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1669

1669

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- Niedergang der Hanse beim letzten Hansetag der verbliebenen Bündnisstädte in Lübeck
- Isaac Newton wird in Cambridge Professor
- Gründung der Universität Innsbruck
- Entdeckung des Phosphors durch Hennig Brand
- Fertigstellung des Kronprinzenpalais in Berlin

Geboren


- 28. Mai: Graf von Saint Germain, angeblich Sohn des Fürsten Franz II († 1784)
- 13. September: Johann Christopher Jauch, deutscher Theologe und Barockdichter († 1725)
- 10. Oktober: Johann Nikolaus Bach, deutscher Komponist († 1753)
- 17. Dezember: Friedrich Wilhelm von Dossow, preußischer Generalfeldmarschall, Gouverneur von Wesel († 1758)

Gestorben


- 4. April: Johann Michael Moscherosch, Staatsmann, Satiriker und Pädagoge (
- 1601)
- 16. Mai: Pietro da Cortona, bedeutender Baumeister und Maler des programmatischen, römischen Hochbarocks (
- 1596)
- 10. Juni: Konrad Post, evangelischer Geistlicher (
- 1613)
- 10. September: Henrietta Maria von Frankreich, Königin von England, Schottland und Irland (
- 1609)
- 4. Oktober: Rembrandt van Rijn, niederländischer Maler (
- 1606)
- 14. Oktober: Marc Antonio Cesti, italienischer Komponist und Kapellmeister (
- 1618)
- 4. November: Ferdinand Maximilian von Baden, potentieller Markgraf von Baden (
- 1625)
- 5. November: Johannes Coccejus, protestantischer Theologe, einer der Hauptvertreter der Föderaltheologie (
- 1603)
- 9. Dezember: Giulio Rospiglios, war unter dem Namen Clemens IX. Papst von 1667 bis 1669 (
- 1600) ko:1669년

Kategorie:1669



Lübeck

Die Hansestadt Lübeck (regional [], sonst []; Adj. auch lübsch; dän. Lybæk, ital. Lubecca, poln. Lubeka, finn. Lyypekki) ist eine kreisfreie Stadt im Norden Deutschlands und im Südosten Schleswig-Holsteins an der Ostsee (Lübecker Bucht). Sie hat nach der Landeshauptstadt Kiel die meisten Einwohner und ist eines der drei Oberzentren des Landes. Flächenmäßig ist sie die größte Stadt in Schleswig-Holstein. Die aus dem Mittelalter erhaltene Altstadt ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Nächstgrößere Städte sind Hamburg etwa 58 km südwestlich, Kiel etwa 63 km nordwestlich und Schwerin etwa 54 km südöstlich. Die Einwohnerzahl überschritt im Jahr 1911 die Grenze von 100.000, wodurch Lübeck zur Großstadt im modernen Sinne wurde. Lübeck grenzt unmittelbar an die Europäische Metropolregion Hamburg an. Lübecks Selbstwertgefühl definiert sich am besten als das „Tor zum Norden“.

Geografie

Bilder rechts: Lübeck vom Turm der St.-Petri-Kirche aus gesehen Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Metropolregion Hamburg Die Stadt liegt an der unteren Trave, einem schiffbaren Fluss, der in Richtung Nordosten das Stadtgebiet durchfließt und etwa 17km von der Altstadt entfernt im Stadtteil Travemünde in die Ostsee (Lübecker Bucht) fließt. Die Altstadt liegt auf einem mäßigen Hügel, der einen Werder zwischen den Wasserläufen der Trave und der hineinmündenden Wakenitz bildet. Ferner durchzieht der Elbe-Lübeck-Kanal das Stadtgebiet von Krummesse bis zur Trave. Lübeck ist eine bedeutende Hafenstadt mit Fährverbindungen nach Skandinavien, Finnland, Russland und in das Baltikum.

Nachbargemeinden

Folgende Gemeinden, benannt nach dem Uhrzeigersinn beginnend im Osten, grenzen an die Stadt Lübeck. Sie gehören mit Ausnahme von drei Gemeinden, die in Mecklenburg-Vorpommern liegen, alle zu Schleswig-Holstein.
- Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern: Stadt Dassow (Ortsteil Pötenitz), Selmsdorf und Lüdersdorf (alle Amt Schönberger Land)
- Kreis Herzogtum Lauenburg: Groß Grönau und Groß Sarau (beide Amt Ratzeburg-Land), Klempau, Krummesse, Rondeshagen und Bliestorf (alle Amt Berkenthin) sowie Groß Schenkenberg (Amt Sandesneben)
- Kreis Stormarn: Klein Wesenberg, Wesenberg, Hamberge, Badendorf, Heilshoop und Mönkhagen (alle Amt Nordstormarn)
- Kreis Ostholstein: Stockelsdorf (amtsfreie Gemeinde), Bad Schwartau (amtsfreie Stadt) sowie Ratekau und Timmendorfer Strand (beides amtsfreie Gemeinden) Die Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn gehören bereits zur Europäischen Metropolregion Hamburg. Lübeck als Oberzentrum bildet aus Sicht der Raumordnung mit Stockelsdorf, Bad Schwartau, Ratekau und Groß Grönau eine Agglomeration, auch in den mecklenburgischen Nachbargemeinden entwickelt sich durch das Fördergefälle ein Speckgürtel. In den Gemeinden der Konglomeration wohnen in etwa weitere 70.000 Einwohner, so dass der Ballungsraum Lübeck in etwa 283.000 Einwohner hat.

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet Lübecks ist in 10 Stadtteile eingeteilt. Diese wiederum sind in insgesamt 35 Stadtbezirke gegliedert. Die 10 Stadtteile mit ihrer amtlichen Nummern, ihren zugehörigen Stadtbezirken und den Einwohnerzahlen der Stadtteile:
- 01 Innenstadt (etwa 12.000 Einwohner)
- 02 St. Jürgen (etwa 40.000 Einwohner)
  - Hüxtertor/Mühlentor/Gärtnergasse, Strecknitz/Rothebek, Blankensee, Wulfsdorf, Beidendorf, Krummesse, Kronsforde, Niederbüssau, Vorrade, Schiereichenkoppel, Oberbüssau, Hochschulstadtteil
- 03 Moisling (etwa 10.000 Einwohner)
  - Niendorf/Moorgarten, Reecke, Alt-Moisling/Genin
- 04 Buntekuh (etwa 10.000 Einwohner)
- 05 St. Lorenz-Süd (etwa 12.000 Einwohner)
- 06 St. Lorenz-Nord (etwa 40.000 Einwohner)
  - Holstentor-Nord, Falkenfeld/Vorwerk/Teerhof, Groß-Steinrade/Schönböcken, Dornbreite/Krempelsdorf
- 07 St. Gertrud (etwa 40.000 Einwohner)
  - Burgtor/Stadtpark, Marli/Brandenbaum, Eichholz, Karlshof/Israelsdorf/Gothmund
- 08 Schlutup (etwa 6.000 Einwohner)
- 09 Kücknitz (etwa 20.000 Einwohner)
  - Dänischburg/Siems/Rangenberg/Wallberg, Herrenwyk, Alt-Kücknitz/Dummersdorf/Roter Hahn, Pöppendorf
- 10 Travemünde (etwa 15.000 Einwohner)
  - Ivendorf, Alt-Travemünde/Rönnau, Priwall, Teutendorf, Brodten Die Lübecker Stadtteile haben im Laufe der Zeit jeweils ihr eigenes Bild entwickeln können. Die Innenstadt ist das touristische Kernstück Lübecks, der flächenmäßig kleinste Stadtteil und der am längsten besiedelte. Die Innenstadt liegt hauptsächlich auf der Altstadtinsel zwischen Trave und Wakenitz, die in etwa eine Ausdehnung von 2 km von Nord nach Süd und 1,5 km von West nach Ost hat, auch wenn sich einige wesentliche Gebäude, die zur Innenstadt gerechnet werden, auch auf darumliegenden kleineren Inseln liegen (so z. B. das Holstentor, das am Fuß der sogenannten Wallhalbinsel liegt, die aber letzten Endes auch eine Insel zwischen Trave und Stadtgraben ist). Das zieht nach sich, dass man, um die Innenstadt zu verlassen, jeweils eine Brücke im alten Befestigungsgürtel um die Stadt (Wallanlagen) überqueren muss, um die direkten Vorstädte zu erreichen, so dass sich nicht wie in anderen Städten die Neustädte unmittelbar an die mittelalterliche Altstadt anschließen. Westlich des Holstentors liegen die beiden Vorstädte Sankt Lorenz-Nord und Sankt Lorenz-Süd, die durch die Eisenbahn getrennt werden. Hier wird das Bild hauptsächlich vom Bahnhof geprägt, um den herum sich Ende des 19. Jahrhunderts eine Vorstadt für die Unter- bis Mittelschicht entwickelt hat. Auch heute werden die beiden Stadtteile durch viele Wohnblocks und nur durch wenig Grünanlagen geprägt. Jenseits der Bahnschienen in St. Lorenz-Süd folgen dann die beiden Stadtteile Buntekuh und Moisling, die einerseits durch viele Wohnblocks aus den 60er-Jahren geprägt sind, andererseits finden sich gerade in Buntekuh auch weitläufige Gewerbegebiete entlang der A 1. Moisling blickt im Unterschied zu Buntekuh auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück: bereits im 17. Jahrhundert gab es hier eine damals noch zu Dänemark gehörende Siedlung, die v. a. von Juden bewohnt war. Auch heute findet sich hier noch ein jüdischer Friedhof. Der Stadtteil Buntekuh verdankt seinen Namen einem Gut, das hier bis Ende der 1950er-Jahre existierte und Landwirtschaft betrieb. Das Gut wiederum wurde nach der HansekoggeBunte Kuh“ benannt, die 1401 den Angriff auf den Seeräuber Klaus Störtebeker führte. Im Süden der Altstadt und auf der Wakenitzhalbinsel auch den östlichen Altstadtrand umfassend liegt der Stadtteil St. Jürgen, der gerade im nördlichen Anteil durch gründerzeitliche Villenviertel, dann südlich des St.-Jürgen-Rings eher durch Wohnblocks der 50er- bis 70er-Jahre geprägt ist. Im Süden läuft St. Jürgen in die lauenburgische Landschaft aus und bietet hier einen breiten Grüngürtel voller Felder und Wiesen, im Osten wird der Stadtteil von der Wakenitz begrenzt, wo sich in den Auen aufgrund der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze ein reichhaltiges Naturschutzgebiet erhalten hat. In St. Jürgen liegen die beiden größten Hochschulen Lübecks, die Universität und die Fachhochschule, daher ist St. Jürgen neben der Innenstadt der Stadtteil mit der größten Studentendichte. Ganz im Süden schließen sich mehrere dörfliche Stadtteile an wie z. B. Vorrade, Beidendorf, Wulfsdorf, Blankensee oder das teilweise zu Lübeck, teilweise zum Herzogtum Lauenburg gehörende Krummesse. St. Jürgen war ursprünglich eine Vorstadt mit Gärtnereien und Weiden. Heute sind nur noch vier Gärtnereien erhalten, denn die Grünflächen bieten den meisten Raum für den Bau von Siedlungen, wie den Hochschulstadtteil, welcher in den letzten Jahren auf dem Gebiet des alten Mönkhofs entstanden ist. St. Gertrud im Norden der Altstadt ist ebenso wie St. Jürgen direkt in Altstadtnähe durch klassizistische Sommerhäuser und Gründerzeitvillen rund um den Stadtpark und die Wakenitz geprägt, weiter im Osten dann auch durch modernere Wohnviertel für alle sozialen Schichten. An der Trave findet sich das auch sehr sehenswerte Fischerdorf Gothmund mit einigen reetgedeckten Fischerkaten. Hier liegt auch der Lübecker Stadtwald Lauerholz, in dem sich auch heute noch die Grenze zur ehemaligen DDR nachvollziehen lässt. Jenseits des Stadtwaldes Lauerholz liegt der kleine Stadtteil Schlutup, der v. a. durch seinen an der Trave gelegenen Fischereihafen geprägt ist, der sich heute zu einem modernen Papierumschlaghafen wandelt. In Schlutup befand sich vor der Wende der nördlichste Grenzübergang zwischen der Bundesrepublik und der DDR, die Transitstrecke nach Rostock und Sassnitz im Zuge der B 105. Nördlich der Trave liegt Kücknitz, das alte Industrieviertel von Lübeck. Hier wurde bis in die 80er-Jahre in der Siemser Hütte Stahl verarbeitet und auch heute liegt hier noch ein wichtiger Teil des Lübecker Hafens, u. a. mit dem neu erbauten Containerterminal. Die Flenderwerft, die traditionsreiche Werft des Stadtteils, musste hingegen vor zwei Jahren Konkurs anmelden. An der Mündung der Trave liegt schließlich Travemünde, das bereits im 14. Jahrhundert von Lübeck erworben wurde und seit 1801 als Seebad anerkannt ist. Hier lockt ein breiter Sandstrand sowohl am eigentlich Ortskern als auch auf der Priwallhalbinsel, die zu Vor-Wende-Zeiten nur per Fähre erreicht werden konnte, weil sie am Ende von der DDR begrenzt wurde. Südlich der Priwallhalbinsel, der Ostsee abgewandt, liegt das Pötenitzer Wiek, eine große Bucht der Trave, die aufgrund ihrer Grenznähe auch als artenreiches Gebiet konserviert werden konnte. In Travemünde liegt aber auch der Skandinavienkai, der größte Ostseefährhafen Deutschlands, von wo aus Fähren in viele Ostseehäfen (u. a. Trelleborg, Helsinki, Klaipėda) starten.

