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| Ge Hong |
Ge HongGe Hong (ca. 280- ca 340) war ein chinesischer Daoist, Alchemist und Unsterblichkeitssucher.
Er stammte aus einer Aristokratenfamilie des südlichen China und stand in einer Überlieferungslinie der Unsterblichkeitssuche, deren Ursprünge sich bis in die frühere Han-Dynastie und die Zeit der streitenden Reiche im 3Jh. vor Chr. zurückverfolgen lassen.
Ge Hong erhielt Unterweisungen in magischen und alchemistischen Techniken und sein eigenes Werk, das Baopu Zi ist geprägt durch die Suche nach Unsterblichkeit, die sein alleiniges Ziel bildete und die er durch Verwirklichung des Dao zu erreichen versuchte. Er schloß sich in gewisser Weise dem philosophischen Daoismus des Daodejing und des Zhuangzi an und verwarf die zu seiner Zeit üblichen Exorzismen und Beschwörungen, versuchte jedoch eine exakte Methode zu finden, mittels derer sich das Dao und damit die Unsterblichkeit verwirklichen ließen.
Im Baopu Zi werden demgemäß genaue Anweisungen zur Erlangung von Unsterblichkeit gegeben: Man muß die feste Absicht und den festen Glauben haben, unsterblich zu werden, einen fähigen Meister finden, der die geheimen mündlichen Unetrweisungen gibt, ein gesundes Leben führen, sowohl im moralischen als auch im physischen Sinne und eine Form der universalen Liebe pflegen. Jeder Exzeß soll vermieden werden und es sollen keine Störungen durch Begierden zugelassen werden. Zur Gesunderhaltung des Körpers sollen Heilmittel und alchemistische Drogen eingenommen werden, das Qi in Zirkulation gehalten werden, gymnastische Übungen gemacht werden, bestimmte Sexualpraktiken und bestimmte Methoden visueller Meditation ausgeführt werden.
Desgleichen gilt es magische Zauberformeln zu kennen, mittels derer man sich vor Gefahren schützen kann und Götter zur Hilfe herbeirufen kann, die Übel vertreiben können.
Kategorie:Chinesische Philosophie und Religion
Kategorie:Person des Daoismus
Kategorie:Chinese
Kategorie:Daoismus
Kategorie:Taoistische Literatur
Daoismus
Der Daoismus (chin. 道教 dàojiào = Lehre des Weges), auf Deutsch auch: Taoismus, ist eine chinesische Philosophie und Religion und wird als Chinas eigene und authentisch chinesische Religion angesehen. Seine historisch gesicherten Ursprünge liegen im 4. Jh. v. Chr., als das Daodejing (in älteren Umschriften: Tao te king, Tao te ching …) des Laozi (Laotse, Lao-tzu) entstand.
Neben Konfuzianismus und Buddhismus ist der Daoismus eine der „Drei Lehren“, die China maßgeblich prägten. Trotz zum Teil sehr unterschiedlicher Auffassungen konnten sie im chinesischen Geistesleben zu einer Tradition verschmelzen. Sie werden deshalb auch unter dem Begriff „Chinesischer Universismus“ zusammengefasst.
Auch über China hinaus haben die „Drei Lehren“ wesentlichen Einfluss auf Religion und Geisteswelt der Menschen ausgeübt.
In China beeinflusste der Daoismus die Kultur in den Bereichen der Politik, Wirtschaft, Philosophie, Literatur, Kunst, Musik, Ernährungskunde, Medizin, Chemie, Kampfkunst und Geographie.
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Aufgrund der verschiedenen Ausprägungsformen und der unklaren Abgrenzung zu anderen Religionen ist die genaue Anzahl der Anhänger des Daoismus nur schwierig zu erfassen. Besonders viele Daoisten leben heute in Taiwan, wo viele der daoistischen Schulen Zuflucht vor der Verfolgung durch die Kulturrevolution suchten.
Entstehung
Wann genau die daoistische Lehre entstanden ist, bleibt unklar. Der Daoismus hat erst in einem langen Entwicklungsprozess Form angenommen, wobei fortlaufend Strömungen des Altertums integriert wurden. Die daoistische Lehre greift viel Gedankengut auf, das in China zur Zeit der Zhou-Dynastie (1040-256 v. Chr.) weit verbreitet war. Dazu gehören die kosmologischen Vorstellungen von Himmel und Erde, die Fünf Wandlungsphasen, die Lehre vom Qi (Energie),Yin und Yang und das Yijing (I Ging), aber auch die Tradition der Körper- und Geisteskultivierung, die mit Atemkontrolle und anderen Techniken wie Taijiquan und Qigong, Meditation, Visualisation und Imagination, Alchemie und magischen Techniken Unsterblichkeit erreichen wollte.
Die Suche nach Unsterblichkeit geht wahrscheinlich auf sehr alte Glaubensinhalte zurück, denn im Zhuangzi, einem daoistischen Klassiker aus dem 4. Jh. v. Chr. werden bereits die Xian erwähnt, die Unsterblichen, deren wichtigste der gelbe Kaiser, Huang Di und die Königinmutter des Westens, Xiwangmu, sind, Gestalten, die schon in der Shang-Zeit im 2. Jahrtausend v.Chr. nachzuweisen sind.
Laozi und das Daodejing
Ob es einen Denker namens Laozi (chin. 老子 = Der Alte Meister) wirklich gegeben hat, wird heute bezweifelt. Im Daoismus wird ihm das Daodejing (der Leitfaden vom Dao und vom De) zugeschrieben. Seine Biographie ist von Legenden umrankt und äußerst umstritten. Er soll zur Zeit der streitenden Reiche im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben, die von Unruhen und Kriegen geprägt war. Sie stellt eine Blütezeit der chinesischen Philosophie dar, da viele Gelehrte sich Gedanken machten, wie wieder Frieden und Stabilität erreicht werden könnten. Man spricht daher auch von der Zeit der Hundert Schulen. Das Daodejing enthält eine solche Lehre, die sich an den Herrscher richtet und Frieden hervorrufen will.
Das Daodejing wird auch mit dem Namen seines legendären Verfassers „Laozi“ bezeichnet. In seiner heutigen Form wird es in zwei Bücher mit insgesamt 81 Kapiteln unterteilt. Der erste Teil behandelt das Dao, der zweite das De. Das Buch stellt jedoch keine logisch aufgebaute Konstruktion einer Weltanschauung dar, sondern erscheint vielmehr als eine ungeordnete Sammlung mystischer und dunkler Aphorismen, die zu eigener, subjektiver Interpretation anregen. Daher entstanden im Lauf der Zeit auch mehrere hundert Kommentare, die den Text auslegen, sowie hunderte Übersetzungen.
Zhuangzi
Ganz anders geschrieben ist dagegen das Nanhua zhen jing, „Das wahre Buch vom südlichen Blütenland“ (eigentlich „Das wahre Buch aus Nanhua“, der Stadt, aus der Zhuangzi stammt, der auch „der wahre Mensch aus Nanhua“ genannt wurde). Es wurde im 4. Jh. v. Chr., kurz nach der Entstehung des Daodejing, von Zhuangzi (Dschuang Dsi, Chuang-tzu, etwa 369-286 v. Chr.) verfasst, nach dem es auch „Zhuangzi“ genannt wird. In ihm wird das Wesen des Daoismus in oft paradoxen Parabeln und Anekdoten erläutert, in welche philosophische Diskussionen eingeflochten sind. Zhuangzi greift dabei einige Vorstellungen vom Daodejing auf, weist aber andere weit von sich - so ist zum Beispiel von der politischen Zielsetzung des Laozi bei ihm nichts mehr übrig. Der weltabgewandte Weise ist hier das Idealbild.
