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Fasten

Fasten

Fasten (v. gotisch: fastan = (fest)halten, beobachten, bewachen; v. althochdt.: fasten = fest (an den Geboten der Enthaltsamkeit festhalten)) ist eine Form menschlicher Kultur in Gestalt der Askese. Allgemein gesehen strebt man durch Fasten mittels Beschränkung von Nahrungsaufnahme eine Ausweitung der psychischen und soziale Kontrolle, der Macht, des Bewusstseins und/oder der Demut an. Die religionsgeschichtliche Definition von Fasten ist das Nüchternsein, in dem aus religiösen oder kultischen Motiven bewusst und freiwillig auf sonst übliche feste beziehungsweise flüssige Nahrung verzichtet oder deren Verzehr gezügelt wird. Oft dient die Fastenzeit zur Vorbereitung von Festen.

Allgemein

Fasten als Gestaltungselement des Lebens ist historisch in allen Religionen belegt und kommt in verschiedensten, oft festgelegten Formen vor: auf bestimmte Zeitabschnitte, kollektiv oder individuell, als völliger oder teilweiser Nahrungsverzicht sowie auf bestimmte Dinge wie Genussmittel, Fleisch, Alkohol etc. Leitete sich das Fasten ursprünglich religiös her (Reinigung der Seele, Abwehr des Bösen, Trauer, Buße, Streben nach Konzentration, Erleuchtung oder Erlösung), finden sich in der Neuzeit verstärkt Formen des therapeutischen Fastens (siehe Diät) bis hin zum politischen Fasten (Mahatma Gandhi), Hungerstreik. Es gab und gibt aber auch Leute, die in ihrem Leben Zeiten der Askese mit Zeiten der Freude am Leben (und Genuss) verbinden können. Von der Mystikerin Theresa von Ávila ist der Ausspruch überliefert: "Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn, wenn Fasten, dann Fasten." Viele Religionen kennen Fastenzeiten, das Christentum vornehmlich die vierzigtägige Passionszeit bzw. die Adventszeit, und der Islam schreibt das Tagesfasten für den Monat Ramadan vor. Die jüdische Praxis, in der man zweimal pro Woche fastete, wurde zunächst von der christlichen Kirche übernommen, allerdings von Dienstag und Donnerstag auf Mittwoch und Freitag verlegt. Das Fasten vor Ostern, vor der Taufe, im Advent kamen später hinzu. Die Katholische Kirche hat heute die Fastengebote sehr stark gelockert, es gibt jedoch immer noch Katholiken, die am Freitag auf Fleisch verzichten. Andererseits gibt es auch heute im Christentum religiös motivierten Verzicht: die Orthodoxe Kirche kennt bis heute mehrere mehrwöchige Fastenperioden pro Jahr, teilweise mit völligem Verzicht auf tierische Nahrungsmittel sowie Fett und Öl. Die Reformatoren kritisierten die Fastengebote als reine Äußerlichkeiten, durch die das Wohlwollen Gottes nicht erlangt werden könne. Huldrych Zwinglis Reformation in der Schweiz begann mit einem demonstrativen Wurstessen während der Fastenzeit. In den vergangenen Jahren haben neben den großen christlichen Kirchen insbesondere Evangelikale und charismatische Kreise das Fasten neu entdeckt und praktizieren oft auch bewussten Verzicht (auf Schlaf zugunsten von Gebet, auf einzelne Mahlzeiten zugunsten von Hungernden etc.), allerdings nicht als Kirchengebote, sondern als freiwillige spirituelle Erfahrung. Eine esoterische Sonderform des Fastens ist das sogenannte Lichtfasten. Die Befürworter sind der Meinung sich alleine durch Licht ernähren zu können, allerdings ist der Mensch als Chlorophyll-loses Wesen auf Nahrungszufuhr von aussen angewiesen, er ist heterotroph und nicht autotroph.

Geschichte

Auch in Ägypten soll gefastet worden sein. Die Fastenzeit beinhaltete den Verzicht auf Fisch, da diese in dieser Periode Laichzeit hatten. Diese 40-tägige Fastenzeit vor Ostern sollen die Kopten von ihren Vorfahren übernommen haben.

Siehe auch


- Heilfasten, Fastenzeit, Früchtefasten
- Kasteiung, Fastenbrechen, Misereor
- Fastenwandern, Hungerstreik, Hungertod
- Fastnacht, Karneval

Weblinks


- [http://www1.ndr.de/ndr_pages_std/0,2570,OID284340,00.html Richtig Fasten]
- [http://www.fasten-haus.de ein Fastenhaus] Kategorie:Gesundheit Kategorie:Religion ja:断食 ms:Puasa

Gotische Sprache

:Dieser Artikel enthält gotische Schriftzeichen. Möglicherweise muss eine spezielle Schriftart installiert werden. ---- Die Gotische Sprache (
- gutiska razda
, 𐌲𐌿𐍄𐌹𐍃𐌺) ist eine von dem germanischen Stamm der Goten gesprochene ostgermanische Sprache und dank der Wulfilabibel die älteste uns überlieferte germanische Schriftsprache. Das Gotische unterscheidet sich vom Gemeingermanischen v.a. durch das Ausfallen der Endungsvokale bei den a- und bei den i-Stämmen (bei letzteren nur bei vorausgehendem langen Vokal), daher wurde z.B. aus germanisch
- stain-az gotisch stain-s ("Stein") und aus germanisch
- gast-iz das gotische Wort gast-s ("Gast").

Geschichte

Im 4. Jahrhundert übersetzte der gotische Bischof Wulfila die Bibel ins Gotische (Wulfilabibel), daneben gibt es noch ein paar andere gotische Sprachzeugnisse, nämlich wenige Runeninschriften, die Skeireins (Bibelauslegungen), ein Bruchstück eines Kalenders und ostgotische Urkundenunterschriften aus dem 6. Jahrhundert. Nach dem Ende der gotischen Reiche (Ostgotenreich in Italien 493 - 555 und das Westgotenreich in Spanien 466 - 711) ging auch die gotische Sprache weitgehend verloren, wobei im westgotischen Spanien bereits seit dem Übertritt der gotischen Herrenschicht (nur etwa 2-3% der Bevölkerung waren Goten) vom Arianismus zum Katholizismus und der damit einhergehenden Vermischung der verschiedenen Volksgruppen (Romanen, Goten, Sweben, Kelten) unter König Rekkared I. (regierte 586 - 601) der Gebrauch der gotischen Sprache zugunsten der frühspanischen Umgangssprache zurückging. Nur auf der Halbinsel Krim, bei dem dort zurück gebliebenen Teil der Ostgoten, den späteren Krimgoten, konnte sich das Krimgotische von der Einwanderung Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. bis in das 17. Jahrhundert halten, als es endgültig von der tatarischen Sprache verdrängt wurde. Umstritten sind Zusammenhänge der gotischen Sprache mit skandinavischen Sprachen, die in der Regel mit der in der gotischen Stammessage angegebenen Herkunft aus Südschweden (siehe Scandza) in Zusammenhang gebracht werden. Immerhin gibt es auffällige Ähnlichkeiten im Wortschatz des Schwedischen (insbesondere des auf Gotland gesprochenen Dialekts Gutamål) und des Gotischen.

Grammatik

Das Gotische besitzt vier Fälle (Kasus) (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ), in einigen Formen taucht noch ein fünfter Fall (Kasus), nämlich der Vokativ auf. Er verschmilzt jedoch im Gotischen schon immer mehr mit dem Nominativ. Desweiteren besitzt das Gotische zwei Zeiten (Tempora) (Vergangenheit und Nicht-Vergangenheit) und bei einem Teil der Wörter drei Numeri (Singular, Plural, Dual).

Lautlehre

Das Gotische kennt die Kurzvokale
- /ĭ/ <i>
- /ĕ/ <ai>
- /ŭ/ <u>
- /ŏ/ <au>
- /ă/ <a>. Die Langvokale sind
- /ī/ <ei>
- /ē/ <e>
- /ū/ <u>
- /ō/ <o>
- /ā/ <a>. Von den germanischen Diphthongen ist nur
- /iu/ <iu> übrig geblieben. Lautlich ist vom Germanischen (germ.) zum Gotischen (got.) weniger passiert als zu den übrigen altgermanischen Sprachen. Es handelt sich um die folgenden Lautgesetze:
- germ. ĕ > got. ĭ (auch im Diphthong /eu/ > /iu/)
- germ. /ĭ/ und /ĕ/ brechen vor r, h und ƕ; zu /ĕ/, bzw. /ŏ/.
- Auslautverhärtung:
- Verschärfung

Wortbildung

Formenlehre

Syntax

Verben

Die Mehrzahl der gotischen Verben werden nach dem urindogermanischen Prinzip der sogenannten "thematischen" Konjugation konjugiert, da sie einen Vokal, der von den rekonstruierten urinodgermanischen Phonemen
- e
oder
- o
zwischen Wurzeln und Flexionssuffixen einsetzen. Die andere, die "athematische" Konjugation, wo Suffixe direkt an die Wurzel angefügt werden, existiert im Gotischen, wie auch auf griechisch und Latein, kaum noch, die einzigen Beispiele für eine athematische Konjugation sind das englische Verb "to be" und das lateinische "esse", die beide "sein" bedeuten, und deren verwandte Formen auch auf griechisch, Sanskrit und vielen anderen indogermanischen Sprachen athematisch sind. Gotische Verben sind, wie auch Substantive und Adjektive, entweder schwach oder stark. Schwache Verben haben Präteritumformen -da or -ta, gegenüber den Präteritumformen auf / -t. Starke Verben verwenden einen Umlaut, schwache nicht. Dies ist auch in den modernen germanischen Sprachen noch so.

Sprachbeispiel

Gotisch:
Atta unsar, þu in himinam, weihnai namo þein. Qimai þiudinassus þeins. Wairþai wilja þeins, swe in himina jah ana airþai. Hlaif unsarana þana sinteinan gif uns himma daga. Jah aflet uns þatei skulans sijaima, swaswe jah weis afletam þaim skulam unsaraim. Jah ni briggais uns in fraistubnjai, ak lausei uns af þamma ubilin. Unte þeina ist þiudangardi jah mahts jah wulþus in aiwins. Übersetzung:
Vater unser, du im Himmel, geweiht (sei) dein Name. Komme dein Reich. Werde dein Wille, so wie im Himmel auch auf der Erde. Unseren Laib (Brot), den täglichen, gib uns heute. Auch vergib uns, (für den Fall) dass wir Schuldner seien, so wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. Und bringe uns nicht in Versuchung, aber (er-) löse uns von dem Übel. Denn dein ist das Königreich und die Macht und die Herrlichkeit in Ewig(-keit). Hinweis: þ wird wie englisches th gesprochen.

Siehe auch

Codex ArgenteusGotisches Alphabet - Wulfilabibel

Wiki-Links

Weblinks


- [http://www.wulfila.be Project Wulfila]
- [http://www.gotica.de Gotische Miszellen]
- [http://www.gotisch.de Ein kostenloser Gotischsprachkurs]
- [http://www.wulfila.be/lib/streitberg/1920/ Das "Gotische Elementarbuch" von Wilhelm Streitberg im Faksimile] Kategorie:Einzelsprache

Kultur

Kultur (lat. cultura), Pflege (des Körpers, aber primär des Geistes), später im Kontext mit dem Landbau, aus colere, bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, (ursprünglich etwa) emsig beschäftigt sein, ist die Gesamtheit der menschlichen Leistungen. Dies schließt einerseits physische Dinge wie Werkzeuge ein, aber auch die durch den Menschen hervorgerufene Veränderung der Natur, die geistigen Hervorbringungen der Menschheit wie Schrift und Kunst sowie die sozialen Organisationsformen, in denen die Menschen zusammenleben. Der Begriff der Kultur steht insofern in Zusammenhang mit dem Begriff der Zivilisation und der sie erhaltenden menschlichen Arbeit. Der Begriff wird einerseits generell auf die Menschheit als Ganzes bezogen, andererseits aber auch als Zusammenfassung der Lebensumstände einer bestimmten Ethnie oder Region (beispielsweise die amerikanische Kultur) oder historischen Phase (z.B. die minoische Kultur). Frühe Kulturen haben entscheidend mit der gesellschaftlichen Praxis der Ernährung ihrer Träger zu tun (Jäger- Hirten/Nomaden- oder Bauernkultur).