Geschichte

Erste Besiedlung

Im Osten Holsteins findet die slawische Besiedelung um ca. 700 statt. Bereits auf die Zeit Karls des Großen geht eine erste Ansiedelung nördlich der Lübecker Altstadtinsel zurück. Dieses slawische Liubice (lieblich), das sich an der Mündung der Schwartau in die Trave befand und heute nach den Ausgrabungen ein wichtiges Bodendenkmal ist, war seit dem 10. Jahrhundert neben Oldenburg in Holstein (Starigard) die wichtigste Siedlung der Abodriten. Das in Liubice sesshafte Geschlecht der Nakoniden lag mit den Wilzen in ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen. Eine burgartige Befestigung für diese Zeit ist wahrscheinlich. Nach einer Erwähnung 819 wurde Liubicen erneut um das Jahr 1076 von Adam von Bremen in seiner Gesta Hammburgensis ecclesiae pontificum erwähnt, in der auch von der Steinigung des Ansverus im Jahr 1066 bei Einhaus berichtet wird. Im Jahr 1093 wurden dann die Abodriten in der Herrschaft durch die Wagrier abgelöst. Im Jahr 1138 wurde der Ort von Slawen niedergebrannt.

Deutsche Kolonisation

Die Stadt Lübeck in der heutigen Lage, auf dem Hügel Buku zwischen Trave und Wakenitz, wurde dann 1143 durch Adolf II., Graf von Schauenburg und Holstein neu begründet. 1149 wird Vizelin Bischof in Oldenburg.

Zeit der Hanse

Nach einem Brand 1157 wird Lübeck 1159 durch Heinrich den Löwen wiederaufgebaut. Dieser Zeitpunkt wird heute von Historikern als der Beginn der Kaufmannshanse (im Gegensatz zur späteren Städtehanse) angesehen. Mit der Chronica Slavorum sowohl des Helmold von Bosau wie in seiner Nachfolge des Arnold von Lübeck setzt während dieser Zeit auch die umfassendere schriftliche Überlieferung des Zeitgeschehens in Nordostdeutschland als geschichtliche Quelle ein. 1181 belehnt Kaiser Friedrich Barbarossa in Lübeck Herzog Bogislav I. mit dem Herzogtum Pommern, das dadurch reichsunmittelbar wird. Das Barbarossa-Privileg von 1188 sichert der Neugründung den territorialen Bestand und die Handelsmöglichkeiten. 1226 erlangte Lübeck von Kaiser Friedrich II. mit dem Reichsfreiheitsbrief die Reichsfreiheit und wird reichsunmittelbare Stadt. Die Stadt nahm rasch Aufschwung. Die Bedrohung der Eigenständigkeit durch die dänische Machtausdehnung unter Waldemar II wurde in der Schlacht von Bornhöved erfolgreich abgewehrt. Lübeck wurde zum Hauptort der Hanse und entwickelte sich zur zeitweise wichtigsten Handelsstadt des nördlichen Europas. Mitte des 13. Jahrhunderts entsteht der Verband der wendischen Städte unter Lübecks Führung und die Hanse wandelt sich zur Städtehanse. 1356 findet der erste allgemeine Hansetag in Lübeck statt. Die ständigen Auseinandersetzungen mit Dänemark wurden 1370 mit dem Frieden von Stralsund zu einem für die Hanse günstigen Abschluss gebracht. Damit erreichte Lübeck den Höhepunkt seiner Macht im Ostseeraum. Im 14. Jahrhundert war Lübeck nach Köln die zweitgrößte Stadt Deutschlands und neben Rom, Venedig, Pisa und Florenz eine der fünf Herrlichkeiten des Reiches, gemäß Edikt von Kaiser Karl IV. vom 20. Oktober 1375. Allerdings kommt es um 1380 zu inneren Unruhen, den Knochenhaueraufständen unter Hinrik Paternostermaker, dessen Verschwörung aber 1384 scheitert. 1384 Das Lübecker Stadtrecht (lübisches Recht) galt in vielen Hansestädten, und der Lübecker Rat war Appellationsinstanz für alle Hansestädte des Lübecker Rechtskreises. Hamburg und Lübeck arbeiteten eng zusammen, während Hamburg insbesondere den Nordseeraum und Westeuropa abdeckte, orientierte sich der Seeverkehr Lübecks besonders nach Skandinavien und in den gesamten Ostseeraum bis nach Nowgorod. Der Handelsverkehr zwischen den beiden Hansestädten wurde vorwiegend über Land durchgeführt, aber auch per Binnenschiff durch den Stecknitz-Kanal, über den auch das Salz aus Lüneburg (siehe auch: Alte Salzstraße), eines der wichtigsten Exportgüter Lübecks in Richtung Norden und Osten, transportiert wurde. Das Salz wurde im Ostseeraum benötigt, um Fisch zu konservieren. Der Hering war im Mittelalter im Binnenland eine beliebte Fastenspeise. Der von den Hamburgern mit erheblichem Aufwand betriebene Bau eines Kanals zwischen beiden Städten, des Alster-Beste-Kanals, führte hingegen nicht zum gewünschten Erfolg. Lübeck unterhielt auch eine bedeutende Kriegsmarine zum Schutz der Handelsinteressen der Hanse, auch zum Schutz gegen Seeräuber, wie die Vitalienbrüder. Auch der Beginn des 15. Jahrhunderts ist durch innere Unruhen von 1408–1415 geprägt, in deren Verlauf es zur Absetzung des Rates kommt, so dass Lübeck 1410 vorübergehend in Reichsacht gerät. Der Ostseehandel der Lübecker in dieser Zeit ist nicht nur von Salz, Heringen und Stockfisch geprägt. Ganz Nordeuropa wird von hier aus mit allen Waren des täglichen Bedarfs versorgt, eine herausragende Stellung nimmt auch der Handel mit Kunstgegenständen ein. Ein gutes Beispiel ist der bedeutende Maler und Bildhauer Bernt Notke, dessen Werke im gesamten Ostseeraum zu den herausragendsten Beispielen mittelalterlicher Kunst gehören. Die Handelsbeziehungen der Hanse förderten auch den Absatz von Büchern. Mit dem Aufkommen des Buchdrucks wird Lübeck Ende des 15. Jahrhunderts durch Drucker wie Steffen Arndes (Niederdeutsche Bibel, 1494) und später Johann Balhorn zum Druck- und Buchvertriebszentrum des Ostseeraums. 1500 wird Lübeck Teil des Niedersächsischen Reichskreises. Die Fehden mit Dänemark nehmen ab 1509 wieder zu, werden zunächst im Frieden von Malmö (1512) beigelegt. Die Fehden lodern jedoch bald wieder auf. Im Ergebnis verhilft Lübeck Gustav I. Wasa 1523 auf den schwedischen Thron; im Gegenzug wird die Insel Bornholm von 15251576 lübisch. 1576 Die Zeit von etwa 1522 bis 1530 ist geprägt von der im Vordringen befindlichen Reformation. 1531 berief der Rat Johannes Bugenhagen, um das Gemeinwesen (Kirche, Schule, Sozialfürsorge) im reformatorischen Sinn neu zu ordnen. Seine Der Keyserliken Stadt Lübeck christlike Ordeninge erschien im Mai 1531; Ende des Jahres zwang der Rat das Domkapitel in einem Vertrag zum Verzicht auf das Kirchenvermögen in der Stadt. Hermann Bonnus wurde erster Superintendent und Rektor der neugegründeten Lateinschule Katharineum. Jürgen Wullenwever, der im März 1533 durch eine umsturzartige Machtübernahme Bürgermeister wurde, versuchte mit militärischen Mitteln, die alte Vormachtstellung im Osteeraum wiederherzustellen und die Grafenfehde zu Gunsten Lübecks zu beeinflussen. Zur Finanzierung seiner militärischen Abenteuer ließ er unter anderem den Kirchenschatz einschmelzen. Doch er scheiterte dramatisch, musste 1535 die Stadt verlassen und wurde vom Erzbischof von Bremen gefangengenommen und 1537 hingerichtet. 1615 erhielt Lübeck eine der stärksten Befestigungsanlagen in Europa, die westlichen Wälle. Im Dreißigjährigen Krieg gelingt es Lübeck, neutral zu bleiben. 1629 wird hier der Friede von Lübeck zwischen den kaiserlichen Truppen und König Christian IV. von Dänemark geschlossen. Doch durch die Wirren des jahrzehntelangen Krieges, das völlige Ausbleiben der Heringschwärme in der Ostsee ab Mitte des 16. Jahrhunderts, aber auch durch die Umorientierung der europäischen Handelsströme nach Westen verlor die Hanse zunehmend an Bedeutung und Einfluss. 1630 löste sich diese auf und Lübeck blieb, genau wie Hamburg und Bremen, eine freie Hansestadt. Der letzte Hansetag fand 1669 in Lübeck statt. Die drei Städte Lübeck, Hamburg und Bremen wurden zu Sachwaltern der Hanse und ihres Restvermögens eingesetzt. Mit dem Ende der Hansezeit verlor Lübeck die überragende Bedeutung, blieb aber wichtige Handelsstadt nach Norden und Osten.