Wie beim Daodejing ist auch hier die Autorschaft umstritten. Zwar ist Zhuangzi mit Sicherheit eine historische Persönlichkeit, das Buch wurde aber wahrscheinlich in großen Teilen von seinen Schülern zusammengetragen.
Zur Zeit des Laozi und des Zhuangzi ist weder eine philosophische noch eine religiöse Organisation greifbar, die man Daoismus nennen könnte. Es gibt nur vereinzelte Texte, die von daoistischem Gedankengut zeugen und die später, als sich daoistische Organisationen gründeten, als kanonische Schriften aufgefasst wurden. Jedoch ist unstrittig, daß sich diese Texte im Zusammenhang mit religiösen Praktiken und Glaubensinhalten entwickelten.
Daoismus als Philosophie
Exkurs: philosophischer vs. religiöser Daoismus
Die Unterscheidung zwischen Daoismus als Religion und Daoismus als Philosophie ist eurozentristisch und begrifflich unscharf. Sie stellt eher ein Hilfsmittel der westlichen Sinologie dar, um verschiedene Aspekte der langen Geschichte des Daoismus leichter beschreiben zu können. Dennoch wird auch im Chinesischen tendenziell zwischen philosophischem Daoismus (dào jiā 道家) und religiösem Daoismus (dào jiào 道教) unterschieden. Der Daoismus ist jedoch eine ebenso facettenreiche Erscheinung wie andere Religionen auch. Im Laufe seiner über zweitausendjährigen Geschichte haben sich die unterschiedlichsten Lehren und Systeme herausgebildet.
Die Trennung von religiösem und philosophischem Daoismus ist daher eine sehr grobe Vereinfachung, und es herrscht Uneinigkeit in der Forschung, ob diese Unterscheidung weiterhin verwendet werden sollte, weil sie der Komplexität des Gegenstands nicht gerecht wird.
Das Begriffspaar ist immerhin von begrenztem Nutzen, weil es in einer Beschreibung des Daoismus eine erste, hilfreiche Gliederung ermöglicht. Der Sachverhalt ist aber sehr viel mehrgestaltiger, als es diese Vereinfachung nahelegt.
Der Begriff des Dao
Das Wort „Daoismus“ leitet sich ab von „Dao“ (Tao), einem Begriff der chinesischen Philosophie, der bereits lange vor dem Daodejing verwendet wurde, aber erst in diesem Text seine zentrale Stellung und besondere, universale Bedeutung erhielt. „Dao“ bedeutet ursprünglich „Weg“, im klassischen Chinesisch aber bereits „Methode“, „Prinzip“, „der rechte Weg“. Bei Laozi nimmt dann der Begriff des Dao die Bedeutung eines der ganzen Welt zugrundeliegenden, alldurchdringenden Prinzipes an. Es ist die höchste Wirklichkeit und das höchste Mysterium, die uranfängliche Einheit, das kosmische Gesetz und Absolute. Aus dem Dao entstehen die „zehntausend Dinge“, also der Kosmos, und auch die Ordnung der Dinge entsteht aus ihm, ähnlich einem Naturgesetz, doch ist das Dao selbst kein omnipotentes Wesen, sondern der Ursprung und die Vereinigung der Gegensätze und somit undefinierbar.
Philosophisch könnte man das Dao als jenseits aller Begrifflichkeit fassen, weil es der Grund des Seins, die transzendente Ursache ist und somit alles, auch den Gegensatz von Sein und Nichts, enthält. In diesem Sinne kann nichts über das Dao ausgesagt werden, weil jede Definition eine Begrenzung enthält. Das Dao ist aber sowohl unbegrenzte Transzendenz als auch das dem Kosmos, dem All innewohnende immanente Prinzip.
Das Wirken des Dao bringt die Schöpfung hervor, indem es die Zweiheit, das Yin und das Yang, Licht und Schatten, hervorbringt, aus deren Wandlungen, Bewegungen und Wechselspielen dann die Welt hervorgeht.
Daoistische Ethik
Die ethische Lehre des Daoismus besagt, die Menschen sollten sich am Dao orientieren. Indem sie den Lauf der Welt beobachten, in welchem sich das Dao äußert, können sie die Gesetzmäßigkeiten und Erscheinungsformen dieses Weltprinzips kennen lernen. Da das Dao sich im Ziran, dem „von-selbst-so-Seienden“, der Natur, offenbart, steht es für Natürlichkeit, Spontanität und Wandlungsfähigkeit, und der Weise erreicht die Harmonie mit dem Dao weniger durch Verstand, Willenskraft und bewusstes Handeln, sondern vielmehr auf mystisch-intuitive Weise, indem er sich dem Lauf der Dinge anpasst. Denn es gibt im Kosmos nichts, was fest ist: Alles ist dem Wandel unterworfen und der Weise verwirklicht das Dao durch Anpassung an das Wandeln, Werden und Wachsen, welches die phänomenale Welt ausmacht.
In den Wandlungen der Phänomene verwirklicht jedes Ding und Wesen spontan seinen eigenen „Weg“, sein eigenes Dao, und es wird als ethisch richtig erachtet, dieser Spontanität ihren Lauf zu lassen und nicht einzugreifen, also Wu wei, „Nicht-Eingreifen“ oder „Nicht-Handeln“ zu praktizieren. Die Dinge und ihr Verlauf werden als sich selbst ordnend und sich selbst in ihrer Natur entfaltend und verwirklichend angesehen. Es erscheint dem Weisen als sinnlos, seine Energie in einem stetigen Willensakt der Handlung (des Eingreifens in das natürliche Wirken des Dao) zu verschwenden, sondern das Tun sollte angemessen sein, durch eine Verwirklichung reinen und nicht selbstbezogenen Geistes, der geschehen lassen kann, ohne durch seine eigenen Wünsche und Begierden verblendet zu sein.
Es wird also als klug angesehen, sich möglichst wenig in das Wirken des Dao einzumischen oder sich ihm gar entgegenzustemmen. Besser als durch große Kraftanstrengungen werden Ziele verwirklicht, wenn dafür die natürlichen, von selbst ablaufenden Vorgänge genutzt werden, die durch das Dao bestimmt sind. Dieses Prinzip der Handlung ohne Kraftaufwand ist eben das Wu Wei. Indem der Weise die natürlichen Wandlungsprozesse mitvollzieht, gelangt er zu einer inneren Leere. Er verwirklicht die Annahme und Vereinigung von Gegensätzen, denn das Dao, welches das Yin und Yang hervorbringt, ist die Ursache und Vereinigung dieser beiden. Somit verwirklicht der Weise im Einklang mit den natürlichen Prozessen den Dreh- und Angelpunkt der Wandlungsphasen von Yin und Yang, die leere Mitte der Gegensätze.
Das Daodejing liefert die Weltanschauung, die das Ideal des daoistischen Weisen blieb: Gleichmut, Rückzug von weltlichen Angelegenheiten und Relativierung von Wertvorstellungen, sowie Natürlichkeit, Spontanität und Nicht-Eingreifen.
Nach daoistischer Auffassung führt nur die Übereinstimmung mit dem Dao zu dauerhaftem und wahrem Glück, während die Involviertheit in weltliche Angelegenheiten zu einem Niedergang der wahren Tugend (De) führt. Deshalb ist es ratsam, Gleichmütigkeit gegenüber Gütern wie Reichtum und Komfort zu erlangen, und sich vor übermäßigen Wünschen zu hüten.
