurden viele Gedichte dieser Sprache schriftlich festgehalten. Bis heute ist das Memorieren (Auswendiglernen) von Texten ein wichtiger Bestandteil der islamischen Kultur. So gibt es bis heute viele sehr geachtete Menschen, die den gesamten Koran auswendig vortragen können (Hafiz oder Hafidh).
Das klassische Hocharabisch ist insbesondere die Sprache des Korans, das sich aus dem Zentrum der arabischen Halbinsel, dem Hedschas, im Zuge der islamischen Eroberungen über den ganzen Vorderen Orient verbreitete.
Der Kalif Abd al-Malik erhob in den 90er Jahren des 7. Jahrhunderts diese Form des Arabisch zur offiziellen Verwaltungssprache des islamischen Reiches.
Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Sprache dann immer mehr, was jedoch zum Teil an der Schrift nicht zu erkennen ist, da die kurzen Vokale außer im Koran nicht geschrieben wurden und man sich bemühte die alten Regeln bei der Schreibung beizubehalten.
Das klassische Hocharabisch wird als Muttersprache heute von niemandem mehr gesprochen. Es wird allerdings auch heute noch, nur im Wortschatz verändert, als geschriebene Hochsprache benutzt, in der fast alle Bücher und Zeitungen erscheinen (außer in Tunesien, Marokko und in etwas geringerem Maße in Algerien, wo sich das Arabische diese Rolle mit dem Französischen teilen muss). Im wissenschaftlich-technischen Bereich wird in den anderen arabischen Ländern aus Mangel an einem spezifischen Fachwortschatz oft Englisch gebraucht.
Bei offiziellen Anlässen wird diese normalerweise nur geschriebene Sprache auch mündlich gebraucht, ebenso teilweise in Fernsehen und Rundfunk. Diese Sprache wird oft auch als modernes Hocharabisch bezeichnet. Es unterscheidet sich vom klassischen Hocharabischen vor allem im Wortschatz und je nach Bildungsgrad des Sprechers teilweise auch in Grammatik und oft in der Aussprache.
Siehe auch: Geschichte der arabischen Literatur
Phonologie
Das Hocharabische Lautsystem ist wenig ausgeglichen. Es gibt nur drei mit den Lippen gebildete Laute (M م, B ب, F ف), P und das deutsche W fehlen. Der Laut و, den man mit W in der Umschrift wiedergibt, ist ein Halbvokal, der einem englischen W [] entspricht.
Dagegen gibt es sehr viele an den Zähnen gebildete Laute: L ل, N ن, D د, T ت, stimmloses und stimmhaftes (wie im Englischen ausgesprochene) "TH" (TH ث, DH ذ), stimmloses und stimmhaftes S (س und ز) und SCH ش. Hinzu kommen die dem Arabischen eigenen emphatischen Laute, d. h. stimmhaftes und stimmloses S (ص und ظ) sowie T ط und D ض, die "dumpf" ausgesprochen werden. Neben dem Zungen-R ر gibt es ein streng davon unterschiedenes Zäpfchen-R غ, normalerweise GH umschrieben.
An Gaumenlauten gibt es DSCH ج, K ك, CH خ und den Halbvokal J ي, das G fehlt. Des Weiteren gibt es ein tief in der Kehle gesprochenes K, das mit Q ق umschreiben wird, sowie das mit dem Kehlkopf ausgesprochene Hamza und einen stimmhaften Kehlkopf-Presslaut ع, den man "Ain" nennt, den es aber nur in sehr wenigen anderen Sprachen gibt, sowie eine stimmlose Entsprechung ح, die wie unser H auch mit H umschrieben wird. Unser H ه gibt es auch noch. Die Konsonanten werden sehr genau ausgesprochen, beeinflussen aber stark die Vokale, die deshalb in vielen Varianten vorkommen, obwohl es eigentlich nur A, I, U sowohl lang als auch kurz gibt. Insgesamt entsteht so der kehlige, raue Lauteindruck des Arabischen.
Die Dialekte haben dieses Ungleichgewicht zum Teil ausgeglichen: in vielen Dialekten gibt es ein G, TH und DH fehlen meist, deutsche W und P gibt es oft in Fremdwörtern. Meist gibt es auch langes E und O.
Schrift
Hauptartikel: Arabische Schrift
Geschrieben wird das Arabische von rechts nach links mit dem arabischen Alphabet, das nur Konsonanten und Langvokale kennt. Es gibt allerdings als Lern- und Lesehilfe ein nachträglich hinzugefügtes System mit Kennzeichen (اشكال) für die Kurzvokale A, I und U, und das in der klassischen Grammatik wichtige End-N, Konsonantenverdopplungen und Konsonanten ohne nachfolgenden Vokal. Der Koran wird immer mit allen Zusatzzeichen geschrieben und gedruckt. Grundsätzlich wäre das vokalisierte und mit Zusatzzeichen versehene Schriftarabisch gleichzeitig eine präzise Lautschrift, diese wird jedoch fast nur für den Koran genutzt. Bei allen anderen Texten muss man die kurzen Vokale selbst finden, was nur möglich ist, wenn man die Grundvokale jedes Wortes auswendig kennt und die grammatische Struktur vollständig analysieren kann, so dass man die richtigen Endungen einfügen kann. Aus diesem Grunde ist das Auswendiglernen langer Texte und die ständige Kontrolle eines anwesenden Lehrers fast unumgänglich, da so gut wie niemand im Alltag Hocharabisch spricht und man es auch nicht, den Koran ausgenommen, durch Lesen selbständig lernen kann.