Von der Aufklärung zur Moderne

1669 Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 bleibt Lübeck noch reichsunmittelbare Stadt, um dann mit Fortfall des Heilgen Römischen Reiches 1806 ein souveräner deutscher Staat zu werden. Allerdings erfolgt am 6. November 1806 in Folge der für Blücher vernichtenden Schlacht von Lübeck die Besetzung der neutralen Stadt durch die Truppen Napoleons und 1811–1813 findet sich Lübeck wider Willen vorübergehend als Teil des französischen Kaiserreiches wieder; es wurde Arrondissement im Département Bouches-de-l'Elbe. Die wirtschaftlichen Folgen der Ausblutung durch die Besatzung werden für die Stadt bis zur Mitte des Jahrhunderts spürbar andauern. 1815 wird Lübeck auf dem Wiener Kongress völkerrechtlich souveränes Mitglied des Deutschen Bundes. 1835 stiftete der Senat die Bene Merenti für herausragende Dienste um und in Lübeck. Sie ist bis heute die bedeutendste Auszeichnung der Hansestadt. Lübeck wird tritt 1866 dem Norddeutschen Bund bei und wird 1871 Teilstaat des Deutschen Reiches. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzt die Industrialisierung ein. Die Bevölkerungszahl wächst und die Vorstädte breiten sich aus.

Die Geschichte der Juden in Moisling und Lübeck

Die ersten jüdischen Familien, die sich 1656 im Dorf Moisling – außerhalb der Lübecker Landwehr gelegen – niederließen, waren vor den Pogromen des ukrainischen Kosakenaufstandes (1648–1657) unter Hetman Bogdan Chmelniecki aus dem multinationalen Großreich Polen-Litauen geflohen. Der Eigentümer von Dorf und Gut Moisling, der Lübecker Bürgermeister Gotthard von Höveln (1603–1671), der die aschkenasischen Juden aus ökonomischen Erwägungen ansiedelte, stieß damit auf starken Widerstand bei Rat und Bürgerschaft, die bis dahin eine jüdische Ansiedlung sowohl im Lübecker Stadt- als auch Landgebiet verhindert hatten. Nach einer Eskalation des Streits unterstellte von Höveln sein Dorf 1667 königlich-dänischer Territorialhoheit. Der Erbe, sein Schwiegersohn von Wickede, erlangte 1686 und 1697 auf Grund königlicher Konzessionen das Niederlassungsrecht für Juden in Moisling und deren unbeschränkte Handels- und Verkehrsfreiheit im dänischen Gesamtstaat. Doch die holsteinischen Landjuden bedurften, um den täglichen Lebensunterhalt zu bestreiten, für ihre Handelstätigkeit des Lübecker Marktes. Der aber blieb ihnen bis 1852 weitgehend verschlossen. Zwischen 1702 und 1762 gehörte das Dorf gottorfischen bzw. dänischen Eigentümern. Die autonome jüdische Zivil- und Zeremonialgerichtsbarkeit des Unterrabbinats Moisling stand dem Altonaer Oberrabbiner zu. 1762 wurde das Dorf lübeckisches Privateigentum, so dass die Stadt ihre antijüdische Politik kontinuierlich durchzusetzen vermochte. Per Staatsvertrag zwischen Dänemark und Lübeck gelangte 1806 die Landeshoheit über Moisling an die Reichsstadt, wodurch die nunmehr 300 rechtlosen Landjuden Lübecker Staatsangehörige wurden; deren ungeregelter Rechtsstatus blieb bis 1848 unverändert. Die in der napoleonischen Phase (1811–1813) oktroyierte bürgerliche Gleichstellung der Juden, die u. a. zur Folge hatte, dass die Hälfte der Moislinger jüdischen Gemeinde nach Lübeck gezogen war, nahm der Senat 1814 zurück und vertrieb die Juden aus der Stadt. Im abseitigen Moislinger Zwangsgetto ernährten sich die kontinuierlich verarmenden Juden hauptsächlich vom Hausierhandel in benachbarten Territorien. Die traditionell gesetzestreue Gemeinde stellte 1825 einen altfrommen polnischen Rabbiner auf Lebenszeit an, konnte 1827 eine neue Synagoge weihen und 1837 eine Elementarschule einrichten. In der internen Auseinandersetzung um die Reform des Judentums obsiegten die Traditionalisten. Ihre politisch-rechtliche Emanzipation erlangten die Juden 1848 im Rahmen eines verfassungsrechtlichen Modernisierungsprozesses der freien Hansestadt Lübeck. Die ökonomisch-soziale Emanzipation bekräftigte abschließend und unwiderrufen ein 1852 verkündetes Gesetz, ebenso wie die Zulässigkeit einer interkonfessionellen Eheschließung (Mischehe).

20. Jahrhundert

Der Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918 führt in Lübeck zwar nicht zu übermäßigen revolutionären Verwerfungen, aber bereits 1918 zu einem neuen, zeitgemäßen Wahlrecht des Staates und im Mai 1920 zu einer neuen, ersten demokratischen Verfassung im modernen Sinne. Die Gemeinsamkeit der Hanse endet in diesem Jahr insofern, als die Freien Städte nunmehr keine gemeinsame, sondern fortan jeweils eigenständige Vertretungen beim Reich unterhalten. Wahlrecht Nach dem tragischen Lübecker Impfunglück erregte der anschließende Calmette-Prozess international Aufsehen und schrieb im Ergebnis Rechtsgeschichte. Im März 1933 setzt die NSDAP in Lübeck die Gleichschaltung durch und die demokratischen Verfassungsprinzipien außer Kraft. Durch das Groß-Hamburg-Gesetz verlor Lübeck 1937 seine 711 Jahre andauernde territoriale Eigenständigkeit und wurde zu einem Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein. In der Nacht zum Palmsonntag vom 28. März auf den 29. März 1942 wurde Lübeck als erste deutsche Großstadt mit einem Flächenbombardement von der britischen Royal Air Force bombardiert, als „Vergeltung“ für den deutschen Angriff auf die englische Stadt Coventry. In Lübeck wurden bei dem Bombenangriff 320 Menschen getötet, 1044 Gebäude der Stadt zerstört oder beschädigt, unter ihnen die Marienkirche, die Petrikirche und der Dom. Die Altstadt mit ihren schönen, mittelalterlichen Häusern trug bleibende Schäden davon. Der Schweizer Diplomat und Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz Carl Jacob Burckhardt 1944 erreichte, dass der Lübecker Hafen zum Umschlaghafen für Schiffe des Roten Kreuzes wurde und die Stadt somit vor weiteren Bombardierungen geschützt werden konnte. Hierfür wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt zu teil. Nach 1945 vergrößerte sich Lübecks Einwohnerzahl erheblich durch Zuzug von Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten. Bis 1989 blieb Lübeck Grenzstadt an der innerdeutschen Grenze mit einer gesamten Grenzlänge von ca. 44 km. In Schlutup befand sich dabei der nördlichste innerdeutsche Grenzübergang. Seit der Wiedervereinigung ist Lübeck wieder Oberzentrum auch für das westliche Mecklenburg.

Weltkulturerbe

1987 wurden die erhaltenen Teile des mittelalterlichen Stadtkerns auf der Altstadtinsel von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Damit wurde erstmals in Nordeuropa eine ganze Altstadt als Weltkulturerbe anerkannt. Ausschlaggebend waren dabei der exemplarische Charakter der Altstadt für die mittelalterliche Stadtentwicklung im Ostseeraum, die markante Stadtsilhouette mit den sieben Türmen der fünf Hauptkirchen und die geschlossen erhaltene vorindustrielle Bausubstanz. Hinzu kam als weitere schützenswerte Besonderheit der für die archäologische Erforschung des mittelalterlichen Städtewesens außerordentlich ergiebige Untergrund. Der von der UNESCO geschützte Bereich bezieht die wichtigsten Bauwerke Lübecks ein: den Baukomplex des Rathauses, das Burgkloster, den Koberg – ein vollständig erhaltenes Viertel des späten 13. Jh. – mit Jakobikirche, Heiligengeist-Spital und den Baublöcken zwischen Glockengießer- und Aegidienstraße, das Viertel der Patrizierhäuser des 15. und 16. Jh. zwischen Petrikirche und Dom, das Holstentor und die Salzspeicher am linken Traveufer.