Daoismus als Religion
Wu wei
Den Unterschied zwischen philosophischem und religiösem Daoismus, den wir hier aus pragmatischen Gründen verwenden (s.o.), könnte man derart fassen, dass der philosophische Daoismus das Ideal des Weisen hat, der das Dao verwirklicht, indem er eine bestimmte Geisteshaltung einnimmt, während der religiöse Daoist danach strebt, Erleuchtung zu erlangen und das Dao zu verwirklichen, indem er durch unterschiedliche Methoden wie Meditation (Qigong, Taijiquan), Konzentration, Visualisation, Imagination, Atemtechniken, Alchemie, Ritual und Magie aus Geist und Körper, dem Mikrokosmos, ein Abbild des Makrokosmos erschafft und auf diese Weise eins wird mit dem Universum.
Das erste gesicherte Datum des Daoismus als Religion ist das Jahr 215 n.Chr., als Cao Cao die Kirche der Himmelsmeister anerkannte.
Viele Schulen des Daoismus strebten nach Unsterblichkeit und sind wahrscheinlich aus schamanistischen Techniken und Unsterblichkeitskulten entstanden (s.Fangshi), die sich dann während der Han-Zeit mit der philosophischen Richtung des Daoismus verbunden haben.
Alle Schulen des Daoismus streben danach, zum Ursprung zurückzukehren, dies wird in daoistischen Begriffen z.B. die Rückkehr zum Einen, zur Perle, die Rückkehr zum Zustand, bevor es Himmel und Erde gab genannt. Diese Rückkehr geschieht, indem der daoistische Adept ein klassifizierendes System benutzt, dessen kosmologische Grundlagen Yin und Yang, die fünf Wandlungsphasen sowie andere numerologische Koordinaten sind und sich in den Mittelpunkt des so von ihm konstruierten Kosmos begibt und einordnet, verbindet, bestimmt und benennt um eine Integration zu erreichen und aus der Welt ein Instrument des Geistes zu machen.
Die daoistischen Götter, auch „Unsterbliche“ genannt, haben oft keine Geschichte, andere gehen auf historische oder legendäre Personen zurück, die als bedeutend für die Entwicklung von Land und Volk angesehen werden. Sie stellen aber eher eine Inkarnation von Funktionen als Individuen oder Götter im westlichen Verständnis dar. Neben den Göttern, von denen der Adept geheiligt wird, gibt es auch Götter, über die er befehlen kann.
Verhältnis zum Buddhismus
Als der Buddhismus im 2. Jahrhundert nach China kam, wurde er erst als eine seltsam verzerrte Variante des Daoismus wahrgenommen, weil die ersten Übersetzer von buddhistischen Konzepten Begriffe aus der daoistischen Lehre verwendeten. Außerdem besagte eine daoistische Legende, dass die Gründerfigur Laozi nach Westen ausgewandert war. In China erklärte man daher einfach, Laozi sei nach Indien gekommen und hätte als Buddha die „Barbaren“ zum Daoismus bekehrt, diese hätten die Lehre aber nicht vollkommen begriffen, und so sei der Buddhismus entstanden.
Durch diese Auffassung herrschte anfangs eine gewisse Nähe und ein reger Austausch von Ideen; der Daoismus übernahm beispielsweise vom Buddhismus die Höllenvorstellungen und die Organisation seines Mönchswesens.
Durch die gegenseitige Beeinflussung von Daoismus und Buddhismus entstanden auch neue Schulen. Ein erfolgreiches Beispiel einer solchen Verschmelzung ist der Chan-Buddhismus (; japanisch: 禅【ぜん】 zen). Sein Einfluss war prägend für die chinesische Tang- und Song-Zeit und hält in Japan bis heute an.
Ein Beispiel für die Übernahme buddhistischer Ideen ist die daoistische Schule Quanzhen.
Die Himmelsmeister
Im 2. Jahrhundert entstand die erste daoistische Organisation beziehungsweise „Kirche“, als Zhang Daoling (Chang Tao Ling) 142 n.Chr. in Sichuan die Bewegung der Himmelsmeister (tianshi dao) gründete. Zhang Daoling nahm dabei vermutlich Anleihen beim Buddhismus, möglicherweise auch beim monotheistischen Mazdaismus.
In der Gruppe, die nach einer Abgabe, die ihre Anhänger zu leisten hatten, auch „Fünf-Scheffel-Reis“-Bewegung (wudoumi dao) genannt wird, herrschten messianische und revolutionäre Gedanken vor: Die Han-Dynastie sollte gestürzt werden, damit der Himmelsmeister Zhang Daoling regieren und die Endzeit beginnen konnte.
Etwa 30 Jahre lang existierte sogar ein Himmelsmeister-Staat, der durch einen großen Verwaltungsapparat charakterisiert war. Die Bürokratie spiegelte die Vorstellung vom Himmel wieder, der im Glauben der Himmelsmeister auch bürokratisch gegliedert ist. Bitten und Gebete wurden in Formularen verfasst und durch Verbrennung an die jeweils zuständigen Gottheiten geschickt.
In der Himmelsmeister-Bewegung entstand eine ausgeprägte Ethik und ein daoistischer Kultus. Durch die Pflichtbeiträge entwickelten sich die Gemeinden zu ökonomisch bedeutsamen Organisationen. Unter der Wei-Dynastie (386-534) traten immer mehr Mitglieder der Aristokratie der Himmelsmeister-Bewegung bei. Auch viele Dichter und Künstler gehörten ihr an.
Ab dem 2. Jh. wurde auch Laozi nicht mehr nur als alter Weiser gesehen, sondern als Gott verehrt. Ebenso wurde aus dem abstrakten Begriff des Dao eine personale Gottheit. Jedoch stellen die Götter des Daoismus eher eine Verkörperung von Funktionen als individuelle Entitäten dar. Die Ritualgötter sind im allgemeinen entweder abstrakte Instanzen oder Verkörperungen von Naturkräften, zum Beispiel der Erde, der Flüsse, des Regens, der Berge. Auch der vergöttlichte Laozi stellt eher eine Hypostase des Dao und des daoistischen Heiligen dar, wie Zhuangzi ihn beschrieb, weniger eine personale Gottheit, wie sie der westlichen Vorstellung entspricht.
Entwicklung zur Volksreligion
Schon die daoistischen Philosophen verwendeten bildhafte Geschichten und alte Volkssagen, um ihre Ideen zu erläutern. Während der Han-Zeit verband sich der Daoismus mit älteren kosmologischen, theologischen und anthropologischen Vorstellungen, deren Spuren sich schon in der Shang-Zeit finden lassen. Diese älteren Vorstellungen stammen wahrscheinlich aus Unsterblichkeitskulten und der schamanistischen Tradition (siehe Fangshi). Auch mehr und mehr volkstümliche Bräuche, Riten und buddhistische Elemente hielten Einzug in die daoistischen Praktiken. Die daoistische Religion wurde polytheistisch und definierte sich durch eine gemeinsame liturgische Tradition. Es entstand ein reichhaltiger Götterhimmel, dessen genaue Ausformung sich von Schule zu Schule unterscheiden konnte, in dem sich aber drei oberste Gottheiten, die Drei Reinen, herauskristallisierten: Yuanshi tianzun, der Himmeslehrwürdige des Uranfangs, Daojun oder Lingbao tianzun, der Herr des Dao bzw. Himmelsehrwürdige des magischen Juwels und Daode tianzun oder Taishang Laojun, der Himmelsehrwürdige des Dao und des De bzw. der höchste Herr Lao, welcher der vergöttlichte Laozi ist.
Das liturgische System bildet den formalen Rahmen für unterschiedliche lokale Kulte und das daoistische Pantheon wird bevölkert von kosmischen Gottheiten, Naturgöttern, Dämonen, Geistern, Unsterblichen (Xian) und Vollkommenen (Zhenren). Sitz des Pantheons sind heilige Berge und Grotten, die ein mikrokosmisches Abbild des Makrokosmos darstellen, sowie Tempel, Altar und Körper.