Die arabische Schrift ist eine Kurrentschrift, die sich im Laufe der Geschichte verschliffen hat. Als immer mehr Buchstaben in der Gestalt zusammenfielen, entwickelte man ein System, diese durch Punkte über und unter den alten Konsonanten zu unterscheiden. Da die Buchstaben in einem Wort verbunden werden, gibt es bis zu vier verschieden Formen eines Buchstabens: allein stehend, nach rechts verbunden, nach links verbunden und beidseitig verbunden. Ohne die Punkte fallen beispielsweise in der beidseitig verbundenen Form die Buchstaben N, T, TH, B, Y und P zusammen. Die Punkte für das P übernahm man aus dem Persischen, um Fremdwörter, die ein P enthalten, wiederzugeben. In einer früheren Form der arabischen Schrift, dem Kufi (كوفى), in der es noch keine Punkte gab, wurden viele Texte fast nicht mehr lesbar, da wie gesagt nur die Konsonanten geschrieben wurden und einige davon auch nicht mehr zu unterscheiden waren. Die neuentwickelte Schrift mit den Punkten nennt man Nas-ch (نسخ).
Aussprache
In vielen islamischen Ländern gibt es Bestrebungen, sich bei der Aussprache der modernen Hochsprache einem Standard zu nähern, der dem nahe kommen soll, was als Aussprachestandard für das klassische Hocharabisch gilt. Grundlage dabei ist meistens der Aussprachestandard der Rezitation (ar. tilāwa تلاوة) des Korans, der weitgehend kodifiziert ist und in modernen Korandrucken auch durch Diakritika wiedergegeben wird. Diese Ausspracheform genießt ein hohes Prestige, wird allerdings in der Regel nur im religiösen Kontext verwendet.
Die frühere Aussprache des Hocharabischen ist nicht mit Sicherheit in allen Einzelheiten bekannt. Ein typischer Fall, wo bis heute keine völlige Klarheit über die Aussprachenormen des klassischen Hocharabisch besteht, ist die so genannte Nunation, also die Frage, ob die Kasusendungen bei den meisten unbestimmten Nomina auf n auslauten oder nicht (kitābun vs. kitāb). Für beide Varianten lassen sich Argumente finden, und da in alten Handschriften das Vokalzeichen der Endung nicht geschrieben wurde, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, wie diese Formen ausgesprochen wurden.
Grammatik
Das Arabische kennt indeterminierte (unbestimmte) und determinierte (bestimmte) Nomina. Determiniert wird ein Nomen durch den vorangestellten Artikel al, der nach Zahl und Fall unveränderlich ist, der aber sein A verliert, wenn er auf einen anderen Vokal folgt, und sein L an nachfolgende Substantive, die mit Sonnenbuchstaben beginnen, assimiliert.
Durch ein nachfolgendes Wort im Genitiv (s.a. Status constructus) oder durch ein direkt an das Wort angeschlossenes Personalsuffix wird ein Wort ebenfalls determiniert. Eigennamen sind von Haus aus determiniert und tragen keinen Artikel, ausgenommen die meisten Ländernamen.
Indeterminierte und determinierte Nomina unterscheiden sich zusätzlich durch unterschiedliche Endungen. Attribute werden dem zugehörigen Nomen nachgestellt.
Im Arabischen gibt es zwei Geschlechter, männlich und weiblich, die meisten weiblichen Wörter enden auf ah, das bei angehängten Endungen zu at wird. Weibliche Personen (Mutter, Schwester etc.) Eigennamen von Ländern und Städten, und die Namen doppelt vorhandener Körperteile (Fuß, Hand) sind auch ohne weibliche Endung weiblich. Daneben kennt das Arabische noch ein Kollektivum.
Es gibt drei Numeri: Einzahl, Zweizahl (Dual) und Mehrzahl, und drei Fälle: Nominativ, Genitiv und Akkusativ, die fast ausschließlich durch kurze Vokal-Endungen bezeichnet werden. Diptoten sind Eigennamen oder indefinierte Substantive, welche anstatt der üblichen drei Deklinationsendungen nur deren zwei aufweisen, d.h. zwischen Genitiv und Akkusativ nicht formal unterscheiden.
Die wirkliche Komplexität der arabischen Sprache liegt in der Vielfalt ihrer Verbformen und daraus abgeleiteten Verbalsubstantive, Adjektive, Adverbien und Partizipien. Jedes arabische Verb verfügt über zwei Grundformen im Perfekt und Imperfekt, Beispiel: kataba - yaktubu: "er schrieb - er schreibt". Dazu kommt als dritte wichtige Form das Verbalsubstantiv ("das Schreiben"). Da sich die meisten Verbformen schematisch ableiten lassen, sind sie viel leichter zu erlernen, als ein Arabisch-Schüler vermuten mag. Zwar gibt es nur zwei Hauptzeiten, wobei das Perfekt eine vollendete, das Imperfekt eine unvollendete Handlung ausdrückt. Trotzdem hat das Arabische eine Vielzahl von Zeitstufen ausgebildet. Viele Verben existieren in zahlreichen, durch Umbildung der Wurzel abgeleiteten Stämmen, die jeweils bestimmte Bedeutungsaspekte haben, wie zum Beispiel Intensivierung oder reflexive Bedeutung. Jeder Stamm besitzt bestimmte Eigenschaften, z.B. ein Präfix, Verlängerung, Änderung oder Wegfall eines Vokals oder auch Verdopplung des mittleren Radikals (d.h. Wurzelkonsonanten). Die Art und Reihenfolge dieser Konsonanten ändern sich hingegen innerhalb einer Wortfamilie nie.