Geschichte der Eingemeindungen und Gebietsänderungen

Wie die meisten ehemaligen Freien Reichsstädte konnte auch Lübeck im Laufe der Geschichte neben dem eigentlichen Stadtgebiet umliegende Dörfer und Städte (etwa Travemünde im Jahre 1329) erwerben. Das Staatsgebiet der Freien Reichsstadt Lübeck bestand daher bis 1937 aus dem eigentlichen Stadtgebiet und dem sog. Landgebiet, also einer Vielzahl von Landgemeinden, die zum Teil auch als Exklave außerhalb des sonst geschlossenen Gebiets lagen. Die Gemeinden des Landgebiets hatten eine eigene Verwaltung beziehungsweise die Bewohner dieser Orte des Landgebietes des Lübschen Staates (des Niederstadtgebietes unter Verwaltung des Niederstadtprokurators) hatten andere Rechte als die der eigentlichen Stadt. Auch die Gerichtsbarkeit war eine andere, nämlich die des Niedergerichts, das in der Gerichtslaube auf dem Koberg Recht sprach. Das Landgebiet war in folgende Teilgebiete eingeteilt: „Vor dem Burgtor“, „Vor dem Holstentor“, „Vor dem Mühlentor“ und „Gebiet außerhalb der Landwehr (inclusive Exklaven)“. Für das Bewaffnungswesen war das gesamte Staatsgebiet Lübecks in fünf Bezirke eingeteilt: Holstentor-, Mühlentor-, Burgtor-, Ritzerauer und Travemünder Bezirk. 1804 vergrößerte sich das Landgebiet erheblich, als der Senat durch einen Vergleich mit dem Herzog von Oldenburg das durch den Reichsdeputationshauptschluss säkularisierte Stiftsland des Domkapitels und den Landbesitz des St. Johannisklosters aufteilte. In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzten sich für die Vorstädte, also die Gebiete vor den Stadttoren, eigene Bezeichnungen durch: St. Jürgen, St. Gertrud, St. Lorenz. 1861 wurden die Grenzen der Vorstädte offiziell festgelegt. Später wurden die Vorstädte um Gebiete der angrenzenden Landgemeinden vergrößert. Die erste größere Eingemeindung wurde 1913 vollzogen, als Travemünde und 11 Landgemeinden mit der Stadt Lübeck vereinigt wurden. Das Stadtgebiet umfasste danach zunächst noch zwei getrennte Teile. Dazwischen lagen mehrere Landgemeinden. 1935 wurden jedoch beide Teile des Stadtgebiets durch die Eingliederung weiterer Landgemeinden geschlossen. Die Landgemeinden außerhalb des geschlossenen Gebiets (Exklaven) blieben zunächst noch bei Lübeck. Sie wurden 1937 mit dem Groß-Hamburg-Gesetz, als die Stadt Teil der Provinz Schleswig-Holstein wurde, vollständig von Lübeck abgetrennt und den benachbarten Landkreisen zugeordnet. Im einzelnen wurden die Landgemeinden des Staates Lübeck wie folgt in die Stadt Lübeck eingegliedert:
- 1903: ein Teil der Landgemeinde Vorwerk
- am 1. April 1913: (die eingegliederten Gemeinden waren danach „Vorstädte“)
  - Stadt Travemünde und Landgemeinde Gneversdorf: Sie bildeten fortan den Stadtteil „Kurort und Seebad Travemünde“
  - Landgemeinde Siems: Sie bildete mit dem Gebiet der Trave von der Mündung der Schwartau abwärts bis zum Durchstich bei der Herrenfähre den Stadtteil „Siems-Dänischburg“
  - Landgemeinden Kücknitz (zum Teil, der Rest kam zur Landgemeinde Pöppendorf) und Herrenwyk sowie kleinere umliegende Gebiete: Sie bildeten den Stadtteil „Kücknitz-Herrenwyk“
  - Landgemeinden Krempelsdorf, Vorwerk, Moisling und Genin: Sie wurden jeweils eigenständige Stadtteile
  - Landgemeinde Schlutup: Sie bildete mit umliegenden Gebieten den Stadtteil Schlutup.
  - Landgemeinden Gothmund und Israelsdorf (zum Teil, der Rest kam zur Landgemeinde Wesloe): Sie gehörten fortan zur Vorstadt St. Gertrud
- am 12. September 1921: Landgemeinden Schönböcken und Wesloe
- am 1. April 1927: Landgemeinde Strecknitz (nördlicher Teil)
- am 12. März 1932: Rest der Landgemeinde Strecknitz (sie wurde Teil von St. Jürgen)
- am 1. Mai 1935: (die eingegliederten Landgemeinden wurden danach zu äußeren Vorstädten)
  - Landgemeinden Beidendorf, Blankensee, Brodten, Dummersdorf, Ivendorf, Kronsforde, Krummesse, Moorgarten, Niederbüssau, Niendorf, Oberbüssau, Pöppendorf, Reecke, Rönnau, Teutendorf, Vorrade und Wulfsdorf

Historische Einwohnerentwicklung

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1870 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Provinz Schleswig-Holstein Zukunftsforscher sagen für die weitere Entwicklung bis 2020 einen Einwohnerverlust von ca. 5–6 % voraus. In Anbetracht der Alterstruktur der Stadt ist diese Zahl im Vergleich gering; allerdings soll die Geburtendifferenz im Wesentlichen durch den Zuzug von sog. Alten ausgeglichen werden, die das kompakte und konzentrierte kulturelle Angebot der Stadt mit ihrer daraus resultierenden besonderen Lebensqualität zu schätzen wissen.

Geschichte der Konfessionen in Lübeck

Mit dem Wiederaufbau der Stadt verlegte Heinrich der Löwe 1160 den Bischofssitz aus Oldenburg (Holstein) hierher und stiftete den Dom als Bischofskirche. Die persönliche Residenz des Bischofs blieb in Eutin, das dadurch später zum Zentrum des Fürstbistums Lübeck wurde. Siehe auch:
- Bistum Lübeck
- Liste der Bischöfe von Lübeck Ab 1524 hielt die Reformation Einzug in der Stadt (erste evangelische Predigt), und 1530/31 führte der Rat der Stadt eine neue Kirchenordnung von Johannes Bugenhagen ein. Danach war Lübeck über viele Jahre eine protestantische Stadt. Als Freie Reichsstadt hatte in Lübeck der Senat das landesherrliche Kirchenregiment inne und konnte die kirchlichen Angelegenheiten selbst regeln. Die Verwaltung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lübeck erfolgte durch das Konsistorium, das jedoch eher ein kirchliches Gericht als eine Behörde war, sowie durch das Geistliche Ministerium, an dessen Spitze bis 1796 ein Superintendent, dann ein Senior stand. 1921 erhielt die Landeskirche eine neue Verfassung und 1948 wurde sie Gründungsmitglied der EKD. 1977 schloss sie sich der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche an und wurde Sitz des Sprengels Holstein-Lübeck dieser neuen Landeskirche. Die Kirchengemeinden der Stadt gehören zum Kirchenkreis Lübeck. Im Mai 1656 siedelte der Lübecker Bürgermeister von Höveln in seinem Gut und Dorf Moisling die ersten jüdischen Familien an. 1666 entstand in Lübeck eine reformierte Gemeinde; hinzu kam 1689 eine französisch-reformierte Gemeinde, die sich aus zugewanderten Hugenotten rekrutierte. Beide Gemeinden vereinigten sich 1781 zur „Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Lübeck“, welche 1926 der Evangelisch-reformierten Landeskirche der Provinz Hannover beitrat. Im 19. Jahrhundert zogen auch wieder Katholiken in die Stadt. 1849 erhielten sie eine erste Rechtsordnung und 1888 wurde die erste katholische Kirche Lübecks, die Herz-Jesu-Kirche – heute Propsteikirche Herz-Jesu – gebaut. Weitere katholische Gemeinden wurden im 20. Jahrhundert gegründet. Sie gehörten zunächst zum „Apostolischen Vikariat der Nordischen Missionen“ und ab 1930 aufgrund des Preußischen Konkordates von 1929 zum Bistum Osnabrück. Aus den nördlichen Gebieten dieses Bistums entstand 1993 das neue Erzbistum Hamburg, zu dem die Stadt Lübeck nunmehr gehört. Offiziell errichtet wurde das Erzbistum Hamburg allerdings erst am 7. Januar 1995. Die Pfarrgemeinden der Stadt Lübeck gehören innerhalb der Erzdiözese Hamburg zum Dekanat Lübeck. Seit dem Jahr 1901 ist die Neuapostolische Kirche in Lübeck vertreten. Von besonderer Bedeutung für die Ökumene in Lübeck ist das Gedenken an die Lübecker Märtyrer. Die drei katholischen Priester Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller sowie der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink wurden 1942 verhaftet, vom nationalsozialistischen Volksgerichtshof 1943 wegen „Rundfunkverbrechen, landesverräterischer Feindbegünstigung und Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt und am 10. November 1943 in Hamburg durch Enthaupten hingerichtet.

Politik

Bürgermeister

Die Leitung der Stadt Lübeck oblag über Jahrhunderte dem Rat der Stadt mit dem oder den Bürgermeistern an der Spitze. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Rat mit Senat bezeichnet. Dieser hatte 16 Senatoren und vier Bürgermeister, wobei die beiden ältesten sich im Vorsitz jährlich ablösten. Ab 1848 gab es nur noch zwei Bürgermeister. Sie waren lediglich Vorsitzende des Senats, nicht aber „Staatsoberhaupt“ der Freien Hansestadt Lübeck. Neben dem Senat gab es die „Bürgerschaft“ als „Parlament“. 1933 wurde die Bürgerschaft aufgelöst und der Senat verkleinert. Vorsitzender war fortan der „Oberbürgermeister“. Am 1. April 1937 wurde Lübeck im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes in die preußische Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert, verlor damit seine Reichsunmittelbarkeit, also seine territoriale Souveränität. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Schleswig-Holstein Teil der britischen Besatzungszone. Die Militärregierung führte 1946 eine zweigleisige Verwaltungsspitze ein. Danach gab es zunächst einen Bürgermeister als Vorsitzenden der „Bürgerschaft“ und daneben einen Oberstadtdirektor als Leiter der Verwaltung. Auf die erst seit 1933 geführte Amtsbezeichnung Oberbürgermeister für den Vorsitzenden der Bürgerschaft wurde verzichtet, weil der Titel Bürgermeister in Lübeck eine lange Tradition hat. Die schleswig-holsteinische Gemeindeordnung von 1950 übertrug den Titel „Bürgermeister“ dem Leiter der Verwaltung und führte für den Vorsitzenden der Bürgerschaft wie bei allen größeren Städten Schleswig-Holsteins die neue Bezeichnung Stadtpräsident ein. Der aktuelle Lübecker Bürgermeister ist seit 2000 Bernd Saxe von der SPD, der aktuelle Stadtpräsident seit 2003 Peter Sünnenwold von der CDU. CDU Bei der Bürgermeisterwahl (amtliches Endergebnis in Klammern) am 4. September 2005 traf Bernd Saxe (47,2 %) auf vier konkurrierende Herausforderer. Der Herausforderer der CDU war Michael Koch (24,0 %). Zudem stellten sich noch Susanne Hilbrecht von Bündnis 90/Die Grünen (4,6 %) sowie die parteilosen Bewerber Gabriele Meißel (3,7 %) und Dr. Raimund Mildner (20,5 %) zur Wahl. Da im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen nötig ist, um die Wahl zu gewinnen, traten am 18. September 2005 Bernd Saxe (SPD) und Michael Koch (CDU) zur Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters an. Aus dieser ging der Amtsinhaber Bernd Saxe (SPD) mit 62 % der Stimmen als Sieger hervor. Siehe auch: Lübecker Bürgermeister und Stadtpräsidenten

Bürgerschaft

In der Lübecker Bürgerschaft verfügt die CDU seit der letzten Kommunalwahl erstmals seit längerer Zeit wieder über eine Mehrheit, die jedoch offenbar gegen einen sozialdemokratischen Verwaltungschef nur schwer umzusetzen ist. Die Bürgerschaft besteht aus 50 Abgeordneten; die CDU stellt 27, die SPD 17, die Grünen 4 und die F.D.P. 2. Mit Metin Hidir trat 2005 der erste Nicht-Deutsche der Lübecker Bürgerschaft bei.

