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Faust II

Faust II

Faust, der Tragödie zweiter Teil, (kurz: Faust II) wurde von Johann Wolfgang von Goethe 1832 als Fortsetzung von Faust I veröffentlicht. Goethe arbeitete mit Unterbrechungen über sechs Jahrzehnte am Fauststoff, den er bereits in seiner Kindheit kennengelernt hatte. Der Zweite Teil der Dichtung bildete die Hauptbeschäftigung seiner letzten Lebensjahre und erschien erst - posthum - 1832. Das Werk kann als Erinnerungssystem verstanden werden, das gegen die mitteleuropäische Kultur der Goethezeit mit ihren antiken Wurzeln sowie alle Stilmittel der deutschen Sprache darstellt. Im Unterschied zum ersten Teil stehen vordergründig nicht mehr das Seelen- und Gefühlsleben des einzelnen Menschen im Mittelpunkt, sondern gesellschaftliche Phänomene wie Geschichte und Politik. In diesem Sinne legt der Ökonom Hans Christoph Binswanger eine geldtheoretische Deutung von Goethes Faust vor.

Inhalt

Das Stück besteht aus fünf Akten, welche jeweils für sich relativ abgeschlossene Episoden darstellen. Im ersten Akt erwacht Faust an einem Frühlingmorgen. Die Elfen badeten ihn am Tau aus Lethes Flut nach dem furchtbaren Ende der Gretchen-Tragödie des ersten Teils. Am Hofe eines mittelalterlichen Kaisers agiert Faust mit Mephistopheles' Hilfe als Magier und rettet mittels Erfindung des Papiergelds vorerst für kurze Zeit die kaiserlichen Finanzen. Nach dem illusionären Mummenschanz geht er zu den Urbildern des Lebens ins „Reich der Mütter“, bevor er vor dem Hof die Geister von Helena und Paris als Urbilder menschlicher Schönheit beschwört. Im zweiten Akt hat der Famulus Wagner ein künstliches Menschlein, den Homunculus geschaffen, der die Protagonisten zur "klassischen Walpurgisnacht" führt, in der verschiedenste mythologische Wesen und Götter der griechischen Antike auftreten. Der dritte Akt beschreibt Fausts Beziehung zu Helena, mit der er einen Sohn, Euphorion, hat, der am Ende des Aktes zu Tode stürzt, woraufhin auch Helena verschwindet. Im vierten Akt kehren Faust und Mephistopheles zum Kaiser zurück, der sich inzwischen im Krieg mit einem Gegenkaiser befindet. Mit Hilfe bestellter Berggeister erringen sie den Sieg über den Gegenkaiser. Faust bekommt als Dank den Strand des Reiches und will, Taten Worten vorziehend, den Meeresboden entwässern und so urbar machen. In diesem Herrschaftdrang verursacht er im fünften Akt den Tod dreier Menschen, eines Wanderers und des friedlichen alten Ehepaars Philemon und Baucis. Mittlerweile hundert Jahre alt und blind, hält er die lärmenden Spaten, die sein Grab schaufeln, für seine Arbeiter. Schließlich erfüllt sich Fausts Schicksal, erkennt er doch den Augenblick, zu dem er sagen könnte: "Verweile doch, Du bist so schön!" Dies bezieht er jedoch nicht auf seine Situation, sondern auf seine Vision einer künftigen Gesellschaft. Als er dies ausspricht, bricht er tot zusammen; er hat die Wette gewonnen - auch wenn Mephistopheles dies nicht wahrhaben möchte - und seine Seele wird von den guten Mächten gerettet.

Literatur


- Gero von Wilpert: Goethe-Lexikon. Stuttgart (Kröner) 1998, ISBN 3-520-40701-9)
- Theodor W. Adorno: Zur Schlußszene des Faust. In: Noten zur Literatur. Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 1974.
- Gerhard Kaiser, Ist der Mensch zu retten? Vision und Kritik der Moderne in Goethes Faust
- Ulrich Gaier, Fausts Modernität
- Ulrich Gaier, Faust-Dichtungen
- Michael Jäger, Fausts Kolonie, Goethes kritische Phänomenlogie der Moderne

Bedeutende Inszenierungen


- 4. April 1854: Uraufführung am Hamburger Schauspielhaus
- 1938 Welturaufführung beider Teile ungekürzt im Goetheanum in Dornach (Schweiz). Inszeniert von Marie Steiner.
- 2000 von Peter Stein; beide Teile ungekürzt mit Bruno Ganz und Christian Nickel (als alter und junger Faust), Johann Adam Oest (Mephisto), Dorothée Hartinger, Corinna Kirchhoff und Elke Petri. Premiere am 22./23. Juli 2000 auf der Expo 2000 in Hannover, Aufführungsdauer (mit Pausen:) 21 Stunden.
- 2003 von Ingmar Thilo; mit Antonios Safralis (Faust), Raphaela Zick (Mephisto), Ulrike Dostal (Helena), Max Friedmann (Lynceus) u.a.
- 2004 von Wilfried Hammacher am Goetheanum; Christian Peter (Faust), Paul Klarskov (Mephisto), u.a
- 2005 von Michael Thalheimer (Regie) und Michael Jaeger (Beratung) am Deutschen Theater in Berlin. Darsteller siehe [http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/1010/feuilleton/0003/index.html?keywords=Faust%20Hoss;mark=faust%20hoss%20h%F6ss Kritik Berliner Zeitung, 11.10.2005]

Vertonungen


- Gustav Mahler: Achte Sinfonie, 2. Teil (1906/1907)

Weblinks


- [http://www.digbib.org/Johann_Wolfgang_von_Goethe_1749/Faust_II Webausgabe] in der Digitalen Bibliothek
- [http://gutenberg.spiegel.de/goethe/faust2/faust2.htm Faust II] Das vollständige Werk im Projekt Gutenberg-DE
- [http://www.theaterportal.de/detail_search?stueck=Faust&autor=Goethe Faust im Spielplan deutschsprachiger Bühnen]
- [http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/goethe/faust_eibl.pdf Zur Wette - Ein Vortrag zum Verständnis der Wette]
- [http://www.uni-heidelberg.de/presse/news/2212borch.html Welthandel - Weltliteratur - Weltsolidarität, Goethes Alters-Futurismus] Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (19. Jh.) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Drama Kategorie:1832 Kategorie:Faust

1832

Ereignisse


- 21. Februar: Entdeckung von Grahamland
- 27. Mai: Hambacher Fest
- 26. November: In New York geht die erste Straßenbahn der Welt, eine Pferdebahn, in Betrieb.
- Grundgesetze der Elektrolyse, später als Faradaysche Gesetze bezeichnet, werden entdeckt

Kultur


- 7. Februar: Uraufführung der Oper I Normanni a Parigi von Saverio Mercadante in Turin
- 16. Februar: Uraufführung der Oper Der Lastträger an der Themse von Conradin Kreutzer in Prag
- 16. März: Uraufführung der Oper Beatrice di Tenda von Vincenzo Bellini am Teatro la Fenice in Venedig
- 12. Mai: Uraufführung der Oper L'elisir d'amore (Der Liebestrank) von Gaetano Donizetti am Teatro alla Scala di Milano in Mailand
- 1. Oktober: Uraufführung des Militärschauspiels His First Campaign von Adolphe Adam im Covent Garden in London
- 5. November: Uraufführung des historischen Melodrams The Dark Diamond von Adolphe Adam im Covent Garden in London

Geboren


- 6. Januar: Gustave Doré, französischer Maler und Graphiker († 1883)
- 13. Januar: Horatio Alger, US-amerikanischer Autor († 1899)
- 23. Januar: Édouard Manet, französischer Maler († 1883)
- 25. Januar: Paul Bronsart von Schellendorff, preußischer General und Kriegsminister († 1891)
- 27. Januar: Lewis Carroll, britischer Schriftsteller, Mathematiker und Fotograf († 1898)
- 28. Januar: Franz Wüllner, deutscher Komponist und Dirigent († 1902)
- 15. Februar: Nicolás Ruiz Espadero, kubanischer Pianist und Komponist († 1890)
- 18. Februar: Octave Chanute, amerikanischer Eisenbahningenieur und Luftfahrt-Pionier († 1910)
- 22. Februar: Alexander Meyer, deutscher Journalist, Liberaler und Freihändler
- 1. März: Ludwig Franzius, Baudirektor für Weserkorrektion († 1903)
- 1. März: Friedrich Grützmacher, deutscher Komponist und Cellist († 1903)
- 1. März: Josef Matras, österreichischer Schauspieler und Sänger († 1887)
- 12. März: Charles Cunningham Boycott, britischer Gutsverwalter in Irland († 1897)
- 12. März: Charles Friedel, französischer Chemiker († 1899)
- 18. März: Wenzel Lustkandl, österreichischer Politiker und Jurist († 1906)
- 4. April: Fedor Alexis Flinzer, deutscher Autor und Pädagoge († 1911)
- 8. April: Alfred Graf von Waldersee, Generalfeldmarschall Preußens († 1904)
- 14. April: Herbert Viktor Anton Pernice, Jurist († 1875)
- 15. April: Wilhelm Busch, deutscher Dichter, Maler und Zeichner († 1908)
- 5. Mai: Lazarus Immanuel Fuchs, deutscher Mathematiker († 1902)
- 20. Mai: Garretson W. Gibson, ehemaliger Präsident Liberias († 1910)
- 21. Mai: Hudson Taylor, christlicher Missionar in China († 1905)
- 25. Mai: Jules Blanchard, französischer Bildhauer († 1916)
- 14. Juni: Nikolaus Otto, deutscher Maschinenbauer und Erfinder des Ottomotors († 1891)
- 17. Juni: William Crookes, englischer Physiker, Chemiker und Wissenschaftsjournalist († 1919)
- 6. Juli: Maximilian von Mexiko, Kaiser von Mexiko († 1867)
- 12. Juli: Ernst Gebhardt, deutscher Liederdichter und Methodistenprediger († 1899)
- 29. Juli: Josef Schöffel, österreichischer Journalist und Politiker († 1910)
- 2. August: Carl Justi, deutscher Philosoph und Kunsthistoriker († 1912)
- 2. August: Henry Steel Olcott, Mitbegründer der Theosophischen Gesellschaft († 1907)
- 3. August: Ivan Zajc, kroatischer Komponist und Dirigent († 1914)
- 8. August: Georg I. (Sachsen), Thronfolger von Albert I. (Sachsen) († 1904)
- 12. August: Peter Soemer, deutscher Theologe und Dichter († 1902)
- 16. August: Wilhelm Wundt, deutscher Philosoph und Psychologe († 1920)
- 17. September: Wendelin Boeheim, Waffentechniker, Offizier, Journalist und Museumsbedienster († 1900)
- 20. September: Johann Joseph Abert, tschechischer Komponist († 1915)
- 21. September: Louis Paul Cailletet, französischer Physiker († 1913)
- 2. Oktober: Edward Tylor, britischer Anthropologe († 1917)
- 2. Oktober: Julius Sachs, deutscher Botaniker († 1897)
- 15. Oktober: Isabella Bishop, britische Reiseschriftstellerin († 1904)
- 20. Oktober: Anton Romako, österreichischer Maler († 1889)
- 21. Oktober: Gustav Langenscheidt, deutscher Sprachlehrer und Verlagsbuchhändler († 1895)
- 1. November: Richard B. Hubbard, 17. Gouverneur von Texas († 1901)
- 16. November: Paul Cérésole, Schweizer Politiker († 1905)
- 18. November: Adolf Erik Nordenskiöld, finnland-schwedischer Polarforscher († 1901)
- 29. November: Louisa May Alcott, US-amerikanische Schriftstellerin († 1888)
- 1. Dezember: Friedrich Helbig, deutscher Jurist und Schriftsteller († 1896)
- 8. Dezember: Bjørnstjerne Bjørnson, norwegischer Dichter und Politiker († 1910)
- 8. Dezember: Friedrich Junge, deutscher Biologe († 1905)
- 15. Dezember: Alexandre Gustave Eiffel, französischer Ingenieur († 1923)
- 15. Dezember: Gustave Eiffel, französischer Ingenieur († 1923)
- 16. Dezember: Wilhelm Foerster, deutscher Astronom († 1921)
- 16. Dezember: Wilhelm Julius Foerster, deutscher Astronom († 1921)