Durch die Himmelsmeister-„Kirche“ Zhang Daolings vollzog sich eine gewisse Vereinigung der verschiedenen daoistischen Gemeinschaften. Diese starke und breitenwirksame Organisation wurde während der Sui- und Tang-Dynastie zu einer echten Volksreligion und religiösen Macht. Die Dynastie der Tang behauptete, von Laozi abzustammen und machte seine Verehrung zu einem offiziellen Kult. Der daoistische Kaiser Xuanzong gründete landesweit daoistische Tempel und hatte eine große Vorliebe für daoistische Rituale. Aus der Ming- und Tangdynastie gibt es auch die meisten daoistischen Schriften. Es handelte sich um die Blütezeit des Daoismus.
Unter der Song-Dynastie (960-1279) wurde der Daoismus dann vollständig in die Volkskultur integriert, u. a. dadurch, dass die lokalen und regionalen Organisationen durch Kaiser Zhenzong zu einem Netzwerk offiziell geförderter Tempel zusammengeschlossen wurden, die auch säkulare Aufgaben wie die Organisation von Märkten und das Eintreiben der Handelssteuer übernahmen.
Als Chinas letzte Dynastie, die Qing im Jahre 1644 gegründet wurde, wurde der Daoismus mit Restriktionen und Verboten belegt, da die Qing dem orthodoxen Konfuzianismus nahestanden und die Mandschu Angst vor chinesischem Nationalismus hatten, weshalb sie lokale Organisationen unterdrückten.
Im Taiping-Aufstand 1849 wurden dann sämtliche Tempel, sowohl buddhistische als auch daoistische, zerstört und im Verlauf des 20Jh. verstärkte sich die Tendenz immer mehr, die ursprüngliche chinesische Religion zu zerstören.
Daoistische Praktiken
Im Laufe der Jahrtausende entstanden in China eine Vielzahl daoistischer Schulen mit unterschiedlichen Lehrinhalten und Praktiken. Ein Hauptmerkmal des religiösen Daoismus war jedoch in vielen Schulen die Suche nach Unsterblichkeit. Viele Praktiken haben ihre Ursprünge in den Praktiken der Fangshi des Altertums. Der daoistische Kanon (Daozang) der in seiner letztgültigen Fassung 1442 zusammengestellt wurde, gibt von den unterschiedlichen Praktiken einen Eindruck. Er enthält tausende von Werken, und die Texte handeln u. a. von Philosophie, Liturgie, Ritualistik, Magie, Sexualpraktiken, Medizin, Imagination und mythischen Welten, Hagiographien, dem Yijing (I Ging), Alchemie, Moral, Meditationstechniken und Hymnen.
Die ersten Texte, die eine detaillierte Beschreibung der nach innen gewendeten Meditation gaben, waren die der Shangqing-Schule, bzw. das Shangqingjing (Buch der großen Reinheit), welche ab dem 4. Jh. n. Chr. entstanden. Die Shangqing Meditationen enthalten unterschiedliche Elemente: Der Adept verkehrt rituell und imaginativ mit Göttern, rezitiert heilige Texte und visualisiert und durchläuft komplex strukturierte Elemente und Prozesse der Kosmologie, Mythologie und Symbolik des Daoismus. Die Visualisationen dieser Schule stellen Reisen in geistige Welten dar, wie sie schon von den Schamanen der Shang-Zeit ausgeführt wurden. Sie führen in Reiche der irdischen Paradiese, der Götter, der stellaren Welten, der Bewegungen von Yin und Yang und der verschiedenen Formen von Qi (Energie). Das Ziel der komplexen Techniken ist es, durch die Harmonisierung von Geist und Körper zur ursprünglichen Einheit zurückzukehren. Wiederholt stellen Kenner daoistischer Praktiken die Behauptung auf, bei diesen Reisen handele es sich - zumindest bei einigen Adepten - um außerkörperliche Erfahrungen.
Im Streben nach Unsterblichkeit entwickelten Daoisten einige alchemistische Techniken, später dann auch Techniken der inneren Alchemie. Einer der Vertreter dieser Richtung war Ge Hong. Etwa seit dem 4. Jahrhundert n.Chr. wurde versucht, Elixire oder Pillen herzustellen, die das Leben verlängern. Dabei spielten Zinnober (Dan), Quecksilber (Gong) und Gold (Jin) eine besondere Rolle. Durch die Eigenschaften, die sie in chemischen Reaktionen zeigen, galten sie als Elemente, die die Unwandelbarkeit in äußerlicher Veränderung (ein zentrales Merkmal des Dao) verkörpern. Viele, die sich von den Pillen Langlebigkeit versprachen, starben an Quecksilbervergiftung, was wohl einer der Gründe dafür war, dass die Alchemie bis zum Ende der Tang-Zeit immer unpopulärer wurde und verstärkt eine Hinwendung zur inneren Alchemie stattfand. Durch die alchemistischen Forschungen wurden jedoch auch andere Gebiete befruchtet, beispielsweise entstanden dadurch das Schießpulver und halluzinogene Drogen, ebenso wurde die Medizin beeinflusst.
Die Shangqing-Meditationen zeigen bereits eine Hinwendung von der äußeren zur inneren Alchemie, die sich im 9. Jh. dann vollends ausbildete. Anstatt Substanzen im Labor zu mischen, wurden der eigene Körper und Geist als "inneres Labor" verstanden. Es galt nun, durch meditative Techniken das uranfängliche Chaos zu strukturieren und durch Kultivierung von Vitalität (Jing), Energie (Qi) und belebendem Geist (Shen) die Leere und Einheit zu verwirklichen.
Voraussetzung für diese Praktiken ist die Vorstellung, dass Analogien zwischen allen Ebenen bestehen, das heißt, dass Kosmos, Erde und Mensch analog strukturiert sind und sich in allen Details entsprechen.
Eine Schule, die sich durch Beeinflussung durch den Buddhismus verstärkt dem liturgischen Ritual zuwandte, war die Lingbao Pai.
Ein weiterer Abkömmling des Daoismus ist das Feng Shui, welches ursprünglich Geomantie war, später sich aber darauf bezog, die Umgebung des Menschen nach bestimmten Prinzipien zu ordnen, um Glück, Erfolg und Harmonie zu erzeugen.
Unter der sozialistischen Diktatur wurden die Religionen Chinas unterdrückt und verfolgt, während der Kulturrevolution wurden viele Klöster und Tempel zerstört, Schriften vernichtet und die Mönche und Nonnen umerzogen. Mittlerweile besinnt man sich auch in der Volksrepublik wieder auf das religiöse Erbe sowie auf das daoistische Handlungswissen in Bezug auf die Heilkunst und viele Klöster und Tempel wurden wieder aufgebaut, Ausbildungsstellen für Möche und Nonnen geschaffen und sogar einige universitäre Forschungsstellen für Daoismus eingerichtet. Es gibt um die Jahrtausendwende in der VR China ungefähr dreitausend daoistische Heiligtümer.
Der Staat hat in der Volksrepublik eine offizielle Version des Daoismus durchgesetzt, die Wohlwollen, Patriotismus und den Dienst an der Öffentlichkeit betont. Die Ausbildung eines Daoisten in der Volksrepublik umfasst daoistische Doktrin, Rituale, Musik, Kalligraphie, Philosophie, Kampfkunst und Englische Sprache. Viele daoistische Priester sind jedoch nicht gemeldet und gehören nicht den Regierungsorganisationen an, so dass die Statistiken widersprüchlich sind. Die wieder aufgebauten Tempel sind gut besucht, zu einigen Anlässen wie dem Laternenfest kommen Tausende von Pilgern, woraus man schließen kann, dass der Daoismus auch in der Volksrepublik noch eine Rolle spielt.