Wappen

Das Wappen der Stadt Lübeck zeigt in Gold einen rot bewehrten, schwarzen Doppeladler mit einem von Weiß und Rot geteilten Brustschild. Es handelt sich um den „Reichsadler“ als Symbol der ehemaligen Reichsfreiheit der Stadt Lübeck, welche die Stadt bis 1937 genoss, als sie durch das Groß-Hamburg-Gesetz der preußischen Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert wurde. Die Stadtfarben sind Weiß-Rot. In der oberen Ecke der Flagge an der Flaggenstange befindet sich der Adler des Stadtwappens.

Städtepartnerschaften

Lübeck unterhält eine Städtepartnerschaft mit folgenden Städten:
- Kotka (Finnland), seit 1969
- Wismar (Mecklenburg-Vorpommern), seit 1987
- La Rochelle (Frankreich), seit 1988, Freundschaftsvertrag bereits seit 1980
- Klaipėda (ehem. Memel) (Litauen), seit 1990
- Visby (Schweden), seit 1999 Freundschaftsverträge bestehen mit Venedig (Italien) seit 1979, mit Kawasaki (Japan) seit 1992 und mit Bergen (Norwegen) seit 1996. Darüber hinaus unterhält Lübeck freundschaftliche Beziehungen mit mehr als 100 anderen europäischen Städten, die regelmäßig an den Hansetagen der Neuzeit teilnehmen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Hansetag

Hafen

Der Lübecker Hafen ist der größte deutsche Ostseehafen und Tor nach Skandinavien und ins Baltikum. Zahlreiche Fährlinen verbinden die Lübecker Häfen mit dem gesamten Ostseeraum. Der Skandinavienkai ist der größte Fährhafen Europas. Die stadtnahen Häfen Hansekai und Roddenkoppelkai werden heutzutage kaum noch für die gewerbliche Seeschifffahrt genutzt. Am Roddenkoppelkai legt alle paar Monate mal ein Viehtransporter an, der Hansekai dient allenfalls Binnenschiffen oder Kurzzeit-Aufliegern als Liegeplatz. Der Konstinkai ist Hauskai der Transfennica-Reederei, die rollende Ladung zu finnischen Häfen befördert. Außerdem werden hier gelegentlich kleine Küstenbulker gelöscht, die Getreide für die Brüggen-Cornflakes-Werke anlanden. Unmittelbar südlich vom Konstinkai ist der Burgtorkai, der früher als Kreuzfahrtterminal diente. Durch den zur Zeit anlaufenden Bau der Nordtangente und die damit verbundene Straßenquerung über die Trave in Höhe des Nordlandkais können große Schiffe den Burgtorkai bald nicht mehr anlaufen. Der Nordlandkai ist „Heimathafen“ der riesigen Finncarriers – haushohe RoRo-Schiffe, die rollende Ladung nach Finnland und Russland verschiffen. Gelegentlich machen am ATR-Getreidesilo größere Überseeschiffe fest, die Getreide für Fernost oder Südostasien laden. Diese Schiffe stellen für Schiffsenthusiasten einen wahren Leckerbissen dar. In privater Hand sind die Lehmannkais I–III der Lübecker Firma Hans Lehmann, die Anfang 2004 das Gelände der ehemaligen Flender-Werft dazu gekauft hat und hier drei oder vier RoRo-Anleger bauen wird, um mit dem Partner DFDS weitere Fährlinien in den russischen und baltischen Raum akquirieren zu können. Ein ähnliches Ziel verfolgt die städtische Lübecker Hafengesellschaft (LHG) mit den Flächen am danebenliegenden Seelandkai. Zwischen Seelandkai und Lehmannkai I betreibt die Hamburger Hafen- und Lagerhaus AG durch ihre Tochter Combisped das moderne Containerterminal-Lübeck mit Containerbrücken zur Verladung von der und auf die Bahn in Richtung der Containerterminals im Hamburger Hafen. Noch recht neu ist der Schlutupkai, an dem hauptsächlich Papier aus Schweden angelandet wird. Der Skandinavienkai im Stadtteil Travemünde ist der Fährhafen Lübecks – und mit etwa 130 regelmäßigen Abfahrten pro Woche der größte Fährhafen Europas: Passagiere und Fracht werden von hier aus nach Schweden (z.B. Malmö und Göteborg), Finnland, Russland und ins Baltikum befördert. Am Ostpreußenkai vor der Travemünder Hafenpromenade „Vorderreihe“ legen Kreuzfahrtschiffe und Großsegler an.
- Elbe-Lübeck-Kanal Der Elbe-Lübeck-Kanal ist für Lübecks Hafenwirtschaft leider nur von untergeordneter Bedeutung, weil die Bundesrepublik Deutschland als Eigentümerin seit Jahrzehnten die erforderlichen Ausbaumaßnahmen nicht in Angriff nimmt. Siehe: Hauptartikel Elbe-Lübeck-Kanal
- Museumshafen An der Untertrave Direkt vor der Lübecker Altstadt liegt der Lübecker Museumshafen, der, weil viele Oldtimer von privater Hand noch „in Fahrt“ gehalten werden, im Winter naturgemäß voller ist als im Sommer. Zu den Prunkstücken gehören das Feu

Isaac Newton

, 1702)]] Sir Isaac Newton [] (
- 4. Januar 1643 in Woolsthorpe-by-Colsterworth in Lincolnshire, † 31. März 1727 in London nach dem Gregorianischen Kalender; jedoch
- 25. Dezember 1642, † 20. März 1727 nach dem damals in England noch geltenden Julianischen Kalender) war ein englischer Physiker, Mathematiker, Astronom, Alchemist und Philosoph. Außerdem beschäftigte er sich lange auf den Gebieten der Alchemie und Theologie. In der Sprache seiner Zeit, die zwischen Physik und Philosophie noch nicht scharf trennte, war Newton Philosoph.
Sir Isaac Newton ist der Verfasser der Philosophiae Naturalis Principia Mathematica (veröffentlicht am 5. Juli 1687), in der er die universelle Gravitation und die Bewegungsgesetze beschrieb und damit den Grundstein für die klassische Mechanik legte. Newton ist ebenso einer der Begründer der Differenzialrechnung (einem Teilgebiet der Infinitesimalrechnung), die er fast zeitgleich mit Gottfried Wilhelm Leibniz, aber unabhängig von diesem und ohne Zusammenarbeit mit Leibniz entwickelte. Während Newton vom physikalischen Prinzip der Momentangeschwindigkeit ausging, versuchte Leibniz eine mathematische Beschreibung des geometrischen Tangentenproblems zu finden.
Aufgrund seiner Leistungen, vor allem auf den Gebieten der Physik und Mathematik, gilt Sir Isaac Newton als einer der größten Wissenschaftler aller Zeiten. Auch die Principia Mathematica wird als eines der wichtigsten wissenschaftlichen Werke eingestuft.

Leben und Werk

Tangentenproblems Newtons Vater, ein Landwirt, starb vor der Geburt Newtons. 1646 heiratete seine Mutter zum zweiten Mal und Isaac kam zu seiner Großmutter. Bald darauf starb auch sein Stiefvater, so dass Isaac nach Woolsthorpe zurückkehrte. Er besuchte die Grundschule in Grantham und mit 18 Jahren das Trinity College in Cambridge, das kurz nach dem Abschluss seines Studiums 1665 wegen einer Pestepidemie geschlossen werden musste. Also kehrte er abermals zurück in sein Elternhaus. 1666 stellte er seine Gravitationstheorie auf. Er schliff Linsen und baute ein später nach ihm benanntes Spiegelteleskop, das er dem König vorführte. Der König war beeindruckt und erkannte Newton an. Das war der erste Schritt zu seinem Ruhm. In einem Brief an die Royal Society erwähnte Newton im Zusammenhang mit dem Bau des neuartigen Teleskops gegenüber dem damaligen Sekretär Henry Oldenburg eine neue Theorie des Lichtes. 1672 veröffentlichte er seine Niederschrift "New Theory about Light and Colours" in den Philosphical Transactions der Royal Society auf Anfrage Oldenburgs, worin er unter anderem die Brechung des Lichts erläuterte. Diese Niederschrift rief große Diskussionen hervor. Besonders zwischen ihm und Robert Hooke herrschte ein angespanntes Verhältnis, da beide angesehene Wissenschaftler waren, doch grundverschiedene Meinungen hatten und jeder auf sein Recht pochte. In den "New Theory about Light and Colours" vertrat Newton die Korpuskeltheorie des Lichts, bei der er von einem Teilchenmodell ausging. Im Gegensatz zu René Descartes ging Newton jedoch davon aus, dass die Farben ursprüngliche Eigenschaften des Lichtes sind. Außerdem führte dies zu einem wiederum erbittert ausgetragenen Disput mit Christiaan Huygens und dessen Wellentheorie des Lichtes, welchen er 1715 durch Desaguliers vor der Royal Society für sich entscheiden ließ. Im Jahre 1800 (also lange nach beider Tod) führte Thomas Young jedoch weitere Experimente zu Gunsten der Wellentheorie durch. Heute sind beide Theorien in der Quantenmechanik mathematisch vereint.
Von 1675 bis 1682 befand sich Newton in einer Phase der Inaktivität und der Selbstzweifel. Danach stellte er das Gravitationsgesetz auf. Er schrieb eine weitere Niederschrift über seine physikalischen Entdeckungen, in der er auch das Problem löste, warum die Planeten elliptische Bahnen ziehen. 1687 schrieb er sein Hauptwerk, die "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica" (Mathematische Prinzipien der Naturphilosophie). In diesem Werk vereinte er die Forschungen Galileo Galileis zur Beschleunigung und Johannes Keplers zu den Planetenbewegungen zu einer einheitlichen Theorie der Gravitation und legte die Grundsteine der klassischen Mechanik, indem er die drei Grundgesetze der Bewegung formulierte. Wieder folgte ein Streit mit Hooke über das Gravitationsgesetz. Grundgesetze der Bewegung Zwei Jahre später starb seine Mutter und Newton fing an, einen theologischen Briefwechsel mit dem englischen Philosophen John Locke zu führen. 1696 oder 1699 wurde er zum Direktor der Königlichen Münze in London ernannt. Sein hartes Vorgehen gegen Falschmünzer war berüchtigt. Drei Jahre später (1699) wurde er an der Pariser Akademie zu einem von acht auswärtigen Mitgliedern berufen. Im Jahr 1700 erfand er mit der Newton-Skala eine eigene Temperaturskala. 1703 folgte der Titel "Präsident der Royal Society", den er bis zum Ende seines Lebens innehatte. Ein Jahr danach starb sein Erzfeind Hooke und er konnte endlich seine "Opticks or a treatise of the reflections, refractions, inflections and colours of light" (Optik oder eine Abhandlung über die Reflexion, Brechung, Krümmung und die Farben des Lichtes) veröffentlichen. Am 16. April 1705 wurde er von Königin Anne wegen seiner Verdienste um die Wissenschaft zum Ritter geschlagen. Im selben Jahr begannen auch die Prioritätsschwierigkeiten mit Gottfried Wilhelm Leibniz über die Erfindung der Infinitesimalrechnung. In Newtons 1712 erschienenem Buch "Historia coelestis Britannica" verwendete dieser unautorisiert die von John Flamsteed stammenden sogenannten Flamsteed-Bezeichnungen, was ebenfalls einen Streit um das Urheberrecht nach sich zog. Er bezog dann ein herrschaftliches Haus, das ein kleines Observatorium beherbergte und studierte alte Geschichte, Theologie und Mystik. Ab 1707 wurde Newtons Haus von seiner Halbnichte Catherine Barton geführt. Nach seinem Tod im Jahr 1727 wurde er unter großen Feierlichkeiten in der Westminster Abbey beigesetzt. Sein Bild prangte von 1978 bis 1984 auf der englischen 1-Pfund-Note. Newton galt als recht zerstreut und bescheiden, reagierte jedoch häufig sehr scharf auf Kritik. Er lebte fast durchgängig in häuslicher Gemeinschaft mit anderen Männern. Es wird auch die Geschichte erzählt, dass Newton, der grübelnd unter einem Apfelbaum saß, ein Apfel auf den Kopf fiel, was ihn auf die Idee brachte, die Himmelsmechanik beruhe auf derselben Gravitation wie der Fall von Äpfeln auf die Erde. Dies geht jedoch nicht auf Newton selbst zurück, sondern auf Voltaire. Ob es sich wirklich so zugetragen hat, ist fraglich.