Definition

Das Wort Kultur (von lat. cultura: Landbau, Pflege, auch des Körpers und Geistes) bezeichnet im Deutschen: 1. die Pflege und Bebauung des Bodens, die Zucht von Bakterien - 2. die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft bzw. eines Volkes und - bezogen auf einzelne Menschen - seine Bildung, Gesittung und verfeinerte Lebensweise. Kultur ist die Summe aller Bestrebungen, die Grundbedürfnisse der menschlichen Natur zu befriedigen; eingeschlossen sind die Hilfsmittel dazu sowie die Erträge dieser Leistung ( z.B. Arbeitsgeräte, Techniken, sittliche, religiöse und politische Ordnungen).

Weitere Definitionsmöglichkeiten

William James Durant gibt in seinem Werk (Kulturgeschichte der Menschheit) folgende populäre Definition. Dieser Kulturbegriff spart prähistorische Kultur aus: :"Kultur ist soziale Ordnung, welche schöpferische Tätigkeiten begünstigt. Vier Elemente setzen sie zusammen: Wirtschaftliche Vorsorge, politische Organisation, moralische Traditionen und das Streben nach Wissenschaft und Kunst. Sie beginnt, wo Chaos und Unsicherheit enden. Neugier und Erfindungsgeist werden frei, wenn die Angst besiegt ist, und der Mensch schreitet aus natürlichem Antrieb dem Verständnis und der Verschönerung des Lebens entgegen." Nach Albert Schweitzer ist Kultur "Fortschritt, materieller und geistiger Fortschritt der einzelnen wie der Kollektivitäten". Der Fortschritt bestehe "zunächst darin, dass für die Einzelnen wie für die Kollektivitäten der Kampf ums Dasein herabgesetzt" werde. Letztes Ziel der Kultur ist nach Albert Schweitzer "die geistige und sittliche Vollendung des Einzelnen": :"Der Kampf ums Dasein ist ein doppelter. Der Mensch hat sich in der Natur und gegen die Natur und ebenso unter den Menschen und gegen die Menschen zu behaupten. Eine Herabsetzung des Kampfes ums Dasein wird dadurch erreicht, dass die Herrschaft der Vernunft über die Natur sowohl wie über die menschliche Natur sich in größtmöglicher und zweckmäßigster Weise ausbreitet. Die Kultur ist ihrem Wesen nach also zweifach. Sie verwirklicht sich in der Herrschaft der Vernunft über die Naturkräfte und in der Herrschaft der Vernunft über die menschlichen Gesinnungen." (Albert Schweitzer, Kultur und Ethik, ISBN 3406392504, S. 35) Im engeren Sinne versteht man unter Kultur folgende Bereiche: Sprache, Literatur, Religion und Ethik, Medizin, Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft und Rechtsprechung. Die interkulturelle Kommunikation versteht unter Kultur ein gültiges Sinnsystem oder die Gesamtheit der miteinander geteilten verhaltensbestimmenden Bedeutungen. Wissenssoziologisch könnte man eine Kultur auch als das einem Kollektiv gemeinsame "Wissen" kennzeichnen, das heißt als die im Bewusstsein seiner Mitglieder verankerten Erwartungen hinsichtlich üblicher Verhaltensweisen, Werthaltungen, sozialer Deutungsmuster und Weltbilder die von Kulturschaffenden entwickelt und zu Allgemeingut wurden. Johann Wolfgang von Goethe ging sogar soweit, dass in seinem Kulturbegriff "weder die Kleidung noch die Eß- und Trinkgewohnheiten, weder die Geschichte noch die Philosophie, weder Künste noch die Wissenschaft, weder die Kinderspiele noch die Sprichwörter, weder das Klima noch die Landschaftsformen, weder die Wirtschaft noch die Literatur, weder das Politisch noch das Private noch der Hinweis auf ‚Schäden durch Abholzung der Berge’ fehlen." Neben der oben genannten Definition gibt es im allgemeinen Sprachgebrauch eine weitere Verwendung des Wortes im Sinne von Kultiviertheit, der stets aber Unkultiviertheit gegenübersteht, die es -da Kultur alles umfasst- eigentlich nicht gibt. Verschiedene Definitionen des Begriffes spiegeln verschiedene Theorien der Bewertung und des Verständnisses menschlichen Tuns wider. 1952 haben Alfred Kroeber und Clyde Kluckhohn eine Liste von über 200 verschiedenen Definitionen in ihrem Buch (Culture: A Critical Review of Concepts and Definitions) zusammengetragen. In der nordamerikanischen cultural anthropology (der in der englischen Sozialwissenschaft die social anthropology entspricht) wird culture ("Kultur") oft gleichbedeutend mit society ("Gesellschaft") benutzt (vor allem bei Stammesgesellschaften, vergleiche Anthropologie, Ethnologie und Soziologie).

Etymologie

Das Wort Kultur kommt aus dem Lateinischen. Das lateinische Wort cultura bedeutet Landwirtschaft, Feldbestellung, bebautes Land (zurückgehend auf das Verb colo, colui, cultus - pflegen) - als Gegensatz zu Natur - und so wurde das Wort Kultur bis ins 19. Jahrhundert verwendet, während für die heutige Bedeutung des Begriffes Kultur mehrheitlich das Wort Kunst seine Anwendung findet.

Entstehung der Kultur

Die vier entscheidenden Schritte des Menschen auf dem Weg zum Kulturwesen (Hominisation) sind vielleicht folgende gewesen, wobei sich der Übergang von der natürlichen zur kulturellen Weiterentwicklung nicht scharf trennen lässt und die Reihenfolge nicht chronologischen Anspruch erhebt.
- Die Entwicklung der Sprache (=>Sprachkultur)
- Die extensive Nutzung von Werkzeugen
- Die Zähmung des Feuers
- Die Entwicklung von expliziten Regeln und Formen des Zusammenlebens (Religion, Ethik, Diakonie und Medizin Rechtsprechung)

Entwicklung des Kulturbegriffs

Gelehrte des 18. und 19. Jahrhunderts und viele Menschen heutiger Zeit setzen Kultur gleich mit Zivilisation und sehen beides im Gegensatz zur Natur. So wurden Menschen, denen Elemente einer Hochkultur fehlten, oft als naturverbunden, bodenständig und im negativen Sinne als unzivilisiert bezeichnet. Die gehobene Kultur wurde kritisiert oder auch verteidigt, da sie angeblich die menschliche Natur unterdrücken würde. Kultur in Abgrenzung zur Barbarei war und ist teilweise heute noch definiert als das Fehlen ökonomischer Notwendigkeit und Betonung des Rituellen, so z.B. ein nach allen Regeln der Kunst gedeckter Tisch als Gegensatz zu ausschließlich "sinnvoller" Bestückung. Im späten 19. Jahrhundert plädierten Anthropologen für eine breitere Definition des Begriffes Kultur. Sie wollten das Wort auf eine Vielzahl von verschiedenen Gesellschaften anwenden können. Sie argumentierten, dass die Kultur der menschlichen Natur entspräche. Die Kultur habe ihre Wurzeln in der menschlichen Fähigkeit, Versuche systematisch auszuwerten und deren Ergebnisse in Schrift und Sprache weiterzugeben. 1 Deswegen entwickeln Menschen, die getrennt voneinander leben, einzigartige Kulturen. Trotzdem können sich Elemente verschiedener Kulturen heute leicht von einer Menschengruppe zu einer anderen ausbreiten. Es wurde also notwendig, methodisch und theoretisch nützlichere Definitionen des Wortes Kultur zu entwickeln. Dabei unterscheiden die Anthropologen zwischen einer
- materiellen Kultur und einer
- symbolischen Kultur (Schrift und Sprache). Der Unterschied spiegelt nicht nur verschiedene menschliche Tätigkeiten wider. Man braucht auch verschiedene Untersuchungsmethoden, um beide Bereiche zu beschreiben und zu untersuchen. In der Regel konzentrieren sich die Archäologen auf die materielle Kultur und die Kulturanthropologen auf die symbolische Kultur. Beide wollen aber letztendlich auch wissen, wie diese zwei Bereiche zusammenhängen. Darüberhinaus bezieht sich der Begriff Kultur für die Anthropologen nicht nur darauf, wie Güter verbraucht werden, sondern auch darauf, wie sie produziert werden und wie sie für die Menschen bedeutsam werden. Die Anthropologen wollen darunter auch die sozialen Beziehungen und Handlungsweisen verstehen, in welche die Dinge des täglichen Lebens einbezogen werden. 2000 wurde von Anthropologen gefordert, den Kulturbegriff auf Primaten auszudehnen. Kultur ist in Zeiten des Umbruchs und der Veränderung auch ein Modewort geworden: Kultur wird mit großem Aufwand als Event inszeniert und als ein wirtschaftlicher Impulsgeber konsumierbar gemacht ("Kulturalismus").

Verwandte Themen


- Alltagskultur
- Baukultur
- Enkulturation
- Gegenkultur
- Internetkultur
- Investmentkultur
- Jugendkultur
- Kulturkapitalismus
- Kulturalismus
- Kulturdarwinismus
- Kulturell Kreativ
- Kulturindustrie
- Kulturkreis
- Kulturschock
- Kulturtechnik
- Kultur und Entwicklung
- Mobilitätskultur
- Subkultur
- Tradition
- Unternehmenskultur
- Zivilisation

Siehe auch


- Aborigines-Kultur
- Afrikanische Kultur
- Arabische Kultur
- buddhistische Kultur
- chinesische Kultur
- christliche Kultur
- deutsche Kultur
- europäische Kultur
- französische Kultur
- indianische Kultur
- Indische Kultur
- islamische Kultur
- Israelische Kultur
- Japanische Kultur
- Koreanische Kultur
  - Südkoreanische Kultur
- Russische Kultur
- Schweizer Kultur
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- US-Kultur

Antike Kulturen


- Ägyptische Kultur
- Gallo-römische Kultur
- Griechische Kultur
- Harappa-Kultur
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  - Hallstatt-Kultur
  - La Tène-Kultur
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- Römische Kultur

Kulturen Alteuropas


- Aunjetitzer Kultur
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- Fremont-Kultur
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Kulturen Altamerikas


- Amra-Kultur
- Badari-Kultur
- Cochise-Kultur
- Cucuteni-Kultur
- Mississippi-Kultur
- Mogollon-Kultur
- Naqada-Kultur
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- Negade-Kultur
- Nok-Kultur
- Pueblo-Kultur
- Talayot-Kultur
- Tisza-Kultur
- Vinča-Kultur

weitere


- Popkultur
- Postmoderne Kultur

Weblinks


- [http://www.turkologie.com/kultur/ Tuerkische Kultur, Aberglauben, Aussteuer..]
- http://www.111er.de/lexikon/begriffe/kultur.htm
- http://dickinson.edu/departments/germn/glossen/heft3/negt.html Was ist das: Kultur? (Vortrag von Oskar Negt)

Publikationshinweise


- Albert Schweitzer, Kultur und Ethik, ISBN 3406392504 ja:文化 simple:Culture zh-min-nan:Bûn-hoà

Askese

Askese (griech.: ασκεσις askesis von ασκεω askeo = üben, sich befleißigen) ist der Verzicht (Abstinenz) auf Genuss, häufig verbunden mit Konzentration auf bestimmte geistliche Übungen, die dem Erlangen eines als höherwertig/innerlich befriedigender erachteten, normalerweise religiösen, Zieles dienen. Askese basiert grundsätzlich auf einer freien Entscheidung und ist eine bewusste und besondere Leistung - ein Asket verzichtet, aber er dürfte, wenn er wollte.