Viele Daoisten flohen nach Taiwan, wo der daoistische Kultus nach wie vor blüht. Im heutigen China existieren noch zwei Hauptlinien der religiösen daoistischen Tradition, der Quanzhen-Daoismus (Schule der vollständigen Wahrheit), auch als neidan, innere Alchemie, bezeichnet, und der Zhengyi-Daoismus (Schule der orthodoxen Einheit), welcher direkt auf die Tradition der Himmelsmeister zurückgeht.
Die Quanzhen-Daoisten leben monastisch und zolibatär und legen die Hauptpraxis auf Meditation, während die Zhengyi-Daoisten heiraten dürfen und auch in priesterlichen und magischen Funktionen, beispielsweise als Ritualpriester bei Tempeln, Familien und Einzelpersonen, d.h. auch bei Begräbnis- und Hochzeitsriten oder Exorzismen und Heilungen arbeiten. Der Zhengyi-Daoismus besitzt im Gegensatz zum Quanzhen, der stark buddhistisch beeinflußt ist, eine ausgeprägte Ritualistik und magische Praktiken. Die Tempel, in die die Zhengyi-Priester eingeladen werden, verehren meistens Lokalgötter.
Es werden Rituale zu vielen Anlässen durchgeführt: Dem Geburtstag des Lokalgottes, der Restauration eines Tempels oder um eine neue Götterstatue einzuweihen. Ein Ritual kann bis zu neun Tage dauern, und ist oft verbunden mit Theateraufführungen, Prozessionen und Opfern. Viele Rituale sind ausgeprägt liturgisch. Das Hauptritual ist eines der kosmischen Erneuerung und Rückverbindung.
Die monastische Quanzhen-Schule unterscheidet sich vom Zhengyi durch das zurückgezogene Leben der Meditation und inneren Alchemie, ohne der Allgemeinheit die Arbeit in einem Ritualservice anzubieten und ihn durchzuführen. Innere Alchemie strebt nicht nach Herstellung eines Stoffes oder physischer Unsterblichkeit, sondern stellt eine Erleuchtungstechnik dar, eine Methode der Ordnung von Selbst und Welt. Sie ist eine operative Disziplin, die durch einen schöpferischen Akt zur Geburt eines neuen Menschen führen soll und die Erhöhung des Geistes über die Welt anstrebt. Da die Quanzhen-Schule viele Elemente des Buddhismus übernommen hat, besitzt sie einen stark spekulativen Charakter und die Texte dieser Schule sind durch bestimmte Merkmale charakterisiert:
- Geistige und physische Schulung
- die Praxis unterschiedlicher Techniken wie Atemübungen, Visualisationen und innerer Alchemie
- die Übernahme bestimmter Spekulationen des Buddhismus, z. B. über Wu (Leere) und You (Dasein) und die Methode der Gong'ans (jap. Koan)
- die Übernahme konfuzianischer Werte
- Eine systematische Verwendung des Yijing, sowie alchemistischer Techniken in einer metaphorischen, geistigen Form.
Techniken der Shangqing-Schule werden nach wie vor von Zhengyi und Quanzhen praktiziert.
Der Daoismus im Abendland
Die Geschichte der Rezeption des Daoismus in der westlichen Welt ist ungefähr 200 Jahre alt, und vor allem das Daodejing beeinflusste u. a. Kunst, Literatur, Psychologie und Philosophie.
Die erste Übersetzung des Daodejing ins Lateinische durch einen Jesuiten stammt aus dem Jahr 1788. Von den 60er Jahren des 19. Jh. bis Anfang des 20 Jh. erschienen dann größere Mengen an Laozi-Übersetzungen, die hauptsächlich von Missionaren angefertigt wurden, so daß es nicht verwunderlich ist, daß die meisten dieser Übersetzungen tendenziös christlich sind. Auch die im deutschen Sprachraum bekannteste Übersetzung von Richard Wilhelm kann ihren christlichen Hintergrund nicht leugnen.
Im 19 Jh. wurde dann die Rezeption des Daoismus im Westen stark durch die Theosophische Gesellschaft, die eine Mischung aus indischer Mystik und westlichem Okkultismus propagierte, beeinflusst.
Nach dem Ende des ersten Weltkrieges verstärkte sich das Interesse an östlicher Weisheit und insbesondere die Pazifisten wendeten sich dem Wu wei, dem Nicht-Handeln zu. So rief beispielsweise der deutsche Dichter Klabund im Jahr 1919 in seiner Schrift "Hör es Deutschland" das Volk auf, nach dem heiligen Geist des Dao zu leben, und in Deutschland brach durch die Übersetzungen des Zhuangzi und des Laozi durch Richard Wilhelm und durch Martin Buber eine regelrechte Daoismus-Euphorie aus, die sich unter Literaten und Künstlern verbreitete. So wurden insbesondere Hermann Hesse, Alfred Döblin und Bertolt Brecht durch diese Übersetzungen beeinflusst.
Döblins Roman „Die drei Sprünge des Wang-Lun“ und Charles Waldemars „Das Kleinod des Lao-Tse“ zeigen zum Beispiel eine starke Annahme daoistischen Gedankengutes, insbesondere des Wu wei, und Hesses gesamtes Werk ist von östlicher Philososphie durchdrungen, während Brecht im Daoismus eher eine Überlebensstrategie für die Zeit des Nationalsozialismus sah.
Die Rezeption des Daoismus durch die Psychologie fällt auch in die Zeit des zweiten Weltkrieges. Carl Gustav Jung fand in Übersetzungen der daoistischen Werke „Das Geheimnis der goldenen Blüte“ und des älteren „Yi Jing“ durch Richard Wilhelm starke Anregungen zur Entwicklung seiner eigenen psychologischen Theorien und er schrieb zu beiden das Vorwort.
In den 20er Jahren wurden dann die Ideen des Daoismus durch den damals populären Philosophen Hermann Graf Keyserling aufgenommen und verbreitet, der in den daoistischen Klassikern die tiefsten Aussprüche zur Lebensweisheit fand.
Auch der Philosoph Martin Heidegger wurde durch Übersetzungen daoistischer Texte durch Richard Wilhelm und Martin Buber inspiriert, jedoch auch der Zen-Buddhismus beeinflusste sein Werk. Heideggers nicht nihilistische Darstellung vom Nichts als „Fülle“ scheint direkt auf den Daoismus zurückzugehen.
Karl Jaspers, ein anderer Existenzphilosoph dieses Jahrhunderts schrieb das Werk „Lao-tse/Nagarjuna-zwei asiatische Mystiker“, in dem er sich um das Verständnis des Daoismus bemühte, und auch Ernst Bloch setzte sich mit dem Daoismus auseinander.
In den 50er Jahren fand der Daoismus dann über den Umweg des Zen-Buddhismus Eingang in die westliche Kultur. Die Poeten und Künstler der beat generation fanden Gefallen an den Ideen des Zen und popularisierten ihn. Breiten Raum fand dabei die Darstellung des Daoismus als Ursprung des Zen wie z. B. in Alan Watts Werk „The Way of Zen“, der später zum Begründer eines amerikanischen Daoismus wurde, durch das Buch „Tao: The Watercourse Way“, dessen Ideen sich besonders in der Hippie-Bewegung ausbreiteten.
In den 70er und 80er Jahren wurde dann das Dao als Allheilmittel für die erkrankte westliche Kultur in Europa gesehen. Der Daoismus wurde trivialisiert und vornehmlich auf die ältere Yin und Yang Lehre bezogen und breitete sich in dieser Form in der New Age Bewegung aus.