Gestorben


- 9. Januar: Karl von Kügelgen, Landschafts- und Historienmaler, russischer Hof- und Kabinettmaler (
- 1772)
- 3. Februar: Karl Viktor von Bonstetten, Schweizer Schriftsteller (
- 1745)
- 4. März: Jean-François Champollion, französischer Sprachwissenschaftler (
- 1790)
- 10. März: Muzio Clementi, klassischer Komponist (
- 1752)
- 12. März: Friedrich Kuhlau, deutscher Komponist (
- 1786)
- 22. März: Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter (
- 1749)
- 24. April: Francis de Rottenburg, britischer General und Militärschriftsteller deutsch-polnischer Herkunft (
- 1757)
- 13. Mai: Georges Cuvier, französischer Naturforscher (
- 1769)
- 15. Mai: Carl Friedrich Zelter, deutscher Musiker (
- 1758)
- 31. Mai: Evariste Galois, französischer Mathematiker (
- 1811)
- 6. Juni: Jeremy Bentham, britischer Jurist und Philosoph (
- 1748)
- 28. Juni: Joseph Schreyvogel, österreichischer Schriftsteller (
- 1768)
- 8. Juli: Henry Raeburn, britischer Maler (
- 1756)
- 20. Juli: Karl Julius Weber, deutscher Schriftsteller und Satiriker (
- 1767)
- 22. Juli: Napoleon II., Sohn des Napoleon I. (
- 1811)
- 24. August: Nicolas Léonard Sadi Carnot, französischer Physiker (
- 1796)
- 31. August: Antoine-Léonard de Chézy, französischer Orientalist und Mitbegründer der Indologie (
- 1773)
- 2. September: Franz Xaver von Zach, deutsch-Österreichischer Astronom (
- 1754)
- 9. September: Bernhard Klein, deutscher Komponist (
- 1793)
- 21. September: Walter Scott, britischer Schriftsteller (
- 1771)
- 27. September: Karl Christian Friedrich Krause, deutscher Philosoph (
- 1781)
- 1. November: Julius von Voß, deutscher Schriftsteller (
- 1768)
- 14. November: Charles Carroll, letzter überlebender Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung der USA (
- 1737)
- 14. November: Rasmus Rask, dänischer Sprachforscher (
- 1787)
- 15. November: Jean-Baptiste Say, französischer Ökonom und Geschäftsmann (
- 1767)
- 18. Dezember: Philip Freneau, US-amerikanischer Dichter (
- 1752)
- 28. Dezember: Charles-Malo-François de Lameth, französischer General (
- 1757)
- 29. Dezember: Johann Friedrich Cotta, deutscher Verleger (
- 1764)
- 30. Dezember: Ludwig Devrient, deutscher Schauspieler (
- 1784) ko:1832년

Fauststoff

Allgemeiner Begriff des Fauststoffes „WER IMMER STREBEND SICH BEMÜHT…“ Der Fauststoff stellt in erster Linie die ethischen Konflikte des über Grenzen hinaus strebenden Menschen nach immer höheren Erkenntnissen (Wissen, Schönheit, Geheimnisse weltlicher Macht) und die auf diesem Wege entstehenden Hindernisse und Opfer dar. In dem Zwiespalt von egozentrischer Selbstverwirklichung und sozialer Anerkennung spielen der Teufel und Gott, stellvertretend für Gut und Böse, eine entscheidende Rolle. Der Erwählte (siehe auch Figuren wie Hiob, Paris, Gregorius, Parzival oder Adrian Leverkühn) wird oft zum Gegenstand einer Wette zwischen Gottheit und einer Macht des Bösen, um die Standhaftigkeit seines Charakters zu testen. Besteht der Erwählte die ihm auferlegten Prüfungen im Sinne der Gottheit, so wird er belohnt; verfällt er den ihm gestellten Versuchungen, findet er den Tod oder verliert seine Seele. Goethes Faustbearbeitungen konzentrieren sich auf Fausts Wunsch nach Erkenntnis und Erfahrungsvielfalt („Daß ich erkenne, was die Welt/ im Innersten zusammenhält;“ Goethe, Faust, V. 382-383 ). So rechtfertigt er den Teufelspakt auf eine neue Art, denn schon Lessing bezeichnete die Wissbegier als den edelsten Trieb des Menschen . Die Gelehrtentragödie, in der die Gespaltenheit Fausts, als Mensch und Wissenschaftler innere Einheit zu finden, offensichtlich wird, wird im Teufelspakt zu einem Höhepunkt geführt, wenn Faust eingestehen muss, die von ihm gewünschte Welterkenntnis aus eigener Kraft nicht erlangen zu können. Goethe verbindet Faustens Suche nach Erkenntnis anschließend mit der Gretchentragödie. Gretchen, die von Faust Verführte, wird zur Personifizierung der ihm gegenübergestellten reinen Unschuld („Über die hab ich keine Gewalt“ Goethe, Faust, V. 2626). Das menschliche Ringen, sich entweder für die Kraft des Glaubens oder die Sicherheit wissenschaftlicher Erkenntnis entscheiden zu müssen, und der vermeintliche Widerspruch, in dem diese beiden Bereiche zueinander gesehen werden sind ebenfalls Hauptbestandteil der Faustthematik.

Kultur

Kultur (lat. cultura), Pflege (des Körpers, aber primär des Geistes), später im Kontext mit dem Landbau, aus colere, bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, (ursprünglich etwa) emsig beschäftigt sein, ist die Gesamtheit der menschlichen Leistungen. Dies schließt einerseits physische Dinge wie Werkzeuge ein, aber auch die durch den Menschen hervorgerufene Veränderung der Natur, die geistigen Hervorbringungen der Menschheit wie Schrift und Kunst sowie die sozialen Organisationsformen, in denen die Menschen zusammenleben. Der Begriff der Kultur steht insofern in Zusammenhang mit dem Begriff der Zivilisation und der sie erhaltenden menschlichen Arbeit. Der Begriff wird einerseits generell auf die Menschheit als Ganzes bezogen, andererseits aber auch als Zusammenfassung der Lebensumstände einer bestimmten Ethnie oder Region (beispielsweise die amerikanische Kultur) oder historischen Phase (z.B. die minoische Kultur). Frühe Kulturen haben entscheidend mit der gesellschaftlichen Praxis der Ernährung ihrer Träger zu tun (Jäger- Hirten/Nomaden- oder Bauernkultur).

Definition

Das Wort Kultur (von lat. cultura: Landbau, Pflege, auch des Körpers und Geistes) bezeichnet im Deutschen: 1. die Pflege und Bebauung des Bodens, die Zucht von Bakterien - 2. die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft bzw. eines Volkes und - bezogen auf einzelne Menschen - seine Bildung, Gesittung und verfeinerte Lebensweise. Kultur ist die Summe aller Bestrebungen, die Grundbedürfnisse der menschlichen Natur zu befriedigen; eingeschlossen sind die Hilfsmittel dazu sowie die Erträge dieser Leistung ( z.B. Arbeitsgeräte, Techniken, sittliche, religiöse und politische Ordnungen).