Abgrenzung des Begriffs

Askese ist nicht der Verzicht auf von der Allgemeinheit als überflüssig Entlarvtes, sondern beinhaltet immer den Verzicht auf etwas, das vom sozialen Umfeld als angemessen angesehen wird. Ebenso ist der Verzicht auf Dinge, die in der entsprechenden Kultur als unrein oder unerlaubt gelten oder nicht vorhanden sind, keine Askese -- Beispiele wären Schweinefleisch in Israel, Alkohol in Saudi-Arabien.

Arten von Askese

Askese wird verstanden hinsichtlich #des eigenen Körpers ##Nahrungsaskese ##sexuelle Enthaltsamkeit oder Zölibat ##Vernachlässigung der Körperpflege, (kein Waschen etc.) ##Verzicht auf körperliche Bedürfnisse (Schlaf, Wärme) #der äußeren Lebensgrundlagen (Verzicht auf Eigentum) #der eigenen Persönlichkeit (eigenes Aufgehen in einer Gemeinschaft und/oder einer übergeordneten Wesenheit, z.B. Gott) ##Kommunikationsverzicht (Schweigegebot) ##Isolation (Klausur, Einzelzelle) ##Heimatlosigkeit (Wanderprediger, Bettelmönche) ##Gebundenheit (Gehorsam, Mobilitätsverzicht)

Gründe für Askese

Askese kann ein Zweck als solcher, kann aber auch mit einem konkreten Ziel verbunden sein, wie beispielsweise Fasten, um geistige Klarheit für eine wichtige Entscheidung zu gewinnen, oder Fasten für ein politisches Ziel (Hakim Ourghi). Ebenso gibt es Askese aus Solidarität mit Notleidenden, z.B. Verzicht in der Fastenzeit, wobei das gesparte Geld an Brot für die Welt o.ä. gespendet wird. Askese ist oft mit einer grundsätzlich negativen Sicht auf die Welt so wie sie ist und die eigene Person so wie sie ist verbunden. Ein solcher Asket beabsichtigt, sich durch seine asketischen Übungen zu bessern und von den Unvollkommenheiten der Welt zu lösen; und in manchen Religionen - sich schließlich ganz davon zu erlösen. Andererseits gibt es auch Askese, die der Lebensfreude und dem Genuss zu anderen Zeiten nicht negativ gegenübersteht: in diesem Fall ist die Absicht hinter der Askese, von diesem Genuss nicht abhängig zu werden oder den Genuss nicht zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Die Mystikerin Theresa von Ávila hat das verdeutlicht mit "Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn, wenn Fasten, dann Fasten". Um Askeseübungen für ganze Gesellschaften möglich zu machen, gestalten zahlreiche Weltreligionen eine Reihe periodischer Askeseformen, wobei bestimmte Zeitabschnitte als Buß- oder Trauerzeiten begangen werden.

Geschichte

Eine Reihe religiös-ethischer Systeme standen der Askese fremd gegenüber, z.B. manche Naturreligionen (siehe dazu besonders: Initiation), Zoroastrismus oder Konfuzianismus.

Askese in Asien

Das vermutlich älteste durch Askese geprägte System ist der Hinduismus. Bereits die Indus-Kultur kannte Asketen. Sie treten auf als Yogis, Sadhus oder Sannyasins, wobei der Tantrismus das entsprechende System mit Shiva an der Spitze dafür schuf. Der Jainismus basiert auf einer Fastentradition, die in Gandhi einen Höhepunkt fand. Auch der Buddhismus versteht sich in seiner Vergangenheit und Gegenwart als Bewegung der Askese, wie am Leben Buddhas und der von ihm gegründeten Mönchsgemeinschaften abzusehen ist. Von nur einer Mahlzeit am Tag über das Schlafen in sitzender Stellung unter freiem Himmel bis zu den Selbstverbrennungen von Mönchen während des Vietnamkrieges reichen die asketischen Lebensäußerungen. Allerdings lehnt der Buddhismus extreme Askeseformen im Normalfall ab. Er fordert keine Askese im Sinne einer entsagenden oder bußfertigen Lebenshaltung, sondern eine pragmatische Haltung der Mitte, die alle Extreme (Selbstkasteiung oder Zügellosigkeit) meidet.

Griechische und römische Antike

Der Begriff Askese bedeutet ursprünglich Übung oder Training und bezog sich auf das Exerzieren der griechischen Soldaten bzw. die Lebensweise der Athleten. Die Lebensweise der Kyniker führte wohl bestimmte asketische Züge auf (Triebbeherrschung, Armut und Heimatlosigkeit), da sie darin aber einen unmittelbaren Lustgewinn sowie eine Zerstörung etablierter Strukturen sahen, wird diese nicht zur Askese gezählt. Ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. finden sich deutlich mit dem Verzicht und Weltverneinung einhergehende Züge, die mit der Gnosis und dem Neuplatonismus einhergehen. Die in die Extreme gehende Gnosis gebietet ihren Anhängern entweder radikale Enthaltsamkeit oder weitestgehende sexuelle Freizügigkeit. Die Stoa wertet die zeitlichen Güter ab; der griechische und römische Kult begreift Fasten und sexuelle Enthaltsamkeit als einen Bestandteil des Ritus, um auf die Götter einwirken zu können. (siehe: Mysterien von Eleusis) Der Manichäismus, als ein auf der Dualität von Licht und Finsternis basierendes System, funktionalisiert die Askese zur Erreichung vollkommener Absage an die Welt. Manis drei Siegel erstrecken sich auf das Siegel #des Mundes: Verzicht auf Fleisch, Fisch, Wein und Alkohol #der Hände: Verzicht auf Arbeit #des Leibes: Verzicht auf Fortpflanzung

Askese im Judentum

Das Judentum, eine grundsätzlich eher weltbejahende Religion weist bestimmte asketische Züge auf, insbesondere bezüglich des Studiums der Heiligen Schrift. Am Versöhnungstag (Jom Kippur) wird auf Essen und Trinken verzichtet. Fasten kommt auch als geistliche Vorbereitung vor oder um Gott zu zeigen, dass man es in einer Sache ernst meint. Nasiräer waren diejenigen, die ihr natürliches Leben (z.B. Genuss von Wein, Schneiden des Haars) zugunsten des Torastudiums zurückstellten, während ihres ganzen Lebens oder während einer bestimmten Zeit. Im Alten Testament war der Verzicht auf einen festen Wohnsitz bekannt (siehe Rekabiter).

Askese im Islam

Die islamische Lebensweise versteht sich in bestimmten Zügen als asketische Lebensweise. Askese entspricht wörtlich der Grundbedeutung des arabischen Begriffs Dschihad (Heiliger Krieg, eigtl.: "Bemühung"). Dem Begriff kleiner Dschihad, der die eigentliche Kampfhandlung meint, wird dabei von den Sufis auf den großen Dschihad übertragen, der den Kampf gegen die eigenen niederen Triebe zum Inhalt hat (siehe auch: nafs), um den weltlichen (dunya = "Welt") Verlockungen zu wiederstehen. Besonders traten in der muslimischen Askese Gruppierungen hervor, wie die verschiedenen Sufiorden (Tariqas), deren Anhänger als Derwische oder Fakire bezeichnet werden. Die Sufis suchen durch Askese und tägliche regelmäßige Meditation (dhikr, das bedeutet Gedenken, also Gedenken an Gott, bzw. Dhikrullah) und kriegerischer Tätigkeit, also Dschihad, Gott nahe zu kommen oder mit Gott schon im irdischen Leben eins zu werden. Sie verfolgen dabei den Grundsatz zu sterben bevor man stirbt.

Askese im Christentum

Das Christentum kennt die Askese wohl; es gibt eine christliche Askese. Das Christentum ist jedoch keine asketische Religion etwa im Sinne des Hinduismus. Es hat eine Vielzahl asketischer Traditionen aufgenommen, geprägt und ausgebaut. Andererseits weist es eine Reihe askesekritischer Züge auf.

Bibel

Der bekannteste Asket im Neuen Testament ist Johannes der Täufer mit seiner Gruppe, der den Verzicht auf Eigentum, Wohnsitz etc. praktizierte und gebot. Die Essener waren eine Gruppe frommer Juden, die in asketischer Gemeinschaft lebten und auf persönlichen Besitz verzichteten.
Jesus fastete zeitweilig selbst, erließ aber kein allgemeines Gebot zur Askese. Manche sagen ihm im Gegenteil ein durchaus sinnenfrohes Leben nach. Zudem zeigte er eine deutliche Kritik an asketischen Praktiken, sofern sie veräußerlicht waren.
Andererseits befindet sich ein christliches Leben vollständig unter Gottes Herrschaft, und stellt infolgedessen - asketisch - anderes als zweitrangig zurück.
Direkte Anleitungen zu einem Leben mit asketischen Zügen ergehen an den engeren Kreis der Nachfolger Christi. Dazu zählt der Eigentumsverzicht, sexueller Verzicht und Verzicht auf eigenen Willen - diese Punkte gelten nicht als bindende Gebote, sondern, insbesondere in der katholischen Kirche, als evangelische Räte (Armut, Keuschheit, und Gehorsam) die nicht heilsnotwendig sind, aber förderlich zu einem gottgefälligen Leben. Diese evangelischen Räte sind ein wesentlicher Teil der Ordensgelübde. Der Empfehlung von Keuschheit in Mt. 19, 12 bis zur Selbstkastration bzw. dem Abschneiden der eigenen Brüste wurde in bestimmten Fällen wörtlich Folge geleistet, z. B. von Origenes, der gnostischen Sekte der Enkratiten oder den Skopzen im Russland des 19. Jahrhunderts. In allen Haupttraditionen des Christentums wird der Vers jedoch dahin ausgelegt, dass es sich um eine Empfehlung zur Keuschheit als Willensentscheid handelt.

Frühe Kirchengeschichte

Tertullian entfaltete systematische Anweisungen für ein asketisches Leben von Christen, wobei hauptsächlich auf der Ehelosigkeit ein Schwergewicht lag. Origenes prägte diesen Weg von der vita activa zur vita contemplativa weiter aus. Wahre, auf Grundlage der Askese bewirkte, Gottesschau sei nur bestimmten Erwählten möglich. Am Ende des dritten Jahrhunderts entwickelte sich von Ägypten ausgehend ein monastisches Einsiedlertum, dessen berühmtester Vertreter der heilige Antonius (Antonius der Große) war. Siehe auch: Styliten, Eremiten, Anachoreten). Im vierten Jahrhundert fasste zuerst Pachomios mit Hilfe der ersten christlichen Mönchsregel, der so genannten "Engelsregel" diese Einsiedler in Gemeinschaften zusammen, aus denen die ersten christlichen Klöster entstanden. Unabhängig von Ägypten entwickelten sich in Syrien die Gemeinschaften der Bundessöhne und der Messalianer. Basilius von Caesarea verfasste in Anlehnung an Pachomios und Makarius/Symeon eine Mönchsregel, deren asketische Anordnungen neben dem Genussverzicht körperliche Arbeit und intensives Bibelstudium umfassten und die bis heute die Mönchsregel der orthodoxen Kirchen ist. Basilius predigte Verzicht auf Eigentum und Sicherheit zugunsten Notleidender, praktizierte aber auch Fasten (einschließlich ständigem Verzicht auf Fleisch) und nächtliches Gebet mit Schlafverzicht. Benedikt von Nursia verfasste aufgrund der Regel von Basilius seine eigene Mönchsregel, die bis heute in einigen westlichen Orden bestimmend ist. Für die irischen Mönche war die Peregrinatio (Heimatlosigkeit) ein wesentlicher Faktor ihrer Askese, der die gesamte Geschichte von Europa beeinflusste: viele europäische Länder wurden durch irische Wandermönche christianisiert.

