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14. Jahrhundert
Das 14. Jahrhundert begann am 1. Januar 1301 und endete am 31. Dezember 1400.
Es ist die Epoche des Spätmittelalters in Europa.
Ereignisse und Entwicklungen
- Die Krise des 14. Jahrhunderts
- Übergang von der mittelalterlichen Wärmephase zur kleinen Eiszeit
- Entstehung des Osmanischen Reichs
- Ein Drittel der europäischen Bevölkerung stirbt an der seit sechshundert Jahren ersten Epidemie der Pest, siehe Schwarzer Tod. (Erste und gravierendste Welle: 1347–1351, dann mehr oder weniger regelmäßig alle neun bis zwölf Jahre mit Unterbrüchen bis sie 1722 ganz aus Europa verschwindet.)
- Ende der mongolischen Yuan Dynastie in China und Anfang der Ming Dynastie (1368)
- Das Abendländische Schisma der Römisch-Katholischen Kirche beginnt 1378 und führt zu zeitweilig drei gleichzeitigen Päpsten.
- Die seit dem 13. Jahrhundert entstehenden Bauhütten erleben ihre Blütezeit.
Persönlichkeiten
- Bonifatius VIII., Papst
- Albrecht I., Deutscher König
- Longchen Rabjam, buddhistischer Gelehrter
Erfindungen und Entdeckungen
- Richtiges Mischverhältnis des Schwarzpulvers durch den Mönch Berthold Schwarz wird angeblich im Jahre 1313 entdeckt.
- Im Laufe des 14. Jahrhunderts begann man die Kräfte des Wassers und die des Windes aktiv zu nutzen.
- Ein anderes Zeitgefühl hielt Einzug in die Dörfer, es kam mit der Erfindung und Einführung der Turmuhren.
- Die Bauern erhielten ein neues Mittel, ihre Felder zu bestellen, nämlich die Sense.
- Mit der Erfindung des Spinnrades erhielten die Familien eine neue Verdienstmöglichkeit.
- In der Geldwirtschaft wurde die Buchführung wesentlich verfeinert. Kreditbriefe und Wechsel erhielten nicht zuletzt im hundertjährigen Krieg ihre Bedeutung.
- Die Arabischen Zahlen beginnen die Römischen Zahlen abzulösen.
Literatur
- Barbara Tuchman: Der ferne Spiegel. Das dramatische 14. Jahrhundert. ISBN 3-423-10060-5
Links
- [http://www.ig-mim.de Interessengemeinschaft Mensch im Mittelalter e.V] Darstellung des alltäglichen Lebens im 14ten Jahrhundert. Mode, Haushalt, Alltagsleben
01-14
!
ja:14世紀
ko:14세기
th:คริสต์ศตวรรษที่ 14
1301
Politik und Weltgeschehen
- Dante Alighieri wird in Italien in seiner Abwesenheit zum Tode verurteilt.
- König Albrecht lernt, sich gegen die Kurfürsten durchzusetzen. Er unternimmt Feldzüge in den Norden.
- Spremberg, Stadt im Landkreis Spree-Neiße, wird erstmals erwähnt.
- 23. Juli - Otto der Fröhliche , Herzog von Österreich und der jüngste Sohn von Albrecht I. († 1339)
- 3. September - Alberto I. della Scala, Zweiter Regent der Stadt Verona aus dem Haus der Scaliger
ko:1301년
SpätmittelalterAls Spätmittelalter wird in der Mediävistik der Zeitraum von Mitte des 13. Jahrhunderts (Ende des Hochmittelalters) bis zum Ende des 15. beziehungsweise dem Beginn des 16. Jahrhunderts (Reformation) bezeichnet (also grob die Zeit von 1250-1500).
Während des Spätmittelalters herrschte zeitweise eine krisenhafte, teilweise gar apokalyptische Stimmung, die die Menschen beherrschte. Ursachen waren Missernten, Hungersnöte, Pestepidemien (Schwarzer Tod) und die Krise des Papsttums (siehe unten). Aufgrund dieser Krisenerscheinungen ergaben sich auch regionale Judenverfolgungen (besonders im Zusammenhang mit der Pestwelle) und Aufstände in Städten und unter den Bauern.
Das noch in der älteren Forschung vertretene Bild des Spätmittelalters als eine reine Verfallszeit, ist inzwischen jedoch aufgegeben worden. Es war vielmehr sowohl eine Herbst- als auch eine Frühlingszeit der Geschichte. Denn gleichzeitig war das Spätmittelalter eine Übergangszeit zur Moderne, die keineswegs nur negative Züge trug: Es entwickelte sich bereits in diesem Zeitraum die Vorläufer der modernen Staatlichkeit, mit Verwaltung und Ämterwesen. Der Nationalstaat rückt an die Stelle der alten Staatengebilde (außer in Deutschland, wo weiterhin konföderale Gebilde aus Kaisertum und den deutschen Kleinstaaten vorherrschend war).
Es entstanden vermehrt Universitäten, nun auch in Deutschland. In Italien begann die die kulturelle Blütezeit der Renaissance, während dem Bürgertum der endgültige Durchbruch gelang. Allerdings war es auch die Zeit des hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich, während im Heiligen Römischen Reich es zu einer Reihe von Umbrüchen kam (Goldene Bulle) und das Kaisertum seine Rolle als universale Institution rechtfertigen musste (wie in der Zeit Heinrichs VII. oder Ludwigs des Bayern). 1453 fiel derweil Konstantinopel, was den Untergang des byzantinischen Reiches und den endgültigen Einbruch der Türken nach Europa bedeutete.
In Norddeutschland entstand die Hanse, zunächst als Kaufmannsgilden, dann als Städtebund. Sie beherrscht bald den Handel zwischen Norwegen und Schweden im Norden und den deutschen Landen mit Flandern im Süden, zwischen England und Frankreich im Westen und den russischen Fürstentümern und dem Baltikum im Osten.
Die in Abschnitten, aber keineswegs insgesamt, herrschende gefühlgedrückte Stimmung führte vielfach zum Wunsch der direkten Erfahrung von Gott, wie generell in bestimmten Phasen des Mittelalters und der Neuzeit. Das Bibelstudium vermittelte den Menschen das Bild der einfachen Lebensweise von Jesus Christus und
den Aposteln, ein Vorbild, dem die existierende Kirche nicht gerecht wurde, gerade weil das Papsttum seit 1309 in Avignon (Avignonesisches Papsttum) residierte und sich immer mehr von den Menschen entfernte. Hinzu kam das abendländischen Schismas von 1378, welches erst durch den Konziliarismus beendet wurde (Konzil von Konstanz). So entstanden auch vermehrt Bettelorden und apostolische Gemeinden, die sich dem einfachen Leben widmen wollten. Viele davon wurden als Ketzerei verfolgt, so beispielsweise die Waldenser, Katharer oder die Brüder vom freien Geist.
Literatur
- Ulf Dirlmeier und andere: Europa im Spätmittelalter 1215-1378 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 8), München 2003. Die zur Zeit beste wissenschaftliche Einführung mit umfangreicher Bibliographie und Begriffserklärungen.
- Johan Huizinga: Herbst des Mittelalters, Stuttgart 1975.
- Malte Prietzel: Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter, (Geschichte kompakt), Darmstadt 2004. Grundsolide, wenn auch knappe Darstellung der Ereignisgeschichte, aber auch der politischen Strukturen.-.-
Weblinks
- [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/personen/frauenknecht/repetitorium01/start.htm Repetitorium Spätmittelalter (Uni Tübingen)]
Siehe auch
- Deutschland im Spätmittelalter
Kategorie:Zeitalter
Kategorie:Mittelalter
Krise des 14. JahrhundertsDie Krise des 14. Jahrhunderts ist ein Zusammentreffen vieler Faktoren, die in Europa, aber auch in anderen Teilen vor allem der Alten Welt zu einem Bevölkerungsrückgang geführt haben und reicht bis ins frühe 15. Jahrhundert hinein.
Die "Schwarzer Tod" genannte Pest und die kleine Eiszeit sind allgemein anerkannte Gründe für diese Krise. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Entwicklungen, wie etwa neue Sozialstrukturen, die aber unter Historikern nicht unumstritten sind. Die Krise des 14. Jahrhunderts wird von vielen Historikern auch als Folge oder Auslöser des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit gesehen.
Kategorie:Wirtschaftskrise
Kategorie:Mittelalter
Osmanisches ReichOsmanisches Reich (auch Ottomanisches Reich, amtliche türkische Bezeichnung 1907 Memalik-i Osmanije), ist die Bezeichnung für das Reich der Dynastie der Osmanen vom 14. Jahrhundert bis 1923. In Europa wurde das Land auch damals als "Türkei" bzw. "Türkisches Reich" bezeichnet. Es war für mehrere Jahrhunderte die entscheidende Macht in Kleinasien und auf dem Balkan, zeitweise auch in Nordafrika und auf der Krim. Im Laufe des 18. und vor allem 19. Jahrhunderts wurde es in der Auseinandersetzung mit den europäischen Mächten auf Kleinasien zurückgedrängt und fand in der Türkei seinen Nachfolgestaat.
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Nachfolgestaat
[http://ccat.sas.upenn.edu/~rs143/ottoma.jpg gute Karte, die die territoriale Entwicklung des O.R vom frühen 14. Jhd bis ins frühe 16. Jhd dokumentiert (englisch) ]
Frühgeschichte
Die Überlieferungen über die Anfangszeit der Osmanen (Osmanlı, Osmanisches Reich = Devlet-i Âliye, Osmanlı Devleti) sind nur spärlich, wohl weil es sich um ein kleines unter vielen Fürstentümern handelte, die es nach der Zerschlagung des Seldschuken-Reiches (Selçuklu Devleti) in Kleinasien gab. Der Namensgeber Osman I. war zu Anfang des 14. Jahrhunderts der Herrscher über einen nomadischen Stamm - den Klan der Kynyk vom Stamm der Kayi bei Söğüt im nordwestlichen Anatolien, der turkmenischer Herkunft und islamischen Glaubens war. Osman starb 1326 und hinterließ seinem Sohn Orhan ein Fürstentum, das fast halb so groß wie die heutige Schweiz war. Er eroberte die byzantinische Stadt Bursa, die bis zur Eroberung Konstantinopels (heute İstanbul) die Grablege der Oberhäupter der Osmanen blieb.
Das Byzantinische Reich wurde massiv bedrängt und befand sich zu dieser Zeit im Niedergang, sodass die Eroberung der europäischen Seite des Marmarameers (Marmara Denizi) nicht schwer fiel, angefangen mit Gallipoli (Gelibolu) 1354. Auch in Kleinasien gab es im gleichen Jahr mit Ankara (griech. Angora) Zugewinne. Bei Orhans Tod 1360 war das Reich mehr als dreimal so groß wie beim Tode seines Vaters. Im folgenden Jahr gelang die Einnahme Adrianopels (Edirne), der zweitgrößten byzantinischen Stadt, es folgte der Übergriff auf Mazedonien (1371). 1389 gelang Murad I. in der Schlacht auf dem Amselfeld ein Sieg über die verbündeten christlichen Fürsten aus Serbien und Bosnien.