Weitere Definitionsmöglichkeiten

William James Durant gibt in seinem Werk (Kulturgeschichte der Menschheit) folgende populäre Definition. Dieser Kulturbegriff spart prähistorische Kultur aus: :"Kultur ist soziale Ordnung, welche schöpferische Tätigkeiten begünstigt. Vier Elemente setzen sie zusammen: Wirtschaftliche Vorsorge, politische Organisation, moralische Traditionen und das Streben nach Wissenschaft und Kunst. Sie beginnt, wo Chaos und Unsicherheit enden. Neugier und Erfindungsgeist werden frei, wenn die Angst besiegt ist, und der Mensch schreitet aus natürlichem Antrieb dem Verständnis und der Verschönerung des Lebens entgegen." Nach Albert Schweitzer ist Kultur "Fortschritt, materieller und geistiger Fortschritt der einzelnen wie der Kollektivitäten". Der Fortschritt bestehe "zunächst darin, dass für die Einzelnen wie für die Kollektivitäten der Kampf ums Dasein herabgesetzt" werde. Letztes Ziel der Kultur ist nach Albert Schweitzer "die geistige und sittliche Vollendung des Einzelnen": :"Der Kampf ums Dasein ist ein doppelter. Der Mensch hat sich in der Natur und gegen die Natur und ebenso unter den Menschen und gegen die Menschen zu behaupten. Eine Herabsetzung des Kampfes ums Dasein wird dadurch erreicht, dass die Herrschaft der Vernunft über die Natur sowohl wie über die menschliche Natur sich in größtmöglicher und zweckmäßigster Weise ausbreitet. Die Kultur ist ihrem Wesen nach also zweifach. Sie verwirklicht sich in der Herrschaft der Vernunft über die Naturkräfte und in der Herrschaft der Vernunft über die menschlichen Gesinnungen." (Albert Schweitzer, Kultur und Ethik, ISBN 3406392504, S. 35) Im engeren Sinne versteht man unter Kultur folgende Bereiche: Sprache, Literatur, Religion und Ethik, Medizin, Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft und Rechtsprechung. Die interkulturelle Kommunikation versteht unter Kultur ein gültiges Sinnsystem oder die Gesamtheit der miteinander geteilten verhaltensbestimmenden Bedeutungen. Wissenssoziologisch könnte man eine Kultur auch als das einem Kollektiv gemeinsame "Wissen" kennzeichnen, das heißt als die im Bewusstsein seiner Mitglieder verankerten Erwartungen hinsichtlich üblicher Verhaltensweisen, Werthaltungen, sozialer Deutungsmuster und Weltbilder die von Kulturschaffenden entwickelt und zu Allgemeingut wurden. Johann Wolfgang von Goethe ging sogar soweit, dass in seinem Kulturbegriff "weder die Kleidung noch die Eß- und Trinkgewohnheiten, weder die Geschichte noch die Philosophie, weder Künste noch die Wissenschaft, weder die Kinderspiele noch die Sprichwörter, weder das Klima noch die Landschaftsformen, weder die Wirtschaft noch die Literatur, weder das Politisch noch das Private noch der Hinweis auf ‚Schäden durch Abholzung der Berge’ fehlen." Neben der oben genannten Definition gibt es im allgemeinen Sprachgebrauch eine weitere Verwendung des Wortes im Sinne von Kultiviertheit, der stets aber Unkultiviertheit gegenübersteht, die es -da Kultur alles umfasst- eigentlich nicht gibt. Verschiedene Definitionen des Begriffes spiegeln verschiedene Theorien der Bewertung und des Verständnisses menschlichen Tuns wider. 1952 haben Alfred Kroeber und Clyde Kluckhohn eine Liste von über 200 verschiedenen Definitionen in ihrem Buch (Culture: A Critical Review of Concepts and Definitions) zusammengetragen. In der nordamerikanischen cultural anthropology (der in der englischen Sozialwissenschaft die social anthropology entspricht) wird culture ("Kultur") oft gleichbedeutend mit society ("Gesellschaft") benutzt (vor allem bei Stammesgesellschaften, vergleiche Anthropologie, Ethnologie und Soziologie).

Etymologie

Das Wort Kultur kommt aus dem Lateinischen. Das lateinische Wort cultura bedeutet Landwirtschaft, Feldbestellung, bebautes Land (zurückgehend auf das Verb colo, colui, cultus - pflegen) - als Gegensatz zu Natur - und so wurde das Wort Kultur bis ins 19. Jahrhundert verwendet, während für die heutige Bedeutung des Begriffes Kultur mehrheitlich das Wort Kunst seine Anwendung findet.

Entstehung der Kultur

Die vier entscheidenden Schritte des Menschen auf dem Weg zum Kulturwesen (Hominisation) sind vielleicht folgende gewesen, wobei sich der Übergang von der natürlichen zur kulturellen Weiterentwicklung nicht scharf trennen lässt und die Reihenfolge nicht chronologischen Anspruch erhebt.
- Die Entwicklung der Sprache (=>Sprachkultur)
- Die extensive Nutzung von Werkzeugen
- Die Zähmung des Feuers
- Die Entwicklung von expliziten Regeln und Formen des Zusammenlebens (Religion, Ethik, Diakonie und Medizin Rechtsprechung)

Entwicklung des Kulturbegriffs

Gelehrte des 18. und 19. Jahrhunderts und viele Menschen heutiger Zeit setzen Kultur gleich mit Zivilisation und sehen beides im Gegensatz zur Natur. So wurden Menschen, denen Elemente einer Hochkultur fehlten, oft als naturverbunden, bodenständig und im negativen Sinne als unzivilisiert bezeichnet. Die gehobene Kultur wurde kritisiert oder auch verteidigt, da sie angeblich die menschliche Natur unterdrücken würde. Kultur in Abgrenzung zur Barbarei war und ist teilweise heute noch definiert als das Fehlen ökonomischer Notwendigkeit und Betonung des Rituellen, so z.B. ein nach allen Regeln der Kunst gedeckter Tisch als Gegensatz zu ausschließlich "sinnvoller" Bestückung. Im späten 19. Jahrhundert plädierten Anthropologen für eine breitere Definition des Begriffes Kultur. Sie wollten das Wort auf eine Vielzahl von verschiedenen Gesellschaften anwenden können. Sie argumentierten, dass die Kultur der menschlichen Natur entspräche. Die Kultur habe ihre Wurzeln in der menschlichen Fähigkeit, Versuche systematisch auszuwerten und deren Ergebnisse in Schrift und Sprache weiterzugeben. 1 Deswegen entwickeln Menschen, die getrennt voneinander leben, einzigartige Kulturen. Trotzdem können sich Elemente verschiedener Kulturen heute leicht von einer Menschengruppe zu einer anderen ausbreiten. Es wurde also notwendig, methodisch und theoretisch nützlichere Definitionen des Wortes Kultur zu entwickeln. Dabei unterscheiden die Anthropologen zwischen einer
- materiellen Kultur und einer
- symbolischen Kultur (Schrift und Sprache). Der Unterschied spiegelt nicht nur verschiedene menschliche Tätigkeiten wider. Man braucht auch verschiedene Untersuchungsmethoden, um beide Bereiche zu beschreiben und zu untersuchen. In der Regel konzentrieren sich die Archäologen auf die materielle Kultur und die Kulturanthropologen auf die symbolische Kultur. Beide wollen aber letztendlich auch wissen, wie diese zwei Bereiche zusammenhängen. Darüberhinaus bezieht sich der Begriff Kultur für die Anthropologen nicht nur darauf, wie Güter verbraucht werden, sondern auch darauf, wie sie produziert werden und wie sie für die Menschen bedeutsam werden. Die Anthropologen wollen darunter auch die sozialen Beziehungen und Handlungsweisen verstehen, in welche die Dinge des täglichen Lebens einbezogen werden. 2000 wurde von Anthropologen gefordert, den Kulturbegriff auf Primaten auszudehnen. Kultur ist in Zeiten des Umbruchs und der Veränderung auch ein Modewort geworden: Kultur wird mit großem Aufwand als Event inszeniert und als ein wirtschaftlicher Impulsgeber konsumierbar gemacht ("Kulturalismus").

Verwandte Themen


- Alltagskultur
- Baukultur
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- Jugendkultur
- Kulturkapitalismus
- Kulturalismus
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- Kulturindustrie
- Kulturkreis
- Kulturschock
- Kulturtechnik
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- Unternehmenskultur
- Zivilisation

Siehe auch


- Aborigines-Kultur
- Afrikanische Kultur
- Arabische Kultur
- buddhistische Kultur
- chinesische Kultur
- christliche Kultur
- deutsche Kultur
- europäische Kultur
- französische Kultur
- indianische Kultur
- Indische Kultur
- islamische Kultur
- Israelische Kultur
- Japanische Kultur
- Koreanische Kultur
  - Südkoreanische Kultur
- Russische Kultur
- Schweizer Kultur
- Türkische Kultur
- US-Kultur

Antike Kulturen


- Ägyptische Kultur
- Gallo-römische Kultur
- Griechische Kultur
- Harappa-Kultur
- Keltische Kultur
  - Hallstatt-Kultur
  - La Tène-Kultur
- Minoische Kultur
- Mykenische Kultur
- Römische Kultur

Kulturen Alteuropas


- Aunjetitzer Kultur
- Baalberger Kultur
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- Fremont-Kultur
- Gaterslebener Kultur
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- Vlaardingen-Kultur
- Wessex-Kultur

Kulturen Altamerikas


- Amra-Kultur
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- Cochise-Kultur
- Cucuteni-Kultur
- Mississippi-Kultur
- Mogollon-Kultur
- Naqada-Kultur
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- Pueblo-Kultur
- Talayot-Kultur
- Tisza-Kultur
- Vinča-Kultur

weitere


- Popkultur
- Postmoderne Kultur

Weblinks


- [http://www.turkologie.com/kultur/ Tuerkische Kultur, Aberglauben, Aussteuer..]
- http://www.111er.de/lexikon/begriffe/kultur.htm
- http://dickinson.edu/departments/germn/glossen/heft3/negt.html Was ist das: Kultur? (Vortrag von Oskar Negt)

Publikationshinweise


- Albert Schweitzer, Kultur und Ethik, ISBN 3406392504 ja:文化 simple:Culture zh-min-nan:Bûn-hoà

Goethezeit

Seit Hermann August Korff werden als Goethezeit die Jahre 1770-1830 bezeichnet. Literarisch sind Sturm und Drang, Klassik und Romantik bezeichnend. Philosophisch wirkt der Idealismus, auch Spinozas Pantheismus (Goethe, Lessing u.a.) und andere Philosophien aus der Folge der Aufklärung. Die Literatur der Goethezeit ist geprägt von der Auseinandersetzung zwischen Religiosität und Aufklärung, dem Zwiespalt von Atheismus und Gottesglaube (so bei Jean Paul oder in Goethes Faust), wie auch die Persönlichkeiten der Goethezeit von diesem Konflikt geprägt wurden (er verursachte die Selbstmordgedanken des jungen Friedrich Schiller).