Eine Eigenheit der arabischen Grammatik erleichtert die mündliche Wiedergabe des Hocharabischen sehr: Am Ende eines Satzes fällt im Hocharabischen die Vokalendung meist weg. Man nennt diese Form traditionell "Pausalform". Nun werden aber die drei Fälle und auch zum Teil die Modi gerade durch diese Endungen ausgedrückt, die bei einer Sprechpause wegfallen. Deshalb benützen viele Sprecher, wenn sie modernes Hocharabisch sprechen, sehr häufig diese "Pausalform" und ersparen sich so einen Teil der manchmal komplizierten Grammatik. Da aber auch gerade diese Vokalendungen in allen Dialekten wegfallen, erleichtert dies das moderne Hocharabisch sehr. Das komplizierte System der Verbformen ist in vielen Dialekten noch weitestgehend erhalten, so dass die Dialektsprecher damit weniger Schwierigkeiten haben. Obwohl wie unten beschrieben die Bedeutung eines Wortes meist an den Konsonanten hängt, sind es gerade die kurzen Vokale, die einen großen Teil der komplizierten Grammatik ausmachen.
Arabische Wörterbücher sind häufig so angelegt, dass die einzelnen Wörter nach ihren Wurzeln, also quasi ihren "Wortfamilien", geordnet sind. Daher ist es beim Erlernen des Arabischen wichtig, die Wurzelkonsonaten eines Wortes identifizieren zu können. Der überwiegende Teil der Wörter hat drei Wurzelkonsonanten, einige auch vier. Durch das Abtrennen bestimmter Vor-, Zwischen- und Endsilben erhält man die Wurzel eines Wortes. Gerade Anfänger sollten solche nach Wurzeln geordnete Wörterbücher benutzen, da der Gebrauch "mechanisch-alphabetisch" geordneter Lexika bei geringen Grammatikkenntnissen oft dazu führt, dass eine Form nicht erkannt und falsch übersetzt wird.
Wortschatz
Die meisten arabischen Wörter bestehen aus drei Wurzelkonsonanten (Radikalen). Daraus werden dann verschiedene Wörter gebildet, beispielsweise kann man unter anderem aus den drei Radikalen K-T-B folgende Wörter und Formen bilden:
- KaTaBa : er schrieb
- yaKTuBu : er schreibt
- KiTaaB : Buch
- KuTuB : Bücher
- KaaTiB : Schreiber (Einzahl)
- KuTTaaB : Schreiber (Mehrzahl)
- KaTaBah : Schreiber (alternative Mehrzahlform)
- maKTaB : "Ort des Schreibens", d.h. Büro
- maKTaBah : Bibliothek, Buchhandlung
Die hier angegebenen Formen sind Pausalformen. Im klassischen Hocharabisch treten noch die meist nicht geschriebene Endungen -a, -i, -u, -an, -in, -un, -ta, -ti, -tu, -tan, -tin, -tun oder auch keine Endung auf. Das T in den Endungen kommt so zustande, dass man das heute stumme End-H zum T uminterpretiert, indem man ihm die Punkte von T beigibt. Das N in diesen Endungen wird auch nicht durch den Konsonanten-Buchstaben N gekennzeichnet, sondern durch die wenig gebräuchlichen Zusatzzeichen.
Der Wortschatz ist zwar extrem reich, aber oft nicht klar normiert und mit Bedeutungen aus der Vergangenheit überfrachtet. So gibt es zum Beispiel kein Wort, das dem europäischen Wort "Nation" relativ genau entspricht. Das dafür gebrauchte Wort (أمة, Umma) bedeutete ursprünglich und im religiösen Kontext bis heute "Gemeinschaft der Gläubigen (Muslime); oder z.B. "Nationalität" (جنسية, dschinsiyya) eigentlich "Geschlechtszugehörigkeit" im Sinne von "Sippenzugehörigkeit", "Geschlechtsleben" z.B. heißt (حياة الجنسية, Hayāt al-dschinsiyya) wobei Hayāt "Leben" heißt. Das Wort für "Nationalismus" (قومية, Qaumiyya) bezieht sich ursprünglich auf die Rivalität vom (Nomaden)-"Stämmen" und kommt von Qaum ursprünglich und bis heute oft noch "Stamm" im Sinne von "Nomandenstamm". So überlagern sich oft in einem Wort sehr alte und sehr moderne Konzepte, ohne dass das eine über das andere obsiegen würde. "Umma" z.B. gewinnt wieder mehr seine alte religiöse Bedeutung zurück. Es gibt zahlreiche alte Lehnwörter aus dem Aramäischen und Griechischen und viele neuere aus dem Englischen und Französischen, die aber oft wie Fremdkörper im Arabischen wirken. Andererseits hat jede Sprache eine Anzahl von Lehnwörtern aus anderen Sprachen. So sind ca. 10% der spanischen Wörter arabischen Ursprungs. Vgl.:Arabischer Einfluss in der spanischen Sprache
Die zehn häufigsten Wörter des Arabischen
Die drei häufigsten Wörter des Arabischen werden im arabischen mit dem nächsten Wort verbunden geschrieben (in der Umschrift mit Bindestrich abgetrennt); es sind "al" der/die/das, "wa" und sowie "bi" in/mittels ال و ب
# في fi (in)
# من min (von, aus)
# على ala (auf, über, an, bei)
# أن anna (dass)
# إن inna (gewiss, wahrlich auch Verstärkungspartikel)
# إلى ila (zu, nach, bis, bis zu)
# كان kana (sein [Verb])
# هذا، هذه hadha, hadhihi (das, diese[r, s])
# أن an (dass)
# الذي der (Relativpronomen)
Sprachprobe
Die erste Zeile zeigt die Originalschreibweise, die zweite ist eine buchstabengetreue Umschrift, die dritte Zeile gibt die Lautgestalt im modernen Hocharabischen an, wobei die eingeklammerten Kurzvokale wegfallen, weil man oft Pausalformen gebraucht, die letzte Zeile ist eine recht wörtliche Übersetzung. Das End-N in ahlan und sahlan ist eine erstarrte klassische Endung, bei der das N nie geschrieben wird. Siehe auch: Salam, Traditionelle afrikanische Begrüßungsformen
Erster Sprecher:
!صباح الخير
S-B-alif-H alif-L-CH-Y-R!
sabaah(u) l-chair(i)!