Wenn auch gleichzeitig in Kleinasien sowohl durch Krieg als auch durch Heirat Zugewinne stattfanden, war inzwischen der europäische Teil des Reiches der wichtigere geworden. So wurde ab 1385 die militärische Führung einem "Beylerbey von Rumelien" (Rumelien bezeichnete den europäischen Teil) und einem "Beylerbey von Anatolien" überantwortet, wobei ersterer den Oberbefehl hatte. Viele der charakteristischen Merkmale des Osmanischen Reiches hatten sich zu dieser Zeit schon herausgebildet. Aus den eroberten Gebieten wurden den Kriegern Pfründen – Timar genannt – gegeben; im Gegenzug mussten sie als Sipahis in der Kavallerie des Heeres dienen. Dieses System ähnelte zunächst dem europäischen Lehnswesen des Mittelalters, allerdings gab es auch große Unterschiede, so entwickelte sich beispielsweise keine Leibeigenschaft. Als stehendes Heer wurde die wichtige Infanterie von den Janitscharen (türk. Yeniçeri) gestellt, die vor allem aus der sogenannten Knabenlese auf dem Balkan und dem Kaukasus gewonnen, zum Islam bekehrt wurden und eine Ausbildung erhielten, die sie zu fähigen Instrumenten der Machtpolitik des Reiches machte.
Sultan Murad I., der auf dem Amselfeld durch einen Attentäter getötet worden war, folgte Bayezid I. (manchmal auch Beyazıt oder Bayazıt geschrieben) nach, der sich bald daran machte, Konstantinopel (Byzanz) zu erobern, was allerdings zu dieser Zeit noch nicht gelang; Byzanz wurde aber zu Tributzahlungen verpflichtet. 1396 mussten sich die Osmanen einem Kreuzfahrerheer unter Kaiser Sigismund stellen, das in der Schlacht von Nikopolis vernichtend geschlagen wurde.
Eine erste Existenzkrise musste das Osmanische Reich durchstehen, nachdem sein Heer in der Schlacht bei Ankara gegen Timur Lenk 1402 vernichtend geschlagen wurde und Bayezid in Gefangenschaft geriet. Der Tatare hatte innerhalb kurzer Zeit ein riesiges Reich von Nordindien über Georgien und Persien bis Anatolien erobert, das aber nach seinem Tod 1405 schnell zerfiel. Die Verwaltung der Gebiete des Osmanischen Reichs hatte er an die Söhne Bayezids, Süleyman (Rumelien), Mehmed (Zentralanatolien mit Amasya) und İsa (anatolischer Teil um Bursa) gegeben. Diese kämpften im Folgenden sowohl um die an Timur verloren gegangenen Gebiete als auch gegeneinander um die Vorherrschaft. In den Kämpfen zwischen den Brüdern wurde Süleyman von einem weiteren Bruder, Musa, 1410 geschlagen, dem wiederum Mehmed 1413 mit Unterstützung von Byzanz eine Niederlage beibrachte (siehe auch Osmanisches Interregnum). Mehmed stellte sich als Sultan des wiedervereinigten Reichs in den folgenden Jahren der Herausforderung, das Land zu konsolidieren und gleichzeitig die alte Größe wiederherzustellen.
Auch die Thronbesteigung Murads II. lief nicht reibungslos ab. Kurz vor Mehmeds Tod machte ein Mustafa als angeblicher Sohn Bayezids Ansprüche geltend. Wahrscheinlich war er ein echter Sohn, er wurde aber von Mehmed als "falscher Mustafa" diffamiert. Sowohl er als auch ein Bruder Murads (der auch als "kleiner Mustafa" (Küçük Mustafa) bezeichnet wird), der von Byzanz als Thronprätendent aufgebaut worden war, wurden hingerichtet. Bei dieser Gelegenheit musste wiederum ein Versuch der Belagerung Konstantinopels abgebrochen werden.
In Südosteuropa war Ungarn zum Hauptgegner geworden. 1440 konnte es die Einnahme der wichtigen Festung in Belgrad abwenden. Vor allem Johann Hunyadi gelangen immer wieder militärische Erfolge, obwohl seine und die Versuche des Papstes, ein Kreuzfahrerheer zur Vertreibung der Osmanen aus Europa zusammenzurufen, in West- und Mitteleuropa kaum Gehör fanden. Drei Jahre später konnte Hunyadi sogar nach Bulgarien vordringen. Auch die Albaner unter Skanderbeg führten einen Unabhängigkeitskampf gegen die Osmanen. Aufgrund der Situation schloss Murad 1444 in Szegedin einen zehnjährigen Friedensvertrag, der jedoch sogleich von Ungarn gebrochen wurde, um einen vom Papst initiierten Feldzug durchzuführen. Murad hatte gerade erst die Macht an seinen Sohn Mehmed abgegeben und sich zurückgezogen, trat nun aber wieder an die Spitze des Heers, das die Kreuzfahrer unter dem polnisch-ungarischen König Wladyslaw I. (Ungarn) in der Schlacht bei Warna vernichtend schlug. Abermals musste er 1446 die Macht für den unerfahrenen Nachfolger übernehmen, um einen Janitscharenaufstand niederzuschlagen, und fügte 1448 den Ungarn unter Hunyadi im Kosovo (nach 1389 die zweite Schlacht auf dem Amselfeld) eine schwere Niederlage zu.
Mehmed bestieg 1451 endgültig den Thron und bereitete sofort die Einnahme von Konstantinopel, dem "goldenen Apfel" (später trug Wien diese Bezeichnung), vor. Dieses Ereignis ist oft als Zäsur in der Geschichte verstanden worden, als Ende des Byzantinischen Reichs und Ende des Mittelalters. Tatsächlich hatte Byzanz jedoch zu dieser Zeit kaum noch Macht und beschränkte sich auf kaum mehr Gebiet als das der (wenn auch wichtigen) Stadt Konstantinopel. Byzanz war Mehmed aber auch ein Dorn im Auge, weil es mit Orhan einen osmanischen Thronprätendenten aufstellte. Im Fall des "falschen" Mustafa hatte ein ähnliches Verhalten zum Bürgerkrieg geführt. Konstantinopel fiel nach 54-tägiger Belagerung am 29. Mai 1453. Nach den für diese Zeit üblichen Plünderungen wurde die Stadt die neue Hauptstadt des osmanischen Reichs, und man versuchte, die alte Bevölkerung – wie Griechen und Juden – zum Bleiben zu bewegen und neue dort anzusiedeln. Die Hagia Sophia wurde zur Moschee Ayasofia. Als letztes Überbleibsel byzantinischer Staatlichkeit wurde 1460 das Kaiserreich Trapezunt unterworfen.
Auf dem Balkan taten die Osmanen sich schwerer. 1456 konnte Hunyadi die Eroberung Belgrads abwenden und sicherte die Unabhängigkeit Ungarns für die nächsten siebzig Jahre. Allerdings eroberte Mehmed bis 1459 die Peloponnes und den Rest Serbiens. 1470 kam Albanien, 1475 die Krim dazu.
1481 bestieg den Thron Bayezid II., unter dem sich der Expansionsdrang des Reichs abschwächte. Eine Rolle spielte dabei sein Bruder Cem, der vom Papst als Geisel gegen ihn eingesetzt wurde. Bayezid selbst wurde 1512 von seinem Sohn Selim abgesetzt und wohl vergiftet. Selim setzte vor allem im Osten die Eroberungsfeldzüge fort. 1514 gelang ein Sieg gegen die Safawiden in Persien, 1516 gegen Syrien. Schließlich wurde 1516/17 das Mameluken-Reich in Ägypten zerschlagen. Damit wurde das Osmanische Reich Hüter der heiligen Stätten des Islam und der in jeder Hinsicht wichtigste islamische Staat.
Süleyman der Prächtige
Die Ära von Süleyman I. (1520-1566) kann man als den Höhepunkt der Macht des Osmanischen Reichs betrachten. In der osmanischen und türkischen Geschichtsschreibung erhielt er wegen seines Gesetzbuches über die Landes- und Finanzverwaltung den Beinamen "Kanuni" (der Gesetzgebende), in Europa wird er "der Prächtige" genannt. Unter seiner Regentschaft fallen auch die architektonischen Meisterleistung von Mimar Sinan. Er gilt auch als einer der größten Kunstförderer unter den Osmansichen Herrschern. Durch viele Feldzüge erweiterte er das Reich Richtung Westen und Osten und Südosten.
1521 eroberte er innerhalb von nur 3 Wochen Belgrad. Die Festung galt damals als die stärkste auf dem Balkan. 1522 landete er mit seinen Truppen auf Rhodos und nahm die Festung im Dezember 1522 ein. Er lies die Verteidiger einfach aushungern, welche entkräftet aufgeben mussten. Vier Jahre später wurde in der Schlacht von Mohács, in der Ludwig II. getötet wurde, das Schicksal Ungarns besiegelt. Zwar zog das osmanische Heer noch vor Jahresende vorläufig ab, aber um die Thronnachfolge gab es einen Streit zwischen dem Habsburger Ferdinand I. und dem Ungarn Johann Zápolya, der die Osmanen um Hilfe ersuchte. Letztlich fiel das westliche Ungarn an Österreich, während Zápolya im Frieden von Großwardein als König Restungarns unter osmanischer Oberhoheit anerkannt wurde. Nach seinem Tod 1540 besetzte die Pforte das mittlere Drittel des einstigen Ungarns und ließ Zapolyas Sohn das Fürstentum Siebenbürgen.
Unterdessen nutzte Süleyman I. 1529 die Lage, um erstmals Wien zu belagern, was aber nicht von Erfolg gekrönt war. Nach nur 19 Tagen war Süleyman I., aufgrund eines zu frühen Wintereinbruchs, gezwungen die Belagerung abzubrechen. Dennoch wurde Österreich als Folge dieses Konflikts langfristig tributpflichtig. Durch drei Feldzüge gegen die Safawiden gelang es dem Osmanischen Reich den Osten Kleinasiens endgültig zu erobern. Auch an anderen Fronten gab es Expansionen: 1534 Mesopotamien mit Bagdad, 1534 Aserbaidschan, 1540 Teile Dalmatiens, 1547 große Teile des Jemen.
1566 brachen die Osmanischen Truppen erneut Richtung Wien auf um die österreichische Hauptstadt zu erobern. Süleyman I. starb kurz vor dem erreichen des Ziels. Auf dem Sterbebett befahl er seinen Generälen den geordneten Rückzug, um eine geregelte Thronnachfolge zu gewährleisten.
Die Zeit Süleymans leitete auch engere Beziehungen zu den europäischen Mächten ein. 1526 wurde die erste so genannte "Kapitulation" mit Frankreich unterzeichnet, die freien Handel vereinbarte und Frankreich die Gerichtsbarkeit über seine Untertanen auf dem Boden des Osmanischen Reichs übertrug.
Niedergang
1683 unternahm die Pforte nochmals einen Versuch, Wien zu erobern (siehe Zweite Türkenbelagerung). Was aber schon in der Blütezeit des Osmanischen Reiches 150 Jahre vorher nicht gelang, wurde nun im Feldzug Kara Mustafas gegen Jan III. Sobieski von Polen zum Desaster und zum Wendepunkt der Auseinandersetzung mit den europäischen Staaten. Nachdem in dieser Niederlage die militärischen Schwächen der Osmanen offenbar geworden waren, begann im folgenden Jahr eine vom Papst initiierte Heilige Allianz aus Habsburg, Venedig und Polen einen Angriff auf das Osmanische Reich an mehreren Fronten. In mehreren schweren Niederlagen bei Slankamen (1691), Mohács (1687) und Senta (1697) mussten im Frieden von Karlowitz der Verlust von Ungarn, Dalmatien, Podolien und der Peloponnes festgeschrieben werden. Als neuer Gegner an der Nordgrenze kam Russland ins Spiel. Ein wichtiges Ziel von Zar Peter I. war ein Zugang zum Schwarzen Meer, den er 1695 mit Asow bekam. 1699 musste das osmanische Reich Podolien an Polen-Litauen zurückgeben.