Weblinks


- [http://www.goethezeitportal.de/ Goethezeitportal] der Ludwig-Maximilians-Universität München. Mit vielen frei herunterladbaren wissenschaftlichen Publikationen

Deutsche Sprache

Die deutsche Sprache (Hochdeutsch und Niederdeutsch) zählt zur indoeuropäischen Sprachfamilie (in Deutschland abweichend auch indogermanische Sprachfamilie genannt), spezifisch zu den westgermanischen Sprachen.

Geschichte

Hauptartikel: Deutsche Sprachgeschichte Als hochdeutsche Sprache bezeichnet man zunächst alle germanischen Dialekte, die im frühen Mittelalter an der zweiten oder althochdeutschen Lautverschiebung beteiligt waren (alemannisch, bairisch, ost-, rhein-, mittelfränkisch, ostmitteldeutsch = ober- und mitteldeutsche Mundarten = hochdeutsche Mundarten). Die germanischen Dialekte, die diese zweite germanische Lautverschiebung nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mitgemacht haben, bezeichnet man seit der frühen Neuzeit als niederdeutsche Sprachen (niedersächsisch und niederfränkisch). Das Wort „teutsch“ (deutsch) bildete sich dabei innerhalb des Lateinischen aus dem germanischen Wort für „Volk“ (thioda, thiodisk) heraus und bezeichnete die Sprache der nicht lateinisch (und nicht romanisch) sprechenden Bevölkerung. Die ältere Bezeichnung „fränkisch“ für die eigene Sprache traf etwa seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr eindeutig zu, nachdem einerseits die westfränkische Oberschicht im späteren Frankreich den romanischen Dialekt der einheimischen Bevölkerung übernommen hatte und andererseits das Ostfrankenreich auch nicht-fränkische Stämme wie die Alemannen, die Bayern, die Thüringer und die (Nieder-)Sachsen umfasste. Da während des ganzen Mittelalters im Unterschied zu den Nachbarländern in dem Land der Teutschen stark territorial zersplitterte politische Strukturen existierten, entwickelten sich die zum Teil extrem unterschiedlichen deutschen Dialekte (deutsche Mundarten) lange parallel nebeneinander her. Einen ersten Ansatz zu einem überregionalen Ausgleich der Mundarten hat man teilweise in der mittelhochdeutschen Dichtersprache der höfischen Dichtung um 1200 sehen wollen. In der Tat ist teilweise das Bemühen der Dichter zu erkennen, nur regional verständliches Vokabular und dialektale lautliche Besonderheiten zu vermeiden, um ein überregionales Verständnis ihrer Werke zu ermöglichen; andererseits muss aber die Breitenwirkung der an den Fürstenhöfen tätigen Dichter zu einer Zeit, als nur eine verschwindend geringe Minderheit der Bevölkerung alphabetisiert war und Zugang zu dieser elitären Kunst hatte, als äußerst gering eingeschätzt werden. Der Beginn der neuhochdeutschen Schrift- und Standardsprache kann daher erst in überregionalen Ausgleichsprozessen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit gesehen werden. Während die Standardsprache in den meisten europäischen Ländern aus dem Dialekt der jeweiligen Hauptstadt hervorgegangen ist, stellt die heutige deutsche Hochsprache (Standardsprache) eine Art „Kompromiss“ zwischen den mittel- und oberdeutschen Dialekten südlich der Benrather Linie dar. Benrather Linie In Norddeutschland hat sich das Hochdeutsche, vor allem im Gefolge der Reformation als Amts- und Schulsprache gegen das Niederdeutsche (Plattdeutsche/Niedersächsische und Niederfränkische) durchgesetzt. Zur Blütezeit der Hanse fungierte das Niederdeutsche als Verkehrssprache im gesamten Nord- und Ostseeraum. Auch die Niederländische Sprache ist eine niederfränkische und daher niederdeutsche Sprache. Martin Luther übersetzte 1521 das Neue Testament und 1534 das Alte Testament in die sich damals noch entwickelnde neuhochdeutsche Schriftsprache. Die dort verwendete Sprache in einer ostmitteldeutschen Färbung prägte durch die religiöse Bedeutung Luthers ganze Generationen. Es muss aber angemerkt werden, dass Luthers Bedeutung im Hinblick auf die Entstehung der Neuhochdeutschen Schriftsprache lange Zeit überschätzt wurde. Bereits seit dem 14. Jahrhundert bildete sich allmählich eine immer stärker überregional geprägte Schriftsprache heraus, die man auch als Frühneuhochdeutsch bezeichnet. Die Herausbildung der hochdeutschen Schriftsprache war im 17. Jahrhundert zum Großteil abgeschlossen. Durch die Beseitigung der so genannten Letternhäufelung im 18. Jahrhundert wurde das seitdem in Grundzügen kaum veränderte deutsche Schriftbild abgerundet. Die Geschichte der deutschen Sprache wird häufig in vier Abschnitte (Sprachstufen) unterteilt:
- 7501050: Althochdeutsch
- 10501350: Mittelhochdeutsch
- 13501650: Frühneuhochdeutsch
- ab 1650: Neuhochdeutsch Johann Christoph Adelung veröffentlichte 1781 das erste große Wörterbuch. Jacob und Wilhelm Grimm begannen 1852 mit der Herausgabe des umfassendsten Deutschen Wörterbuchs, das 1961 vollendet wurde, aber seither einer Überarbeitung unterzogen wird. Die deutsche Rechtschreibung wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend normiert. Ein Durchbruch zu einer deutschen „Einheitsschreibung“ gelang mit dem „Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ von Konrad Duden (1880), das in der Rechtschreibreform von 1901 in leicht veränderter Form zur Grundlage der amtlichen Rechtschreibung erklärt wurde. Erst 1996 kam es zu einer erneuten Rechtschreibreform. Siehe dazu auch Geschichte der deutschen Rechtschreibung. In der Bundesrepublik Deutschland ist Hochdeutsch:
- nach § 23 Verwaltungsverfahrensgesetz (BVwVfG) als Amtssprache,
- nach § 5 Beurkundungsgesetz als Sprache für notarielle Urkunden,
- nach § 184 Gerichtsverfassungsgesetz als Gerichtssprache festgelegt. Besondere Regelungen gelten für die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein sowie für die Sorben in Brandenburg und Sachsen; mittlerweile aber auch für die niederdeutsche Sprache. In Österreich ist laut Artikel 8. (1) Bundes-Verfassungsgesetz (BVG) die (hoch-)deutsche Sprache, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik. In Liechtenstein ist Deutsch die alleingültige Amtssprache. Es kennt keine Minderheitensprachen.

Hochdeutsch als Amtssprache (neben anderen Sprachen)


- Belgien (mit Französisch und Niederländisch)
- Luxemburg (mit Luxemburgisch und Französisch)
- Schweiz (63 % deutsch) (auf gesamtstaatlicher Ebene neben Französisch, Italienisch und Rätoromanisch; in 17 von 26 Kantonen alleinige Amtssprache, in 4 weiteren Amtssprache neben anderen Sprachen)
- Italien: nur regional in Südtirol (mit Italienisch und Ladinisch; in anderen Regionen: Aostatal: Französisch; Friaul: Slowenisch jeweils mit Italienisch)
- Dänemark: in Gebieten der deutschen Minderheit (Sønderjylland) (neben Dänisch)
- Namibia (seit Juni 1984 mit Afrikaans und Englisch, seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 nicht mehr Amtssprache)
- Russland: Anerkannte Verkehrssprache der deutschstämmigen Bevölkerung in den beiden westsibirischen Nationalkreisen Asowo (Gebiet Omsk) und Halbstadt (Altai-Region). Deutsch ist zudem eine Amtssprache der Europäischen Union und eine Arbeitssprache der Vereinten Nationen. Dass Deutsch beinahe Amtssprache der USA geworden wäre, ist ein Gerücht, das auf eine Fehlinterpretation zurückzuführen ist (Mühlenberg-Legende, siehe auch Deutsche Sprache in den USA).