Nach Fritjof Capras „Das Tao der Physik“ von 1976 erschienen dann größere Mengen an populärdaoistischen und trivialisierten Werken wie „Das Tao Kochbuch“ oder „Easy Tao“, wobei Capras Ansatz repräsentativ ist für die Verwurstung des Dao.
Peter Sloterdijk reagierte demgemäß in seinem Buch „Eurotaoismus“ spöttisch auf dieses „östliche Philosophie fast food“.
Inzwischen ist der Daoismus durch die Esoterik-Welle zum integralen Bestandteil der westlichen Kultur geworden und ein Viertel des Esoterik-Buchhandels wird mit Werken zum Daoismus bestritten.
Unterschiedliche Transskriptionen
Literatur
Daodejing
- Günter Debon (übers.): Tao-te-king. Das heilige Buch vom Weg und von der Tugend, Stuttgart 1961.
- Viktor Kalinke (übers.): Studien zu Laozi - Eine zweisprachige (deutsch/chin.) Ausgabe des Daodejing, Edition Erata, ISBN 3-934015-15-8.
- Ernst Schwarz (übers.): Laudse, Daudedsching. Reclam 1970 oder dtv 1985.
- Richard Wilhelm (übers.): Laotse. Tao Te King. Das Buch vom Sinn und Leben, München (Diederichs Gelbe Reihe 19) 1978. ISBN 3-424-01411-7 (Orig. 1910).
- Richard Wilhelm (übers.): Laotse. Tao Te King. Das Buch vom Sinn und Leben, Wiesbaden (Matrix Verlag) 2004. ISBN 3-937715-07-X (Orig. 1921).
Nan hua zhen jing (Das wahre Buch vom südlichen Blütenland)
- Victor H. Mair (übers.): Zhuangzi. Das klassische Buch daoistischer Weisheit, Frankfurt/M. 1998.
- Richard Wilhelm (übers.): Dschuang Dsi. Das wahre Buch vom südlichen Blütenland, München (Diederichs Gelbe Reihe 172) 1969. ISBN 3-89631-421-1 (Orig. 1912).
Weitere Bücher:
- Fritjof Capra: Das Tao der Physik, ISBN 3426773244.
- Gary Zukav: Die tanzenden Wu Li Meister, ISBN 3499179105.
- Thomas Cleary (Hrsg.): Die drei Schätze des Dao, Frankfurt/Main 1996 ISBN 3-596-12899-4
- Theo Fischer: Wu wei, Hamburg 2002, ISBN 3-499-19174-1
- Theo Fischer: Lass dich vom Tao leben, Hamburg 2002, ISBN 3-499-60699-2
- Raymond N. Smullyan: Das Tao ist Stille, Frankfurt 1994, ISBN 3-8105-1858-1
- Christhop Gitter: Geschichte des Daoismus ISBN 3-424-01298-X
- Isabelle Robinet: Taoist Meditation,New York 1993, ISBN 0-7914-1360-8
- Isabelle Robinet: Geschichte des Taoismus, München 1995 ISBN 3-424-01298-X
- Livia Kohn (Hrsg.): Daoism Handbook, Leiden 2000, ISBN 90-04-11208-1
- Josef Thesing/Thomas Awe (Hrsg.): Dao in China und im Westen, Bonn 1999, ISBN 3-416-02864-3
Weblinks
- http://home.pages.at/onkellotus/ Online Sammlung von Übersetzungen des Daodejing
- http://www.tao-te-king.org/index.html Dàodé Jīng online German + English
- http://www.taiji-qidao.de Taijixue - Traditionelle Schule des philosophischen Daoismus
- http://www.tianchan.de/ Tianchan - traditionelle daoistische Strömungen
- http://www.daoistcenter.org/ Zentrum für daoistische Studien (engl.)
- http://rels.queensu.ca/dao/ Daoistische Studien: Quellen und Informationen (engl.)
- http://www.eng.taoism.org.hk/ Taoist Culture & Information Centre
- http://www.truetao.org/ - Daodejing-Übersetzung und Kolumne mit lebenspraktischen Artikeln(engl./dt./frz.)
- http://www.iging.biz Einführung ins I Ging über die acht Trigramme
- http://www.dailytao.org/ englische Übersetzung des Daodejing, täglich wechselnd ein Kapitel
Online-Audio-Beiträge
- [http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/ethik/china/ Die Seele Chinas - Zur Aktualität taoistischer Ideen]
Siehe auch
Dao,
De,
Laozi, Daodejing,
Zhuang zi,
Ge Hong,
Himmelsmeister,
Shangqing,
Neidan,
Zhang Daoling,
Yi jing,
Yin und Yang,
Taiji,
Konfuzianismus,
Buddhismus
Kategorie:Chinesische Philosophie und Religion
ja:道教
ko:도교
ms:Taoisme
zh-min-nan:Tō-kàu
AlchemieDie Alchemie (auch Alchimie) ist ein alter Zweig der Naturphilosophie und wurde im 17./18. Jahrhundert sukzessive von der modernen Chemie und Pharmakologie abgeloest. Die Kunst der Alchemie wurde von Alchemisten (auch Alchimisten) praktiziert. In heutiger Zeit bezeichnen sich manche Vertreter von Pseudowissenschaften ebenfalls als Alchemisten. Zur Möglichkeit der künstlichen Herstellung von Gold (siehe Goldsynthese) und von anderen Edelmetallen (siehe Edelmetallsynthese).
Herkunft
Es wird angenommen, dass sich das Wort Alchemie vom arabischen „al-kymiya“ bzw. vom griechischen "χυμεία" (chymeia) herleitet. Ersteres entspricht dem Namen mit dem die alten Ägypter selbst ihr Land bezeichneten, d. h. Alchemie wird hier als „Kunst der Ägypter“ verstanden, im Sinne des Letzteren als „Lehre des Gießens“. Anhand der Etymologie werden bereits ihre Ursprünge im alten Ägypten und im (hellenistischen) Griechenland deutlich.
Aufgabengebiet und Errungenschaften
Die Alchemie war teilweise von der Idee der künstlichen Herstellung von Gold getrieben, auf der Suche nach dem Stein der Weisen oder dem Universallösungsmittel Alkahest. Dabei arbeitete sie hauptsächlich mit der Methode Versuch und Irrtum (Trial and Error), die auch heute noch eine wichtige Methode zur Erkenntnisgewinnung ist. Die Alchemisten waren der Meinung, chemische Elemente könnten ineinander umgewandelt (transmutiert) werden.
Alchemisten befassten sich, im Gegensatz zu gelegentlichen Falschangaben, nicht mit der Herstellung lebender Kunstwesen (Homunculus, Basilisk). Anklänge an diese okkulten Experimente finden sich beispielsweise noch in Goethes Faust I und Faust II und in Meyrinks Golem.
Wir verdanken der Alchemie unter anderem die (Wieder-)Erfindung des Porzellans und Schwarzpulvers in Europa. Berühmte Alchemisten waren z. B. Vincentius Cascariolo aus Bologna, der 1604 erstmals einen Phosphoreszenz-Farbstoff herstellte, den so genannten „Bologneser Leuchtstein” oder „Lapis Solaris”. Diese Entdeckung beförderte Diskussionen über die Natur des Lichtes und führte bereits 1652 zu ersten spektroskopischen Untersuchungen. Der Hamburger Heinrich Hennig Brand war ein weiterer wichtiger Alchemist. Er entdeckte 1669 die Chemilumineszenz des weißen Phosphors („Phosphorus mirabilis“) und damit die erste Chemilumineszenzreaktion überhaupt. Diese Chemilumineszenzreaktion fand als Mitscherlich-Probe Eingang in die forensische Chemie und ist auch heute noch ein beeindruckendes Experiment.