Die äußeren Schwierigkeiten zogen Probleme im Inneren nach sich. 1687 war Mehmed IV. wegen der militärischen Niederlagen abgesetzt worden. 1703 kam es zum blutigen "Vorfall von Edirne", in dem Aufständische den Scheichülislam Feyzullah Efendi ermordeten und Sultan Mustafa I. absetzten.
Obwohl das Osmanische Reich zunehmend in die Defensive geriet, war es noch immer militärisch sehr potent. 1711 schlug es das russische Heer vernichtend am Pruth und besetzte den Hafen Asow. Im Nachhinein ist unklar, warum dieser Sieg nicht weitergehend ausgenutzt wurde. Nachdem der moldauische Woiwode Dimitrie Cantemir zu Russland übergelaufen war, besetzten die Osmanen die Hospodaren-Ämter in Moldau und der Walachei bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts mit Griechen aus dem Phanar-Viertel in Konstantinopel, die schon lange Zeit als Übersetzer in der Politik eine wichtige Rolle gespielt hatten. In den Donaufürstentümern wird diese Epoche als Phanarioten-Herrschaft bezeichnet. Auch gegen Venedig war man erfolgreich und erlangte 1715 den Peloponnes zurück.
1736 begann Russland in einem Bündnis mit Österreich einen Krieg gegen das Osmanische Reich. Nach Anfangserfolgen ging 1739 auch dieser Krieg zugunsten der Osmanen aus, und durch den Frieden von Belgrad erhielten diese Nordserbien und die kleine Walachei zurück. Hierbei hatte auch eine Rolle gespielt, dass die Osmanen ihre Artillerie mit französischen Beratern wie Ahmed Pascha, dem Comte de Bonneval modernisiert hatten. Im ganzen war in den teuren und verlustreichen Kriegen der vergangenen drei Jahrzehnten keine wesentliche Änderung des Territoriums zu verzeichnen. Nach dem osmanisch-russischen Krieg folgte eine Friedensperiode von nie da gewesener Dauer.
Russisch-osmanische Kriege
In dem Krieg 1768 bis 1774 gegen Russland musste das Osmanische Reich endgültig erkennen, dass es seine Großmachtstellung verloren hatte. 1770 verlegte Russland seine Flotte aus der Ostsee ins Mittelmeer und vernichtete die vor Anker liegende osmanische Flotte. Im Frieden von Küçük Kaynarca mussten die Osmanen das Krim-Khanat in die Unabhängigkeit entlassen (es wurde aber schon nach wenigen Jahren eine russische Provinz); Teile des Nordkaukasus gingen an Russland, die Bukowina an Österreich.
Keine der beiden Seiten hatte die Absicht, es lange dabei zu belassen. Zarin Katharina II. entwarf ihr so genanntes "Griechisches Projekt", in dem das Byzantinische Reich als russischer Vasall wiederauferstehen sollte und die übrigen Teile des Osmanischen Reichs zwischen Österreich, Venedig und Russland aufgeteilt werden sollten, woran diese Alliierten jedoch wenig Interesse zeigten. 1783 annektierte Russland die Krim und begann mit deren wirtschaftlichem Aufbau. Vier Jahre später fand die berühmte Inspektionsreise mit Grigori Potjomkin (Potjomkinsche Dörfer) statt, eine offenbare Machtdemonstration. Die Osmanen, die ohnehin darauf aus waren, ihre Verluste aus dem vorigen Krieg rückgängig zu machen, erklärten im gleichen Jahr nach verschiedenen Streitigkeiten Russland den Krieg. Nach Anfangserfolgen der Schwarzmeerflotte mussten sie jedoch 1791 im Frieden von Jassy abermals Gebietsverluste hinnehmen, darunter Gebiete zwischen Dnjepr und Bug.
Reformen
Selim III. zog aus den Niederlagen seine Lehre und führte umfassende Reformen in der Verwaltung und im Militär durch. Parallel zu den Janitscharen versuchte er mit Hilfe europäischer Berater eine neue Truppe, die nizam-ı cedid, aufzubauen. Seine geplante allmähliche Überführung der Janitscharen in das neue Korps führte jedoch zu Aufständen, die 1807 in seiner Absetzung gipfelten. Es folgten dramatische Ereignisse. Sein Cousin Bayraktar Mustafa marschierte mit seinen Truppen in Konstantinopel ein und plante, Selim wieder als Sultan einzusetzen. Er kam jedoch zu spät, da Selim bereits erdrosselt worden war. Es blieb ihm also nur, den von den Janitscharen eingesetzten Mustafa IV. durch Mahmud II. zu ersetzen, der einer Ermordung nur knapp entkommen war. Mahmud setzte Bayraktar Mustafa als Großwesir ein und folgte einem Reformkurs, wobei er vermied, mit den Janitscharen direkt in Konflikt zu kommen. Schon im nächsten Jahr kam es wieder zu Aufständen. Um zu verhindern, dass er wieder zugunsten Mustafas gestürzt würde, ließ Mahmud seinen Bruder ermorden. Der in Bedrängnis geratene Großwesir sprengte sich in einem Pulvermagazin in die Luft.
Nationalismus
In Ägypten riss der Statthalter Muhammad Ali Pascha allmählich die Macht an sich und ließ die einflussreichen Mameluken-Emire systematisch liquidieren. Mit Hilfe von Reformen war Ägypten bald in vielerlei Hinsicht der Zentrale in Konstantinopel überlegen. Muhammad Ali begründete die Chediven-Dynastie, die erst Mitte des 20. Jahrhunderts ein Ende fand.
Ein das ganze 19. Jahrhundert durchziehendes Problem der Osmanen war der Nationalismus der von ihnen besetzten Staaten. Zunächst erhoben sich 1804 die Serben; bis 1830 erhielten sie eine weitgehende Autonomie. Auch die Phanariotenherrschaft in den Donaufürstentümern fand 1826 ihr Ende.
In den 1820er Jahren gewann die von einigen Europäern unterstützte Unabhängigkeitsbewegung in Griechenland an Dynamik. Ein besonderes osmanisches Problem in diesem Falle stellten die einflussreichen Griechen in der Verwaltung dar, die teilweise mit der Unabhängigkeitsbewegung sympathisierten. Im Krieg von 1826 war Mahmud gezwungen, die Truppen des gehassten Muhammad Ali Pascha von Ägypten zu Hilfe zu rufen. Trotzdem wurde das Osmanische Reich 1830 gezwungen, Griechenland in die Unabhängigkeit zu entlassen.
An diesem Beispiel zeigte sich, wie das Osmanische Reich immer mehr zum Spielball der europäischen Mächte wurde. Die so genannte "Orientalische Frage" wurde ein Dauerthema der Diplomatie. Russlands Interesse bestand in einem freien Zugang zum Mittelmeer über das Schwarze Meer und die Dardanellen. Auf dem Balkan brachte es sich als Schutzmacht der dortigen orthodoxen Christen ins Spiel. Österreich sowie England und Frankreich sahen die Gefahr der russischen Expansion und tendierten daher eher dazu, ein schwaches Osmanisches Reich aufrechtzuerhalten.
Das führte dazu, dass die Bündnisse sich je nach Situation neu zusammenfanden. Im Krimkrieg (1853-1856), der durch die russische Besetzung der Fürstentümer Walachei und Moldau ausgelöst wurde, kämpften England und Frankreich auf Seiten der Osmanen. Im Frieden von Paris ging ein Teil des 1812 von Russland gewonnenen südlichen Bessarabiens im Bereich der Donaumündung (etwa ein Viertel der Gesamtfläche) mit den Kreisen Cahul, Bolgrod und Ismail wieder zurück ans Fürstentum Moldau das ein autonomer Staat unter Oberhoheit der Pforte war und das Schwarze Meer wurde entmilitarisiert.
Tanzimat
Eine erneute Reformperiode (1838-1876) begann, die eng mit dem Namen der Großwesire Mustafa Reşid Pascha und später Ali Pascha und Fuad Pascha verknüpft ist. Die Maßnahmen wurden unter dem Namen "Tanzimat-ı Hayrire" (Heilsame Neuordnung) bekannt und fallen mit der Regierungszeit von Abdülmecid und Abdülaziz zusammen. Sie stellten die Nichtmuslime im Reich auf die gleiche Stufe wie die Muslime und führten ein neues Justizsystem ein, organisierten das Steuersystem neu und legten eine allgemeine Dienstpflicht in der Armee fest. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurden auch die Steuerpachten abgeschafft.
Die wichtigsten Reformedikte waren in diesem Zusammenhang das "hatt-i sherif (imperialer Erlass) von Gülhane" (1839), das "hatt-i hümayun" (1856), sowie die Verfassung von 1876, in denen schrittweise und mit Einschränkungen (1839 lauten diese "im Rahmen der Scheriatgesetze") die Gleichheit und Gleichbehandlung aller Untertanen unabhängig von ihrer Religion eingeführt wurde.
Mit den von den Mächten eingeforderten Reformen gingen – auch bedingt durch die industrielle Rückständigkeit – zunehmend wirtschaftliche Probleme einher. In den "Kapitulationen" genannten Handelsverträgen wurde der Markt im Osmanischen Reich für die Europäer geöffnet, und die Einfuhrzölle lagen unter den Ausfuhrzöllen. Durch die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des osmanischen Handwerks wurde das Osmanische Reich zum Exporteur von Rohstoffen und Importeur von europäischen Waren.
Unterdessen fanden die Unruhen auf dem Balkan kein Ende. Nach einem Krieg gegen Serbien 1876 wurde in Konstantinopel eine internationale Konferenz einberufen, um die Zukunft des Balkan zu diskutieren. Um seine Reformbereitschaft zu demonstrieren, kündigte der durch einen Staatsstreich an die Macht gekommene Abdülhamid II. eine Verfassung an, die ein parlamentarisches System einführen würde. Eine wichtige Rolle bei deren Entwurf spielte der Großwesir Midhat Pascha.
Als Ergebnis der Konferenz fassten die Mächte Autonomie sowohl für zwei Provinzen auf bulgarischem Gebiet als auch für Bosnien und Herzegowina ins Auge. Als die Pforte dies ablehnte, erklärte Russland den Krieg, besetzte Edirne und rückte auf Konstantinopel vor. Da die anderen europäischen Mächte wiederum ihre Interessen bedroht sahen und ein europaweiter Krieg drohte, wurde 1878 der Berliner Kongress organisiert, dessen Hauptinitiator Bismarck war. Hier erhielten Serbien und Montenegro ihre Unabhängigkeit, und die schon vorher in Personalunion regierte Walachei mit der Moldau schlossen sich zu dem selbständigen Staat Rumänien zusammen.
Abdülhamid II.
Innenpolitisch machte Abdülhamid seine Regierungsreformen wieder rückgängig. Midhat Pascha wurde abgesetzt und das Parlament aufgelöst. Abdülhamids Regierungszeit wurde durch Despotie und Spitzelei geprägt, und als Sultan hatte er de facto die alleinige Macht. Finanziell geriet die Pforte nun vollends in die Abhängigkeit der europäischen Großmächte. Nachdem der Staatsbankrott erklärt worden war, übernahm die Dette publique einen Gutteil der Finanzverwaltung. Das europäische Kapital konnte ungehindert in den Staat eindringen. Seine Interessen konzentrierten sich auf die Rohstoffquellen im Irak, aber auch Großprojekte wie den Bau der Bagdadbahn. Dabei kam das Deutsche Reich zum Zuge, das spätestens seit dem Berliner Kongress zum guten Partner für das Osmanische Reich geworden war.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts erstarkten wieder die inneren Oppositionskräfte, insbesondere die Bewegung der Jungtürken, die ihren Ausgangspunkt vor allem in Saloniki hatte. 1908 musste angesichts der Bedrohung durch aufständische Truppen die Verfassung wieder in Kraft gesetzt werden.