Katholische Kirche

Als Tugendmittel, durch deren Gebrauch die Askese die Erlangung der religiösen und sittlichen Vollkommenheit anstrebt, gelten in der katholischen Kirche:
- die Andacht, die Meditation und Kontemplation umfasst, und der sich als Hilfsmittel die asketische oder Erbauungsliteratur bietet, ebenso die religiöse Kunst
- das Bibelstudium
- das Gebet, teils als freies, teils als Formulargebet
- der gemeinschaftliche Gottesdienst, Erbauungsstunden und Konventikel
- die Sakramente. Als die Verzichtgebote in den Klöstern gelockert werden, entstehen im Mittelalter neue asketische Bewegungen innerhalb der Kirche und der Orden (z. B. die Zisterzienser). Franz von Assisi muss sich für seine in kirchlichen Augen provokativ anmutende asketische Bewegung in Solidarität mit den Armen eine kirchliche Billigung regelrecht erstreiten (Franziskaner etc.)
Aber auch außerhalb der Kirche erblüht asketisches Leben in häretischen Bewegungen (Katharer, Waldenser etc.).
Im Mittelalter erfährt zudem die Askese ein Steigerung hin zur bewussten Peinigung des eigenen Leibes. (Geißler) Im Zuge der Gegenreformation entwarf Ignatius von Loyola auf katholischer Seite die Exerzitien der Jesuiten, ein dreißigtägiges Programm mit intensiven geistlichen Übungen verbunden mit strengen asketischen Regeln. Während vom Mittelalter an bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in der katholischen Kirche der freitägliche Verzicht auf Fleisch Kirchengebot war, gilt das heute nur noch für die Freitage in der Passionszeit.

Orthodoxe Kirchen

Die orthodoxen Kirchen haben bis heute eine ausgeprägte asketische Tradition mit vier mehrwöchigen Fastenzeiten im Kirchenjahr für alle Gläubigen (Passionszeit, Apostel-Fasten, Dormition, Advent). Das orthodoxe Fasten ist um einiges strenger als das westliche; die meiste Zeit sind sämtliche tierischen Produkte, Wein und Öl verboten, und es ist immer mit intensivem Gebet verbunden. Im Gegensatz z.B. zum Katholizismus, sieht die orthodoxe Kirche in der Askese keine Bußübung für Sünden. Durch asketischen Übungen setzt der Mensch seine Prioritäten anders als im normalen irdischen Leben und wird frei für geistliche Gemeinschaft mit Gott.

Lutherische Kirche

Die lutherische Reformation verwarf programmatisch das katholische Ideal der Askese, da sie damit einen Rückfall in die Gesetzlichkeit des Glaubens verbunden sah. :"Das Fleisch, seine grobe, böse Lust, müssen wir mit Fasten, Wachen, Arbeiten tödten und stillen... Es sind viel blinde Menschen, die ihr Casteien... allein darum üben, daß sie meinen, es seien gute Werke, daß sie damit viel verdienen... Darum lasse ichs geschehen, daß ihm ein Jeglicher erwähle, Tage, Speise, Menge zu fasten, wie er will, so fern, daß ers nicht da lasse bleiben, sondern habe Achtung auf sein Fleisch; wie viel das selbige geil und muthwillig ist, soviel lege er Fasten, Wachen und Arbeit darauf und nicht mehr, es habe es geboten Papst, Kirche, Bischöfe, Beichtiger oder wer da will..." (Martin Luther)

Reformierte Kirchen

Die Schweizer Reformierten im zwinglianischen Zürich und der Calvinismus praktizierten von Anfang an einen in gewissen Zügen asketischen disziplinierten Lebensstil mit Verzicht auf weltlichen Luxus, aber ohne Weltflucht. Dieser Lebensstil wurde auch von anderen Gruppen in calvinistischer Tradition aufgenommen, z.B. von den Puritanern.

Pietismus

Bestimmte Bewegungen innerhalb des Protestantismus haben eine religiös motivierte Wiederbelebung weltverneinender Züge in ihre Programme aufgenommen, z.B. der Pietismus: ::Wir entsagen willig ::Allen Eitelkeiten, ::Aller Erdenlust und Freuden. (Gerhard Tersteegen) Diese Lebenshaltung war nicht durch strenges Fasten oder Zölibat bestimmt, sondern durch strikten Verzicht auf weltliche Vergnügungen wie Musik und Tanz -- sogar Lachen konnte als unangebracht angesehen werden. Bei den Methodisten war zur Zeit ihres Gründers John Wesley zweimal wöchentliches Fasten für Prediger obligatorisch, für andere empfohlen.

Christentum heute

Während es, abgesehen von der orthodoxen Kirche, kaum mehr kirchlich verordnete Askese gibt, sind Fasten und Verzicht in den letzten Jahrzehnten insbesondere von charismatischen Kreisen wieder entdeckt worden. Insbesondere in der Fastenzeit gibt es zahlreiche Aktionen, die von ein- oder mehrwöchigem vollständigem Nahrungsverzicht bis zu zeitweiliger Fernseh- oder Kaugummiabstinenz reichen. Ziel dabei ist: mehr Freiraum für geistliche Aktivitäten (Gebet, Bibelstudium, Meditation) und innere Freiheit gegenüber Konsumgewohnheiten.

"Moderne" Askese

Max Weber hat den Begriff der Askese umgedeutet. Sie sei als "innerweltliche Askese" durch den Geist des Protestantismus in die Moderne eingezogen, um die menschliche Kultur auf nachhaltige Weise äußerlich zu prägen und zu verändern, wie kein Lebensentwurf zuvor. So wurde unternehmerischer Erfolg im reformiert-puritanischen Kapitalismus als Belohnung für Verzicht und Entsagung aufgefasst. Askese und Religion gingen und gehen miteinander einher, wobei sie sich offenkundig zunehmend verselbständigen und auch voneinander lösten. Demgemäß kann eine Vielzahl heutiger auf Verzicht basierender Lebensentwürfe nur in bestimmter Hinsicht als asketisch verstanden werden, da sie (wie modisches Schlank- und Heilfasten, oder Vegetarismus) den religiösen bzw. weltabgewandten Idealen der Askese teilweise oder vollständig zuwiderlaufen. Die "Geiz ist geil"-Werbekampagne erreicht durch die jonglierende Vermischung von asketischem Gedankengut mit Elementen des Hedonismus einen absurden Höhepunkt, und bricht in der Konsequenz dem asketischen Grundanliegen die Spitze ab. Neuerdings tritt asketisches Gedankengut als Konsumkritik -und -verzicht in Gestalt der Lieder von Judith Holofernes (Wir sind Helden) auf die Bühne der Popkultur: ::Tausche blödes altes Leben gegen neue Version ::Ich hatte es kaum zu Hause ausprobiert, da wusste ich schon: ::An dem Produkt ist was kaputt, das ist die Reklamation.

Weblinks


- [http://medi-report.de/nachrichten/2000/07/20000707-01.htm Askese aus medizinischer Sicht]
- [http://www.stjosef.at/morallexikon/askese.htm Askese (Lexikon der christlichen Moral)] Kategorie:Religion Kategorie:Wertvorstellung

Definition

Eine Definition (lat. de ab, weg; finis Grenze, also Definitio = Abgrenzung) ist die Verdichtung von Merkmalen zu einem Begriff, dessen Sachverhalt (Definiendum) danach auf Eigenschaften (Definiens) zurückgeführt wird. Kurz: Eine Definition ist eine sprachliche Verkürzung eines Sachverhalts. Jede Definitionskette lässt sich nur auf eine natürliche Sprache und die in dieser Sprache verständlichen Grundaussagen zurückführen.

Wissenschaftstheoretische Klassifikation

Nominal- vs. Realdefinitionen

Die in der Wissenschaftstheorie meist an erster Stelle gennannte, traditionelle Klassifikation von Definitionen ist die Unterscheidung zwischen Nominal- und Realdefinition. Während die Nominaldefinitionen einen neuen Begriff aus alten zusammenstellt, zerlegt die Realdefinition einen gängigen Begriff in seine Merkmale. Während Nominaldefinitionen besonders der Domäne der Strukturwissenschaften zuzuordnen sind, lassen sich Realdefinitionen vor allem in den Geistes-, Natur- und Sozialwissenschaften finden. Da in diesen meist die (notwendigerweise) vagen und ambigen bereits vorhandenen Begriffe der natürlichen Sprache begründet werden, empfiehlt sich für Realdefinitionen der treffendere Ausdruck der Begriffsexplikation oder -zerlegung.

Identitäten vs. Gebrauchsdefinitionen

Man spricht von Gebrauchsdefinition (oder Kontextdefinition), weil das Definiendum darin nur so definiert wird, wie man es innerhalb von Sätzen gebraucht. Fällt beispielsweise eine allgemeine Definition des Prädikates "'adäquat"' schwer, so lässt sich leicht definieren, dass die Aussage "'X ist ein adäquater Kalkül"' genau dann wahr ist, wenn X ein Kalkül ist der vollständig und korrekt ist. Adäquatheit wurde damit nur im Kontext "'Kalkül"' definiert, und die Frage wann überhaupt etwas adäquat ist, beziehungsweise welche Dinge unter diesen Begriff fallen, stellt sich nicht. Dieser ontologische Unterschied erspart beispielsweise der modernen Mathematik die philosophische Frage nach dem Wesen der Zahl (empirisch, psychologistisch, oder logisch). Die mathematischen Axiome sagen nicht was eine Zahl ist, sondern wann sich etwas Zahl nennen darf und welche arithmetischen Eigenschaften dann für diese gelten. Dass zum Beispiel die Gruppenaxiome gerade davon leben, dass sie verschiedenste Interpretationen erlauben, widerspricht zudem der klassischen Anschauung, Definitionen müßten eindeutig sein.

Totale versus Partielle Definitionen

Während in totalen Definitionen Definiendum und Definiens äquivalent sind, gilt dies in partiellen Definitionen nur für einen Teilbereich, das heißt nur für den Fall, dass eine Vorbedingung erfüllt ist. Operationale Definitionen sind häufig partiell. In ihnen ist die Vorbedingung die Operation mit der man die zu definierende Eigenschaft überprüft. Die zugehörige Gattung der Dispositionsbegriffe wie "wasserlöslich" beschreibt keine Eigenschaften die direkt ablesbar sind, sondern ist an eine (Prüf-)bedingung geknüpft. Zum Beispiel: "Wenn man den Gegenstand in Wasser gibt, dann löst er sich auf".

Explizite vs. Rekursive Definitionen

Eine im Zusammenhang mit Definitionen stets genannte Regel ist die, dass das Definiendum im Definiens selbst nicht vorkommen darf. Unter Beachtung dieser Regel entstehenden die sogenannten Explizitdefinitionen. Wie die Definition der Ackermannfunktion jedoch zeigt, kann eine Definition einer Funktion unter direkter oder indirekter Rückführung auf Terme mit ebendieser Funktion eben doch zweckmäßig sein. Diese Fälle erfordern vielmehr eine genauere Betrachtung und die Angabe spezieller Kriterien zur Vermeidung von Zyklen. Im Einzelnen geschieht dies, indem sich die stufenweise Elemination des Definiendums auf die natürlichen Zahlen abbilden lassen muß.

Notwendigkeit von wissenschaftlichen Definitionen


- Die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Definition ergibt sich in der Regel dann, wenn im Laufe des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnes Hypothesen und Theorien aufgestellt oder Modelle konstruiert werden, welche von verschiedenen Wissenschaftlern nachvollzogen und diskutiert werden sollen. Um den Kriterien der Wissenschaftlichkeit zu genügen, muss deshalb Einvernehmen über die Bedeutung der verwendeten Begriffen herrschen.
- Definitionen bewirken durch ihren abkürzenden Charakter eine leichtere Formulierung und ein leichteres Verständnis von Theorien
- Zwar sind, wie sich formal beweisen lässt Definitionen notwendiger Weise weder wahr, noch falsch, jedoch tragen sie durch den Auswahlprozess beim Definieren bereits Erkenntnis mit sich.