Forschung in Naturwissenschaft und Philosophie

Physik und Mathematik

Voltaire Newtons Forschungen auf dem Gebiet der Lichtbrechung (Optik) zeigten, dass ein Prisma weißes Licht in ein Farbenspektrum aufspalten kann. Aus seiner Arbeit schloss er, dass jedes Linsenteleskop unter der Dispersion des Lichtes leiden würde und schlug ein Spiegelteleskop vor, um die Probleme zu umgehen. Später wurden achromatische Linsenkombinationen aus Gläsern verschiedener Brechungseigenschaften entwickelt. Er leitete in der "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica" das Gesetz der Gravitation ab und bewies dessen Bedeutung für die Keplerschen Gesetze, wodurch er in der Lage war die Planetenbewegungen nicht nur wie Johannes Kepler zu beschreiben, sondern erstmals auch zu begründen. Auch die Grundsteine der klassischen Mechanik, die drei Grundgesetze der Bewegung und die Konzepte von absoluter Zeit, absolutem Raum, der Fernwirkung und so auch indirekt das Konzept des Determinismus wurden von ihm gelegt. Zusammen waren dies die wesentlichen Grundprinzipien der Physik und als solche bildeten sie für über 200 Jahre die Basis des naturwissenschaftlichen Weltbildes vieler Generationen, bis hin zur Relativitätstheorie Albert Einsteins. Zusätzlich zu seinen fundamentalen Leistungen zur Physik ist er neben Gottfried Wilhelm Leibniz auch einer der Begründer der Infinitesimalrechnung und hat auch wichtige Beiträge zur Algebra erbracht. Nach Newton sind das newtonsche Näherungsverfahren und die SI-Einheit der Kraft (Newton), die newtonsche Axiome sowie die Newton-Cotes-Formeln benannt, außerdem der am 30. März 1908 von J. H. Metcalf in Taunton entdeckte Asteroid (662) Newtonia. Von Newton stammt auch die erste Skizze eines Gerätes zur Winkelmessung mit Hilfe von Spiegeln und somit die Grundidee für die ein halbes Jahrhundert später erfundenen Sextanten

Der Newtonsche Zeitbegriff

Newtonaller Dinge. Des Weiteren sei sie eine feststehende Größe, die für jeden und überall gleich sei und sich nie ändere.
Außerdem sei die Zeit so feststehend, dass sie von Anbeginn an geplant gewesen sein müsse, also auf einen Schöpfer hinweise. Die Zukunft, die Gegenwart und die Vergangenheit stünden also schon im vornherein fest, was im deterministischen Weltbild Newtons mündete. Dieses ist jedoch auch nicht konfliktfrei mit dem christlichen Konzept des freien Willens und zudem ein Teilaspekt des Theodizeeproblems.
Newtons Zeitverständis dominierte über 200 Jahre lang die Wissenschaft bis zu Albert Einsteins Relativitätstheorie und der Heisenbergschen Unschärferelation.

Weitere Arbeiten

Weniger bekannt als seine wissenschaftlichen Errungenschaften aus heutiger Sicht sind Newtons Arbeiten in der christlichen Theologie und in der Alchemie, einem der Vorgänger des modernen Naturwissenschaftsverständnisses. In der Theologie vertrat Newton eine antitrinitarische Ansicht. Neben seinen physikalischen Arbeiten verbrachte er auch viel Zeit mit der Suche nach dem Stein der Weisen.

Literatur


- Neal Stephenson: Quicksilver Goldmann, 2004, ISBN 3-442-54568-4 (Historischer Roman)

Weblinks


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- [http://www.newtonproject.ic.ac.uk/ Newton-Projekt am Imperial College London (englisch)]
- [http://www.indiana.edu/~college/WilliamNewmanProject.shtml Projekt der Indiana University Newtons alchemistische Notizen zu dechiffrieren (englisch)]
- [http://www.isaac-newton-oberschule.de Isaac-Newton-Oberschule] Primärtexte:
- [http://burndy.mit.edu/Collections/Babson/ Babson Collection MIT (Originale Bücher und Manuskripte als pdf-Datei)] Newton, Isaac Newton, Isaac Newton, Isaac Newton, Isaac Newton, Isaac Newton, Isaac Newton, Isaac Newton, Isaac Newton, Isaac Newton, Isaac ja:アイザック・ニュートン ko:아이작 뉴턴 ms:Isaac Newton simple:Isaac Newton th:ไอแซก นิวตัน

Cambridge (England)

Cambridge ist die Hauptstadt der Grafschaft Cambridgeshire und liegt am Fluss Cam etwa 80 km nordöstlich von London im Osten Englands. Berühmt sind die Universität Cambridge, die gotische Kapelle und der Chor des King's College sowie die Universitätsbibliothek. Das Trinity College hat eine große Zahl von Nobelpreisträgern hervorgebracht und wurde unter anderem von Isaac Newton besucht. Bekannt in der Öffentlichkeit sind die jährlichen Ruderwettbewerbe zwischen den Universitäten Cambridge und Oxford. Einwohner: 108.863, davon 22.153 Studenten (2001).

Sehenswürdigkeiten

Bei Cambridge liegt Duxford mit dem Duxford Imperial War Museum.

Persönlichkeiten


- Douglas Adams, englischer Schriftsteller
- Richard Attenborough, britischer Schauspieler und Regisseur
- Syd Barrett, britischer Gitarrist, Sänger und Songschreiber
- Matthew Bellamy, Frontmann der englischen Indie-Rockband Muse
- Christopher Cockerell, britischer Ingenieur und Erfinder
- Richard Garriott, Computerspiel-Entwickler
- Douglas Rayner Hartree, britischer Mathematiker und Physiker
- Geoffrey Keynes, britischer Mediziner, Wissenschaftler und Bibliophiler
- John Maynard Keynes, Mathematiker und Ökonom John Maynard Keynes
- Olivia Newton-John, australisch-US-amerikanische Sängerin, Schauspielerin und Songwriterin
- Jenny Saville, englische Künstlerin
- William Thomas Stearn, britischer Botaniker
- George Paget Thomson, englischer Physiker
- Andrew Wiles, britischer Mathematiker

Weblinks


- [http://www.cambridge.gov.uk/ Offizielle Webseite der Stadt Cambridge]
- [http://www.camcity.co.uk/ Auf Cambridge spezialisierte Suchmaschine]
- [http://astrid-kaiser.de/gallery/album16?page=1 Fotos von Cambridge] Kategorie:Ort in England ko:케임브리지

Phosphor

Phosphor (von griechisch φως-φορος = lichttragend, vom Leuchten des weißen Phosphors) ist ein chemisches Element mit dem Symbol P und der Ordnungszahl 15. Phosphor ist eines der Grundelemente der organischen Chemie und als Mineralstoff Baustein jedes lebenden Organismus.

Geschichte

Phosphor wurde 1669 von Hennig Brand, einem deutschen Apotheker und Alchemisten, entdeckt, als dieser - auf der Suche nach dem "Stein der Weisen" - Urin destillierte und der Rückstand glühte. Obwohl Phosphor zu dieser Zeit noch keine Verwendung außer als Nachtlampe fand, wurde es mit Gold aufgewogen. Henning Brand wurde durch diese Entdeckung nicht reich und verkaufte das Herstellungsrezept an einen Alchemisten, der hiermit ein Vermögen machte.

Vorkommen

In der Natur kommt Phosphor ausschließlich in gebundener Form, das heißt nicht gediegen, meist in Form der Phosphate in der Erdkruste vor (Gehalt in der Erdkruste: ~ 0,11 %). Typische Mineralien sind etwa die Apatite Ca5(PO4)3(F,Cl,OH). Besonders der Fluorapatit und der mit Calciumcarbonat durchsetzte Phosphorit stellen ökonomisch die wichtigsten Phosphate dar. Darüber hinaus gibt es weitere phosphorhaltige Mineralien, wie beispielsweise den Wavellit Al3(PO4)(F,OH) · 5 H2O, den Vivianit Fe3(PO4)2 · 8 H2O und den Türkis CuAl6[(PO4)(OH2)]4 · 4 H2O. Von den weltweit jährlich geförderten etwa 100 Millionen Tonnen an Rohphosphaten werden etwa 90 % zur Herstellung von Düngemitteln verwendet. Phosphor hat auch in der organischen Welt eine wichtige Bedeutung und kommt in verschiedensten Bereichen der Fauna und Flora vor: Etwa als Hydroxyapatit Ca5(PO4)3OH, welcher einer der Hauptbestandteile der Gerüstsubstanz ist, die in Knochen und Zähnen vorkommt. Weiterhin spielen Phosphate als Bestandteile der Nukleinsäuren und als Energieträger, wie z. B. ATP, eine wichtige Rolle in lebenden Organismen.