Jungtürken
Die Verwirrung machte sich Bulgarien zunutze, um zusammen mit Ostrumelien einen unabhängigen Staat zu gründen. Bosnien und Herzegowina wurden von Österreich-Ungarn annektiert (das faktisch bereits 1878 angegliedert worden war und nur noch nominell türkisch war). Die enormen Gebietsverluste legten die reaktionären Kräfte der Jungtürkischen Führung zur Last und versuchten 1909 einen Staatsstreich. Dessen Misslingen führte dazu, dass Abdülhamid durch seinen Bruder Mehmed V. (Mehmed Reşat) ersetzt wurde. Der Sultan hatte von da an im wesentlichen nur noch Repräsentationsfunktionen, während die Regierung vom Großwesir eingesetzt wurde. Dieser wiederum wurde unter wesentlichem Einfluss der Jungtürken ernannt. Durch eine veränderte Verfassung wurde ein parlamentarisches System etabliert.
Die Jungtürken verfolgten einen Reformkurs, der allerdings durch die angespannte außenpolitische Lage gehemmt war. Ein folgenschweres Element ihrer Politik war der türkische Nationalismus. So wurde etwa in den arabischen Provinzen die türkische Sprache als Amtssprache eingesetzt. In den nachfolgenden Kriegen verlor die Regierung so den Rückhalt der Bevölkerung in den nichttürkischen Gebieten.
Das Jahrzehnt der Jungtürken-Regierung war durch eine Reihe von schweren Kriegen geprägt. Zunächst ging 1911 Tripolis an Italien verloren, siehe :tr:Trablusgarp Savaşı (Türkisch). Im Ersten Balkankrieg schlossen Albanien, Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro 1912 den Balkanbund gegen das Osmanische Reich, das dadurch fast alle europäischen Besitzung einschließlich der Stadt Edirne verlor. Schon im nächsten Jahr griff Bulgarien seine ehemaligen Verbündeten an, die von den Osmanen unterstützt wurden. Nach der Niederlage Bulgariens wurde der Grenzverlauf so festgelegt, wie er noch heute zwischen Bulgarien und der Türkei verläuft.
Im 1914 beginnenden Ersten Weltkrieg versuchte man zunächst, sich in einer "bewaffneten Neutralität" aus den Kampfhandlungen herauszuhalten. Es war vielen klar, dass man sich an eine Großmacht anlehnen müsste, um militärisch überhaupt standhalten zu können. Traditionell hatte man oft mit dem Deutschen Reich kooperiert, aber auch mit den Entente-Mächten gab es enge Beziehungen und einen regen Handel. Auf Betreiben Enver Paschas kam es schließlich zu einem Kriegsbündnis mit Deutschland und Österreich-Ungarn, das allerdings im Kabinett umstritten war.
Am 24. April 1915 veranlasste die osmanische Regierung zur Unterdrückung eines armenischen bewaffneten Aufstandes die Verhaftung, Deportation und Ermordung armenischer Zivilisten in Konstantinopel und leitete damit die Ermordung von mindestens 600.000 Armeniern ein (andere Quellen gehen von bis zu 1,5 Millionen ermordeten Armeniern aus). Damit wurden zwei Drittel des auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches seit Jahrtausenden lebenden christlichen Volkes umgebracht. Siehe den Artikel Völkermord an den Armeniern.
Die Folgen des Krieges waren katastrophal. In Arabien hatte man den britischen Kräften nichts entgegenzusetzen. Schon 1916 schüttelte der Emir von Mekka, Husain Ibn Ali die osmanische Oberhoheit ab und rief sich zum König von Arabien aus. Er wurde schließlich als König des Hedschas anerkannt, während der übrige Teil des Reichs gemäß dem Sykes-Picot-Abkommen in Interessensphären aufgeteilt wurde. Ein Teil Palästinas wurde 1917 in der Balfour-Deklaration als "nationale Heimstatt" für die Juden versprochen. Wegen der Oktoberrevolution in Russland schied dieses zwar mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk aus dem Krieg aus, aber die Siegermächte besetzten im November 1918 einen Großteil des einstmaligen Osmanischen Reiches. Das Jungtürkische "Triumvirat" aus Kemal Pascha, Talat Pascha und Enver Pascha wurde entlassen und flüchtete. Nachdem im gleichen Jahr Mehmed V. gestorben war, rückte sein Bruder Mehmed VI. (Mehmed Vahideddin) nach, der aber den Siegermächten politisch völlig ausgeliefert war, und der nach Abschaffung des Sultanats im November 1922 Istanbul verließ.
Entstehung der modernen Türkei
Es entstand eine Widerstandsbewegung gegen das Besatzungsregime. Die herausragende Rolle spielte dabei der General Mustafa Kemal Pascha (später wurde Mustafa Kemal vom türkischen Parlament der Beinahme Atatürk ("Vater der Türken") verliehen). Schon bald bildete die kemalistische Bewegung in den nicht besetzten Gebieten eine Art Gegenregierung. Bei den im Dezember 1919 durchgeführten Wahlen errang die Befreiungsbewegung eine Zweidrittelmehrheit und zog nach Angora (heute Ankara) als Sitz um. Im April 1920 konstituierte sich hier die "Große Türkische Nationalversammlung". Die neue Regierung pflegte gute Beziehungen zum mittlerweile bolschewistischen Rußland und wurde von Frankreich, das das Mandat für das südliche Zentralanatolien hatte, faktisch anerkannt.
Der 1920 von der Pforte unterzeichnete Vertrag von Sèvres, der dem türkischen Staat die Souveränität aberkannte, wurde von Ankara nicht anerkannt. Es kam zum nationalen Befreiungskrieg. Bei der Gelegenheit wurden zunächst die griechischen Truppen vertrieben, dann auch der ganz überwiegende Teil der seit Jahrtausenden ansässigen griechischen Zivilbevölkerung in der sogenannten Kleinasiatischen Katastrophe v.a. in Smyrna (von da an dann türkisch İzmir) ermordet oder vertrieben.
Die Erfolge der Kemalisten sorgten für einen herben Prestigeverlust für die Regierung Sultan Mehmed VI. In den Verhandlungen um den Vertrag von Lausanne 1923 war diesmal eine Delegation der Kemalisten aus Ankara vertreten, was einer internationalen Anerkennung gleichkam. Am 23. Oktober 1923 wurde Ankara zur Hauptstadt erklärt und am 29. Oktober offiziell die Republik ausgerufen; Mustafa Kemal Pascha wurde Staatspräsident, Ismet Pascha, dem später aufgrund der Siege bei Inönü der Nachname "Inönü" verliehen werde sollte, Ministerpräsident der neu gegründeten Republik. Der letzte Sultan Mehmed VI. und alle Angehörigen der Dynastie Osman mussten das Land für immer verlassen.
Siehe auch
- Liste der Sultane des Osmanischen Reichs
- Geschichte der Türkei
- Türkenkriege
- Byzantinisches Reich
Literatur
- Bodo Guthmüller, Wilhelm Kühlmann (Hrsg.): Europa und die Türken in der Renaissance. Niemeyer, Tübingen 2000, ISBN 3-484-36554-4
- Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus, BoD 2004, ISBN 3-8334-0977-0
Weblinks
- [http://www.geocities.com/Paris/5276/osmanisches_reich.htm Geschichte des Osmanischen Reichs]
- [http://www.tuerkenbeute.de/kun/kun_leb/FrauenOsmanReich_de.php Frauen im Osmanischen Reich]
- [http://www.arte-tv.com/de/geschichte-gesellschaft/mit-offenen-karten/392,CmC=698878,CmPage=70.251900.259998.392,CmPart=com.arte-tv.www,CmStyle=98674,view=introduction.html DAS OSMANISCHE REICH 1/2 (auf "Karten" klicken)]
- [http://www.arte-tv.com/de/geschichte-gesellschaft/mit-offenen-karten/392,CmC=704620,CmPage=70.251900.259998.392,CmPart=com.arte-tv.www,CmStyle=98674,view=introduction.html DAS OSMANISCHE REICH 2/2 (auf "Karten" klicken)]
- [http://www.osmanischesreich.com Osmanisches Reich]
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Schwarzer Tod
Als Schwarzer Tod wird die große europäische Pestpandemie von 1347 bis 1353 bezeichnet. Sie forderte schätzungsweise 25 Millionen Todesopfer, was einem Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung entspricht.
Der Auslöser
Seit der Entdeckung des Erregers Yersinia pestis Ende des 19. Jahrhunderts herrscht die Meinung vor, dass diese Bakterien für die Epidemien des Schwarzen Todes verantwortlich gewesen sind, hauptsächlich in Form der durch Bisse des Rattenflohs übertragenen Beulen- oder Bubonenpest. Daneben wurde eine Vielzahl anderer Erreger als Ursache der Pandemie des 14. Jahrhunderts ins Spiel gebracht. Das Spektrum reicht von Ebola-ähnlichen Krankheiten, Pocken, einer durch Kühe übertragenen Milzbrand-Infektion bis zu Gonorrhoe. Was die Ansteckungswege und die Symptomatik betrifft, kommen als Alternative zur Pest neben den Pocken auch Fleckfieber, Cholera und Typhus in Frage.
Gegen Yersinia pestis als Auslöser des Schwarzen Todes wird z. B. die schnelle Ausbreitung der Krankheit bei ihrem Auftreten in Europa zwischen 1347 und 1352 ins Feld geführt. Überlieferungen berichten, dass Reisende die Krankheit von Dorf zu Dorf und Stadt zu Stadt brachten, was eher für eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch als für eine Übertragung durch Flohbiss spricht. [http://146.186.95.23/wood.html Wood] führt als weiteres Argument gegen Yersinia pestis an, dass in Europa, im Gegensatz zu Pestepidemien in Asien und dem nahen Osten, auch die Berichte über das typische, der Infektion der Menschen vorangehende Massensterben von Ratten fehlen.
Allerdings ist die Pest auch von Mensch zu Mensch übertragbar, so daß dies kein wirkliches Ausschlußkriterium darstellt.
In der Debatte um den Auslöser des Schwarzen Todes spielt eine ausschließlich in der europäischen Bevölkerung häufige Mutation des Gens CCR5 mit dem Namen CCR5Δ32 eine wichtige Rolle. Die Verbreitung dieser Mutation wird vielfach auf einen durch den Schwarzen Tod verursachten Selektionsdruck vor ca. 700 Jahren zurückgeführt ([http://www.journals.uchicago.edu/AJHG/journal/issues/v62n6/970785/970785.html Stephens et al., 1998],[http://jmg.bmjjournals.com/cgi/content/full/42/3/205 Duncan et al., 2005]). Da die Veränderung auf dem CCR5-Gen heutzutage eine gewisse Immunität gegen das HI-Virus verleiht, erscheint eine virale Ursache für die Verbreitung dieser Mutation wahrscheinlicher als die Infektion mit dem Bakterium Yersinia pestis. Zusammengenommen spräche dies dann auch für ein Virus (z. B. ein hämorrhagisches Fieber) als Erreger der Pandemie im 14. Jahrhundert. Andere Veröffentlichungen werfen allerdings Zweifel am Zusammenhang zwischen der Verbreitung von CCR5Δ32 und dem Schwarzen Tod auf und sehen den langanhaltenden Selektionsdruck durch die Pocken als wahrscheinlichere Ursache für die Häufigkeit der Mutation des CCR5-Gens in Europa ([http://www.pnas.org/cgi/content/full/100/25/15276 Galvani und Slatkin, 2003], [http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=PubMed&list_uids=15830584&dopt=Citation Kremeyer et al., 2005]).