Definitionsregeln und -anforderungen

Die klassischen Definitionsregeln gehen auf Aristoteles zurück (Vergleiche Analytica Posteriora, Organon) (zitiert nach Kondakow 1983, S. 81): # Ein Begriff wird durch seine nächste Gattung und den Artunterschied definiert (Praecisio definitionis). (veraltet) # Der Artunterschied muss ein Merkmal oder eine Gruppe von Merkmalen sein, die nur dem vorliegenden Begriff zukommen und bei anderen Begriffen fehlen, die zur selben Gattung gehören. (veraltet) # Eine Definition muss angemessen sein, d.h. weder zu weit noch zu eng gefasst sein. # Eine Definition darf keinen Zirkelschluss enthalten. # Eine Definition darf keine logischen Widersprüche enthalten. # Eine Definition darf nicht nur negativ bestimmt sein # Eine Definition darf keine Mehrdeutigkeiten enthalten. Anstatt dieser größtenteils überholten Anforderungen sind die inzwischen entscheidenden formalen Kriterien an Definitionen Eliminierbarkeit und Nicht-Kreativität. Eliminierbar ist ein Begriff dann, wenn er innerhalb einer Theorie vollständig zu Gunsten seines Definiens ersetzt werden kann, ohne den Wahrheitswert der Theorie zu beeinflussen. Nicht-Kreativität bedeutet, dass unter Hinzunahme der Definition zu einer Theorie nichts erschlossen werden kann, was nicht bereits ohne jene Definition erschließbar wäre. Eine weitere klassische Form der Definition ist die unter Angabe eines genus proximus (Gattung) und einer diferenzia specifica (Spezifisches Abgrenzungskriterium). Während man lange Zeit glaubte es handle sich dabei um eine universelle Form, zeigt bereits das einfache Beispiel "Ein Skandinavier ist ein Mensch der aus Dänemark, Norwegen oder Schweden kommt", dass sinnvolle Definitionen diesem Schema nicht folgen müssen. Im praktischen Betrieb der (nicht-formal-)Wissenschaften, erweisen sich folgende Anforderungen als sinnvoll:
- Die Anzahl unterschiedlicher Interpretationsmöglichkeiten soll so weit wie möglich reduziert werden.
- Trotzdem soll eine Definition so einfach wie möglich sein.
- Eine Definition ist um so besser, je schärfer die Grenzen zu anderen Begriffen gezogen sind.
- Es dürfen nur Begriffe verwendet werden, die schon als Allgemeinbegriff eindeutig sind oder die bereits innerhalb der jeweiligen Wissenschaft definiert sind.
- Eine Definition soll möglichst keine Ausnahmeregelungen enthalten.
- Definitionen sind weder wahr noch falsch, Realdefinitionen sollten jedoch (nach Carnap) die 4 Kriterien zur Adäquatheit erfüllen:
- # Ähnlichkeit von Explikat und Explikandum
- # Exaktheit des Explikats
- # Fruchtbarkeit für das Aufstellen vieler Gesetze
- # Einfachheit der Definition selbst und der resultierenden Gesetze

Beispiele


- Realdefinition: "Eine Definition ist die genaue Bestimmung eines Begriffes durch Beschreibung und/oder Erklärung seines Inhalts."
- Nominaldefinition: "Eine Primzahl ist eine natürliche Zahl mit genau zwei natürlichen Teilern."
- Gebrauchsdefinition:: "Die natürliche Zahl n ist Primzahl :\iff n besitzt genau zwei natürliche Teiler"
- Rekursive Definition: Ackermannfunktion
- Empirische Definition, besser: empirische Analyse: "Der Mensch ist ein ungefiederter Zweibeiner."

Zitate

"Omnia determinatio negatio est." (deutsch: Jede Begriffsbestimmung ist eine Abgrenzung.) (Spinoza) "Was man überhaupt sagen kann, das kann man auch klar und verständlich sagen" (Ludwig Wittgenstein) ”Wir sind unfähig, die Begriffe, die wir gebrauchen, klar zu umschreiben - nicht, weil wir ihre Definition nicht wissen, sondern weil sie keine wirkliche ”Definition” haben. Die Annahme, daß sie eine solche Definition haben müssen, wäre wie die Annahme, daß ballspielende Kinder grundsätzlich nach strengen Regeln spielen.” (Ludwig Wittgenstein) „Alle Definitionen sind wissenschaftlich von geringem Wert.“ Friedrich Engels, Anti-Dühring, MEW 20, 77. „Definitionen sind für die Wissenschaft wertlos, weil stets unzulänglich. Die einzig reelle Definition ist die Entwicklung der Sache selbst, und diese ist aber keine Definition mehr.“ Friedrich Engels, 20, 578. "[...] als die Creme der im Südwesten tätigen Archäologen zur gleichen Zeit an einem Ort versammelt war und zwei unschätzbare Tage damit verbrachte, die Frage: "wann ist ein Kiva kein Kiva" zu diskutieren. Nicht nur konnten sie sich nicht über diese negative Behauptung einigen, sondern, was viel schlimmer war, sie entschieden auch nie im positiven Sinne, was ein Kiva war. Und das - es mag zu ihrer Schande und ihrem Unbehagen berichtet werden- zu einer Zeit, als jeder Mann, jede Frau und jedes Kind unter ihnen sofort einen Kiva erkannte, soweit ihn überhaupt ein Auge erblicken konnte." Ann Morris, zitiert nach C. W. Ceram in "Der erste Amerikaner". Siehe auch: Prädikat (Logik), Terminus, Terminologie

Literatur


- N. Kondakow: Wörterbuch der Logik (2. Aufl.). Leipzig 1983
- Lothar Schmidt (Auswahl, 1971): Schlagfertige Definitionen. Von Aberglaube bis Zynismus - ISBN 3-499-16186-9
- Wolfgang Stegmüller: Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie, Eine kritische Einführung. Stuttgart, 1989.

Weblinks


- http://achimwagenknecht.de/Definitionslehre/diephysi.htm
- http://www.phillex.de/def.htm
- Definitionen [http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/CL_Lehr/Begriffe/Begriffe_Definition.html] (Eine gründliche Einführung in den Begriff der "Definition") ! Kategorie:Wissenschaftstheorie ja:定義 simple:Definition

Nüchtern

Der Begriff Nüchternheit wird für zwei ähnliche Ernährungszustände eines Menschen benutzt. Ein Mensch muss vor einer Operation im allgemeinen vollkommen nüchtern sein, das heißt der Verdauungstrakt muss leer sein. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, da manche Menschen mit Erbrechen auf die Narkose reagieren, was während einer Operation zu Komplikationen oder gar einer Erstickung führen kann. Weiter bezeichnet man auch einen Menschen, der keinen Alkohol im Blut hat, als nüchtern. Auch der Gegensatz von Euphorie wird mit Nüchternheit bezeichnet. Kategorie:Ernährung

Religion

Als Religion wird oftmals ein in größeren Bevölkerungsgruppen verankertes System von Vorstellungen über die Existenz von Gegebenheiten jenseits des sinnlich Erfahrbaren, bezeichnet. Diese in langen Traditionen entstandene Welterklärung bzw. Anleitung zur Lebensbewältigung wird in der westlichen Welt aufgrund christlicher Traditionen häufig mit der Kurzformel "Glaube" zusammengefasst. Hierbei handelt es sich um den zumeist institutionalisierten und organisierten Glauben an eine oder mehrere persönliche oder auch unpersönliche transzendente Wesenheiten, z.B. eine Gottheit, Geister und Ahnen) und/oder Prinzipien (z.B. Dao, Dhamma) und/oder andere Vorstellungen, wie z.B. Nirvana und Jenseits.

Nähere Bestimmung

Allerdings erfasst dieser westliche Ansatz einer Definition mit Hilfe des Begriffs "Glauben" nicht alle Religionen, da dieser Terminus in einigen Religionen nicht oder kaum existiert und damit nicht das eigentliche Merkmal dieser Religion sein kann. Ein weiteres Problem stellt die Bestimmung einer Gemeinschaft als Religion dar. Einige Religionen beruhen auf philosophischen Systemen, bei anderen ist die politische Orientierung oder die Spiritualität sehr ausgeprägt. Eine klare Abgrenzung ist kaum möglich, Überschneidungen finden sich in nahezu allen Religionen und insbesondere bei der Rezeption durch einzelne Menschen. Den meisten Religionen sind Heilslehren, Symbolsysteme und Rituale zu eigen. Auf diesem Hintergund werden populäre Einteilungen vorgenommen. Religiöse Vorstellungsbilder weiterzugeben und damit zu vergesellschaften, ist an die Sprachfähigkeit des Menschen gekoppelt und daher so alt wie das Sprachvermögen der Hominiden. Als Hochreligionen werden meist Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus, Daoismus, Sikhismus, Konfuzianismus, Baha'i und Shinto verstanden (siehe auch Liste der Religionen der Welt). Mit der wissenschaftlichen Erforschung von Religionen befassen sich insbesondere die Religionswissenschaft/Religionsgeschichte, die Religionssoziologie, die Religionsphänomenologie und die Religionsphilosophie.

Begriff und Etymologie

religio hatte im Lateinischen die unterschiedlichsten Bedeutungen: "Gottesfurcht", "Frömmigkeit", "Heiligkeit", aber auch "Rücksicht", "Bedenken", "Skrupel", "Gewissenhaftigkeit" oder "Aberglaube". Die weitere Etymologie des Begriffs ist nicht mit Sicherheit geklärt. religare bedeutet im Lateinischen "anbinden, zurückbinden" und auch "festhalten, an etwas festmachen". Der Begriff religio ist kein Terminus altrömischer Religion. Die frühesten Belege finden sich vielmehr erst in den Komödien des Plautus (ca. 250-184 v. Chr.) und in den politischen Reden des Cato (234-149 v. Chr.). Nach Cicero (De Natura Deorum 2, 72) geht religio zurück auf relegere, was wörtlich "wieder aufwickeln", im übertragenen Sinn "bedenken, Acht geben" bedeutet. Cicero dachte dabei an den Tempelkult, den es sorgsam zu beachten galt. Lactantius (Divinae Institutiones 4, 28) führt das Wort zurück auf religare: "an-, zurückbinden". Mögliche ursprüngliche Bedeutungen von "Religion" sind demnach "frommes Bedenken" oder die "Rückbindung" an einen von Gläubigen an- bzw. wahrgenommenen universellen göttlichen Ursprung oder an sonstiges Höheres.

Religion und Religiosität

Der Begriff religio bzw. religiosus wurde im Mittelalter vor allem für den Ordensstand benutzt. Diese Bedeutung hat der Begriff bis heute im römisch-katholischen Kirchenrecht. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren für das Wort "Religion" die Bezeichnungen fides (Glaube), lex (Gesetz) und secta (Richtung, Partei) gebräuchlich. Der heutige Begriff "Religion" wurde erst nach der Reformation eingeführt. Darunter verstand man zunächst Lehren, die je nach Auffassung, entweder richtig oder falsch sein sollten. In der Aufklärung entwickelte sich dann ein abstrakterer Religionsbegriff, auf den die gegenwärtigen Definitionsansätze zurückgehen. Im Deutschen sind die Begriffe Religion und Religiosität zu unterscheiden. Der Begriff Religiosität wird seit Ende des 18. Jh. verwendet. Religion bezeichnet demgemäß ein System - also das Äußerliche, Strukturelle, Gemeinschaftliche -, während Religiosität auf das Subjektiv-Individuelle bezogen ist, insbesondere auf das Erleben des Einzelnen.

Begriffliche Problematik

Religiosität Wichtig bei der Betrachtung der Herkunft des Wortes ist die kritische Beobachtung seiner (ideologischen) Verwendung. Abgesehen von diesen etymologischen Unsicherheiten ist der Terminus auch heute noch problematisch. Mit der europäischen "Entdeckung" bisher in der so genannten Alten Welt unbekannter Kulturen wurde der Begriff auf Sachverhalte angewendet, die zwar Ähnlichkeiten mit dem europäischen Religionskonzept haben (zum Beispiel die Gottesverehrung), in mancher Hinsicht aber auch sehr gegensätzlich sind (zum Beispiel der Ausschließlichkeitsanspruch). Diese Differenz besteht auch zu den östlichen Religionen, was z.B. an den Übersetzungen des Wortes Religion in der jeweiligen Sprache zu erkennen ist. Eine Folge ist, dass heute zwar viele verschiedene Religionen und Religionsformen bekannt und erforscht sind, jedoch eine auf alle Religionsgemeinschaften und -formen anzuwendende Definition aussteht und wahrscheinlich - wegen der heterogenen Theoriesysteme - auch in Zukunft nicht existieren wird.