Als Minderheitensprache


- Argentinien 300.000
- Australien 200.000 oder mehr ( 2 Millionen Deutschstämmige)
- Belgien 112.458
- Brasilien (1.900.000)
- Chile (100.000)
- Dänemark 20.000
- Estland 3.460
- Frankreich: von den 1.200.000 potenziell deutschsprachigen Elsässern und Lothringern spricht nur noch ein kleiner Teil den angestammten Dialekt
- Italien 330.000
- Kanada 500.000 oder mehr (2,8 Millionen Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Kasachstan 358.000
- Kroatien 11.000
- Lettland 3.780
- Litauen 2.060
- Moldawien 7.300
- Namibia 30.000
- Niederlande 47.775
- Paraguay 200.000
- Polen 170.000
- Rumänien (70.000.)
- Russland: europäischer Teil (75.000), Sibirien (767.300)
- Slowakei 12.000
- ((Südafrika)) 300.000-500.000 (100.000 Passdeutsche, 1 Million Deutschstämmige, siehe Auswärtiges Amt).
- Togo
- Tschechien 50.000
- Ukraine 38.000
- Ungarn 145.000
- Vereinigte Staaten von Amerika 6.100.000 , insbes. Pennsylvaniadeitsch s. Kapitel Pennsylvania Dutch Siehe auch: Deutschsprachige Minderheiten

Als Fremdsprache

Deutsch (Hochdeutsch) wird in vielen Ländern als Fremdsprache gelehrt; in Europa ist es nach Englisch am weitesten verbreitet. Besonders häufig wird Hochdeutsch als Fremdsprache in den Niederlanden, Skandinavien, Baltikum, Slowenien, Kroatien, Polen, Japan, Bosnien und Herzegowina, der romanischen Schweiz, Serbien, Ungarn, Montenegro, Mazedonien und Bulgarien gewählt. Teilweise gilt Deutsch in diesen Ländern als erste Schulfremdsprache und steht damit noch vor dem Englischen. Auch in Weißrussland wird Deutsch oft an Schulen unterrichtet. In anderen Ländern, so zum Beispiel in Frankreich und den USA, verliert Deutsch zunehmend an Bedeutung gegenüber Spanisch. In Ostasien (Japan) wurde im 19. und 20. Jahrhundert Deutsch als Medizinsprache verwendet (an Stelle von Latein). Nach einer Erhebung der Ständigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache, der u. a. das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut angehören, gab es 2000 die meisten Deutschlerner in:
- Russische Föderation: 4.657.500
- Polen: 2.202.708
- Frankreich: 1.603.813
- Tschechien: 799.071
- Ukraine: 629.742
- Ungarn: 629.472
- Kasachstan: 629.874
- Niederlande: 591.190
- USA: 551.274 Deutsch ist heute die nach Englisch am meisten verwendete Sprache im Internet (gefolgt von Französisch, Japanisch, Spanisch und Chinesisch). Mehr als acht Prozent aller Seiten im Internet sind auf Deutsch. (Internetseiten auf Englisch:Cirka 50 %)

Als Kreolsprache

Im Zuge der Kolonialisierung entstand im heutigen East New Britain das so genannte Unserdeutsch, das weltweit einzige Kreoldeutsch. Diese Sprache ist jedoch mittlerweile fast ausgestorben, da die meisten Sprecher auswanderten. Außerdem haben sich in Papua-Neuguinea bis zu 150 Wörter deutschen Ursprungs in der Sprache Tok Pisin erhalten.

Aussprache

Siehe Aussprache der deutschen Sprache.

Grammatik

siehe dazu deutsche Grammatik

Rechtschreibung

Siehe dazu deutsche Rechtschreibung.

Textsammlungen

Beim Projekt Gutenberg-DE gibt es Texte von über 1000 Autoren. Wikisource enthält mehr als 2000 deutschsprachige Werke. Siehe auch: Deutsche Literatur, Sprichwörter, Deutschsprachige Schriftsteller: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Dialekte der hochdeutschen Sprache

Die Einteilung der deutschen Dialekte beruht auf Untersuchungen des 19. Jahrhunderts. In gleicher Zeit begann die Herausbildung von Umgangssprachen als einer Art Mischform zwischen Standardsprache und Dialekt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts verdrängen die Umgangssprachen die alten Dialekte.
- Mitteldeutsch
  - Westmitteldeutsch (siehe auch: Fränkische Sprache)
    - Mittelfränkisch (Ripuarisch, Moselfränkisch, Luxemburgisch)
    - Rheinfränkisch (Pfälzisch, Hessisch)
  - Ostmitteldeutsche Sprache
    - Thüringisch-Obersächsisch, (Kolonialdialekte)
    - Berlin-Brandenburgisch (Mischform mit Ostniederdeutsch)
    - Ostmitteldeutsche Dialekte
      - Lausitzische Dialekte
    - Ermländisch
- Fränkisch im Übergangsbereich zwischen dem Oberdeutschen und Mitteldeutschen (Wird häufig dem Oberdeutschen zugeordnet.)
  - Ostfränkisch, umgangssprachlich "Fränkisch"
    - Mainfränkisch
  - Süd-Rheinfränkisch
- Oberdeutsch
  - Alemannisch
    - Schwäbisch
    - Elsässisch
    - Niederalemannisch (darunter auch schweizerdeutsche Dialekte)
    - Hochalemannisch (darunter auch schweizerdeutsche Dialekte)
    - Höchstalemannisch (schweizerdeutsche Dialekte)
  - Bairisch
    - Südbairisch
    - Mittelbairisch
    - Nordbairisch

Niederdeutsche Sprachen


- Niederdeutsch
  - Niedersächsisch
  - Niederfränkisch Niederdeutsch bzw. die niederdeutschen Sprachen zeigen bedeutende phonologische, morphologische und lexikal-semantische Unterschiede gegenüber den übrigen deutschen Mundarten. Diese Sprachgruppe hat die zweite hochdeutsche Lautverschiebung nicht mitvollzogen. Das Niedersächsische, das in Deutschland und in den Niederlanden gesprochen wird und gemeinhin in Norddeutschland als Niederdeutsch oder Plattdeutsch (Plattdüütsch) bezeichnet wird (in den Niederlanden als „nedersaksisch”) wird auch als Teil einer niederdeutschen Sprachgruppe aufgefasst. Mittlerweile hat das Niedersächsische infolge der Sprachencharta des Europarats einen offiziellen Status als Regionalsprache erhalten, weil die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen Niedersächsisch für einen Schutz gemäß Teil III der Sprachencharta angemeldet haben. Vermutlich kann dennoch sein allmähliches Aussterben nicht aufgehalten werden. Das Niederfränkische lebt weiter im Niederländischen. Auch die ursprünglichen Dialekte am Niederrhein (Kleve, Wesel, Duisburg, Mülheim an der Ruhr) sowie die alten Mundarten im Ostbergischen gehörten dem niederfränkischen Zweig an. Sie sind seit dem Zweiten Weltkrieg praktisch im Aussterben. Die Mundarten des Gebietes zwischen der Uerdinger Linie (Ik-/Ich-Linie) und der Benrather Linie (Maken-/Machen-Linie) (Düsseldorf, Mönchengladbach, Krefeld, Neuss) weisen sowohl niederfränkische als auch mittelfränkische Züge auf und sind ein mundartliches Übergangsgebiet zwischen den hochdeutschen und den niederfränkischen Mundarten.

Einflüsse anderer Sprachen auf die deutsche Sprache

Durch ihre zentrale Lage in Europa wurde die deutsche Sprache über die Jahrhunderte durch andere Sprachen beeinflusst. Im Mittelalter und der Zeit davor war es vor allem die lateinische Sprache, aus der sich die deutsche Sprache bediente. So sind viele alltägliche Wörter, vor allem aus Architektur, Religion und Kriegswesen (z. B. Fenster, Keller, Karren, dominieren, Kloster), aus dem Lateinischen entlehnt. Auch die griechische Sprache hat das Deutsche in Religion, Wissenschaft und Philosophie stark beeinflusst (z. B. Philosophie, Physik, Demokratie, Krypta). Später war es dann vor allem die französische Sprache, die großen Einfluss auf das Deutsche ausübte. Da nach dem Dreißigjährigen Krieg an vielen Höfen französisch gesprochen wurde und selbst preußische Könige diese Sprache besser beherrschten als Deutsch und letzteres, frei nach Voltaire, nur zur Kommunikation mit Soldaten und Pferden gebraucht wurde, kamen vor allem Wörter aus dem vornehmen Bereich in die deutsche Sprache (z. B. Boulevard, Trottoir, Konfitüre). Auch aus den slawischen Sprachen (z. B. Grenze, Pistole), dem Jiddischen und dem Rotwelsch (z. B. Zoff, meschugge, Mischpoke, Schockse) kamen einige Wörter ins Deutsche, jedoch war der Einfluss dieser Sprachen im Vergleich zu den vorgenannten wesentlich geringer. In Handel, Botanik und Medizin lassen sich auch einige Einflüsse aus dem Arabischen ausmachen, die verstärkt im Mittelalter beispielsweise durch die Kreuzzüge nach Europa und somit auch nach Deutschland kamen. Aber auch in alltäglichen Begriffen wie Koffer, Benzin oder Limonade lassen sich arabische Einflüsse bzw. Ursprünge nachweisen. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts nahm in Deutschland das Englische zunehmend Einfluss auf die deutsche Sprache (Anglizismen). Diese Entwicklung wird von einigen skeptisch betrachtet. Kritiker bringen vor, es handle sich oftmals (z. B. bei Handy) um Pseudo-Englisch, für das es genügend deutsche Synonyme gebe. Auch technische Zwänge bei der Synchronisation englischsprachiger Filme üben mittlerweile einen Einfluss auf das Deutsche aus. Um Lippensynchronizität zu gewährleisten, werden Worte und Redewendungen kreiert, die zuvor im Deutschen nicht üblich waren, sich dann aber später in der Umgangssprache durchsetzen (z.B. "Oh mein Gott" statt "Um Gottes Willen" als Übersetzung für "Oh my God"). "Verdeckte" Anglizismen gibt es mittlerweile auch aus anderen Gründen: So ist der heute sehr gebräuchliche Ausdruck "nicht wirklich" die wortwörtliche Übersetzung von "not really" und bedeutet demzufolge soviel wie "eigentlich nicht" – allerdings hat sich der Ausdruck inzwischen verselbständigt. Eine Sprachpolitik, wie sie unter anderem in Frankreich und Island betrieben wird, um eine Anreicherung der Sprache mit Anglizismen zu unterbinden, findet in Deutschland seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr statt. Gründe hierfür sind möglicherweise in der Sprachpolitik des Nationalsozialismus zu suchen. Andere verwerfen solche Bemühungen unter Verweis auf Joachim Heinrich Campe als Sprachpurismus.