Gewinnung und Darstellung

In elektrischen Lichtbogenöfen wird Calciumphosphat in Form der Mineralien Phosphorit oder Apatit bei 1400 °C mit Koks und Quarzsand zu weißem Phosphor umgesetzt. Der im Koks enthaltene Kohlenstoff wirkt dabei als Reduktionsmittel und das Siliciumdioxid des Quarzes dient als Schlackenbildner. Der beim Prozess gasförmig anfallende Phosphor wird kondensiert und unter Wasser gesammelt. \mathrm Weißen Phosphor kann man im Labor durch Erhitzung von rotem Phosphor unter Ausschluss von Sauerstoff herstellen.

Eigenschaften

Phosphor kommt in allen Oxydationsstufen zwischen -3 und +5 und den Koordinationszahlen 1-6, meist 3 bis 4, vor. Es ist also ein außerordentlich variables Element.

Gasförmiger Zustand

Siliciumdioxid Im Phosphordampf überwiegen unterhalb von 1200 °C P4-Tetraeder als kleinste molekulare Einheiten. Der Dissoziationsgrad beträgt bei 800 °C ~ 1 %. Zwischen 1200 und 2000 °C überwiegen P2-Moleküle mit stickstoffanaloger Valenzelektronenstruktur, oberhalb von 2000 °C dissoziieren diese schließlich zu atomarem Phosphor.

Modifikationen

Dissoziationsgrad Phosphor tritt in vier allotropen Modifikationen auf, als weißer, roter, schwarzer und violetter Phosphor. Jede dieser vier Grundtypen bildet verschiedene Kristallstrukturen und hat damit unterschiedliche Reaktivität und Dichte.

Weißer Phosphor

Weißer Phosphor ist die flüchtigste und reaktivste Modifikation des Phosphors. Er besitzt eine Dichte von 1,82 g/cm3, einen Schmelzpunkt von 44,1 °C, einen Siedepunkt von 280 °C und ist durchscheinend und wachsartig. Verunreinigt wird der weiße Phosphor auch als gelber Phosphor bezeichnet. Der kubische weiße Phosphor ist in Phosphortrichlorid und Kohlenstoffdisulfid CS2 sehr leicht löslich; 100 g Kohlenstoffdisulfid lösen mehr als 1 kg Phosphor. In Tetrachlorkohlenstoff, Benzol oder Ether ist Phosphor schwach löslich. Bei -77 °C geht die kubische Form (α-Form) in eine hexagonale Form (β-Form) über. In jeder Form (α-, β-, in Lösung) bildet weißer Phosphor P4-Tetraeder mit einem Bindungswinkel von 60°. In fein verteiltem Zustand entzündet sich weißer Phosphor von selbst, ab etwa 50 °C entzünden sich auch kompakte Stücke und verbrennen an der Luft zu Phosphor(V)-oxid. \mathrm \mathrm An Luft kann weißer Phosphor ein hellgrünes Leuchten erzeugen. Dieses entsteht durch den im weißen Phosphor vorhandenen hohen Dampfdruck und somit in der Umgebung vorhandenes gasförmiges P4, das wiederum durch Gasphasenoxidation über P4O6 zu P4O10 entsteht (Chemolumineszenz). Meist in heftiger, exothermer Reaktion verbindet sich Phosphor mit Halogenen, Metallen oder Schwefel. Die hieraus entstehenden Verbindungen sind Phosphorsulfide, Phosphor(III)- oder Phosphor(V)-Verbindungen sowie Phosphide. Unter Einwirkung von starken Laugen bei hoher Temperatur disproportioniert Phosphor zu Phosphin und Hypophosphid. Allgemein wirkt weißer Phosphor stark reduzierend. Weißer Phosphor ist hochgiftig, bereits 50 mg sind tödlich. Der Tod tritt erst nach 5 bis 10 Tagen ein, die Giftwirkung beruht auf einer Störung der Eiweiß- und Kohlenhydratsynthese. Als Füllung für Brandbomben setzten die Engländer im Zweiten Weltkrieg ein Gemisch aus weißen Phosphor und Kautschuk ein. Durch den Kautschuk klebt die zähflüssige Masse und verursacht bei den Opfern auf der Haut schlecht heilende Wunden. Auch heute werden an der Ostsee noch Munitionsreste angespült, da diese nach dem Krieg von den Alliierten in der Ostsee entsorgt wurden. Heutzutage wird Weißes Phosphor in Nebelgranaten verwendet, da sich damit schnell große Nebelwände erzeugen lassen. WP-Granaten wurden von den USA im Irakkrieg in Falludscha eingesetzt um Aufständische aus gut geschützten Stellungen zu treiben um sie dann mit anderen Waffen bekämpfen zu können. Diese Art des Einsatzes ist allerdings umstritten, da durch den Einsatz von Weißem Phosphor in der Stadt viele Zivilisten verbrannten.

Schwarzer Phosphor

Die bei Zimmertemparatur stabilste Modifikation existiert in einer amorphen und drei kristallinen Formen. Schwarzer Phosphor ist aufgrund seiner polymeren Form unlöslich, fast unbrennbar, sehr reaktionsträge und besitzt eine Dichte von 2,69 g/cm3. Das dem schwarzen Phosphor zugrundeliegende Kristallgitter besteht aus gewellten Doppelschichten, in dem die Phosphoratome pyramidal mit drei weiteren in der Nachbarschaft befindlichen Phosphoratomen in einem Bindungswinkel von 100° verbunden sind. In dieser Konfiguration besitzt Phosphor Halbleitereigenschaften. In feuchter Luft oxidiert schwarzer Phosphor etwas schneller als roter Phosphor, überzieht sich dabei aber mit einer farblosen, viskosen Flüssigkeitshaut aus Phosphorsäuren, so dass der weitere Sauerstoffzutritt verhindert und eine Entzündung erschwert wird. Schwarzer Phosphor entsteht unter hohem Druck aus weißem oder rotem Phosphor und unterscheidet sich durch seine Farbe stark von den vorgenannten.

Roter Phosphor

Halbleiter Eine Reihe amorpher und kristalliner Formen mit Dichtevariationen zwischen 2,0 und 2,4 g/cm3 und Schmelzpunkten zwischen 585 °C und 610 °C werden unter der Bezeichnung roter Phosphor zusammengefasst. Gemeinhin ist roter Phosphor amorph, lässt sich aber durch Rekristallisation aus geschmolzenem Blei in den monoklinen Hittorfschen (violetten) Phosphor überführen, welcher eine dreidimensional vernetzte polymere Form bildet. Durch Kochen von weißem Phosphor in Phosphortribromid erhält man den roten Phosphor. Gewonnen wird roter Phosphor durch mehrstündiges Erhitzen von weißem Phosphor auf etwa 360 °C. Die Unterschiede zwischen den kristallinen Anteilen im roten Phosphor bedingen die verschiedenen Formen desselben. Einfluss haben hier die Korngröße, die Art des Gitters, Verunreinigungen und die verschiedenen Absättigungen der Randgruppen mit Halogenen, Sauerstoff und Hydroxylgruppen. In üblichen Lösungsmitteln ist der rote Phosophor unlöslich. Seine Reaktivität liegt zwischen der des weißen und des schwarzen Phosphors. Roter Phosphor ist nicht selbstentzündend, neigt jedoch in Gegenwart starker Oxidationsmittel zu explosiven Reaktionen. Bezogen auf die Reaktivität gleicht der violette Phosphor eher dem schwarzen Phosphor, während sich der Schencksche Phosphor (Rudolf Schenck, 1902) sehr viel reaktionsfreudiger zeigt als "normaler" roter Phosphor. Roter Phosphor ist ungiftig, seine Erstbeschreibung wird dem Österreicher Anton Schrötter von Kristelli zugeschrieben.

Violetter/Hittorfscher Phosphor

Anton Schrötter von Kristelli Violetter Phosphor entsteht beim ein- bis zweiwöchigen Erhitzen von weißem Phosphor auf ca. 550 °C. Entdeckt wurde er von Johann Wilhelm Hittorf. Es handelt sich um ein nichtleitendes Polymer, das unlöslich in CS2 ist. Die Strukturaufklärung gelang Ende der 1960er Jahre an der Universität Stuttgart durch Herbert Thurn.

"Phosphor-Nanostäbchen"

Im August 2004 ist es deutschen Forschern gelungen, zwei weitere Modifikationen des vielgesichtigen Elements zu isolieren und strukturell zu charakterisieren: Phosphor-Nanostäbchen. Bei diesen beiden Modifikationen liegen die Phosphoratome in Form von Kettenmolekülen (Polymeren) vor. Entdecker der neuen Modifikationen sind Arno Pfitzner von der Universität Regensburg und Hellmut Eckert von der Universität Münster. Die rotbraunen Fasern, die sich deutlich von der roten Phosphormodifikation unterscheiden, sind an der Luft in trockenem Zustand über Wochen stabil. Unter dem Elektronenmikroskop zeigte sich diese rotbraune Phosphor-Form als lange, parallel ausgerichtete Nanostäbe mit Querschnitten von ungefähr 0,34 beziehungsweise 0,47 Nanometern.

Isotope

Phosphor hat nur ein stabiles Isotop: 31P, dies ist das einzige in der Natur vorkommende Isotop des Phosphors. Phosphor hat mehrere weitere Isotope, die allerdings alle radioaktiv sind. Das Phosphorisotop 33P hat mit 25,3 Tagen die längste Halbwertszeit. Das Phosphorisotop 32P, welches auch radioaktiv ist, wird in Medizin und Forschung als Tracer benutzt, um Stoffwechselprozesse zu beobachten.