Wissenschaftliche Ansätze zur Definition von Religion

Die Religionssoziologie und Religionswissenschaft untersuchen seit ca. 100 Jahren auf empirischer und theoretischer Grundlage Religionen als gesellschaftliche Phänomene. Dabei gibt es unterschiedliche Auffassungen über Definition und Funktion von Religion. In beiden Wissenschaften konnte man sich bisher auf eine wissenschaftliche Definition, die beschreibt, was Erkennungsmerkmale von Religionen sind und wann eine Weltanschauung als Religion bezeichnet wird, nicht einigen. Dennoch gab es vielversprechende Ansätze, an die die weitere Forschung anknüpfen kann. Religionswissenschaft Nach Karl Marx u. a. sind Religionen ursprünglich an eine unilaterale gesellschaftliche Praxis gekoppelt. Demnach sind Jäger-, Nomaden- und Ackerbauernreligionen (als Basalreligionen) zu unterscheiden. Nur die Nachfolger der beiden letzteren, mit dem Neolithikum entstandenen Religionen hatten noch wesentlichen Einfluß auf die heutigen Religionen Europas. Erich Fromm bildete eine weite, sozialpsychologische Definition von Religion als jedes von einer Gruppe geteilte System des Denkens und Handelns, das dem einzelnen einen Rahmen der Orientierung und ein Objekt der Hingabe bietet.

Religionssoziologische Ansätze


- Nach Émile Durkheim, Begründer der Soziologie, trägt Religion zur Festigung sozialer Strukturen aber auch zur Stabilisierung des Einzelnen bei. Sein Religionsbegriff ist somit ein funktionalistischer. Gemäß Durkheim ist die Religion ein solidarisches System, das sich auf Überzeugungen und Praktiken bezieht, die heilige Dinge beinhalten und in einer moralischen Gemeinschaft wie beispielsweise der Kirche, alle vereinen, die dieser angehören. Daraus ergeben sich drei Aspekte von Religion, die Glaubensüberzeugungen (Mythen), die Praktiken (Riten) und die Gemeinschaft, auf die diese bezogen sind. Durkheim bezeichnet unter anderen Faktoren den Glauben als ein Element der Macht, die die Gesellschaft über ihre Mitglieder ausübt.
- Ferdinand Tönnies unterscheidet Ende des 19. Jh. zwischen 'Gesellschaft' und 'Gemeinschaft'. Er betont die sinnstiftende Funktion von Religion als typisch "gemeinschaftlich" und erforscht ihre Symbolsysteme. Religiöse Gemeinschaften - wie andere traditionelle Gemeinschaften - dienen demnach der kulturellen Bindung des Individuums. Sie verlieren zugunsten der Prägung durch die Gesellschaft in der Moderne an Bedeutung für den Einzelnen. Als Kirche, das heißt als Institution, behalten sie jedoch hohen gesellschaftlichen Einfluss. Laut Tönnies ("Geist der Neuzeit") folgt gegenwärtig einem Zeitalter der Gemeinschaft ein Zeitalter der Gesellschaft. Die Funktion der Religion im ersteren werde nunmehr von der öffentlichen Meinung mehr und mehr übernommen.
- Max Weber, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts ausführlich mit dem Phänomen "Religion" aus soziologischer Sicht befasste, unterschied zwischen Religion und Magie. Unter Religion versteht er ein dauerhaftes, ethisch fundiertes System mit hauptamtlichen Funktionären, die eine geregelte Lehre vertreten, einer organisierten Gemeinschaft vorstehen und gesellschaftlichen Einfluss anstreben. Magie dagegen ist nach Weber lediglich kurzfristig wirksam, gebunden an einzelne Magier oder Zauberer, die als charismatische Persönlichkeiten vermeintlich Naturgewalten bezwingen und eigene moralische Vorstellungen entwickeln. Diese Abgrenzung versteht Weber als idealtypisch. Reinformen sind selten, Überschneidungen und Übergänge werden konstatiert.

Religionswissenschaftliche Ansätze


- Nach Clifford Geertz (1973) ist Religion ein kulturell-geschaffenes Symbolsystem, das versucht, dauerhafte Stimmungen und Motivationen im Menschen zu schaffen, indem es eine allgemeine Seinsordnung formuliert. Diese geschaffenen Vorstellungen werden mit einer solch überzeugenden Wirkung ("Aura von Faktizität") umgeben, dass diese Stimmungen und Motivationen real erscheinen. Solche "heiligen" Symbolsysteme haben die Funktion, das Ethos - das heißt das moralische Selbstbewusstsein einer Kultur - mit dem Bild, das diese Kultur von der Realität hat, mit ihren Ordnungsvorstellungen zu verbinden. Die Vorstellung von der Welt wird zum Abbild der tätsächlichen Gegebenheiten einer Lebensform. Die religiösen Symbolsysteme bewirken eine Übereinstimmung zwischen einem bestimmten Lebensstil und einer bestimmten Metaphysik, die einander stützen. Religion stimmt demnach menschliche Handlungen auf eine vorgestellte kosmische Ordnung ab. Die ethischen und ästhetischen Präferenzen der Kultur werden dadurch objektiviert und erscheinen als Notwendigkeit, die von einer bestimmten Struktur der Welt erzeugt wird. Die Glaubensvorstellungen der Religionen bleiben demgemäß nicht auf ihre metaphysischen Zusammenhänge beschränkt, sondern erzeugen Systeme allgemeiner Ideen, mit denen intellektuelle, emotionale oder moralische Erfahrungen sinnvoll ausgedrückt werden können. Da somit eine Übertragbarkeit von Symbolsystem und Kulturprozess vorliegt, bieten Religionen nicht nur Welterklärungsmodelle, sondern gestalten auch soziale und psychologische Prozesse . Durch die unterschiedlichen Religionen wird eine Vielfalt unterschiedlicher Stimmungen und Motivationen erzeugt, sodass es nicht möglich ist, die Bedeutsamkeit von Religion in ethischer oder funktionaler Hinsicht festzulegen.
- Jacques Waardenburg bezeichnet die Definition von Religion als 'Glauben' als ein Produkt westlicher Tradition. Dieser Begriff treffe daher nicht auf die Vorstellungen anderer Kulturen zu und sei für die Beschreibung von Religionen eher ungeeignet. Religionen können nach seiner Auffassung als Bedeutungsgefüge mit darunterliegenden Grundintentionen für Menschen angesehen werden.
- Der amerikanische Religionswissenschaftler Ninian Smart entwirft ein multidimensionales Modell von Religion und unterscheidet dabei sieben Dimensionen: 1. die praktische und rituelle, 2. die erfahrungsmäßige und emotionale, 3. die narrative oder mythische, 4. die doktrinale und philosophische, 5. die ethische und rechtliche, 6. die soziale und institutionale und 7. die materielle Dimension (z.B. sakrale Bauwerke).

Phänomene und religionsspezifische Begrifflichkeit

Um Religionen zu beschreiben, haben Menschen, die sich mit Religion(en) beschäftigten, Kriterien und Begriffe für gefundene Phänomene geschaffen. Viele dieser Begriffe sind selbst Produkte religiöser Sichtweisen und damit problematisch für das Beschreiben religiöser Phänomene, da sie oftmals religiöse Interpretationen des jeweiligen Objektes sind und höchstens einen Ausschnitt des eigentlichen Phänomens zeigen können. So ist z.B. der Begriff "Gebet" ein christlicher und beschreibt eine christliche Praktik, die nicht auf Dinge wie Meditation oder Versenkung angewandt werden kann, obgleich dies immer wieder geschieht. Dennoch gibt es in vielen Religionen ähnliche Konzepte, die miteinander verglichen und einander gegenüber gestellt werden können, wodurch ein Ordnen und Beschreiben von Religionen erst möglich wird.

Theismus und Atheismus

Versenkung] Religionen, die einen Gott verehren, werden als monotheistisch bezeichnet, Religionen, die mehrere Götter verehren, als polytheistisch, Religionen, die das Göttliche in der gesamten Welt sehen, als pantheistisch, Religionen die sich nicht auf ein oder mehrere transzendente Wesen beziehen als atheistisch, obwohl der Atheismus als solcher keine Religion ist. Dennoch gibt es atheistische Religionen wie z.B. den Theravada-Buddhismus. Auch einige atheistische Weltanschauungen haben an religiöse Rituale erinnernde ideologisch geprägte Formen. Man denke z.B. an die Aufmärsche und Feiern kommunistischer Staaten oder an die sozialistischen Jugendweihen. Der Faschismus bzw. Nationalsozialismus trägt ebenfalls die Züge eines extremistischen religiösen Systems. Ein Beispiel ist die quasigöttlichen Verehrung des Führers. Neuere Forschungen zur Entstehung des Nationalsozialismus widmen dieser Thematik besondere Aufmerksamkeit. Die These, dass scheinbar nichtreligiöse Systeme sich religiöser Formen bedienen, wird wissenschaftlich diskutiert (siehe auch: Politische Religion). Weitere Kategorien zur Bezeichnung von (weniger weit verbreiteten) Religionen sind indigene und animistische Religionen.

Schöpfungsmythen und Kosmologie

Häufig vermitteln Religionen eine Vorstellung, wie die Welt entstanden ist, eine Schöpfungsgeschichte und ein Bild der letzten Dinge, eine Eschatologie. Dazu gehört immer die Hauptfrage, was mit dem Menschen nach dem Tod geschieht. Themen wie Reinkarnation, Nirwana, Ewigkeit, Jenseits, Himmel oder Hölle, und was letztlich mit der Welt geschehen wird (Weltuntergang, Apokalypse, Ragnarök, Reich Gottes), sind in vielen Religionen zentral.

Religiöse Spezialisten

Die meisten Religionen kennen Priester, Prediger, Geistliche, Magier, Druiden oder Schamanen, die die Religion überliefern, lehren, ihre Rituale ausführen und zwischen Mensch und Gottheit vermitteln. Manche Religionen sprechen einzelnen dieser Menschen übernatürliche Eigenschaften zu. In vielen Religionen sind diese Personen innerhalb einer formellen Organisation tätig, in anderen unabhängig. Sie werden bezahlt oder üben ihre Tätigkeit unentgeltlich aus. In einigen Religionen werden die religiösen Rituale vom Familienoberhaupt durchgeführt oder geleitet. Es existieren auch Religionen, in denen es keinen autorisierten Vermittler zwischen dem Übernatürlichen und dem Menschen gibt.

Spiritualität und Rituale

Häufig pflegen Religionen und Konfessionen eine eigene Art von Spiritualität. Spiritualität - insbesondere im Christentum - ist das geistliche Erleben, im Gegensatz zur Dogmatik, welche die festgesetzte Lehre einer Religion darstellt. Das Ritual hingegen ist durch die Religion formalisierte Spiritualität. Im heutigen westlichen Sprachgebrauch wird Spiritualität als seelische Suche nach Gott oder einem anderen transzendenten Bezug bezeichnet, ob im Rahmen von spezifischen Religionen oder jenseits davon. In einigen Religionen finden sich Strömungen, deren Anhänger die Begegnung mit der Transzendenz oder dem Göttlichen in mystischen Erfahrungen finden. Zu religiösen Riten gehören unter anderem Gebet, Meditation, Gottesdienst, religiöse Ekstase, Opfer, Liturgie, Prozessionen und Wallfahrten. Daneben gibt es im Alltag gelebte Frömmigkeit wie Almosen geben, Barmherzigkeit oder Askese.

Schismen und Synkretismus

Aufgrund ihrer ideologischen Momente haben Religionen die latente Tendenz zur Spaltung. Neue Religionen sind oft durch die Abtrennung einer Gruppe aus der ursprünglichen Religionsgemeinschaft entstanden. Der Begriff Synkretismus beschreibt das gleichzeitige Ausüben von Praktiken verschiedener Religionen. Im klassischen Sinne ist er aber der Versuch, Religionen zu vereinen oder die Schaffung einer neuen Religion aus unterschiedlichen Vorgängern zu initiieren. Seit der Aufklärung wird - vor allem im westlichen Kulturkreis - zwischen institutionalisierter Religion und persönlicher Haltung zum Transzendenten unterschieden. Hinzu kommen seit den 1980er Jahren postmoderne Ansätze, nach denen Gruppen oder Individuen Ideen, Rituale usw. aus Religionen und anderen Weltanschauungen neu zusammenstellen und auf ihre Bedürfnisse zuschneiden. Dieses eklektizistische Vorgehen wird von Vertretern traditioneller Religionen zuweilen "Patchwork- bzw. Cafeteria-Religion" oder "Supermarkt der Weltanschauungen" genannt.