Literatur zu Kontakten der deutschen Sprache


- Johannes Bechert/Wolfgang Wildgen: Einführung in die Sprachkontaktforschung. Darmstadt, Wiss. Buchgesellschaft, 1991
- Csaba Földes: Kontaktdeutsch. Zur Theorie eines Varietätentyps unter transkulturellen Bedingungen von Mehrsprachigkeit. Tübingen, Verlag Gunter Narr, 2005
- Claudia Maria Riehl: Sprachkontaktforschung. Tübingen, Narr, 2004

Wie das Deutsche in anderen Sprachen heißt

Aufgrund der sehr wechselhaften Geschichte Deutschlands gibt es in den Sprachen der Welt mehr unterschiedliche Formen für den Namen der deutschen Sprache als für die meisten anderen Sprachen der Welt. Allgemein kann man die Namen der deutschen Sprache aber aufgrund ihrer Herkunft in sechs Gruppen zusammenfassen. Anmerkung: In der Vergangenheit war im Rumänischen die dem Slawischen entlehnte Form nemţeşte üblich, aber heute wird im Rumänischen vorwiegend das Wort germană benutzt. Das ungarische német ist auch aus dem Slawischen entlehnt, ebenso der Name Österreichs im Arabischen, an-Nimsā (النمسا).

Siehe auch


- Jiddisch
- Rotwelsch
- »BRD-Sprache« und »DDR-Sprache«, Duden als Sprachwächter
- Schweizer Hochdeutsch, Schweizerdeutsch
- Sprachgebrauch in Österreich
- Belgranodeutsch
- Deutschsprachiger Raum
- Institut für Deutsche Sprache
- Gebärdensprache im deutschsprachigen Raum
- Moselromanisch
- Deutsche Sprache in Namibia
- :Kategorie:Deutsche Sprache
- Variantenwörterbuch des Deutschen
- Pennsylvania Dutch, Hutterisch, Texasdeutsch
- Riograndenser Hunsrückisch
- Deutsche Redewendungen
- Studentensprache
- Liste deutscher Wörter in anderen Sprachen
- Liste der häufigsten Wörter der deutschen Sprache

Weblinks


- [http://www.ids-mannheim.de Institut für deutsche Sprache, Mannheim]
- [http://www.gfds.de/ Gesellschaft für deutsche Sprache, Wiesbaden]
- [http://wortschatz.uni-leipzig.de/index.html Wortschatz der deutschen Sprache]
- [http://www.dwb.uni-trier.de/ Grimm, Deutsches Wörterbuch]
- [news:de.etc.sprache.deutsch Newsgroup zur deutschen Sprache] ([http://groups.google.com/groups?q=de.etc.sprache.deutsch de.etc.sprache.deutsch bei Google], [http://faql.de FAQs zur Newsgroup])
- [http://www.canoo.net/index.html Rechtschreibung mit Online-Prüfung, Grammatik, Morphologie und anderes]
- [http://www.woerterbuch.info/ woerterbuch.info - Deutsch-Englisch Wörterbuch mit 600.000 Übersetzungen und 125.000 Synonymen]
- [http://www.deutsche-sprachwelt.de Magazin
Deutsche Sprachwelt] Eine Übersicht über die Beiträge in Wikipedia zum Thema Sprache bietet das Portal:Sprache. Kategorie:Indogermanisch Kategorie:Germanisch Kategorie:Einzelsprache !
-
als:Deutsche Sprache ja:ドイツ語 ko:독일어 ms:Bahasa Jerman simple:German language th:ภาษาเยอรมัน


Lethe


- Die Lethe (von griech. "das Vergessen") ist ein Gewässer aus der griechischen Mythologie. Es bezeichnet einen Fluss oder eine Quelle in der Unterwelt, woraus die Seelen der Verstorbenen das Vergessen trinken.
- Die Lethe ist aber auch ein realer Fluss (Lethe (Fluss)), der in Oldenburg in die Hunte mündet. Kategorie:Griechische Mythologie

Faust I

Faust. Der Tragödie erster Teil, kurz Faust I, ist ein Drama des deutschen Schriftstellers Johann Wolfgang von Goethe, das 1808 veröffentlicht wurde. Es gilt als eines der bedeutendsten und meist zitierten Werke der deutschen Literatur. Das Drama greift die vielfach von anderen Autoren beschriebene Geschichte des Doktor Faustus auf und weitet sie zu einer Menschheitsparabel aus. Faust I wurde von Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1806 vorläufig beendet. Der Veröffentlichung von 1808 folgte 1828/29 die überarbeitete Fassung in der Ausgabe letzter Hand. Vorangegangen war 1790 der Teildruck Faust. Ein Fragment; die Entstehung der Textfassung des so genannten Urfaust (zwischen 1772 und 1775) lässt sich nicht mehr in allen Einzelheiten klären.

Einordnung

Faust I, genauso wie Faust II, entstand über mehrere Jahre und ist ein Querschnitt durch Goethes Leben. Goethe selbst bezeichnete „Faust“ als „summa summarum“ seines Lebens. Dies drückt sich in einer Vielzahl unterschiedlicher und teils widersprüchlicher Stilrichtungen, inhaltlicher Betonungen und Charakterausdeutungen aus. Faust I ist kein Drama der geschlossenen Dramenform (mehr), das sich aber auch nicht einwandfrei der offenen Dramenform zuweisen lässt. Auch einer Literaturepoche entspricht es nicht eindeutig: Es weist sowohl Elemente der Klassik, des Sturm und Drang als auch der Romantik auf. Zusätzlich bedient Goethe sich der Satire und Funktionen des Mysterienspiels in einigen Szenen. Die einzelnen Szenen besitzen insgesamt eine eher lose Anbindung an die Gesamthandlung. Eine grobe strukturelle Gliederung wird meist in der Einteilung in Gelehrtentragödie, Gretchentragödie und in Rahmenhandlung vorgenommen (siehe unten), die jedoch nicht unbedingt ist.

Inhalt

Protagonisten

Ausführlichere Charakterisierungen siehe unten
- Heinrich Faust, ein Gelehrter
- Mephistopheles, kurz: Mephisto, der Teufel
- Gretchen, kurz für: Margarete, Fausts Geliebte Nebenrollen:
- Marthe, Gretchens Nachbarin
- Valentin, Gretchens Bruder
- Wagner, Fausts Famulus

Gliederung

Faust. Der Tragödie erster Teil kann formal in zwei Teile eingeteilt werden: Die drei Prologe und die eigentliche Haupthandlung. Diese wird gängigerweise, dem Inhalt entsprechend, in die Gelehrtentragödie und die Gretchentragödie eingeteilt.

Vorspiel

Gretchentragödie Das Stück besitzt drei vorgestellte Einleitungen, die der Gesamthandlung einen Rahmen geben...

Zueignung (1 - 32)

In der „Zueignung“ berichtet Goethe vom Schaffensprozess des Werkes und seiner autobiographischen Dimension.

Vorspiel auf dem Theater (33 - 242)

Darauf folgt das „Vorspiel auf dem Theater“, in dem drei Personen, der Direktor, der Dichter und die Lustige Person über die Frage diskutieren, was Theater sein soll. Dem Direktor kommt es dabei vor allem auf hohe Einnahmen an, die lustige Person sucht Ruhm als Schauspieler, während dem Dichter ein inhaltlich wertvolles Stück wichtig ist. Wie auch in verschiedenen Inszenierungen (z. B. von Gustav Gründgens) umgesetzt, lassen sich die Charaktere in ihren Ansichten auf Mephistopheles (lustige Person), Faust (Dichter) und Wagner (Direktor) übertragen.

Prolog im Himmel (243–353): Die Wette

Der Prolog im Himmel (243–353) nimmt das erste Mal Bezug auf die eigentliche Handlung des Faust. In Anlehnung an die Hiobswette im Alten Testament will Mephistopheles mit Gott um die Seele des Faust wetten. Die nihilistische Weltansicht des Teufels wird dabei exemplarisch der positiv-bejahenden Gottes gegenübergestellt. Der Herr ist entschlossen, Faust, der ihm jetzt nur „verworren dient“, „bald in die Klarheit zu führen“. Wenn er Mephisto erlaubt, Faust zu verführen, solange er auf der Erde lebt, so nur, um Faust auf die Probe zu stellen. – Gott verkündet: „Es irrt der Mensch, solang er strebt“ Im Prolog wird bereits angedeutet, dass Faust erlöst werden wird, und die Wette somit eine Scheinwette bleibt: „Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange ist sich des rechten Weges wohl bewusst.“ Mephisto darf Faust verführen, damit dieser durch Irrtümer zur Wahrheit kommen kann.

Der Tragödie Erster Teil, Gelehrtentragödie

Nacht (354–807) Erkenntnisgrenzen – Suizidgedanke

In einem Monolog des Protagonisten erfährt der Zuschauer, dass der Gelehrte Faust vor einer Wende seines Lebens steht: Er ist trotz seines großen und umfassenden Wissens mit seiner Erkenntnis um die Welt unzufrieden geblieben. Er will Aufschluss über den Sinn des Seins, über das, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ (382f.). Aus seiner Verzweiflung zieht er den Schluss, „dass wir nichts wissen können“. Die Methoden der Wissenschaft scheinen ihm nicht als hinreichend, das von ihm Gewünschte zu erfahren. In einem Buch von Nostradamus glaubt er, die magischen Gesetze der harmonisch wirkenden Natur zu erkennen. Er beschwört den Erdgeist, der ihn verspottet und in seine Grenzen zurückweist: „Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!“ (512f.) Fausts lerneifriger und bornierter Famulus Wagner betritt Fausts Kammer und wird von Faust mit unterschwelliger Ablehnung empfangen. Wagner symbolisiert den Typus des Wissenschaftlers, der sein ganzes Wissen aus Büchern zusammenträgt. Er ist eitel und vertritt ein spießerisches Bildungsbürgertum. Ihm wohnt, im Gegensatz zu Faust, der sich ganz in die Natur einfühlen will, und sich vom Verlangen nach göttlichem Wissen, Emotion und Intuition leiten lässt, ein helles kaltes wissenschaftliches Streben inne. Wieder alleine, will Faust sich aus Verzweiflung und in einem letzten Wunsch der Grenzüberschreitung mit einer Phiole Gift töten. Durch den Ostergesang wird er jedoch vom Suizid abgehalten, nicht durch die christliche Botschaft, sondern durch die Erinnerung an glückliche Kindertage: „Erinnerung hält mich nun mit kindlichem Gefühle, / Vom letzten, ernsten Schritt zurück.“ (781f.)