Der Begriff „Schwarzer Tod“
hämorrhagisches Fieber
Mit der Bezeichnung „Schwarzer Tod“ wird heutzutage die große Pestpandemie bezeichnet, an der im 14. Jahrhundert große Teile der europäischen Bevölkerung starben. Im Mittelalter wurde diese Bezeichnung nicht verwendet – man sprach vom „großen Sterben“ oder der „großen Pestilenz“. Dänische und schwedische Chronisten des 16. Jahrhunderts verwendeten die Bezeichnung „schwarz“ erstmals als Bezeichnung für den Ausbruch der Pest 1347, um das Furchtbare und Schreckliche dieser Seuche zu betonen (schwarz wurde also nicht im Sinne einer Farbe verwendet).
Der deutsche Arzt J. F. K. Hecker griff 1832 diese Bezeichnung wieder auf. Unter dem Eindruck der gerade grassierenden Choleraepidemie fand sein Artikel Der schwarze Tod über die Pestepidemie 1347–1353 große Beachtung; er wurde 1833 ins Englische übersetzt und in den Folgejahren mehrfach neu gedruckt. Die Begriffe „Black Death“ bzw. „Schwarzer Tod“ bürgerten sich damit vor allem im englisch- und deutschsprachigen Raum als Bezeichnung für die Pestepidemie des 14. Jahrhunderts ein. Dennoch handelt es sich dabei um eine Begriffsverwechslung. "Pestis atra" bedeutet "schrecklicher Tod" und nicht "schwarzer Tod".
Europa vor dem Ausbruch der Pest
Wie Norman F. Cantor in seinem Buch In the Wake of the Plague vermerkte, verdankte das mittelalterliche Europa das Entstehen politischer Einheiten, funktionierender Rechts- und Bildungssysteme sowie das Wachstum der Städte und die Ausweitung des Handels auch der Tatsache, dass das Gebiet von Island bis Warschau und von Oslo bis Palermo in der Zeit von 800 bis 1300 eine klimatisch begünstigte Zeit erlebte, in der gleichzeitig große Epidemien fehlten.
In der Zeit von 900 bis 1300 vervierfachte sich die europäische Bevölkerung; mehr Land wurde urbar gemacht und für die landwirtschaftliche Produktion genutzt. Die am weitesten entwickelten Gebiete Europas lagen im südlichen England, im nördlichen Frankreich in den Tälern der Seine und der Loire, umfassten das Gebiet um Paris sowie das deutsche Rheintal, die nördlichen Hansestädte, sowie Flandern und die Niederlande und das nördliche Italien von der Poebene bis nach Rom. Dieses Kerngebiet war deutlich stärker bevölkert als das übrige Europa, und in diesen Gebieten befanden sich auch die größten Städte. Die europäische Gesellschaft vor 1300 besaß gut ausgestattete Universitäten, errichtete beeindruckende gotische Kathedralen und erlebte eine künstlerische und literarische Blütezeit. Zwischen 1214 und 1296 behinderte kein größerer Krieg die Weiterentwicklung der Gesellschaft, und die Grenzen Europas waren weder von den Arabern im Süden noch von den griechisch-orthodoxen Slawen im Osten bedroht.
Während Theologie und Philosophie an den Universitäten große Rollen spielten, wurde den Naturwissenschaften wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Die wenigen chemischen Kenntnisse, die man besaß, fanden nur in der Alchemie Verwendung; was man über Astronomie wusste, wurde für Astrologie und Wahrsagerei genutzt. Insbesondere das medizinische Wissen war sehr wenig entwickelt. Man verstand weder die Ursache von Krankheiten, noch hatte man irgendeine Vorstellung geeigneter Gegenmaßnahmen. Wie Norman Cantor feststellte, hatte die mittelalterliche Gesellschaft überwiegend nichtmedizinische Antworten zu den verheerenden Auswirkungen einer Pandemie – Gebet und Sühne, Quarantäne der Kranken, Flucht der Gesunden und die Suche nach Sündenböcken.
Krisenhafte Entwicklungen setzten schon vor dem Ausbruch der Pest ein. Ab 1290 kam es in weiten Teilen Europas zu lang anhaltenden Hungersnöten, hauptsächlich hervorgerufen durch die Abkühlung des Klimas, die als so genannte Kleine Eiszeit vier Jahrhunderte anhielt. Untersuchungen über die Entwicklung des Weizenpreises im englischen Norfolk lassen darauf schließen, dass es zwischen 1290 und 1348 neunzehn Jahre gab, in denen der Weizen knapp war. Für das französische Languedoc ergeben ähnliche Untersuchungen zwanzig Jahre mit Knappheiten an Nahrungsmitteln im Zeitraum von 1302 bis 1348. 1314 bis 1317 waren in ganz Nordeuropa Hungerjahre. In den Jahren 1346 und 1347 herrschte Hunger in Süd- und Nordeuropa.
Bereits 1339 und 1340 traten in italienischen Städten Seuchen auf, was zu einem deutlichen Anstieg der Sterblichkeit führte (die Quellen lassen überwiegend auf Darminfektionen schließen). Vor diesem Hintergrund brach im Jahre 1347 in den Häfen des Mittelmeers die Pest aus.
Ausbruch der Pandemie in Asien und Ausbreitung in Europa
Knapp sechshundert Jahre nach der letzten europäischen Pestepidemie brach im Jahre 1331 die Seuche offenbar im Kaiserreich China aus und gelangte von dort allmählich nach Europa.
1338 oder 1339 erreichte sie die christliche Gemeinschaft der Assyrischen Kirche am Issyk-Kul im heutigen Kirgistan. 1345 erkrankten die ersten Menschen in Sarai an der unteren Wolga und auf der Krim, im Jahre 1346 wurden die ersten Einwohner von Astrachan Opfer dieser Krankheit. Im selben Jahr erreichte sie die Grenzen des damaligen Europas:
Die Goldene Horde belagerte die von den Genuesern gehaltene Hafenstadt Kaffa (das heutige Feodosija) auf der Halbinsel Krim; mit ihrem Gefolge kam auch die Pest vor die Stadtmauern. Berichtet wird, dass die Belagerer die an der Pest gestorbenen Menschen auf ihre Katapulte banden und sie in die Stadt schleuderten. Die Einwohner von Kaffa sollen diese Leichname sofort ins Meer geworfen haben. Aus heutiger Sicht ist es möglich, dass die Krankheit so auf die Einwohner von Kaffa kam; zu einer Übertragung des Krankheitserregers wäre es aber auch durch Ratten gekommen.
Mit dem Vordringen der Pest nach Kaffa geriet die Krankheit in das weitverzweigte Handelsnetz der Genueser, das sich über die gesamte Mittelmeerküste erstreckte. Von Schiffen verbreitet, gelangte die Krankheit 1347 nach Konstantinopel, Kairo und Messina auf Sizilien. Von dort aus breitete sie sich in den folgenden vier Jahren zuerst über den See-, dann auch über den Landweg über ganz Europa aus:
- Mit Schiffen, deren Besatzung infiziert war, gelangte der Krankheitserreger von Genua nach Marseille, von wo aus die Pest der Rhône in Richtung Norden folgte. Nach kurzer Zeit erreichte sie das Languedoc und Montpellier, im August 1348 auch Carcassonne und Bordeaux, Aix und Avignon, wo sie sich sieben Monate hielt. Avignon war zu dieser Zeit Papstresidenz und eine der wichtigsten Städte Europas. Schon im März 1348 hatte sie Toulouse erreicht und im Mai Paris.
- Von Venedig aus gelangte die Pest über den Brenner nach Österreich. Zuerst kam der schwarze Tod nach Kärnten, anschließend in die Steiermark und erreichte dann erst Wien. Wien war die einzige Stadt, in der jeder Sterbende das letzte Sakrament erhielt.
- In Deutschland, Norwegen, Schweden und Irland trat die Pest erstmals im Jahre 1349 auf.
Um die Ansteckungsgefahr zu vermindern, wurden nach 1347 einlaufende Schiffe, auf denen man die Pest vermutete, für 40 Tage isoliert (Quarantäne, aus franz. "une quarantaine de jours" = Anzahl von 40 Tagen). Die Erfindung dieser Maßnahme wird Venedig zugeschrieben. Die verhängte Quarantäne mag zwar die Schiffsbesatzung vom Landgang abgehalten haben; sie verhinderte nicht, dass infizierte Ratten an den Schiffstauen entlang an Land gelangten und so zur Weiterverbreitung der Krankheit beitrugen.
Die demografischen und politischen Auswirkungen des Schwarzen Todes
:So konnte, wer - zumal am Morgen - durch die Stadt gegangen wäre, unzählige Leichen liegen sehen. Dann ließen sie Bahren kommen oder legten, wenn es an diesen fehlte, ihre Toten auf ein bloßes Brett. Auch geschah es, dass auf einer Bahre zwei oder drei davongetragen wurden, und nicht einmal, sondern viele Male hätte man zählen können, wo dieselbe Bahre die Leichen des Mannes und der Frau oder zweier und dreier Brüder und des Vaters und seines Kindes trug.(Giovanni Boccaccio, Decamerone)
Man schätzt, dass etwa 20 bis 25 Millionen Menschen, rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas, durch den „Schwarzen Tod“ umkamen. Für die Anzahl der Opfer in Asien und Afrika fehlen seriöse Quellen. Jegliche Zahlen sind mit Vorsicht zu behandeln, da zeitgenössische Quellen die Anzahl der Toten eher zu hoch ansetzten, um den Schrecken und die Unbarmherzigkeit dieser Pandemie zum Ausdruck zu bringen. So schätzten beispielsweise die zeitgenössischen Chronisten unter dem Eindruck der ständig vorbeirollenden Leichenwagen die Anzahl der in Avignon Gestorbenen auf bis zu 120.000 Menschen, obwohl Avignon zu dieser Zeit nicht mehr als 50.000 Einwohner hatte.
Avignon
Greifbarer als an diesen Zahlen wird die Verheerung der Pest an Einzelschicksalen: Der Chronist von Siena, Agnolo di Tura klagt, dass sich keiner mehr findet, der die Toten begräbt, und er eigenhändig seine fünf Kinder beerdigen muss; John Clyn, letzter überlebender Mönch eines irischen Klosters in Kilkenny, schreibt kurz vor seinem eigenen Pesttod die Hoffnung nieder, dass wenigstens ein Mensch diese Seuche überleben wird, der die von ihm begonnene Pestchronik fortsetzen kann; den italienischen Chronisten Giovanni Villani ereilt der Pesttod so plötzlich, dass seine Chronik mit einem unvollendeten Satz abbricht. In Venedig sterben von 24 Ärzten 20, in Hamburg zählen von 21 Ratsherren 16 zu den Toten; in London erliegen alle Zunftmeister der Schneider und Hutmacher der Seuche. Und kurz nach dem Pesttod des Erzbischofs von Canterbury erliegt auch sein designierter Nachfolger der Pest, ebenso wie kurz darauf der nächste Amtsanwärter. In Frankreich stirbt ein Drittel der königlichen Notare und ein Drittel der in Avignon versammelten päpstlichen Kardinäle.
Der „Schwarze Tod“ wütete nicht gleichmäßig in Europa, sondern ließ einige wenige Gebiete fast unberührt. Große Teile Polens und Belgiens sowie Prag blieben von ihm verschont, während er in anderen so stark zuschlug, dass ganze Landstriche weitgehend entvölkert wurden. Während Mailand der Heimsuchung durch die Pest entging, starben in Florenz vier Fünftel der Bürger. Wie M. Vasold in seinem Artikel über die Auswirkung der Pest auf die deutsche Bevölkerung nachweist, blieb beispielsweise Süddeutschland weitgehend unberührt von der Pest. Hamburg und Bremen dagegen wurden ebenso massiv von der Pest getroffen wie beispielsweise Köln. Insgesamt war die Auswirkung auf die Bevölkerung in Deutschland erheblich geringer als in Italien und Frankreich.