Arbeitsmittel
Wichtige Grundlage und sozusagen die Bibel der Alchemisten war die Tabula Smaragdina. Sie ist eine dem Hermes Trismegistos zugeschriebene, ursprünglich wohl griechische, später in lateinischer Fassung verbreitete Sammlung von wenigen, schwer verständlichen und auslegungsbedürftigen Sätzen, in denen die gesamte Weltweisheit enthalten sein sollte.
Ein spezieller Ofentyp der Alchemisten wird Athanor genannt.
Manche Gefäße der Alchemisten werden nach Tieren benannt, so z. B. Igel oder Gans oder das Menschliche Paar.
Philosophische Bedeutung
Allerdings handelt es sich bei der Alchemie nicht nur um eine praktische Disziplin im Sinne einer Proto-Chemie. Sie hat vielmehr auch eine philosophische Dimension: die verschiedenen alchemischen Vorgänge – wie beispielsweise die Umwandlung eines bestimmten Metalls in ein anderes – stehen hier für die Entwicklung des Menschen, d. h. für inner-psychische Prozesse. Diesen psychologischen Aspekt der Alchemie betonte vor allem der schweizer Psychiater und Psychoanalytiker Carl Gustav Jung, der sich eingehend mit ihr beschäftigte und versuchte, sie für seine Analytische Psychologie fruchtbar zu machen.
Bedeutende Alchemisten
Alchemisten des alten Ägypten, sowie der Griechischen und Römischen Antike
- Hermes Trismegistos (legendär)
- Ostanes (vor 500 v. Chr.)
- Xamolxides (ca. 550 v. Chr)
- Empedokles (ca. 490–430 v. Chr)
- Demokrit (ca. 470–380 v. Chr)
- Maria die Alchemistin (ca. 470 v. Chr.)
- Zosimus aus Panopolis (ca. 250 bis ca. 310 n. Chr.)
Chinesische Alchemisten
In China haben sich innerhalb daoistischer Strömungen solche der Inneren Wandlung Neidan und solche der äußeren Wandlung Waidan herausgebildet, die in ihren Anfängen allerdings noch nicht geschieden waren. Das mit dem Prinzip des Dao verknüpfte Streben nach Unsterblichkeit – allerdings eigentlich im Sinne der Vollendung und Einswerdung im Dao – wurde ganzheitlich auf Körper und Geist bezogen, sodass es auch einige Alchemisten innerhalb der chinesischen Geschichte gab, die versuchten Metalle zu veredeln, dabei nebenbei das Schießpulver entdeckten und nach einem Elixier [dan] suchten, das irdische Unsterblichkeit ermögliche. Dies war aber als Ergänzung zu den inneren Arbeiten Qigong, Meditation, Fasten etc. gedacht.
Die ersten Spezialisten in den Künsten der Unsterblichkeit waren die Fangshi, die als einsiedlerische Weise in den Bergen lebten, schamanistische Praktiken anboten, von Kaisern und Adeligen besucht und gelegentlich unterstützt wurden.
Aus dieser Tradition kommt Wei Boyang, Autor des ältesten chinesischen alchemistischen Traktats Thouyi cantong qi („Über das Vereinigen der Entsprechungen“), der gemäß der Legende während des 2. Jh. n. Chr. gelebt haben soll. Ihm wird folgender Mythos nachgesagt: Nachdem der Hund an einem Experiment das rechte Elixier betreffend tot umfiel, sprach der Meister: „Ich habe den Weg der Welt, meine Familie und Freunde aufgegeben, um in den Bergen zu leben. Es wäre schamvoll, zurückzugehen, ohne das Dao der heiligen Unsterblichen gefunden zu haben. Durch dieses Elixier zu sterben kann nicht schlechter sein, als ohne es zu leben. So muss ich es dann zu mir nehmen.“ Auch er schluckte das Elixier und fiel auf der Stelle tot um. Nachdem die enttäuschten Schüler gegangen waren, erwachten Hund und Meister und schwebten zum Himmel empor, um Unsterbliche zu werden.
Ein anderer war Ge Hong (284–364 n. Chr.). Sein Hauptwerk heißt Baopuzi („Er, der den unbehauenen Klotz umarmt“ oder „Der Meister, der die Schlichtheit umfaßt“). Die Shangqing-Schule nahm später einige seiner Techniken auf.
Lü Dongbin, einer der Acht Unsterblichen, soll einer der ersten gewesen sein, der sich ausschließlich der Inneren Alchemie zuwandte. Sein Schüler war Liu Haichan; von diesem soll Zhang Boduan (987–1082 n. Chr.) sein Wissen erhalten haben. Er schrieb das Wuzhen pian („Über das Begreifen der Wirklichkeit“), welches die Ausdrucksweise der äußeren Alchemie auf die inneren Wandlungen überträgt. Ziel sei die Erschaffung des shengtai („geistiger Embryo“ der Unsterblichkeit). Es begründeten sich nach seinem Tod viele Schulen des Neidan. Seine Schüler begründeten etwa den südlichen Zweig der „Schule der Vollkommenen Wirklichkeit“ (wörtlich: Der Weg der Verwirklichung der Wahrheit").
Alchemisten des Islamischen Kulturkreises
- Kalid ben Jazichi (7.–8. Jh.)
- Kalid ben Jesid (geboren 702?)
- Geber (ca. 721–815), Vater der Chemie
- Rhazes (ca. 860–ca. 930)
- Avicenna (980–1037)
- Kalid Rachaibibi (ca. 11. Jh.)
- Muhyi-d-Din Ibn Arabi (1165–1240)
- Abdul-Qasim al Iraqi (13. Jh.)