Vor dem Tor (808–1177)

Aus der Isolation des Studierzimmers tritt Faust am nächsten Tag mit Wagner in die kontrastierende frühlingshafte Natur, die dem promenierenden Volk zum gesellschaftlichen Auftritt dient. In der Idylle der Osterspaziergänger offenbart Faust Wagner seinen sinnlichen und geistigen Durst, seine innere Zerrissenheit: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen: die eine hält in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen; die andre hebt gewaltsam sich vom Dunst zu den Gefilden hoher Ahnen.“ (1112ff.) Ein seltsamer Pudel schließt sich Faust und Wagner an und folgt ihnen.

Studierzimmer (1178–2337) Der Teufelspakt

Faust übersetzt den Anfang des Johannesevangeliums, wobei er sich recht schwer tut, denn er weiß nicht, auf welche Weise er den Anfang des selben zu deuten hat. Schließlich ringt er sich dazu durch, "Im Anfang war die Tat" als sinngemäße Übersetzung stehen zu lassen. Die Tat ist es auch, die ihm den Augenblick, der verweilen soll, bringt. Faust findet die Verwirklichung seiner selbst im Dienste an der Allgemeinheit. Der Pudel, von Faust mit Zaubersprüchen magisch bedrängt, wird in einer Metamorphose zu Mephisto in der Verkleidung eines fahrenden Schülers, der sich Faust vorstellt als „[e]in Teil von jener Kraft, / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ (1335f.) und als „[...] Geist, der stets verneint“. (1338) Faust schlägt dem Teufel einen Pakt vor, doch Mephisto, der durch einen Zufall gefangen ist, will noch nicht auf den Vorschlag eingehen. Er schläfert Faust ein, befreit sich mit Hilfe von Mäusen aus seinem magischen Bann (1524), verlässt den Raum (1525) und erscheint dann wieder (1530ff.). Faust verflucht sein irdisches Leben (1583ff.), und Mephisto bietet ihm nun den Pakt an. Faust verlangt nach den „Tiefen der Sinnlichkeit“ (1750), zu denen ihm Mephisto während seiner Lebzeiten verhelfen soll. Mephisto verspricht ihm „die kleine, dann die große Welt“ (2052) (Hinweis: Faust I: Reise durch die kleine Welt; Faust II: Reise durch die große Welt), als Gegenleistung für Fausts Dienste im Jenseits. Zusätzlich wettet Faust, Mephisto werde es nicht gelingen, ihm einen solchen "höchsten Augenblick" zu verschaffen. Faust akzeptiert, nach altem Brauch wird mit Blut unterschrieben (1737). (Anmerkung: Die Stelle im Wortlaut ist ein Punkt großer Interpretationsdifferenzen; einige Interpreten gehen von einem Pakt, einige von einer Wette aus. Genau wie die Auflösung des Paktes in Faust II handelt es sich um keine eindeutige Stelle) Die folgenden Szenen zeigen die Fahrt durch die "kleine" und die "große" Welt. Sie bestätigen, was für Faust in Überschätzung seiner Macht klar war: Er kann die Wette nicht verlieren, weil er nie zufrieden sein wird und deshalb auch der "höchste Augenblick" nicht eintreffen wird. Mephisto scheint den Pakt nicht einhalten zu können, denn er will Faust seine Wünsche nicht erfüllen, sondern ihn mit "seiner Welt" ablenken. Nie verschafft er Faust das, was er eigentlich will; immer versucht er, Faust mit oberflächlichen Genüssen zu betören und ihn in weiterer Folge in schwere Schuld zu verstricken. Saufende Studenten, denen Mephisto durch Weinzaubereien Angst einjagt, sollen Faust als erster Station der Weltenreise in der Szene „Auerbachs Keller“ unterhalten, doch dieser ist nur gelangweilt. Mephisto ist mit seinem ersten Verführungsversuch gescheitert, Faust erwartet anderes von ihm.

Der Tragödie Erster Teil, Gretchentragödie

Hexenküche (2338–2604) Faust wird verjüngt

Die Gretchentragödie beginnt. Faust wird durch Vermittlung Mephistos in einer Hexenstube durch den Zaubertrank einer Hexe verjüngt. Bereits vorher wird er durch eine Traumfrau, die er im Zauberspiegel erblickt, in Bann geschlagen und liebestoll gemacht. Diese Traumfrau entspringt ganz allein seiner Fantasie und hat nichts mit Mephisto oder irgendeiner anderen Magie zu tun. Während sich in Auerbachs Keller die Menschen wie Tiere aufführen, verhalten sich die Tiere hier wie Menschen.

Straße, Abend, Spaziergang (2605–2864) Gretchen

Als Faust in einer kleinen Stadt auf der Straße Margarete sieht, verlangt er von Mephisto, dass er sie ihm beschaffe. Mephisto erwähnt Schwierigkeit in Bezug auf die Unverdorbenheit Gretchens. Er stellt ein Schmuckkästchen in Gretchens Schrank, das ihre Neugierde weckt; das Mädchen bringt den Kasten zu ihrer Mutter, die ihn dem Pfarrer übergibt. Der Teufel soll nun einen neuen besorgen.

Der Nachbarin Haus, Straße (2865–3072)

Gretchen zeigt verunsichert Frau Marthe Schwerdtlein den neuen Schmuck und diese rät ihr, ihn hier bei ihr heimlich zu tragen. Mephisto bringt Frau Marthe die erlogene Nachricht, ihr verschollener Mann sei gestorben. Unter dem Vorwand, einen zweiten Zeugen beibringen zu können, vereinbart er mit Marthe ein Treffen im Garten, bei dem auch Gretchen anwesend sein soll. Faust ist in der darauffolgenden Szene Straße allerdings zunächst nicht bereit zu lügen. Erst durch Mephistos geschickte Rhetorik wird er so weit auf Gretchen gelenkt (sexualisiert oder verliebt?), dass er schließlich einwilligt zu lügen, um sie zu sehen.

Garten ff. (3073–3835) Die Gretchenfrage

Bei dem Treffen hofiert Mephisto ironisch Marthe und hat alle Mühe, ihre unverhüllten Anträge abzuweisen. Gretchen gesteht Faust ihre Liebe, sie spürt aber instinktiv, dass sein Begleiter (Mephisto) unaufrichtige Beweggründe besitzt. Gretchen stellt Faust die berühmte Gretchenfrage: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ (3415) Sie will Faust zwar in ihr Zimmer lassen, doch hat sie Angst vor ihrer Mutter. Faust gibt ihr ein Fläschchen mit einem Schlaftrunk (3511), die Katastrophe nimmt ihren Lauf, der Schlaftrunk enthält nämlich Gift. In den folgenden Szenen hat Gretchen erste Vorahnungen, dass sie schwanger ist. Das Gespräch am Brunnen mit ihrer Nachbarin über eine ledige Mutter, bestätigt den Verdacht, dass Gretchen schwanger ist. Und als sie erfährt, wie schlecht die gesellschaftliche Stellung einer solchen Frau ist, gerät sie in Bedrängnis und bekommt es mit der Angst zu tun. Der Soldat Valentin, Gretchens Bruder, erfährt vom Fehltritt seiner Schwester. Mephisto ficht mit ihm, lähmt ihm die Hand und sorgt dafür, dass Valentin von Faust umgebracht wird. Der Sterbende verflucht Gretchen als „Metze“ (Hure). Gretchen merkt, dass sie schwanger ist, und in der Domszene erlebt sie während einer Messe die Vision des Jüngsten Gerichts.

Walpurgisnacht ff. (3836–4404)

Siehe auch Walpurgisnachtstraum. Mephisto zieht Faust in der dritten Station der Verführung von der Ebene der Liebe auf eine sexuell-sinnliche Ebene, um ihn von Gretchens Schicksal abzulenken. Ein alter Volksglaube besagt, dass sich in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai auf dem Brocken im Harzgebirge die Hexen zu einem Fest mit dem Teufel treffen. Das Fest ist eine kultische Feier des Bösen und Dämonischen. Mephisto, hier als Junker Volland mit Pferdefuß auftretend, lockt Faust in die Arme einer jungen nackten Hexe, doch diesem erscheint ein „blasses, schönes Kind“, das „dem guten Gretchen gleicht“. Faust möchte zu Gretchen zurück. Gretchen hat in ihrer Verzweiflung das neugeborene Kind ertränkt, ist dafür zum Tode verurteilt worden und erwartet ihre Hinrichtung. Faust fühlt sein schuldhaftes Versagen und macht Mephisto Vorhaltungen, der aber deutet ihn darauf hin, dass Faust selbst Gretchen ins Verderben gestürzt habe: „Wer war’s, der sie ins Verderben stürzte? Ich oder du?“ Auch macht Mephisto deutlich, wer den Pakt angezettelt habe: „Drangen wir uns dir auf, oder du dich uns?“ Ein böser Geist beschuldigt sie ihrer Verfehlungen.

Kerker (4405–4615) Gretchens Erlösung

Faust dringt in den Kerker ein, Mephisto hat ihm den Schlüssel verschafft und den Wächter eingeschläfert. Gretchen ist dem Wahn verfallen und erkennt anfangs Faust nicht mehr. Dieser will sie zur Flucht überreden, doch sie weigert sich, weil sie erkennt, dass Faust sie nicht mehr liebt, sie nur mehr bemitleidet. Gretchen bewahrt so für sich die reine Liebe. Als sie Mephisto sieht, erschrickt sie und empfiehlt sich Gott: „Gericht Gottes! Dir hab ich mich übergeben!“. Mephisto drängt Faust aus dem Gefängnis mit den Worten: „Sie ist gerichtet“. Die Erlösung Gretchens erweist sich jedoch in den folgenden Worten: „Sie ist gerettet“.