Morgen der Güte!
Guten Morgen!
Zweiter Sprecher:
?صباح النور, يا أخي! كيف حالك
S-B-alif-H alif-L-N-W-R, Y-alif alif-CH-Y! K-Y-F H-alif-L-K
sabaah(u) n-nuur(i), ya achi! kaif(a) haaluk(a)?
Morgen des Lichts, o mein Bruder! Wie ist dein Zustand?
Guten Morgen, mein Freund, wie geht es dir?
Erster Sprecher:
!بخير, الحمد لله
B-CH-Y-R alif-L-H-M-D L-L-H
bi-chair(in), al-hamdu lillah(i)!
Mit Güte, Lob sei Gott!
Gut, Gott sei Dank!
Zweiter Sprecher:
?الحمد لله! وأنت, كيف حالك
alif-L-H-M-D L-L-H! W-alif-N-T, K-Y-F H-alif-L-K?
al-hamdu lillah(i)! wa anta, kaif(a) haaluk(a)?
Lob sei Gott! Und du, wie ist dein Zustand?
Gott sei's gedankt! Und wie geht's dir?
Erster Sprecher:
!الحمد لله جيد
alif-L-H-M-D L-L-H, DSCH-Y-D!
al-hamdu lillah(i), dschayyid(un)!
Lob sei Gott, gut!
Gott sei Dank, gut!
Zweiter Sprecher:
!أهلا وسهلا بك
alif-H-L-alif W-S-H-L-alif B-K!
ahlan wa-sahlan bik(a)!
etwa: Sei willkommen!
Erster Sprecher:
.أهلا بكم
alif-H-L-alif B-K-M.
ahlan bikum.
etwa: Ich fühle mich (bei dir) willkommen.
Dieses Beispiel zeigt eine typische Begrüßung auf Hocharabisch, wie sie zwischen etwa gleichaltrigen jüngeren, nicht zu sehr vertrauten Männern stattfinden würde.
Der eine grüßt den anderen, dieser grüßt zurück, woraufhin der erste den anderen einlädt, einzutreten und der andere sich dafür bedankt.
Dieses Beispiel müsste jeweils mehr oder minder von der Lautgestalt her in den Dialekt übertragen werden. Was Grammatik und Wortschatz angeht, ist der Unterschied zu den Dialekten hier eher gering, da es sich in diesem Beispiel fast nur um alte feststehende Redewendungen handelt.
Verwandte Artikel
- Arabische Dialekte
- Arabische Schrift
- Arabisches Alphabet
- Arabische Literatur
- Arabischer Name
- Liste deutscher Wörter aus dem Arabischen
Literatur
- Borg, Tawfik: Modernes Hocharabisch. Konversationskurs. 5. Auflage. Hamburg 2004. ISBN 3921598230 - Konversationsbezogenes Lehrwerk, das z. T. jedoch ägyptisches statt hocharabischen Vokabulars verwendet.
- Harder, Ernst; Schimmel, Annemarie: Arabische Sprachlehre. Heidelberg 1997 ISBN 3872760017 - Knappe Einführung in die arabische Sprache und Grammatik.
- Krahl, Günther; Reuschel, Wolfgang; Schulz, Eckehard: Lehrbuch des modernen Arabisch. 5. Auflage. Berlin, München 2002. ISBN 3324006139 - Ein umfangreiches und akademisch geprägtes Standardwerk, Lehrbuch an vielen deutschsprachigen Universitäten.
- Mace, John: Arabic Grammar. A Revision Guide. Edinburgh 1998. ISBN 0748610790 - Übersichtliche, auf das Arabisch der Gegenwart bezogene Grammatik.
- Schregle, Götz: Deutsch-Arabisches Wörterbuch. Wiesbaden 1977. ISBN 344701623X - Gilt als das Standardwörterbuch Deutsch - Arabisch.
- Wehr, Hans: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Arabisch-Deutsch. 5. Auflage. Wiesbaden 1985. ISBN 3447019980 - Das Standardwörterbuch der arabischen Gegenwartssprache, nach Wurzeln geordnet.
Weblinks
- [http://www.lessan.org/ Deutsch-Arabisches Online-Wörterbuch]
- [http://www.nicoweb.com/sirpus/ Arabische Schrift und Spache auf MP3]. Arabische Schrift und Spache auf MP3. Neu.
- [http://www.arabmed.de/deutsch/magazin/022002/S50-51.pdf So viel Arabisch steckt im Deutsch]
- [http://www.nicole.ksc.ch/kurs/ksc_abschlussarbeit/arabisch_dt.shtml Arabisch in der deutschen Sprache]
- [http://www.ex-oriente-lux.de/arabischeserbe2.htm Deutsche Wörter arabischen Ursprungs]
- [http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/CL_Lehr/Spr_Welt/SW_Arab.html Informative Seite über Arabisch der Universität Erfurt]
- [http://www.arabia-institut.de/download/ Nützliche PDF-Dokumente zum Arabischlernen]
- [http://www.schriften-lernen.de/Schrift/Arab/Arab1.htm Einführung in die arabische Schrift]
- [http://lexicons.ajeeb.com/ Arabische Standard-Wörterbücher المعاجم العربية online auf einer Seite]
- [http://www.chj.de/ Arabische Schrift und Sprache]
- [http://www.muftah-alhuruf.com Muftah-Alhuruf.com]: Schreibt und schickt arabische E-Mails ohne eine arabische Tastatur oder Betriebssystem zu haben.