Religionen in Zahlen

Viele Menschen haben das Bedürfnis, zu erfahren, wie viele "Gläubige" sich zu einer Religion bekennen. Obwohl immer wieder Statistiken auftauchen, ist die Quellenlage zumeist fraglich. Auch gibt es Religionen wie das Christentum oder den Buddhismus nicht (man vergleiche das "Christentum" in Südamerika und Skandinavien). Daher sollte stets beachtet werden, dass solche Statistiken im besten Falle nur etwas über die Anzahl der Mitglieder einer Religionsgemeinschaft (ähnlich einer Vereinsmitgliedschaft) und über die Ideologie der Statistikveröffentlicher aussagen. Darüber hinaus gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft. Beispielsweise werden zum Judentum häufig auch diejenigen gerechnet, die sich als Atheisten bezeichnen, zum Christentum in Deutschland alle Kirchensteuerzahler, auch wenn sie nicht gläubig sind. eklektizistische Statistik A - Religionen der Welt - Zugehörige (Quelle: [http://www.adherents.com/Religions_By_Adherents.html adherents.com])
- Christentum (2,1 Milliarden)
- Islam (1,3 Milliarden)
- Atheismus, Nichtreligiöse (1,1 Milliarden)
- Hinduismus (900 Millionen)
- Traditionelle Chinesische Religionen (394 Millionen)
- Buddhismus (376 Millionen)
- Nichtafrikanische Indigene Religionen (300 Millionen)
- Traditionell Afrikanische Religionen (100 Millionen)
- Sikhismus (23 Millionen)
- Spiritismus (15 Millionen)
- Judentum (14 Millionen)
- Baha'i (7 Millionen)
- Jainismus (4,2 Millionen) Statistik B - Religionen der Welt - Zugehörige (Quelle: [http://www.globalchristianity.org/resources.htm David B. Barrett])
- Islam (1,313 Milliarden)
- Römisch Katholische Kirche (1,119 Milliarden)
- Hinduismus (870 Millionen)
- Nichtreligiös (769 Millionen)
- Unabhängige Christliche Kirchen (427 Millionen)
- Traditionelle Chinesische Religionen (405 Millionen)
- Buddhismus (379 Millionen)
- Protestantische Kirchen (376 Millionen)
- Ethnoreligionen (256 Millionen)
- Orthodoxe Kirchen (220 Millionen)
- Atheismus (152 Millionen)
- Afrikanische Religion (100 Millionen!)
- Neue Religionen (108 Millionen)
- Anglikaner (80 Millionen)
- Sikhismus (25 Millionen)
- Judentum (15 Millionen) Stand Mitte 2005, Weltbevölkerung: 6,454 Milliarden. Statistik C - Religionen in Deutschland - Zugehörige (Quelle: [http://www.remid.de/remid_info_zahlen.htm REMID])
- Römisch-Katholische Kirche (26,46 Millionen)
- Evangelische Landeskirchen (26,21 Millionen)
- Islam (gesamt: 3,3 Millionen)
- Hinduismus (gesamt: 0,092 Millionen)
- Neuapostolische Kirche (0,38 Millionen)
- Buddhismus (gesamt: 0,21 Millionen)
- Judentum (gesamt: 0,189 Millionen)

Religion und Ethik

eklektizistischeen, in welchen ethisches Verhalten festgelegt und über die Schrift weitergegeben wird.]] Die meisten alten Religionen hatten zugleich den Anspruch menschliches Zusammenleben durch Gesetze zu regeln (10 Gebote). Die meisten Religionen der Gegenwart haben ein ethisches Wertesystem, dessen Einhaltung sie fordern. Dieses System umfasst Vorstellungen darüber, was richtig und falsch und was gut und böse ist, wie ein Angehöriger der jeweiligen Religion zu handeln und teilweise zu denken hat. Immer also findet sich eine zugrundeliegende Auffassung über die Welt, die Natur und die Stellung des Menschen dazu darin. Obgleich sich diese Vorstellungen historisch wandeln, stehen hinter solchen religiösen Pflichten in fast allen Religionen ähnliche moralische Prinzipien. Diese sollen das konfliktarme Miteinander der Mitglieder der Religionsgemeinschaft regeln, sollen Gesellschaft und zum Teil Politik positiv beeinflussen und die Menschen individuell dem jeweiligen religiösem Ziel näher bringen. Zum Teil bieten sie für den Einzelnen einen moralischen Rahmen, der ihn psychisch und physisch stabilisieren kann. In einigen Religionen sollen diese moralischen Gesetze der jeweiligen Überlieferung nach direkt dem Religionsstifter von der entsprechenden Gottheit überbracht worden sein und somit höchste Autorität besitzen. Nach dieser Vorstellung müssen sich auch weltliche Herrscher diesen ethischen Anforderungen beugen. Gehorsam wird teilweise unter Androhung von diesseitigen oder jenseitigen Strafen gefordert oder als einziger Weg zum Heil dargestellt. Häufig existieren noch weitere Regeln, die nicht direkt vom Stifter der Religion stammen, sondern aus den heiligen Schriften und anderen Tradierungen der jeweiligen Religion abgeleitet werden (z.B. Talmud, Sunna). Einige dieser Normen verloren im Laufe der historischen Entwicklung für viele Gläubige ihren Sinn und wurden in einigen Fällen den sehr unterschiedlichen Wertesystemen der entsprechenden Zeit angepasst.

Ethik im Judentum und Christentum

Die gelebte Ethik von Judentum und Christentum unterscheidet sich unter anderem dadurch, ob die jeweilige Religion mit einem weiten individuellem Denk- und Handlungsspielraum, traditionell oder fundamentalistisch ausgelegt wird. Auch innerhalb der einzelnen Religionen gibt es häufig unterschiedliche Schulen, welche die jeweilige Morallehre verschieden auslegen und anwenden. So gab es z.B. im Christentum Strömungen, die das Alte Testament aufgrund der darin sehr gewalttätig wirkenden Gottheit "verbannen" wollten. Judentum und Christentum verbindet in ihren ethischen Systemen beispielsweise der Gedanke an eine Endzeit. Dieses lineare Verständnis von Zeit bedeutet, dass die Gläubigen im Diesseits nach den von ihrer Gottheit geforderten Regeln leben, um den Lohn dafür in einer späteren Zeit zu erhalten; obgleich die Gottheit auch im Diesseits schon wirken kann. Allerdings wird im Protestantismus ebenso oftmals die göttliche Gnade für ausschlaggebend gehalten, auch teilweise unabhängig von der Befolgung moralischer Postulate. Das Judentum ist weniger jenseitsbezogen jedoch gebotreicher als das Christentum, was sich u.a. im hebräischen Wort für Religion, nämlich Torah (Gesetz), widerspiegelt. Ähnlich wie im Hinduismus gibt es genaue Anweisungen, wie die Handlungsweisen des Mitglieds in der Gruppe sein sollen. In den christlichen Religionen sind durch die Relativierungen ihres Stifters und die neuplatonischen Einflüsse weit weniger Richtlinien vorgegeben - beispielsweise die Zehn Gebote.

Ethik im Islam

Die Ethik im Islam ist ähnlich wie im Judentum sehr stark an Gebote für einzelne Situationen gebunden. Der Koran gibt genaue Anweisungen für die Handlungen des Einzelnen in der Gruppe. Wichtig für den Islam ist eine kollektive Verantwortung für Gut und Böse. Dies wird beispielsweise in der Anweisung al-amr bil ma'ruf wa n-nahi an al-munkar (das Gute befehlen und das Schlechte verbieten) deutlich. In Folge besteht die Gefahr einer unumschränkten Befehlsgewalt der Gemeinschaft (siehe auch Hisba). Der Islam geht in seinen Hauptrichtungen Sunna und Schia von der Prädestination (Vorherbestimmung) aus, die dem Individuum nur begrentzten Handlungsspielraum zugesteht.

Ethik bei den "östlichen Religionen"

Religionen wie der Buddhismus, der Hinduismus oder auch der Daoismus stellen ebenso ethische Anforderungen, wie unter anderem die Überwindung von Hass, Habgier, Lüge sowie besonders Gewaltlosigkeit. Dabei werden die Regeln an einer angenommen kosmischen Gesetzmäßigkeit bzw. einem Weltprinzip ausgerichtet (z.B. Dharma im Hinduismus und im Buddismus, Dao im Daoismus). Dieses kosmische Weltprinzip beinhaltet ethische Vorgaben für jedes Individuum. Von den Anhängern wird erwartet, die Gesetzmäßigkeiten des Daseins zu erkennen und entsprechend zu handeln. So existieren z.B. Tötungsverbote, die sich teilweise auch auf Tiere beziehen. Abweichendes Verhalten wird in solchen Religionen weniger von der Religionsgemeinschaft sanktioniert, sondern soll vor allem negative Konsequenzen für das Individuum z.B. in einer der nächsten Existenzen nach sich ziehen (im Hinduismus, Buddhismus, Jainismus innerhalb der Vorstellung von Karma und Wiedergeburt, Samsara); im Daoismus und chinesischen Buddhismus äußern sich diese Konsequenzen z.B. innerhalb der daoistischen bzw. buddhistischen "Hölle", wo grausame Strafen auf Missetäter warten. Die populäre Annahme, dass "östliche Religionen" bedingt durch deren Ethik weniger zu Gewalt neigen, kann wissenschaftlich nicht bestätigt werden, da Gewalt eher von den jeweiligen Machthabern, als von den religiösen Autoritäten selbst ausgeht. Aber, religiös motivierte Gewalt, wie wir sie aus der Kreuzzugs-, Conquista-, Missionierungs-Historie im christlichen Kulturkreis oder auch im Rahmen der islamischen Expansion kennen, tritt im Kulturkreis östlicher Religionen deutlich seltener auf. Siehe auch: Buddhistische Ethik

Ethik bei indigenen Kulturen

Indigene Kulturen, die oftmals auch mit den problematischen Begriffen "Naturvölker" oder "Stammeskulturen" bezeichnet werden, weisen häufig Moralsysteme auf, welche die Gemeinschaft schützen sollen. Da nur durch ein funktionierendes Sozialbewusstsein das Überleben der Gruppe gesichert werden kann, steht ein prosoziales Verhalten im Mittelpunkt der mündlich weitergegebenen Verhaltensweisen. Diese "Naturreligionen" beinhalten weiterhin Rituale zur Beeinflussung ihrer Götter bzw. Naturgewalten.