Charaktere

Mit der Tendenz und der Intention, grundsätzliche Bedingungen des Menschseins nachzuweisen, besitzen alle Charaktere im Faust zwar einen gewissen eigenen Charakter, sie dienen aber vordergründig dazu, ein allgemeines Prinzip und menschliche Archetypen darzustellen. Auf diese Fragestellung weist bereits die Rahmenhandlung, die himmlische Wette, hin, die nach dem Sinn des Menschen fragt.

Heinrich Faust

Es gibt zwei klassische Elemente der Interpretation des Faust-Charakters: Der erste, oft auftauchende Erklärungsansatz ist die Ausdeutung von Faust als „dem Menschen schlechthin“. Faust erscheint in dieser Deutung als Verkörperung der Summe aller menschlichen Eigenschaften, der positiven wie der negativen. Im titanischen Charakter Fausts verbinden sich somit sowohl die teuflischen, mephistophelischen Eigenschaften wie Nihilismus, Destruktivität, Schuldhaftigkeit und Egozentrik, als auch die göttlichen, positiven Eigenschaften wie Streben nach dem Guten, die Fähigkeit zur Erkenntnis und des Mitgefühls. In Faust zeigen sich diese Elemente in ihren Extremen. Die Wette mit dem Teufel ist also der Versuch des Menschen überhaupt, die Grenzen des Menschlichen zu sprengen und damit im Umkehrschluss zu erfahren, was der Mensch ist. Das zweite Element der Faustinterpretation ist die These, dass Faust im Gegensatz zur ersten These keinesfalls als Repräsentant des Menschlichen gesehen werden kann. Faust ist ein Mensch, gefangen in einer extremen Polarität. Faust selber spricht davon, wenn er sagt: „Zwei Seelen wohnen, ach in meiner Brust“. Auch während des weiteren Dramenverlaufs tritt Fausts Gespaltenheit oft zu Tage. So ist er kontinuierlich sowohl dem Himmel als auch der Hölle, also dem Teuflischen, zugetan. Fausts Gemütszustände schwanken zwischen Ruhe oder Tatendrang, Systole und Diastole und er gibt sich selten ausschließlich einem Teil dieser beiden Gegensätze hin. Faust ist somit kaum als Repräsentant der Menschheit, sondern eher als Ausnahmeexistenz zu verstehen. Sein Titanismus, also sein Streben nach der Ganzheit der Erkenntnis und des Daseins, lässt ihn eher exorbitant, denn menschlich erscheinen. Stärker noch wiegt die Tatsache, dass Faust als normaler Mensch in einer unmenschlichen, beziehungsweise für Menschen nicht nachahmbaren Grenzlage aufzufassen ist. Sein übermenschlicher Drang, stets noch weiter zu streben und wider allen Irrtümern nicht aufzugeben, macht ihn zu solch einem Menschen. Auch die Fähigkeit Fausts zur Nutzung der Magie unterstreicht diese These. Faust bedient sich übernatürlicher Mittel, einerseits der Magie, andererseits des Teufels, um die Transzendenz zu erreichen. Er durchdringt die Welt auf eine magische Weise, auf eine Weise, die nicht jedem Menschen zusteht und mithilfe von Methoden, die nicht jedem Menschen möglich sind. Faust wird hierdurch zu einem Menschen in einer außergewöhnlich gesteigerten Grenzlage erhoben. Faust symbolisiert und zeigt somit auf, wo die Grenzen eines Menschen liegen und macht dessen Maximum sichtbar. Durch Faust zeigt Goethe, wo die absoluten, nicht mehr steigerbaren Möglichkeiten, sowie die absoluten und unüberwindbaren Grenzen des Menschen liegen. Vergleiche hierzu Nietzsches Idee des Übermenschen (490: Fasst Übermenschen dich!) Die Frage, ob Faust als typischer Mensch gelten kann, muss demnach differenziert betrachtet werden. Dennoch ist zu beachten, dass Faust schon vom Beginn der Tragödie an durch die Worte des Herrn zum Repräsentanten ausgewählt wurde. Der Mensch ist ebenso ein polares Wesen, wie Faust es ist. Im Menschen mischen sich Schwarz und Weiß zu Grau. Das Innere des Menschen ist grau und trübe, ebenso wie das Faustische. Der Mensch strebt nach Fortschritt und immer mehr Wissen. Analog hierzu strebt auch Faust immer weiter, hindurch durch alle Irrtümer und wider alle Umstände. Dennoch bleibt im Raum stehen, wie Faust eigentlich als Ausnahmeexistenz auftritt und handelt. Er besitzt magische Fähigkeiten und paktiert mit dem Teufel, beides Dinge die ein Normalsterblicher nie erfahren kann. Er bleibt aber dennoch unwiderlegbar ein typisches Beispiel eines Menschen. Am treffendsten für die These, ob Faust als Menschheitsvertreter gelten kann, bleibt die Einschätzung, dass Faust in der Vordergrundshandlung eine beispielslose Ausnahmeexistenz darstellt, in der Hintergrundshandlung des Dramas jedoch die beispielhafteste Vertretung für die Menschheit überhaupt ist.

Mephistopheles

Mephisto ist eine klassische Figur, die in einer Grunddeutung dem Teufel der Bibel entspricht. Er ist damit Teil des christlichen Weltbildes und stellt den Gegenpart zum biblischen Gott dar. Deutlich wird dies u.a. im „Prolog im Himmel“. Gleichzeitig ersichtlich wird, dass er in einem solchen Weltplan letzten Endes Gott untergeordnet ist. Doch die Rolle von Mephistopheles erstreckt sich über mehr Bedeutungen als nur diese. Über Goethes ohnehin sehr freien Begriff von Christentum stellt Mephisto allgemein das (philosophische) Prinzip der Verneinung, des Chaos und des Nichts dar. Mephistos Einordnung in die Konstruktion des Faust ist also nicht alleinig im moralischen Schema „gutböse“ zu suchen. Mit einem neutralen Blick, der das gesamte Stück und die mögliche Intention Goethes in einem Gesamtzusammenhang sieht, kann man Mephisto auch als niedere Natur des Menschen deuten. Ohne unsere geistige, höhere Natur würden wir uns wie ein Tier verhalten. Jedoch hat uns Gott, wie in Faust in der Einführung beschrieben, auf diese Welt geschickt um zu streben. Mephisto wird so zu der Triebfeder unserer Entwicklung, wenn sie vom wahren Ich, von Faust als Mensch, gezügelt und genutzt wird. Daher beschreibt sich Mephisto auch als Kraft, die das Böse will, aber das Gute schafft. Ohne unsere tierische Natur wäre also keine Entwicklung möglich, so wie ein Reiter sein Pferd braucht, brauchen wir den Körper und seine Triebe, wenn wir sie zügeln. Dafür ist Mephisto ein Sinnbild.

Gretchen/Margarete

Die Rolle der Margarete, im Stück auch diminuierend Gretchen genannt, hat Goethe klassischen Motiven entnommen, insbesondere die Stoffe des „Gefallenen Mädchens“ und der Kindsmörderin, die auch in anderen zeitgenössischen Stücken nachzuweisen sind. Als Vorlage besaß er zudem den Prozess der real existierenden Susanna Margaretha Brandt, die wegen Kindesmordes zum Tode verurteilt wurde. Zugleich wandte er mit der Faust-Gretchen-Tragödie das alte Schema der ständeübergreifenden Liebe an. Gretchen ist wesentlich geprägt durch einen starken christlichen Glauben. Dem aufgeklärten, intelligent-überheblichen Pantheismus Fausts setzt sie ein bodenständiges Bekenntnis zu konventioneller Moral und dogmatischer Frömmigkeit entgegen, das zu ihrer Erlösung in Faust I führt. Gretchen ist ein einfaches und ungebildetes, naives junges Mädchen, das hart arbeitet: Vers 3111-3112: „Wir haben keine Magd; muß kochen, fegen, stricken / Und nähn, und laufen früh und spat“ Sie lebt in ihrer kleinbürgerlichen Umwelt, die gleichzeitig eine Idylle und Beengung durch strenge Werte und Normen darstellt. Ihre Mutter steht dabei für Religion, Sitte und Moral, die Freundin Lieschen für den Neid und die Schadenfreude der kleinbürgerlichen Welt. Ihr Bruder Valentin prahlt mit ihr als tugendhafter Schwester und erweist sich letztendlich als mitleidslos und selbstgerecht, indem er sie als Hure brandmarkt. Ihre Nachbarin Marthe Schwerdtlein unterläuft die bürgerliche Moral und erlaubt ihr, den geschenkten Schmuck bei ihr aufzubewahren. Zu Beginn des Stücks ist ihr Vater bereits lange tot und sie kümmert sich um ihre gesundheitlich angeschlagene, aber nichts desto weniger strenge Mutter. Ihr älterer Bruder, Valentin, ist Soldat. Aufopferungs- und liebevoll hatte Gretchen sich auch um ihre jüngere Schwester gekümmert, die jedoch gestorben ist. Sie ist durch Fausts Interesse an ihr überrascht und lässt sich dennoch von ihm ins Verderben ziehen: Ihre Mutter tötet sie versehentlich mit einem Schlaftrunk, den Faust ihr gegeben hat, ihr Bruder Valentin, der gleichzeitig ihr letzter Beschützer ist, wird von Faust ermordet und ihr uneheliches Kind ertränkt sie, weshalb sie zum Tode verurteilt wird.

Hinweise zum Verständnis

Das Stück ist fast gänzlich reimend geschrieben und liefert viele der bekanntes