Verwendung

Der größte Teil des hergestellten weißen Phosphors (80 %) wird zu Phosphor(V)-oxid verbrannt, welches als Ausgangsmaterial für die Phosphorsäureherstellung sowie für die Darstellung verschiedener Phosphate verwendet wird. Phosphor(V)-oxid hat außerdem noch Bedeutung als eine der wirksamsten wasserentziehenden Substanzen (Trockenmittel). Ein weiterer Teil wird zu Phosphor(III)-chlorid (PCl3) und Phosphor(V)-sulfid (P4S10) verarbeitet, die wiederum als Grundstoffe für die Herstellung von Flammschutzmitteln, Additiven, Weichmachern und Pflanzenschutzmitteln dienen. Roter Phosphor findet Verwendung bei der Streichholz-Herstellung. Des Weiteren werden die als Dünger wichtigen Phosphate direkt aus Kalziumphosphat gewonnen, indem dieses mit Schwefelsäure aufgeschlossen wird. Es entsteht das so genannte Superphosphat. Hierzu werden etwa 60 Prozent der weltweiten Schwefelsäureerzeugung benötigt.

Biologische Bedeutung

Phosphorverbindungen sind für die Lebensfunktionen aller Lebewesen essentiell. Anorganische Phosphorverbindungen sind Bestandteil der DNA- und RNA-Moleküle. Die Körperzellen benutzen anorganische Phosphorverbindungen, um Stoffwechselenergie über ATP zu transportieren. Hydroxyapatit (Ca5(PO4)3OH) ist ein Hauptbestandteile der Gerüstsubstanz von Knochen und Zähnen. Der Körper eines Menschen von 70 kg Gewicht enthält etwa 700 Gramm Phosphor, wovon 600 g fest im Knochensystem gebunden sind. Der Tagesbedarf eines erwachsenen Menschen beträgt ca. 0,75 Gramm Phosphor, vor allem in Milchprodukte, Fleisch, Fisch und Brot ist er reichhaltig vorhanden.

Nachweis

Spektroskopisch

Die Methode der Wahl für den Nachweis von Phosphor ist die 31P-NMR-Spektroskopie.

Nasschemisch

Die quantitative und qualitative Bestimmung von Phosphor erfolgt über das Phosphat (genauer Orthophosphat PO43-). Gebundener Phosphor wird hierzu gegebenenfalls durch oxidierenden Aufschluss in Phosphat überführt.

Qualitativer Nachweis

Durch Reaktion mit Ammoniummolybdat erhält man in saurer Lösung einen gelben Niederschlag von Ammoniummolybdophosphat: \mathrm + 12H_2O In alkalischer Ammoniaklösung fällt Phosphat bei Anwesenheit von Magnesium-Ionen als Magnesiumammoniumohosphat aus: \mathrm+ OH^- Der Nachweis ist auch in Form von Zirconiumphosphat durchführbar: \mathrm + 6HCl + 3H_2O Historisch ist die Mitscherlich Probe zum Nachweis von weißem Phosphor interessant, die allem voran bei vermuteten Phosphorvergiftungen eingesetzt wurde. Hierbei wird der Mageninhalt mit Wasser erhitzt, wobei der weiße Phosphor, der mit dem Wasserdampf flüchtig ist, anschließend kondensiert und bei Berührung mit Luftsauerstoff durch ein Leuchten (Chemolumineszenz) in Erscheinung tritt. Bei Strukturuntersuchungen von Verbindungen, in denen Phosphor enthalten ist, eignet sich die 31P-Kernresonanzspektroskopie.

Quantitativer Nachweis

Gravimetrie
Für eine gravimetrische Bestimmung kann aus Phosphat und Molybdationen in stark salzsaurer Lösung ein gelbes Molybdophosphation gebildet werden: \mathrm Mit 8-Hydroxychinolin (kurz HOx oder Oxin genannt) bildet sich ein schwer löslicher Niederschlag von Oxin-12-molybdo-1-phosphat, der anschließend bei 160 °C getrocknet und in wasserfreier Form gewogen wird. \mathrm
- Fällungsform: \mathrm
- Wägeform: \mathrm (Farbe: dunkelorange) Der grobkristalline Niederschlag enthält nur 1,37 % Phosphor. Somit sind vor allem kleinere Phosphatmengen gut bestimmbar (→ Mikromol-Verfahren).
Volumetrie
Volumetrische Phosphatbestimmungen werden durch Fällung mit La3+ oder mit Bi3+-Maßlösungen und anschließender Rücktitration mit EDTA durchgeführt.

Verbindungen

Sauerstoffverbindungen

Phosphor bildet verschiedene Oxide, die dem Adamantan ähnliche Strukturen bilden:
- Phosphortrioxid
- Phosphortetraoxid
- Phosphorpentoxid Davon abgeleitet kennt man die folgenden Sauerstoffsäuren sowie die dazugehörigen Salze:
- Phosphinsäure, Phosphinate
- Phosphonsäure, Phosphonate
- Phosphorsäure, Phosphate
- Peroxophosphorsäure Im Vergleich zu den voran genannten Monophosphorsäuren, die ein Phosphor-Atom in ihrem Molekül aufweisen, gibt es Diphosphorsäuren mit zwei Phosphor-Atomen:
- Hydodiphosphonsäure
- Diphosphonsäure
- Hypodiphosphonsäure
- Peroxodiphosphonsäure Bekannte Mineralien, die Phosphor als Bestandteil haben, sind
- Hydroxyapatit
- Fluorapatit

Verbindungen mit Halogenen


- Phosphorfluoride
- Phosphorchloride
- Phosphorbromide
- Phosphoriodide

Schwefelverbindungen


- Phosphorsulfide

Stickstoffverbindungen


- Phosphornitride

Wasserstoffverbindungen und organische Verbindungen


- Phosphane
- Phosphine
- Phosphaalkine Davon abgeleitet kennt man die folgenden Metallverbindungen:
- Phosphide In der Biochemie:
- ADP, ATP

siehe auch

Phosphorbombe

Literatur


- A. F. Holleman, Egon Wiberg, Lehrbuch der Anorganischen Chemie. de Gruyter, Berlin, 1995, ISBN 3-11-012641-9
- Erwin Riedel, Anorganische Chemie. de Gruyter, Berlin, 2002, ISBN 3-11-017439-1
- John Emsley: Phosphor - ein Element auf Leben und Tod. Wiley-VCH, Weinheim 2001, ISBN 3-527-30421-5

Weblinks


- [http://www.webelements.com/webelements/elements/text/P/index.html WebElements.com - Phosphor] Kategorie:Chemisches Element Kategorie:Nichtmetall Kategorie:Gruppe-15-Element Kategorie:Periode-3-Element Kategorie:Chemiewaffe ja:リン ko:인 th:ฟอสฟอรัส

Kronprinzenpalais

Der Kronprinzenpalais ist ein Museumsgebäude in Berlin. Es wurde ursprünglich 1663 bis 1669 als Privathaus eines Hofsekretärs erbaut. 1733 wurde es von Philipp Gerlach zum Stadtpalais für den Kronprinzen Friedrich umgestaltet. In der heutigen Form ist das Kronprinzenpalais ein Wiederaufbau von 1968/69. 1919-37 war hier die Moderne Abteilung der Nationalgalerie untergebracht. siehe auch Erbprinzenpalais (Wiesbaden) Kategorie:Berliner Museum

Berlin

Berlin ist Hauptstadt, bevölkerungsreichste und flächengrößte Stadt Deutschlands. Sie ist Stadtstaat und ein eigenständiges Bundesland. Berlin ist nach London die zweitgrößte Stadt der EU. Historisch war Berlin mehrfach Hauptstadt deutscher Staaten wie des Markgrafentums/Kurfürstentumes Brandenburg, des Königreiches Preußen, des Deutschen Reiches oder der DDR (nur der damalige Ostteil der Stadt). Seit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 ist Berlin gesamtdeutsche Hauptstadt und seit dem Hauptstadtbeschluss des Deutschen Bundestages von 1991 nimmt die Stadt seit 1999 auch die Funktion als Parlaments- und Regierungssitz Deutschlands wahr. Die Stadt ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt und ein wichtiges Wirtschafts-, Kultur- und Bildungszentrum mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Theatern, Museen und Baudenkmälern. Geordnete Links auf Artikel mit Berlinbezug finden sich im Portal:Berlin.

Geografie

Geografische Lage

Portal:Berlin Berlin ist gänzlich vom Bundesland Brandenburg umgeben und liegt im Osten der Bundesrepublik Deutschland, etwa 70 km westlich der Grenze zu Polen. Die Stadt ist einer der Verdichtungsräume der Bundesrepublik. Berlin befindet sich in eiszeitlich geprägter Landschaft im Warschau-Berliner Urstromtal zwischen den Hochebenen des Barnim und des Teltow. Das historische Zentrum Berlins liegt an der schmalsten Stelle des von der Spree in ost-westlicher Richtung durchflossenen Urstromtals. Im westlichsten Bezirk Spandau mündet die Spree in die Havel, die den Westen Berlins in Nord-Süd Richtung durchfließt. Der Flusslauf der Havel ähnelt dabei oft einer Seenlandschaft, die größten Ausbuchtungen bilden der Tegeler See und der Große Wannsee. Wesentliche Teile des heutigen Berlins liegen auf den beiden Hochebenen: Große Teile der Bezirke Reinickendorf und Pankow liegen auf dem Barnim, während der Hauptteil der Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln auf dem Teltow gelegen ist. Weder zum Urstromtal noch zum Barnim oder Teltow gehört Berlin-Spandau westlich der Havel, das zum Teil der Nauener Platte zuzurechnen ist. Die höchsten Erhebungen Berlins sind der aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs künstlich aufgeschüttete Teufelsberg (115 m ü. NN) im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und die Müggelberge (115 m) im Bezirk Treptow-Köpenick. Siehe auch: Liste der Erhebungen in Brandenburg und Berlin

Stadtgliederung

Nach dem Gebietsreformgesetz vom 10. Juni 1998 wurde die Zahl der Verwaltungsbezirke zum 1. Januar 2001 von 23 auf 12 reduziert. Berlin ist seitdem gegliedert in die Bezirke:
- Charlottenburg-Wilmersdorf
- Friedrichshain-Kreuzberg
- Lichtenberg
- Marzahn-Hellersdorf
- Mitte
- Neukölln
- Pankow
- Reinickendorf
- Spandau
- Steglitz-Zehlendorf
- Tempelhof-Schöneberg
- Treptow-Köpenick Siehe auch: Liste der Bezirke und Ortsteile Berlins

Klima

Die Stadt befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Berlin-Dahlem beträgt 9,2 Grad Celsius und die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 578 Millimeter. Die wärmsten Monate sind Juni, Juli und August mit durchschnittlich 16,6 bis 18,4 Grad Celsius und die kältesten Dezember, Januar und Februar mit 0,5 bis 1,8 Grad Celsius im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt in den Monaten Juni und August mit 62 bis 67 Millimeter im Durchschnitt, der wenigste im Februar, April und Oktober mit 36 bis 38 Millimeter im Mittel.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Berlins Die Stadt Cölln, Teil der Doppelstadt Berlin-Cölln (auf der Spreeinsel gelegen), wurde 123