Die Pestepidemie hatte zur Folge, dass es mehrere Jahrhunderte dauern sollte, bis Europa wieder die alte Bevölkerungsdichte erreichte. David Herlihy weist darauf hin, dass die Zahl der in Europa Lebenden erst in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhundert nicht mehr weiter abnahm, für fünfzig Jahre auf sehr niedrigem Niveau stagnierte und erst 1460 allmählich wieder anstieg.
Köln (nach J. Columbina), Durch diese Kleidung hofften die Ärzte während der Pestepidemie von 1656 in Rom sich vor der Pestansteckung zu schützen. Sie trugen einen Wachsmantel, eine Art Schutzbrille und Handschuhe. In dem Schnabel befand sich „wolriechende Specerey“]]
Die Reaktion der Ärzte
Die Ärzte dieser Zeit standen der für sie rätselhaften Krankheit ratlos gegenüber. Ein fundiertes Wissen hatten sie eher in der Astrologie, die den Hauptteil ihres Medizinstudiums beanspruchte. Medizinisch mussten sie auf das Wissen des spätantiken Hippokrates und seines Nachfolgers Galen zurückgreifen, nach dessen Lehren diese Infektion eine Fehlmischung der vier Körpersäfte: Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle war - das Prinzip der Ansteckung war dagegen der Galenschen Medizin unbekannt. Eine Ansteckung von Tier zu Mensch war gänzlich unvorstellbar. Stattdessen vermutete man, dass faul riechende Winde die Krankheit aus Asien nach Europa trügen oder dass Dämpfe aus dem Erdinneren die Krankheit verursachten.
Obskure Ratschläge machten die Runde. So sollten beispielsweise die Fenster nur nach Norden geöffnet werden, Schlaf zur Tageszeit war verboten, schwere Arbeit verpönt. Als gefährlich galten feuchtschwüles Klima und Südwind, die Luft über stehenden Gewässern aller Art. Die Pest würde durch die Schönheit junger Mädchen angezogen, hieß es. Tatsächlich jedoch starben mehr Männer als Frauen, mehr Junge als Alte.
Die medizinische Fakultät von Paris, von Philipp VI. im Oktober 1348 mit einer Untersuchung über die Ursache der Krankheit beauftragt, kam zu dem Schluss, dass die Pest durch eine am 20. März 1345 eingetretene ungünstige Dreierkonstellation aus Saturn, Jupiter und Mars ausgelöst worden sei. Der Erklärungsansatz wurde europaweit als der wissenschaftlichste angesehen und in viele europäische Landessprachen übersetzt.
Viele Ärzte flohen vor der Pest. Wenn sie flohen, galten sie als feige, wenn sie blieben, als geldgierig. Die einzige ärztliche Pflicht im Angesicht der Pest war, Pestkranke zur Beichte aufzufordern. Das häufigste von den Ärzten angewandte Mittel gegen die Gefahren der Pest war das Verbrennen aromatischer Substanzen. Papst Klemens VI. verbrachte die Zeit des Pestausbruchs in Avignon zwischen zwei großen Feuern, die in seinen Gemächern brannten und die ihn möglicherweise wirklich vor einer Ansteckung bewahrten, da sie auch Flöhe fernhielten.
Langfristig bewirkte die Pest, dass man sich allmählich von der Galenschen Medizin löste. Papst Klemens selbst sprach sich für eine Sezierung der Pestopfer aus, um die Ursache der Krankheit zu entdecken. Die direkte Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper durch anatomische Studien wurde mit größerer Intensität als vor der Pest fortgesetzt und damit der erste Schritt in Richtung moderner Medizin und empirischer Wissenschaft getan. Bis zu einer systematischeren Auseinandersetzung mit dem Prinzip der Ansteckung durch den Arzt Girolamo Fracastoro (1483-1533) sollte es noch fast 200 Jahre dauern.
Die Pest und die mittelalterliche Gesellschaft
Die unmittelbare Reaktion auf die Herausforderung durch die Pest
:"Wir wollen darüber schweigen, dass ein Bürger den anderen mied, dass fast kein Nachbar für den anderen sorgte und sich selbst Verwandte gar nicht oder nur selten und dann nur von weitem sahen. Die fürchterliche Heimsuchung hatte eine solche Verwirrung in den Herzen der Männer und Frauen gestiftet, dass ein Bruder den anderen, der Onkel den Neffen, die Schwester den Bruder und oft die Frau den Ehemann verließ; ja, was noch merkwürdiger und schier unglaublich scheint: Vater und Mutter scheuten sich, nach ihren Kindern zu sehen und sie zu pflegen - als ob sie nicht die ihren wären (...) Viele starben, die, wenn man sich um sie gekümmert hätte, wohl wieder genesen wären. Aber wegen des Fehlens an ordentlicher, für den Kranken nötiger Pflege und wegen der Macht der Pest war die Zahl derer, die Tag und Nacht starben, so groß, dass es Schaudern erregte, davon zu hören, geschweige denn es mitzuerleben."
So schildert Boccaccio den Einbruch der Pest in Florenz und die unmittelbare Reaktion der florentinischen Bevölkerung.
Viele der Menschen, welche die Pest als Gottesstrafe ansahen, fanden zu dieser Zeit den Trost in der Religion. Religiöse Bewegungen entstanden spontan im Gefolge oder in Erwartung der Pest - viele davon forderten das Monopol der Kirche auf geistliche Lenkung heraus. Bittgottesdienste und Prozessionen kennzeichneten den Alltag. Flagellanten zogen in „Geißlerzügen“ durch die Städte. Der „Pestheilige“ St. Rochus wurde intensiv verehrt, Pilgerfahrten nahmen zu. An vielen Orten zeugen Kirchen und andere Monumente wie so genannte Pestsäulen von der Angst der Menschen und ihrem Wunsch nach Erlösung von der Pest.
Andere Menschen versuchten jede Minuten ihres Lebens noch auszukosten. Mit Tanzen und Musik versuchte man, der Pest zu entgehen. Der italienische Chronist Matteo Villani schrieb:
:Die Menschen, in der Erkenntnis, dass sie wenige und durch Erbschaften und Weitergabe irdischer Dinge reich geworden waren, und der Vergangenheit vergessend, als wäre sie nie gewesen, trieben es zügelloser und erbärmlicher als jemals zuvor. Sie ergaben sich dem Müßiggang, und ihre Zerrüttung führte sie in die Sünde der Völlerei, in Gelage, in Wirtshäuser, zu köstlichen Speisen und zum Glücksspiel. Bedenkenlos warfen sie sich der Lust in die Arme.
Eine funktionierende Wirtschaft konnte unter dem Eindruck einer Pestepidemie nicht mehr aufrechterhalten werden. Arbeitskräfte starben, flohen und nahmen ihre Aufgaben nicht mehr wahr. Vielen schien es sinnlos, die Felder zu bestellen, wenn der Tod sie doch bald ereilen würde.
Judenpogrome zur Zeit der Pest
Die kirchliche und weltliche Macht verlor angesichts der Hilflosigkeit, mit der sie der Pestepidemie begegnete, ihre Autorität. Boccaccio schrieb dazu:
:In solchem Jammer und in solcher Betrübnis der Stadt war auch das ehrwürdige Ansehen der göttlichen und menschlichen Gesetze fast gesunken und zerstört; denn ihre Diener und Vollstrecker waren gleich den übrigen Einwohnern alle krank oder tot oder hatten so wenig Gehilfen behalten, dass sie keine Amtshandlungen mehr vornehmen konnten. Darum konnte sich jeder erlauben, was er immer wollte.
Boccaccios Zeilen in der Einleitung seines Decamerone galten nicht nur für Städte, die direkt von der Pest betroffen waren, sondern trafen auch für die zu, die das Eintreffen der Pest befürchteten.
Unter dem Autoritätsverlust der weltlichen und kirchlichen Macht litten am meisten die, die zu den kulturellen Randbereichen der mittelalterlichen Gesellschaften zählten: Im Rahmen der Pest kam es zu schweren Judenpogromen, weil man in ihnen die geeigneten Schuldigen zu finden meinte. Anfangs versuchte zumindest ein großer Teil der geistlichen und weltlichen Herrschaft diese Pogrome zu unterbinden.
Bereits 1348 bezeichnete der in Avignon lebende Papst Klemens VI. die Anschuldigung, die Juden würden durch das Vergiften von Brunnen die Pest verbreiten, als „unvorstellbar“, da sie in Gegenden der Erde wüte, wo keine Juden lebten, und dort, wo sie lebten, sie selbst Opfer würden. Er forderte die Geistlichkeit auf, die Juden unter ihren Schutz zu stellen. Klemens VI. - der hebräische Manuskripte sammelte - untersagte außerdem, Juden ohne Gerichtsverfahren zu töten oder sie auszuplündern. Die päpstlichen Bullen wirkten nur in Avignon und trugen ansonsten verhältnismäßig wenig zum Schutz der Juden bei. Eine ähnliche Erfahrung machte Königin Johanna I. von Neapel, die im Mai 1348 die Steuerlast der in ihrem provenzalischen Herrschaftsgebiet lebenden Juden um die Hälfte reduzierte, um den Plünderungen Rechnung zu tragen. Im Juni desselben Jahres wurden ihre Beamten aus den provenzalischen Städten vertrieben.
Das Gerücht, Juden träufelten Gift in Brunnen und Quellen, war bereits Anfang 1348 aufgekommen: In Savoyen hatten jüdische Angeklagte sich unter der Folter solcher Vergehen für schuldig bekannt. Ihr Geständnis fand in ganz Europa rasch Verbreitung und war die Basis für eine Welle von Übergriffen vor allem im Elsass, der Schweiz und Deutschland. Am 9. Januar 1349 wurde in Basel ein Teil der jüdischen Einwohnerschaft ermordet – die Basler Stadträte hatten zuvor zwar die schlimmsten Hetzer gegen die Juden aus der Stadt verbannt, mussten unter dem Drängen der Stadtbevölkerung diesen Bann aufheben und stattdessen die Juden vertreiben. Ein Teil der Vertriebenen wurde festgesetzt und in einem eigens für sie gebauten Haus auf einer Rheininsel verbrannt. In Straßburg versuchte die Stadtregierung gleichfalls, die ansässigen Juden zu schützen, wurde jedoch mit den Stimmen der Zünfte ihres Amtes enthoben. Die neue Straßburger Stadtregierung duldete das anschließende Massaker, dem im Februar 1349 - die Pest hatte die Stadt zu diesem Zeitpunkt noch nicht erreicht - 900 von 1.884 in Straßburg lebende Juden zum Opfer fielen.
Maßgeblich an den Judenpogromen beteiligt schienen die Flagellanten. Für Städte wie Freiburg im Breisgau, Köln, Augsburg, Nürnberg, Königsberg und Regensburg wurde angenommen, dass noch vor dem eigentlichen Ausbruch der Pest Flagellanten Teile der Bevölkerung aufhetzten, die jüdische Bevölkerung als Brunnenvergifter zu ermorden.