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:arabische Sprache
Kategorie:Orientalistik
Kategorie:Afrikanische Sprache
ja:アラビア語
ko:아랍어
ms:Bahasa Arab
simple:Arabic language
th:ภาษาอาหรับ
Latein
Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum.
Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.
Entwicklung
romanischen Sprachen
Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein.
Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen.
Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa.
In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.
Antike
Antike Schreibweise
Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen.
Vergleiche folgendes Beispiel:
Alte Schreibweise:
AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO
SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT
POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO
AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT
IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI
NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM
MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS
NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT
NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE
NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI
NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV
MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES
Heutige Schreibweise:
Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo,
sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat.
poena metusque aberant nec verba minantia fixo
aere legebantur, nec supplex turba timebat
iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti.
nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem,
montibus in liquidas pinus descenderat undas,
nullaque mortales praeter sua litora norant.
nondum praecipites cingebant oppida fossae,
non tuba directi, non aeris cornua flexi,
non galeae, non ensis erant: sine militis usu
mollia securae peragebant otia gentes.
Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter)
Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.
Antike Aussprache
Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.
Literatur
Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.
Gegenwart
Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte.
Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften.
Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare - „gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden.
Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher.
Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.
Modernes Latein
Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr.
Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat.
Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry.
Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein.
In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu „Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen.
Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.
Latein in den Wissenschaften
In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.
Latein in der katholischen Kirche
Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken).
Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen.
Siehe auch: Lateinische Kirche
Referenzlisten
- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter
Siehe auch
- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus
Weblinks
- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de]
Kategorie:Einzelsprache
-
als:Latein
ja:ラテン語
ko:라틴어
simple:Latin language
th:ภาษาละติน
zh-min-nan:Latin-gí
Geist
Mit dem Begriff Geist bezeichnet die deutsche Sprache eine im Ansatz von körperlichen Funktionen zu unterscheidende Fähigkeit oder Eigenschaft von Menschen oder Menschengruppen, im weiteren Sinne auch anderer Lebewesen oder unbelebter Gegenstände.
Der Begriff des Geistes
Geist als menschliche Fähigkeit
Im Zusammenhang mit dem Menschen wird als Geist seine kognitive Existenz bezeichnet, also die Tatsache, dass er Verstand und Denkkraft besitzt, aber auch Ideen und Vorstellungen hat.
Der Begriff Geist umfasst alle mentalen (lateinisch mens = Geist) Fähigkeiten des Menschen: Verstand, Intellekt, Intelligenz, Urteilskraft, Erfahrung sowie die Fähigkeit Zusammenhänge aufzudecken. Geist hat vor allem aber auch kommunikative Aspekte, denn Geist will sich mitteilen, sucht Kontakte und entwickelt sich im kommunikativen Austausch mit anderen.
Die Tätigkeit des kognitiven Geistes wird durch das Gehirn vermittelt und in vieler Hinsicht ermöglicht. Der kognitive Geist steht im "Gegensatz" zum Körper, also zur materiellen, sozialen und körperlichen Existenz des Menschen. Aber auch kognitiver Geist und Seele können ein Gegensatzpaar bilden. Dann wird der kognitive Geist (lateinisch: mens) dem rationalen Verstand, der Vernunft, Intelligenz, der Kognition oder dem Bewusstsein seiner Selbst zugeordnet. Die Seele (lateinisch: anima) ist demgegenüber das belebende, gefühlsmäßige Prinzip. Die Seele bzw. der Geist überdauert nach Ansicht der meisten Religionen sowie vieler Philosophen den biologischen Tod, da sie nicht zusammengesetzt ist.
Geist als menschliche Eigenschaft
Der Begriff Geist kann eine menschliche Eigenschaft bezeichnen,wenn von jemandem gesagt wird, er habe Geist. Gemeint ist damit, dass ein Mensch seinen Verstand einsetzt oder intelligent ist. Geistreich ist ein Mensch, der mit seinem Denk- und Sprachvermögen brilliert.
Geist als Bewusstsein
Buddhismus
Insbesondere im Buddhismus wird Geist als Bewusstsein definiert, welches in seiner Essenz ewig besteht, dem unendlichen Raum gleicht und die menschliche Existenz überschreitet und überdauert. Das Individuum identifiziert den eigenen Geist, nach dieser Auffassung, lediglich fälschlich mit dem eigenen Körper und unterliegt der Fehleinschätzung, Geist sei Bewusstsein eines von anderen getrennten Individuums. Ein erleuchtetes Wesen (Buddha) lässt diese Eingrenzungen hinter sich, erkennt den Geist, das eigene Bewusstsein als nicht an Körper und Ich-Vorstellung gebunden und erfasst die Raumähnlichkeit des Geistes.
Man findet in buddhistischen Schriften (insbesondere bei Longchenpa) auch die Bezeichnung Grundlegender Raum der Phänomene zur Charakterisierung des Geistes. Nach diesem Ansatz erscheinen die Phänomene (Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Welt) als energetisches Spiel im Kontinuum des Geistes, ohne aber selbst Geist zu sein. Sie sind lediglich leere Erscheinungen ohne ein ihnen innewohnendes Sein (Sanskrit: Shunyata).
Alle fühlenden Wesen sind nach dieser Sichtweise mit Geist ausgestattet und letztlich miteinander verbunden. Im Buddhismus haben aber auch Wesen einen Geist, die sich ihrer Selbst nicht bewusst sind, noch kein rationales Denken entwickelt haben und verstandesmäßiger Prozesse nicht fähig sind (Tiere).