Religion nach der Aufklärung

Die Aufklärung bringt einen Wandel des Religionsverständnisses: Verstand man in den vormodernen Gesellschaften unter Religion die öffentliche Verehrung der Götter (lat. religio), so verschiebt sich die Religion jetzt ins Private. Sie wird zur Religiosität, zur inneren Haltung des frommen Individuums. Als Vordenker dieser Haltung gilt der Theologe Schleiermacher, der in seinem Buch Über die Religion (1799) schrieb: "Religion ist nicht Metaphysik und Moral, sondern Anschauen und Gefühl". Dementsprechend ist seitdem - im Gegensatz zu den vorzeitlichen und vormodernen christlichen Gesellschaften, in denen alle Bereiche menschlichen Lebens unter der Autorität der Religion standen - eine Tendenz bemerkbar, die zunehmend Bereiche der Gesellschaft aus dem Herrschaftsbereich der Religion ausgliedert. Beispielsweise beanspruchen die Natur- und Geisteswissenschaften verbunden mit der Idee eines natürlichen Grundrechts Autorität in Fragen zu Evolution oder Ethik/ Recht - Bereiche, die zuvor der Religion unterstanden. Diese Entwicklung wird als Säkularisierung bezeichnet. Erklärungsversuche für dieses Phänomen beziehen sich oft auf die Industrielle Revolution, die allmähliche Überwindung des Ständestaates und den damit verbundenen ökonomischen, sozialen, kulturellen und rechtlichen Wandel. In Europa verlor das Christentum im späten 19. Jahrhundert Jahrhundert und im gesamten 20. Jahrhundert hinsichtlich seiner Reputation, seines gesellschaftlichen und politischen Einflusses und seiner Verbreitung an Bedeutung. Einige traditionell christliche westliche Länder verzeichnen sinkenden Klerikernachwuchs, Verkleinerung der Klöster und ein Anwachsen von Kirchenaustritten oder andere Formen von Distanzierung. In den meisten europäischen Staaten gehörten im Jahr 2005 mehr als 50 % der Einwohner einer christlichen Kirche an. Besonders im Gebiet der ehemaligen DDR, deren Regierung die Verbreitung einer atheistischen Weltanschauung förderte und in Frankreich, wo Napoleon die Schließung und Enteignung von Klöstern anordnete und Anfang des 20. Jahrhunderts eine strikte Trennung von Kirche und Staat durchgesetzt wurde, ging der gesellschaftliche Einfluss der Kirchen zurück. Studien im Vereinigten Königreich belegen rückläufige Besucherzahlen in Kirchen, Synagogen und anderen religiösen Einrichtungen, obwohl die Kirchen hier Umfragen zufolge weiterhin zu den reputierten öffentlichen Einrichtungen zählen. In Polen, Irland, Spanien und Italien gilt die katholische Kirche, der jeweils mehr als 80 % der Bewohner angehören, als einflussreich. In den meisten europäischen Ländern wurde früher oder später das Recht auf Religionsfreiheit gesetzlich verankert. Davor waren auch nichtreligiöse Menschen in aller Regel in religiöse Organisationen eingebunden, da eine demonstrative Abwendung von der Religion zu Diskriminierungen führen konnte. Diese Gruppe sieht derzeit weniger Gründe, sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen. Während des Kommunismus konnte in einigen Ostblockstaaten eine religiöse Orientierung zu formellen und informellen Benachteiligungen führen. In vielen europäischen Ländern ist es nach wie vor üblich, zumindest formell, einer Religion anzugehören. Parallel zur Säkularisierung kam es sowohl im protestantischen als auch im katholischen Raum zu einer vertieften und bewussteren Teilnahme am kirchlichen Leben von Seiten einer Minderheit von engagierten und häufig kritischen Laien. Auch junge Menschen wenden sich im Zuge ihrer Sinnsuche seit Ende des vorigen Jahrtausends häufiger wieder der Religion zu. Im Gegenzug zur Säkularisierung in Europa gewinnt die Religion in der übrigen Welt partiell an Einfluss. In den USA und Lateinamerika beispielsweise zeigen empirische Studien , dass die Religion nach wie vor ein wichtiger Faktor ist. In Afrika südlich der Sahara wuchs das Christentum im 20. Jahrhundert von 8 auf 335 Millionen Gläubige. In der oft konservativen arabischen Welt ist der Islam nach wie vor das prägende Element der Gesellschaft. Auch in China zählen, trotz jahrelangem staatlich verordnetem Atheismus, die Weltreligionen wieder circa 100 Millionen Anhänger.

Positive und negative Wirkungen von Religion

Oft wird der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern einer Religion in Form einer Schaden-Nutzen-Analyse ausgetragen. Allerdings sagt das wenig über den Wahrheitswert von religiösen Botschaften aus. Dies sollte im Folgenden bedacht werden.

Positive Wirkungen

Dass viele Menschen trotz Aufklärung und moderner Religionskritik an ihrem Glauben festhalten, hat mit positiven Erfahrungen zu tun, die sie mit ihrer Religion verbinden. Religionen postulieren eine Realität jenseits des physisch Wahrnehmbaren sowie oft ein Leben nach dem Tod. Sie ermöglichen so eine Sinngebung, die als fundierter empfunden wird als eine Sinngebung, die durch die als unbefriedigend erlebte Welt und die eigene Sterblichkeit limitiert ist. Sie bieten ihren Anhängern häufig stabile soziale Strukturen. Fast alle Religionen setzen einen, oft rigorosen, ethischen Standard. Manche Menschen befürchten, ohne solches religiöses Fundament würden ethische Standards in der Praxis stark reduziert ("Ohne Gott ist alles erlaubt."). Diese moralischen Postulate sind wichtig, um die Gesellschaft und den einzelnen selbst vor destruktiven Exzessen zu schützen. Religiöse Aktivitäten, wie Gebet oder Meditation oder auch die Sinneseindrücke und Symbolik von religiösen Zeremonien, führen bei manchen Menschen zu spirituellen Empfindungen. Religiöse Gemeinschaften können ihren Mitgliedern Inspiration für Mitgefühl, praktische Nächstenliebe und moralische Selbsteinschränkung bieten. Alle Weltreligionen und darüber hinaus die meisten kleineren Religionen, fordern Barmherzigkeit von ihren Mitgliedern, das heißt, sie sollen sich fürsorglich um andere Menschen kümmern. Hierbei ist es weitgehend unerheblich, ob diese der eigenen Religionsgemeinschaft angehören oder nicht. So ist im Islam z.B. vorgeschrieben, dass jeder einen festen Anteil seines Einkommens für soziale Zwecke spenden soll. Besondere Hilfe und Fürsorge wird den Mitgliedern der eigenen Religionsgemeinschaft zuteil. Ein besonderer Aspekt der Religion ist der Frieden stiftende, welche besonders im Gebot der, in einigen Religionen postulierten, Feindesliebe Ausdruck findet. Alle diese Werte und Haltungen werden in unterschiedlicher Weise auch in nicht religiös orientierten Gruppierungen vertreten. Es lässt sich beobachten, dass beispielsweise das Christentum in der Vergangenheit für die Gründung vieler großer Universitäten und Schulen, den Aufbau von Hospitälern, den Vorläufern der heutigen Krankenhäuser, das Verteilen von Nahrungsmitteln und die Schaffung von Waisenhäusern verantwortlich war. Andere Religionen und weltliche Organisationen haben im Rahmen ihrer Kulturen und im Verhältnis zu ihrer Größe und ihrem Reichtum vergleichbare Leistungen vorzuweisen. Forschungen von Abraham Maslow nach dem Zweiten Weltkrieg zeigten, dass die Überlebenden des Holocaust oft diejenigen mit starken religiösen Überzeugungen (nicht notwendigerweise Tempelbesuch etc.) waren. Die humanistische Psychologie untersuchte, ob eine religiöse oder spirituelle Persönlichkeitsprägung mit längerer Lebensdauer und besserer Gesundheit verknüpft ist. Viele Menschen brauchen möglicherweise insbesondere religiöse Bindungen, weil diese verschiedene emotionale Bedürfnisse, wie das Bedürfnis, geliebt zu werden, das Bedürfnis, zu einer gleichförmigen Gruppe zu gehören, das Bedürfnis nach verständlichen Erklärungen oder das Bedürfnis nach Gerechtigkeit befriedigen. Maslows Ergebnisse haben sich in anderen Zusammenhängen nicht als wiederholbar erwiesen. Die These einer Korrelation zwischen Religion und Gesundheit bzw. Lebensdauer eines Individuums ist daher wissenschaftlich umstritten. Der besondere Umstand, dass Maslow ausschließlich Überlebende des Holocaust befragt hatte, und dass Religion das primäre Auswahlkriterium für die Forschungssubjekte war, könnte zu einer Verzerrung der Ergebnisse geführt haben. Religion kann auch, soweit sie moralische Leistungen - gute Taten - fordert, neben Hilfe im Einzelfall, begrenzte oder umfassende Reformen und Verbesserungen des rechtlichen oder wirtschaftlichen Systems einer Gesellschaft motivieren.

Negative Wirkungen

Die stärkste Form negativer Wirkung stellen Kriege und andere Gewalttaten dar, die mit religiösen Auffassungen begründet werden. Dies werten Gläubige zumeist als Missbrauch ihrer Religion, während Religionskritiker von einer allen Religionen immanenten Tendenz zu "Fanatismus und Grausamkeit" ausgehen. Im Westen beispielsweise wurde der römisch-katholischen Kirche die Inquisition vorgeworfen. Andere Verbrechen im Namen der Religion vor christlichem Hintergrund sind beispielsweise Kreuzzüge, Hexenverfolgung, Judenverfolgung, Gewalttätige Formen der Missionierung sowie teilweise die Unterstützung von an sich atheistischen Diktaturen und die ambivalente Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus. Der Kirchen- und Religionskritiker Karlheinz Deschner hat in seinem auf zehn Bände angelegten Werk Kriminalgeschichte des Christentums eine Fülle historischen Materials zu diesem Thema ausgewertet, kommentiert und für den Laien verständlich aufbereitet. In den meisten demokratisch regierten Ländern werden Religionen von der Politik mehr oder weniger getrennt. Wenn man die Auswirkungen einer Säkularisierung im direkten Vergleich mit einem religiös gebundenen System wissenschaftlich, d.h. empirisch, untersucht, werden die Vor- und Nachteile beider Ansätze deutlich. Hierbei wird das oben behandelte Problem der Definition eine Rolle spielen: denn nicht alles, was unter dem Terminus "Religion" subsummiert wird, hat die gleichen Konsequenzen, wenn politische Macht ausgeübt wird. (vgl. hierzu die Untersuchungen Max Webers zu der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung in protestantischen und katholischen Ländern). Wo religiöse Kräfte zu viel Einfluss auf nationale und supranationale politische Strukturen haben, prägen sie entweder die Gewalt der jeweiligen Regierung oder werden von ihr geprägt. Die beiden Fälle lassen sich nicht immer deutlich unterscheiden:
- Seit der islamistischen Revolution von 1979 wurden in Iran tausende von Menschen wegen sogenannter Verbrechen gegen die Religion inhaftiert, gefoltert und oft sogar ermordet. Frauen werden systematisch benachteiligt und schon wegen einer Nichteinhaltung von Bekleidungsvorschriften bestraft. Wegen sogenannter moralischer Verfehlungen können sie legal öffentlich gesteinigt werden. Homosexualität gilt als Verbrechen. Religiöse Minderheiten und politische Dissidenten werden strafrechtlich und von den sogenannten Religionswächtern verfolgt.
- Im christlichen Namibia kam es in den 1990er Jahren zu Gewalttätigkeiten gegenüber Homosexuellen, die von religiösen Autoritäten aber teilweise auch von der Regierung für eine langdauernde Dürre verantwortlich gemacht wurden.
- In Indien gibt es von Zeit zu Zeit Ausschreitungen von Hindus vor allem gegenüber Muslimen. Vereinzelt kommt es auch zu Gewalttätigkeiten gegenüber Christen. So verbrannte der Mob in einem hinduistischen Dorf 1999 den christlichen Leiter eines Lepraspitals zusammen mit seinen Söhnen lebendigen Leibes in seinem Auto. Hinzu kommt, dass religiöse Autoritäten aller Religionen für ihre Gläubigen oft Vorschriften erlassen, die die Privatsphäre reglementieren sollen. Wie in allen Weltanschauungen, so gibt es auch in den Religionen einen sichtbaren Widerspruch zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung. Während Machtmissbrauch und andere Missstände im Mittelalter und der frühen Neuzeit häufig zu religiösen Erneuerungsbewegungen führten, haben sie gegenwärtig eher eine Abkehr von der Religion zur Folge. Viele Religionskritiker betrachten religiöse Belehrungen in der frühen Kindheit als Mittel zur Anpassung an veraltete Normen. Erziehung zu religiösem Fanatismus wird von diesen, aber auch von religiös orientierten Menschen, häufig als Gehirnwäsche kritisiert. Manche stimmen weiter mit der marxistischen Sichtweise überein, wonach "Religion das Opium des Volkes" sei, also zur passiven Hinnahme ökonomischer und sozialer Machtstrukturen beitrage. Die Kritik wirft insbesondere Christen vor, durch die Hoffnu