Die neuere Forschung konnte jedoch nachweisen, dass das Abwälzen der Schuld auf die Geißler zumeist lediglich als "bequemer Rechtfertigungsversuch" (Haverkamp) der Geschichtsschreibung des 14. Jahrhunderts zu werten ist. Zudem ist in diesem Zusammenhang zu konstatieren, dass in fast allen Städten die Pogrome nicht nur dem Erscheinen der Geißler, sondern auch dem Auftreten der Pest vorangegangen sind (so bereits bei Hoeniger; detailliert bei Haverkamp).
Im März 1349 verbrannten sich vierhundert Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Worms in ihren Häusern, um nicht den Mordbrennern in die Hände zu fallen; im Juli 1349 beging auch die jüdische Gemeinde von Frankfurt auf diese Weise Selbstmord. In Mainz griff die jüdische Gemeinde zur Selbstverteidigung und tötete 200 der sie Angreifenden. Aber auch die in Mainz lebende jüdische Gemeinde - damals die größte in Europa - beging letztlich Selbstmord, indem sie ihre Häuser anzündeten. Die Pogrome setzten sich bis Ende des Jahres 1349 fort. Die letzten fanden in Antwerpen und Brüssel statt. Nach Ende der Pest lebten nur noch wenige Juden in Deutschland und den Niederlanden.
Ein Drittel der 2,5 Millionen in Europa lebenden Juden waren im heutigen Spanien ansässig. Ihnen erging es etwas besser als ihren Glaubensbrüdern in den Niederlanden und Deutschland. König Peter IV. von Aragon gelang es mit der Unterstützung der wohlhabenderen Bürger, gegen die ersten gewalttätigen Ausschreitungen in Barcelona vorzugehen und weitere Plünderungen und Übergriffe auf jüdisches Leben zu unterbinden.
Ebenso wie Peter IV. von Aragon waren auch Albrecht II. von Österreich und Kasimir III. von Polen entschiedene Beschützer ihrer jüdischen Einwohner. Wenn sie auch Gewalttaten nicht gänzlich unterbinden konnten, blieben solche Massaker wie in Brüssel und Basel aus. Kasimir III. bot darüber hinaus den Juden an, sich in seinem Herrschaftsgebiet anzusiedeln. Es setzte eine Emigration vor allem von deutschen Juden nach Polen ein, die bis ins 16. Jahrhundert anhielt. In der Ansiedlung von Juden sah Kasimir III. die Möglichkeit, sein Land wirtschaftlich weiterzuentwickeln.
Auch Kaiser Karl IV. versuchte, wenigstens in seinem engeren Herrschaftsgebiet, die Juden zu schützen und sie in seinen Gebieten willkommen zu heißen. In der 1356 erlassenen Goldenen Bulle übertrug der Kaiser den Kurfürsten das Judenregal und verpflichtete sie unter anderem dazu, die Juden zu schützen. Allerdings hatte Karl IV. bereits 1349 - seit den Pogromen war noch kein Jahr vergangen - Amnestien für viele deutsche Städte (etwa Esslingen, Reutlingen, Überlingen und Straßburg) erlassen, welche sich am Besitz der vertriebenen Juden bereicherten. In anderen Fällen hatte sich Karl die Teilhabe am Besitz der Juden gesichert, falls diese demnächst zu Tode kommen sollten - was eine unverholene Umschreibung für den Mord an den Juden war.
Neben der Suche nach einem Sündenbock und einer seit dem 12. Jahrhundert angestiegenen Intoleranz der Kirche gegenüber Andersgläubigen war auch Habgier ein wesentliches Motiv für den Mord an jüdischen Bürgern. Die Bedeutung der Juden als Geldverleiher war zwar nicht mehr so groß wie noch im 12. und 13. Jahrhundert, doch offenbar sah ein großer Teil der Bevölkerung im Mord an den Juden auch die Möglichkeit, sich ihrer Gläubiger zu entledigen. So war der Augsburger Bürgermeister Heinrich Portner bei jüdischen Geldleihern hoch verschuldet und ließ den Mord an den Juden bereitwillig geschehen.
Die langfristigen Auswirkungen des Schwarzen Todes
Langfristig bewirkte und beschleunigte die Pest einen tief greifenden Wandel in der mittelalterlichen Gesellschaft Europas. Wie David Herlihy zeigt, konnten die Generationen nach 1348 nicht einfach die sozialen und kulturellen Muster des 13. Jahrhunderts beibehalten. Der massive Bevölkerungseinbruch bewirkte eine Umstrukturierung der Gesellschaft, die sich langfristig positiv bemerkbar gemacht habe. So bezeichnete Herlihy die Pest als „die Stunde der neuen Männer“: Die Entvölkerung ermöglichte einem größeren Prozentsatz der Bevölkerung den Zugang zu Bauernhöfen und lohnenden Arbeitsplätzen. Unrentabel gewordene Böden wurden aufgegeben, was in manchen Regionen dazu führte, dass Dörfer verlassen oder nicht mehr wiederbesiedelt wurden (sogenannte Wüstungen). Die Zünfte ließen nun auch Mitglieder zu, denen man zuvor die Aufnahme verweigerte. Während der Markt für landwirtschaftliche Pachten zusammenbrach, stiegen die Löhne in den Städten deutlich an. Damit konnte sich eine große Anzahl von Menschen einen Lebensstandard ermöglichen, der für sie vorher unerreichbar war.
Der deutliche Anstieg der Arbeitskosten sorgte dafür, dass manuelle Arbeit zunehmend mechanisiert wurde. Damit wurde das Spätmittelalter zu einer Zeit eindrucksvoller technischer Errungenschaften. David Herlihy nennt als Beispiel den Buchdruck: Solange die Löhne von Schreibern niedrig waren, war das handschriftliche Kopieren von Büchern eine zufriedenstellende Reproduktionsmethode. Mit dem Anstieg der Löhne setzten umfangreiche technische Experimente ein, die letztlich zur Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johann Gutenberg führten. So interpretiert Herlihy die Weiterentwicklung der Feuerwaffe als Reaktion auf einen Mangel an Soldaten.
Die Kirche - von zahlreichen Pestopfern als Erbe eingesetzt – ging reicher, aber unpopulärer aus der Zeit des „Schwarzen Todes“ hervor. Weder hatte sie eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage gefunden, warum Gott der Menschheit eine solche Prüfung auferlegt hatte, noch hatte sie geistlichen Beistand geleistet, als das Bedürfnis der Menschen danach am größten war. Die Bewegung der Flagellanten hatte die Autorität der Kirche auf die Probe gestellt. Auch nach dem Abklingen dieser Bewegung suchten viele Gott bei mystischen Sekten und in Reformbewegungen, die letztlich die katholische Glaubenseinheit auseinander brechen ließ.
Insbesondere der österreichische Kulturhistoriker Egon Friedell vertrat in seinem Werk „Kulturgeschichte der Neuzeit“ die Auffassung, dass die Pest der Jahre 1348/49 die Krise des mittelalterlichen Welt- und Menschenbildes verursacht und bis dahin bestehende Glaubensgewissheiten erschüttert habe. Er sieht eine direkte, kausale Verbindung zwischen der Katastrophe des „Schwarzen Todes“ und der Renaissance.
Die Rückkehr der Pest in den folgenden Jahren
Die erste große Pestwelle, die als so genannter „Schwarzer Tod“ in die Geschichtsbücher einging, endete 1353. Sie flackerte in den Folgejahren immer wieder in einzelnen Regionen Europas auf, da sich die Seuche endemisierte: In lokalen und regionalen Epidemien suchte sie die nächsten drei Jahrhunderte in nahezu regelmäßigen Abständen europäisches Gebiet heim. Die zweitschlimmste Epidemie des ausgehenden Mittelalters bzw. der jungen Neuzeit suchte Europa im Jahr 1400 heim. Wenn auch die Zahl der Toten bei der großen zweiten Pestwelle nicht so hoch war, starben dabei vor allem Kinder und Jugendliche.
Die Verarbeitung des schwarzen Todes in der Kunst
Die Pest wurde auch in der Kunst des ausgehenden Mittelalters zu einem wichtigen Thema. Künstler wie der Lübecker Maler und Bildschnitzer Bernt Notke stellten das Geschehen in Form des Totentanzes eindruckvoll dar, das auch in der Musik verarbeitet wurde.
- Siehe auch: Hauptartikel "Totentanz".
Literatur und Quellen
Zitierte Werke
- Boccaccio; Il decamerone. Eine englische Übersetzung aus der Einleitung, aus der die obigen Zitate stammen, findet sich unter [http://www.fordham.edu/halsall/source/decameronintro.html Introduction to il decamerone]
- Matteo Villani; Cronica di Matteo Villani, I, Kapitel 4
Literatur
- Klaus Bergdolt; Der schwarze Tod in Europa Becksche Reihe ISBN 3-406-45918-8
- Norman F. Cantor: In the Wake of the Plague - The Black Death and the Word it made, London 1997, ISBN 0-7434-3035-2
- Claudia Eberhard Metzger, Renate Ries; Verkannt und heimtückisch - Die ungebrochene Macht der Seuchen, Basel 1996, ISBN 3-7643-5399-6
- Franz-Reiner Erkens: Buße in Zeiten des Schwarzen Todes: Die Züge der Geissler in „Zeitschrift für historische Forschung“, Band 26, 1999, Berlin, S. 483-513
- Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit. Die Krisis der Europäischen Seele von der Schwarzen Pest bis zum Ersten Weltkrieg, München 1996 ISBN 3-406-40988-1 (Erstausgabe 1927-31)
- Alfred Haverkamp: Die Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes im Gesellschaftsgefüge deutscher Städte in Alfred Haverkamp (Hg.): Zur Geschichte der Juden im Deutschland des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, Stuttgart 1981, ISBN 3-7772-8112-3
- David Herlihy: Der Schwarze Tod und die Verwandlung Europas, Berlin 1997, ISBN 3-8031-3596-6
- Rober Hoeniger: Der Schwarze Tod in Deutschland. Ein Beitrag zur Geschichte des vierzehnten Jahrhunderts, Berlin 1882
- Kay Peter Jankrift: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter Wissenschaftliche Buchgesellschaft, ISBN 3-534-15481-9
- William H. McNeill: Seuchen machen Geschichte. Geißeln der Völker, München 1976 ISBN 3-7906-0079-2
- William Naphy, Andrew Spicer: Der schwarze Tod, Magnus Verlag, ISBN 3-88400-016-0
- Norbert Ohler: Sterben und Tod im Mittelalter Patmos Paperback, ISBN 3-491-69070-6
- Jacques Ruffié, Jean-Charles Sournia: Die Seuchen in der Geschichte der Menschheit, Stuttgart 1987, ISBN 3-423-30066-3
- Barbara Tuchman: Der ferne Spiegel - das dramatische 14. Jahrhundert, Düsseldorf 1980, ISBN 3-546-49187-4
- Manfred Vasold: Die Ausbreitung des Schwarzen Todes in Deutschland nach 1348, in „Historische Zeitschrift“, Band 277, 2003, S. 281-308
- ders.: Pest, Not und schwere Plagen. Seuchen und Epidemien vom Mittelalter bis heute, München 1991, ISBN 3-406-35401-7
- Sue Scott, Christopher Duncan: Return of the Black Death: The World's Greatest Serial Killer, John Wiley & Sons, Canada 2004, ISBN 0470090006
Weblinks
- [http://online-media.uni-marburg.de/ma_geschichte/pest/ Pest - Geißler - Judenverfolgung. Das 14. Jahrhundert als Krisenzeit (mit Bibliographie, Quellenausschnitten und Links).]
- Das [http://www.edjewnet.de/schwarzertod/schwarzer_tod.htm jüdische Museum Göppingen] beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Pest und Judenverfolgung. Aufschlussreich ist auch die in diesem Artikel gezeigte Karte, die die allmähliche Ausbreitung der Pest in Europa 1347 bis 1350 zeigt.