Geist als Grundidee
"Geist" kann auch die Quintessenz einer Idee, auch eines philosophischen Modells, eines Tuns oder einer Gruppe von Menschen bedeuten, die im gleichen Sinne denken oder handeln. Es kann sich hierbei um einen symbolischen Inbegriff gemeinsamer innerer Haltungen oder Überzeugungen von Menschen handeln, wie etwa im "Geist von Langemarck" oder (ironisch) im "Geist von Malente". In ähnlicher Bedeutung wird der Begriff "Geist" dann verwendet, wenn vom "Geist des Humanismus" oder vom "Geist des Christentums" gesprochen wird, vgl. Montesquieus Schrift Vom Geist der Gesetze.
vgl. auch die Redewendung: "Wes Geistes Kind...".
Auch für Epochen wird der Begriff übertragen benutzt, etwa in Max Webers Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus und Ferdinand Tönnies' Geist der Neuzeit.
Nur auf die Wortbedeutung als Grundidee zielt auch die Negation "Ungeist", von dem etwa verbrecherische Zeiten oder Menschen "beherrscht" werden.
Geist als Seele
Gelegentlich wird der Begriff des Geistes mit dem der Seele gleichgesetzt. In der abendländischen Philosophie ist die geistige Seele (auch Geistseele oder Geist-Seele genannt) gleichzeitig das Belebungsprinzip (vgl. anima und forma) und der substanzielle Grund für die Fähigkeit des Willens und der Vernunft. Während der Trialismus eine Dreiheit von Leib, Seele und Geist annimmt, argumentiert die klassische Philosophie für die substanzielle Einheit von Seele und Geist beim Menschen.
Im christlichen Glauben wird davon gesprochen, dass während der Schwangerschaft durch Gott Leben in den Embyro eingepflanzt wird.
Der Geist wird nicht nur von großen Teilen der abendländischen Philosophie, sondern auch von einigen Religionen als der oder ein unsterbliche Teil eines Menschen aufgefasst.
In Anlehnung an die Vorstellung der Unsterblichkeit des Geistes ist Geist auch ein anderes Wort für Gespenst, siehe dort.
Einordnung des Begriffs Geist in die naturwissenschaftlichen Grundkategorien
Wenn man die drei Basisbegriffe der heutigen Naturwissenschaften Stoff (= Materie), Strahlung (= Energie) und Struktur (= Information) betrachtet, kann man fragen, wo der Begriff Geist naturwissenschaftlich eingeordnet werden kann.
Die erste und wichtigste Unterteilung der Struktur ist die Unterscheidung zwischen Zufallsstruktur und nichtzufälliger Struktur ( beispielsweise eine Kristallstruktur) oder auch zwischen Zufallsinformation und nicht zufälliger Information. Reine Zufallsinformation hat kaum Informationsgehalt, ist geistlos. Geist gehört zur nichtzufälligen Information.
Dazu kommt dann der Basisbegriff des Lebewesens. In den Naturwissenschaften gesteht man Geist nur Lebewesen mit einem Nervensystem zu. Noch enger wird die Definition, wenn man Geist nur auf den Menschen bezieht. Man muss die Definition aber wieder ausweiten, weil auch die Produkte des menschlichen Geistes beispielsweise Bücher nach allgemeiner Vorstellung geistige Produkte sind.
Basisbegriffe der Natur- und Strukturwissenschaften
Materie ------------ Energie
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Information
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Zufalls- geordnete Information
Information \
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geordnete Strukturen in Lebewesen
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Informationsverarbeitung in Lebewesen
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Geist ist die Informationsverarbeitung im menschlichen Gehirn
(nervale Algorithmen und Inhalte )
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Geist steckt auch in den Produkten z. B. in Büchern
Die Erforschung des Geistes
Geist im Gehirn
Der Geist ist in der Hirnforschung der Teil, der sich durch Beschreibung von Nervenzellen und chemischen Vorgängen im Hirn nicht fassen lässt. Egal, ob man von Bewusstsein spricht oder von Geist, gemeint ist der Teil, der den Menschen zu einer Persönlichkeit macht. Die Neurologie des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts geht davon aus, dass das komplexe geistige Gebilde eines Individuums im Lauf der Entwicklung, die im Fötus im Mutterleib beginnt, über eine Reihe von Prägungen (Verstärkung und Verkümmerung bestimmter Nervenstränge und -gruppen im Gehirn) entsteht. Der menschliche Verstand besitzt ein Bewusstsein seiner selbst. Er kann über sich selbst nachdenken. Ohne Zweifel besitzen Tiere ein ebenfalls oft hochentwickeltes Gehirn, zuweilen sogar "Persönlichkeit". Es ist jedoch noch nicht erforscht, ob Tiere etwa Selbstbewusstsein haben (beispielsweise über den Tod, also das Ende ihrer Existenz nachdenken können). Man muss auch davon ausgehen, dass im Hirn von Tieren Denkvorgänge nicht an Sprache und deren Semantik und Grammatik gebunden sind. Wie auch immer der Geist von Tieren geartet sein mag, er gestattet es dem Menschen bislang nicht seinen Anspruch, sich mit einem Tier darüber zu verständigen zu befriedigen.
Geist ist, informationstheoretisch definiert, im menschlichen Gehirn auch das, was viele Informationen im Sinne einer groben Richtung zusammenfasst. Er ist die Art, wie ein Hirn Informationen verarbeitet, und das Ergebnis dieser Informationsverarbeitung. Er gibt der Vielfalt zufälliger Informationen, die auf das Gehirn einstürmen, Richtung und Sinn. Er ordnet. Wobei im Gehirn eine ordnende Instanz noch nicht nachgewiesen werden kann. Derzeit liegt es nahe zu vermuten, dass es sich beim Gehirn mit seinen neuronalen Netzen um ein nichtlineares System dicht am Chaos handelt, das sich immer wieder neu selbst organisiert und allmählich in eine Richtung entwickelt, die sich dabei selbst verstärkt. Diesen Prozess könnte man als Geist bezeichnen.