- [http://www.uni-trier.de/uni/fb3/geschichte/cluse/eu/dt_quellen4.html Quellen zur Lebenssituation der Juden im 14. Jahrhundert (Uni Trier)]
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19715/1.html Artikel in Telepolis über alternative Deutungen]
Kategorie:Medizingeschichte
Kategorie:Infektionskrankheit
Kategorie:Mittelalter
ja:ペスト
1347
Politik und Weltgeschehen
- Eduard III. erobert Calais. Englische Truppen vertreiben die Einheimische und siedeln ihre eigenen Leute an.
- Beginn der ersten Pestpandemie in Europa seit 600 Jahren. Ursprünglich aus China (1331), gelangt sie im Oktober mit dem Handel nach Messina Sizilien und bewegt sich dann via Marseille über ganz Frankreich und Europa bis nach Island und Grönland hinauf. Über den Brennerpass schafft sie es erst binnen zwei Jahren. Prag bleibt von dieser ersten Pestwelle ganz verschont. Von nun an sollte die Pest wieder die Geissel der Menschheit in Europa sein.
- Hungersnot in Frankreich durch den giftigen (Roggen-) Getreidepilz Antoniusfeuer.
- Karl IV. ist definitiv deutscher König ohne Gegenkönig.
- 6. Februar - Dorothea von Montau, katholische Heilige († 1394)
- 25. März - Katharina von Siena, italienische Mystikerin und Kirchenlehrerin († 1380)
- 11. Oktober - Ludwig der Bayer, Herzog von Bayern und Kaiser des HRR ( - 1282)
ko:1347년
1351
Politik und Weltgeschehen
- Eintritt des Kantons Zürich in die Schweizerische Eidgenossenschaft.
- Zürich wird durch Herzog Albrecht belagert.
- Winrich von Kniprode wird Hochmeister des Deutschen Ordens. Er wird diesen zur Hochblüte führen.
- Etwa ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands ist während der Pestepidemie verödet.
- Im Kaiserreich China beginnt ein Guerillakrieg der Kleinbauern gegen die Mongolenherrschaft. Dieser wird 1368 mit der Vertreibung der Mongolen enden.
- Statute of Provisors: In England tritt ein Verbot päpstlicher Pfründenvergabe und Berufungsklage bei der Kurie in Kraft.
- 16. Oktober - Gian Galeazzo Visconti, Regent in Mailand († 1402)
- 1. November - Leopold III. (Habsburg), Herzog von Österreich aus dem Hause Habsburg († 1386)
- 4. Juni - Mastino II. della Scala, Herr von Verona ( - 1308)
- Till Eulenspiegel ( - um 1300)
ko:1351년
simple:1351
1722
- 10. Februar: Bartholomew Roberts, Letzter der großen Piratenkapitäne, wird bei einem Seegefecht mit der H. M. S. Swallow unter Captain Ogle an Bord seines Schiffes Royal Fortune tödlich verwundet, sein Leichnam wird noch während des Kampfes in allem Staat mit allen Waffen und Schmuckstücken dem Meer übergeben, seine Crew gerät in Gefangenschaft
- Die Pest verschwindet bis heute aus Europa
Kultur
- 22. Februar: Uraufführung der Oper Griselda von Giovanni Bononcini am King's Theatre in London
- 5. April: Der niederländische Admiral Jacob Roggeveen entdeckt am Ostersonntag die Osterinsel
- 16. April: Uraufführung des musikalischen Schauspiels Die unvergleichliche Psyche von Reinhard Keiser in Kopenhagen
- 30. August: Uraufführung der Oper Nitocri von Antonio Caldara am Teatro della Favorita in Wien
- 30. August: Uraufführung des musikalischen Dramas Bajazete, imperador de'Turchi von Leonardo Leo im Palazzo Reale in Neapel
- 4. November: Uraufführung der Oper Scipione nelle Spagne von Antonio Caldara am Hoftheater in Wien
- 25. November: Uraufführung der Oper Die betrogene und nachmals vergötterte Ariadne von Reinhard Keiser am Theater am Gänsemarkt in Hamburg
- 12. Januar: Nicolas Luckner, deutscher General in französischen Diensten, Marschall von Frankreich († 1794)
- 28. Januar: Johann Ernst Bach, deutscher Komponist († 1777)
- 24. Februar: John Burgoyne, englischer General und Schriftsteller († 1792)
- 12. April: Pietro Nardini, italienischer Komponist und Geiger
- 30. Juni: Georg Anton Benda, deutscher Komponist († 1795)
- 11. Juli: Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt, († 1782)
- 9. August: August Wilhelm von Preußen, preußischer Prinz und General, Vater Friedrich Wilhelms II. († 1758)
- 5. September: Friedrich Christian, Kurfürst von Sachsen († 1763)
- 3. Dezember: Hryhorij Sawowytsch Skoworoda, ukrainischer Philosoph, Dichter und Musiker († 1794)
- 10. Februar: Bartholomew Roberts, war ein berüchtigter Pirat ( - 1682)
- 24. Februar: Johannes d'Outrein, niederländischer Prediger, Schriftsteller und Verfasser evangelischer theologischer Werke ( - 1662)
- 11. März: John Toland, englischer Freidenker ( - 1670)
- 31. März: Campegius Vitringa, reformierter Theologe ( - 1659)
- 9. April: Charles Spencer, 3. Earl of Sunderland, englischer Politiker und Staatsmann, der vor allem durch seine Verstrickung in den Südseeschwindel (South Sea Bubble) bekannt wurde, den ersten großen Börsenkrach der europäischen Geschichte ( - 1674)
- 5. Juni: Johann Kuhnau, deutscher Komponist des Barock ( - 1660)
- 16. Juni: John Churchill, 1. Herzog von Marlborough, britischer Politiker ( - 1650)
- 18. Juli: Johann Heinrich Hävecker, deutscher Theologe und Histograph ( - 1640)
- 12. August: Alvise Giovanni Mocenigo, 1763–1778 Doge von Venedig ( - 1647)
- 7. September: Gerhard Wolter Molanus, Bedeutender Privatgelehrter, Büchersammler und evangelischer Abt des Klosters Loccum ( - 1633)
- 24. November: Johann Adam Reincken, deutscher Komponist und Organist ( - 1623)
- Liselotte von der Pfalz, Herzogin von Orléans ( - 1652)
ko:1722년
Mongolen, Uighurisch und Zhuang]]
Mit dem Begriff Mongolen werden im engeren Sinne die eigentlichen Mongolen (Eigenbezeichung: Monggol) verstanden, die man sprachlich grob in Ost- und Westmongolen gliedern kann. Im weiteren Sinne werden darunter auch die mongolischen Völker verstanden, also Völker, die eine mongolische Sprache sprechen. Diese haben in der Regel andere Eigenbezeichnungen.
Namensherkunft
Der Name "Monggol" stammt aus den tungusischen Sprachen und bedeutete ursprünglich "die Unbesiegbaren". Einst auf einen kleinen unbedeutenden Volksstamm am mittleren Onon angewandt, wurde der Name unter Dschingis Khan im 13. Jahrhundert zur übergreifenden Volksbezeichnung.
Heutige mongolische Ethnien
In den verschiedenen Staaten, in denen Angehörige mongolischer Völker und Ethnien leben, werden die Trennlinien zwischen "Stamm" und "Volk" sehr unterschiedlich gezogen. In dem Land mit der größten mongolischen Bevölkerung, der Volksrepublik China, werden alle Mongolen als ein Volk betrachtet. Tümed-, Chahar, Ordos-, Bargut-, Burjat- und Oirat-Mongolen zählen alle zum einen Volk der Mongolen (蒙古族 Menggu zu). Daneben gibt es noch weitere Völker, die mongolische Sprachen sprechen, und zwar die:
- Daur,
- Tu,
- Dongxiang,
- Bonan und ein Teil der
- Yugur.
Sie zählen aber - wie gesagt - nicht zur Nationalität der Mongolen sondern sind als eigenständige Nationalitäten anerkannt.
Im Staat Mongolei zählen zu den Ostmongolen die:
- Khalkha,
- Uriankhai und die
- Burjaten; zu den Westmongolen zählen die:
- Oiraten, die vor allem im Altai leben.
In Russland gehören die
- Burjaten in Burjatien zu den Ostmongolen; zu den Westmongolen zählen die
- Oiraten im russischen Altai und die
- Kalmücken am Nordufer des Kaspischen Meeres.
Verstreut lebende mongolische Völker sind z.B. die Moghol, Hazara und Aimak in Afghanistan und Pakistan.
Mongolen in China
Beim Zensus im Jahre 2000 wurden in China 5.813.947 Mongolen (im Sinne der obigen Definition) gezählt. Die Mongolen Chinas verteilen sich wie folgt auf die Autonomen Gebiete und Provinzen:
- 68,72%: Autonomes Gebiet Innere Mongolei,
- 11,52%: Provinz Liaoning,
- 2,96%: Provinz Jilin,
- 2,92%: Provinz Hebei,
- 2,58%: Uigurisches Autonomes Gebiet Xinjiang,
- 2,43%: Provinz Heilongjiang,
- 1,48%: Provinz Qinghai,
- 1,41%: Provinz Henan,
- 5,98%: Rest Chinas.
Neben dem Autonomen Gebiet Innere Mongolei auf Provinzebene, gibt es in China noch weitere mongolische autonome Verwaltungsgliederungen. Diese sind auf Bezirksebene:
- Autonomer Bezirk Haixi der Mongolen und Tibeter,
- Mongolischer Autonomer Bezirk Bayingolin,
- Mongolischer Autonomer Bezirk Bortala.
Auf Kreisebene sind es:
- Autonomer Kreis Weichang der Manju und Mongolen,
- Autonomer Kreis Harqin Linker Flügel der Mongolen,
- Autonomer Kreis Fuxin der Mongolen,
- Autonomer Kreis Vorderer Gorlos der Mongolen,
- Autonomer Kreis Dorbod der Mongolen,
- Autonomer Kreis Subei der Mongolen,
- Autonomer Kreis He'nan der Mongolen,
- Mongolischer Autonomer Kreis Hoboksar.
Weblinks
- Ethnische Minderheiten in Xinjiang - [http://german.china.org.cn/german/187351.htm Die mongolische Nationalität] (chinesische Regierungsseite auf Deutsch)
- [http://www.china.org.cn/e-groups/shaoshu/shao-2-mongolian.htm The Mongolian ethnic minority] (chinesische Regierungsseite auf Englisch)
Siehe auch: Geschichte der Mongolen, Geschichte der Mongolei, mongolische Literatur.
Kategorie:Mongolisches Volk
Kategorie:Asiatische Ethnie
Kategorie:Ethnie
Kategorie:Bevölkerung (China)
ja:モンゴル
Yuan-Dynastie
Yuan-Dynastie () ist die Bezeichnung für das 1271-1368 über China regierende mongolische Kaiserhaus.
Konsolidierung der Herrschaft
Die Dynastie wurde 1271 durch Dschingis Khans Enkel Kublai Khan proklamiert. Übersetzt bedeutet Yuan "Ur-Anfang". Sie löste nach der Kapitulation Hangzhous 1276 und der Niederlage der letzten Sung-Anhänger 1279 die Sung-Dynastie ab. Ihre Hauptstadt war seit 1264 Peking, damals Tatu oder Khan-balyq genannt. Schan-tu (das Xanadu der Dichtung) war die Sommerresidenz und Karakorum gab der Herrschaft die Legitimation.
Innen- wie außenpolitisch wurde die Yuan-Dynastie nur formal anerkannt. Es folgten wiederholte Konfrontationen mit den in der | | |