Künstliche neuronale Netze versuchen die vielfach vernetzten Lernprozesse des lebendigen Gehirns mit zunehmendem Erfolg nachzuahmen. Abgesehen davon, dass der Computer mit einem Bewusstsein seiner selbst immer wieder Gegenstand von Romanen und Filmen ist, stellt sich die Frage, ob in künstlichen neuronalen Netzen tatsächlich irgendwann ein Bewusstsein der Befindlichkeit des eigenen (künstlichen) Organs entsteht, ob ein künstliches neuronales Netz also wird mitteilen können, dass es sich zufrieden oder unzufrieden fühlt.
Ein Problem des Ansatzes, der versucht, den Geist über das Gehirn zu erklären ist, dass sogenannte Qualias bestehen. Oder kurz gesagt: der Geist unterscheidet zwischen Positivem und Negativem. Ginge der Geist nur aus einem Neuronennetzwerk hervor, so bestünde keine plausible Erklärung, wieso etwas als gut empfunden wird. Selbiges gilt auch für die Willensbildung, da der Wille und eine elektrochemisch ausgelöste Handlung grundlegend verschiedene Phänomene sind.
So wäre es also denkbar, dass Geist und Gehirn unabhängig voneinander sind und dass die Informationen im Gehirn lediglich von dem außen stehenden Geist genutzt werden, so wie er laut Ecclesscher Hypothese auch das Gehirn zur Steuerung seines Körpers verwendet. Während der Willensbildung ist eine erhöhte Aktivität in der äußeren Hirnrinde, in den Dendronen-Arealen, festellbar. Womöglich greift der Geist über diese auf das neuronale Netzwerk zu.
Für einen außerhalb des Gehirns bestehenden Geist spricht auch, dass im Gehirn kein Entscheidungszentrum nachgewiesen wurde. Von Reflexen abgesehen, erfolgt vor einer Handlung jedoch eine Überlegung, in der aus allen Informationen eine Grundlage für die Entscheidung geschaffen wird, welche zudem mit den Qualias übereinstimmen muss.
So wäre es also denkbar, dass der Geist das Entscheidungszentrum darstellt, das erfahrungsgemäß vorhanden ist.
Geist in Bild und Zahlen
Künstliche neuronale Netze
Im antiken Griechenland wurde dem "Geist" der Dodekaeder als einer der fünf platonischen Körper zugeordnet.
Mittlerweile kann man durch neuroradiologische Untersuchungsmethoden wie Kernspintomografie und Positronenemissionstomografie in grober Vereinfachung dem menschlichen oder tierischen Geist im Gehirn beim Denken zuschauen. Es ist also eine Bildgebung der die einzelnen geistigen Funktionen begleitenden Stoffwechselvorgänge - nicht der Denktätigkeit oder der Gedankeninhalte - möglich.
Die Funktion einzelner Nervenfasern am lebenden Menschen ist dabei schwer zu erfassen. Es gelingt, einzelne Gehirngebiete als aktiv oder inaktiv zu beschreiben; einzelne Gedanken kann man technisch bisher nicht aufschlüsseln und es ist fraglich, ob dies prinzipiell überhaupt möglich ist.
Einzelne Leistungen des Geistes lassen sich quantifizieren mittels psychologischer Tests.
Persönlichkeiten über den "Geist"
Buddha: Es ist der Geist selbst, der das Aufgebot der Myriaden von Wesen hervorruft, als auch die Welt, in der sie sich befinden. (Madhyamakavatara VI.89 aus Dalai Lama: Dzogchen - Die Herz-Essenz der Großen Vollkommenheit, Theseus Verlag 2001)
Aristoteles: Die Seele ist die Form (nicht im heutigen umgangssprachlichen Sinne) des Leibes. Anima forma corporis. Der Geist ist die einfache, immaterielle Substanz, die zum Denken und freien Wollen disponiert ist. Idee von den Nervenzellen: der Nervenursprung liege im Herzen, das Gehirn dient nur der Kühlung. In der Antike vermutete man auch in den Seitenventrikeln den Platz für unsere geistigen Zustände.
Galileo Galilei: Ich befand mich eines Tages im Hause eines in Venedig sehr angesehenen Arztes, wohin öfters Leute kamen, teils aus Neugier, um eine Leichensektion von der Hand eines ebenso wahrhaft gelehrten, wie sorgfältigen und geschickten Anatomen ausführen zu sehen. Diesen Tag nun geschah es, dass man den Ausgangspunkt der Nerven aufsuchte, welches eine berühmte Streitfrage zwischen den Ärzten aus der Schule des Galen und den Peripatetikern ist. Als nun der Anatom zeigte, wie der Hauptstamm der Nerven, vom Gehirn ausgehend, den Nacken entlang zieht, sich durch das Rückgrat erstreckt und durch den ganzen Körper verzweigt, und wie nur ein ganz feiner Faden von Zwirnsdicke zum Herzen gelangt, wendete er sich an einen Edelmann, der Ihm als Peripatetiker bekannt war und um dessentwillen er mit außerordentlicher Sorgfalt alles bloßgelegt und hatte, mit der Frage, ob er nun zufrieden sei und sich überzeugt habe, dass die Nerven im Gehirn ihren Ursprung nehmen und nicht im Herzen. Worauf unser Philosoph, nachdem er ein Weilchen in Gedanken dagestanden, erwiderte: Ihr habt mir das alles so klar, so augenfällig gezeigt - stünde nicht der Text des Aristoteles entgegen, der deutlich besagt, der Nervenursprung liege im Herzen, man sähe sich zu dem Zugeständnis gezwungen, dass Ihr Recht habt."
Für Descartes: waren die wichtigsten Eigenschaften des menschlichen Geistes die Erkenntnisfähigkeit und der Wille. Zur Lokalisierung meinte er die Schnittstelle zwischen Leib und Seele wäre in der Zirbeldrüse zu finden, dem einzigen unpaarigen Organ des Gehirns. Gegenthese: Entgegen der Vermutung Descartes', dass es irgendwo im Gehirn ein singuläres Zentrum geben müsse, in dem alle Informationen zusammenkommen und einer einheitlichen Interpretation zugeführt werden, - einen Ort an der Spitze der Verarbeitungspyramide, wo das innere Auge die Welt und sich selbst betrachtet, entgegen dieser plausiblen Annahme erbrachte die Hirnforschung den Beweis, dass ein solches Zentrum nicht existiert. Korbinian Brodmans Vermutung hat sich bestätigt. Er folgerte schon zu Beginn dieses Jahrhunderts aus seiner Entdeckung funktionell und anatomisch abgrenzbarer Hirnrindenareale, ich zitiere: "Wir müssen daher die Annahme, dass eine Verstandesleistung oder ein Gemütsvorgang ... in einem einzelnen umschriebenen Rindenteile zustande komme, mag man diesen nun "Assoziationszentren" oder "Denkorgan" oder ähnlich nennen, als eine ganz unmögliche psychologische Vorstellung ablehnen." Uns stellt sich heute das Gehirn als extrem distributiv organisiertes System dar, in dem zahllose Teilaspekte der einlaufenden Signale parzelliert und parallel abgearbeitet werden.
Geistwesen, Geister
Als Geist kann auch ein mit einer Eigenexistenz versehenes, nicht notwendig unkörperliches Wesen bezeichnet werden. Die Existenz solcher Geistwesen ist naturwissenschaftlich jedoch nicht nachweisbar. Die Vorstellungen von Geistwesen sind breit gefächert.
Der Heilige Geist
Die christliche Religion kennt den Heiligen Geist als dritte Person der Dreifaltigkeit neben Gottvater und Sohn. Nach der biblischen Überlieferung (Matthäus-Evangelium) wird die Jungfrau Maria schwanger "vom Heiligen Geist". Nach Jesu Himmelfahrt wird der Heilige Geist zu Pfingsten über die Apostel ausgegossen, die daraufhin mit verschiedenen Geistesgaben ausgestattet sind. Hiervon abgeleitet werden Pfarrer und andere kirchliche Amtsträger als Geistliche bezeichnet. Auch von Gottvater wird neutestamentlich ausgesagt, dass er Geist sei.
Geister in der Bibel
Sowohl das Alte als auch das Neue Testament weisen darüber hinaus zahlreiche Textstellen auf, in denen ausdrücklich von Geistern die Rede ist. Von Jesus wird ausdrücklich berichtet, dass er aus vielen Menschen unreine Geister austrieb. Die Geister sind in diesem Zusammenhang nicht metaphorisch, sondern konkret zu verstehen. Charakteristisch ist Lukas Lk 11,24-26.
Naturgeister, Totengeister
In vielen Kulturen spielen Naturgeister eine Rolle. Gemeint sind Wesen, die Pflanzen, Tiere oder tote Gegenstände, aber auch Landschaften bewohnen, aber oft keine Götter im engeren Sinne sind. Siehe Naturgeist.
In vielen Religionen hält man es für möglich, dass Menschen von Geistern besessen sein können. Dann verlieren sie die Kontrolle über ihr Tun. Ihr Verstand erscheint fremdgelenkt. Viele Geisteskrankheiten wurden bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein so erklärt. Siehe Besessenheit.
Ferner kennen zahlreiche Kulturen Totengeister als Relikt Verstorbener. Siehe Gespenst.
Zitate
- [...] orandum est ut sit mens sana in corpore sano (lat., Juvenal Satire 10: man muss beten, dass ein gesunder Geist im gesunden Körper wohnt.)
- Ausdehnung ist das wesentliche Merkmal alles körperlich Materialen, dem seelischen und Geistigen fehlt dieses Merkmal. Ein Gefühl und ein Gedanke haben keine räumliche Ausdehnung.
- Wenn der Geist in Frieden ist, leidet der Leib keine Qualen.
- Geist und Leben sind untrennbar miteinander verbunden.
- List, Klugheit, Mut, Trotz - alles Geist.
- Damasio: "Ich bin also der Ansicht, daß ein Organismus dann Geist besitzt, wenn er neuronale Repräsentationen bildet, die zu Vorstellungsbildern werden, sich in einem Prozeß, den wir Denken nennen, manipulieren lassen und schließlich das Verhalten beeinflussen [...]."
- Ist es das Blut, mit dem wir denken, oder die Luft, oder das Feuer? Oder ist es keines von diesen, sondern vielmehr das Gehirn, das die Tätigkeit des Hörens, Sehens und Riechens verleiht ? Und daraus entsteht dann Gedächtnis und Meinung, und aus Gedächtnis und Meinung .. das Wissen ... Solange das Gehirn unversehrt ist, solange hat auch der Mensch seinen Verstand .. Daher behaupte ich, daß das Gehirn es ist, das den Verstand sprechen läßt. Alkmaion lebte um 500 v. Chr.. Er war ein griechischer Arzt und Philosoph aus Kroton. Alkmaion war einer der ersten, der im Gehirn das zentrales Organ der | | |