Abendländische Alchemisten
Abdul-Qasim al Iraqi
- Artephius (12. Jahrhundert)
- Nikolaus Flamel (1330 bis ca. 1413)
- Bernhardus Trevisanus (1406–1490)
- Berthold der Schwarze (lebte im 14. Jahrhundert)
- Basilius Valentinus (Lebensdaten unbekannt)
- Paracelsus (1493–1541)
- Johann Georg Faust (ca. 1480–1540)
- Johann Hartmann (1568–1631)
- Johann Friedrich Böttger (1682–1719)
- Isaac Newton (1642–1727)
- Giacomo Girolamo Casanova (1725–1798)
- Alessandro Cagliostro (1743–1795)
- Fulcanelli (1887–1932)
- Albert Riedel (1911–1984)
- Alexander von Bernus (1880–1965)
Literatur
Quellen
- Johann Agricola: Chymische Medicin: ein Kompendium der Bereitung und Anwendung alchemistischer Heilmittel (Originaltitel: Commentariorum, notarum, observationum & animadversionum in Johannis Poppii Chymische Medicin), Nach der Erstausgabe Leipzig, Schürer und Götze, 1638/39 herausgegeben, eingeleitet und mit einer biographischen Skizze versehen von Oliver Humberg, Elberfeld 2000 ISBN 3-9802788-5-9
Ältere Ausgaben in Neuauflage
- Alexander von Bernus: Alchymie und Heilkunst 5. Auflage Dornach 1994 ISBN 3-7235-0757-3 (1. Auflage von 1936)
- Gottlieb Latz: Die Alchemie, das ist die Lehre von den grossen Geheim-Mitteln der Alchemisten und den Speculationen, welche man an sie Knüpfte: Ein Buch, welches zunaechst für Aerzte geschrieben [ist, zugleich aber auch jedem gebildeten Denker geboten wird]. 1. Auflage Bonn 1869, 2. Auflage Köln 2003 (Nachdruck) ISBN 3-89836-342-2
- Dr. Musallam: Alchimie: Der Stein der Weisen
Moderne Forschungsliteratur
- Julius Evola: Die hermetische Tradition. ISBN 3-7787-7042-X
- Helmut Gebelein: Alchemie. 2. Auflage München 1996, ISBN 3-424-01062-6
- Helmut Gebelein: Alchemie. (Diederichs kompakt), Kreuzlingen, München 2004, ISBN 3-7205-2501-5
- Bernhard Dietrich Haage: Alchemie im Mittelalter: Ideen und Bilder – von Zosimos bis Paracelsus. Düsseldorf, Zürich 2000, ISBN 3-7608-1222-8
- Daniel Hornfisher: Löwe und Phönix. ISBN 3-591-08432-8
- Johannes Helmond: Die entschleierte Alchemie. ISBN 3-87683-044-3
- C.G. Jung: Psychologie und Alchemie. Gesammelte Werke, Bd. 12, ISBN 3-530-40712-7
- C.G. Jung: Mysterium Coniunctionis. Gesammelte Werke, Bd. 14, 3 Bde, ISBN 3-530-40714-3 (Bd. 3 von Marie-Louise von Franz, ISBN 3-530-40799-2)
- C.G. Jung: Studien über alchemistische Vorstellungen. Gesammelte Werke, Bd. 13, ISBN 3-530-40713-5
- Claus Priesner, Karin Figala (Hrsg.): Alchemie: Lexikon einer hermetischen Wissenschaft. München 1998, ISBN 3-406-44106-8
- Gabriele Quinque: Splendor Solis – Das Purpurbad Seele, 22 Pforten der initiatischen Alchemie. Esoterische Interpretation einer alten Bilderhandschrift, ISBN 3-935937-26-1
- Alexander Roob: Das hermetische Museum. Alchemie & Mystik. Köln 1996, ISBN 3-8228-8803-6
- Ulli Seegers: Alchemie des Sehens. Hermetische Kunst im 20. Jahrhundert. Antonin Artaud, Yves Klein, Sigmar Polke. Köln: König 2003 (Kunstwissenschaftliche Bibliothek; Bd. 21), ISBN 3-88375-701-2
Trivia
Das berühmte Buch Der Alchimist von Paulo Coelho befasst sich nur am Rande mit Alchemie, es geht viel mehr um Selbstfindung.
Weblinks
- [http://www2.uni-jena.de/chemie/institute/oc/weiss/mitscherlich Mitscherlich-Probe bei uni-jena.de]
- http://www.alchemywebsite.com/
- http://www.fk-alchemie.de/
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Kategorie:Überholte Theorie
ja:錬金術
Han-Dynastie
Die Han-Dynastie () regierte das Kaiserreich China von 206 v. Chr. bis 220 n. Chr.. Man unterscheidet zwischen der Periode der Frühen Han (202 v. Chr. - 6/8 n. Chr.) und der Späten Han (23/25 - 220), unterbrochen durch die Herrschaft des Wang Mang.
Der Sturz der vorangegangenen Qin-Dynastie geschah durch mehrere gleichzeitige Bauernaufstände, die sich gegen die gnadenlose Unterdrückung richteten. (Anfangs sollte eine Gruppe von 900 Arbeitern hingerichtet werden, die aufgrund von starken Regenfällen zu spät zur Arbeit an der Großen Mauer kam. Die Betreffenden erhoben sich und hatten in wenigen Tagen eine Armee von 300 000 Mann... )
Unter den Anführern dieser Aufstände setzte sich der kleine Beamte Liu Bang durch. Sein Rivale war der kriegswütige Adlige Xiang Yu aus Tschu (232-202 v. Chr.) gegen den er seit 206 v. Chr. umsichtig und letztlich erfolgreich kämpfte. Als Xiang Yu fiel, wurde er Kaiser. Liu Bang (Kao-ti) ließ als Kaiser den Verwaltungsapparat der Qin-Dynastie weiterbestehen und hielt an der Mehrzahl ihrer Gesetze und Verordnungen fest, sogar dem Bücherverbot.
Die Bevölkerung wurde in 24 Rangstufen (jue) eingeordnet, man konnte gegen besondere Leistungen (Krieg, Steuer, Bestechung) befördert als auch bei Strafen degradiert werden. Die Leistungen an den Staat bestanden aus Kopfsteuer, Fronarbeit und Militärdienst. Es kam zu Bevölkerungsumsiedlungen, um die Grenze zu verteidigen, Land urbar zu machen und die Ballungsgebiete zu entlasten.
Der Verwaltungsapparat war wie zuvor dreigeteilt: zivile Angelegenheiten, militärische Angelegenheiten und Inspektion/Kontrolle. Das betraf sowohl die Hauptstadt, die Provinz (wo man in Kommandanturen jun und Präfekturen
xian unterschied) als auch die Lehen, die zunächst noch der kaiserl. Familie und verdienten Generälen überlassen wurden.
Zur Zeit der Qin- und der Han-Dynastie wurde im Kaiserreich China die Macht der Lehnsträger, d.h. des Adels beseitigt und das Lehnswesen (vgl. Lehen) abgeschafft. Das Reich wurde endgültig zentralisiert, in Provinzen gegliedert und durch einen Beamtenapparat verwaltet. Eine dagegen aufbegehrende Revolte der "Sieben Königreiche" d.h. alter Lehnsträger wurde 154 v. Chr. zerschlagen.
Dazu kam die Abwehr der Gefahr durch die Hsiung-nu unter Kaiser Wu-ti (119 v. Chr. verlust- und siegreicher Feldzug an den Orchon in der Mongolei). Ferner erweiterte sich China südwärts, d.h. durch Unterwerfung der Volksgruppen im Süden (111 v. Chr. Eroberung von Kanton), wodurch die Bevölkerung Chinas anwuchs. China war zu dieser Zeit durchaus auf Eroberungen konzentriert, was der verbreiteten Meinung vom "friedlichen" China widerspricht.
Kulturelle und wirtschaftliche Expansion
Die Han-Dynastie verzeichnet auch eine kulturelle und wirtschaftliche Blüte. Die Lehren des Konfuzius wurden staatlich anerkannt, auch wenn zunächst der Daoismus dominierte. Ferner hielt der aus Indien stammende Buddhismus seinen Einzug in China. Um 65 v. Chr. bemühte man sich erfolgreich um die Wiederherstellung der 213 v. Chr. verbrannten und verlorengegangenen Literatur. Auch die chinesische Gartenkultur entwickelte sich maßgeblich weiter.
Die Wirtschaft erlebte einen Aufschwung, erkennbar durch explodierenden Seiden-, Lack- und Jadeexport und eine Vielzahl von Erfindungen (Stahlerzeugung, Fallschirm, Dezimalbruch, Schiffsruder, Handkurbel, Messschieber, Schubkarre, Kettenpumpe, Hängebrücke, Tiefenbohrung nach Erdgas, Rotationsworfelmaschine, Drillmaschine, Papier, Wassermühle, Seismograph u.a.). Der heimlich ausgeführte chinesische Stahl z.B. wurde sogar bei den Römern als serisches Eisen gelobt.
Die wichtigen Wirtschaftszweige Eisen und Salz waren gut ein Jahrhundert lang Staatsmonopole (seit 117 v. Chr.). Es gab allerdings auch private Unternehmen von reichen Kaufmannsfamilien, z.B. auf dem ebenso bedeutsamen Gebiet der Seidenproduktion. Die chin. Beamten bemühten sich ferner, die Anbauflächen zu vergrößern, intensiver zu bewirtschaften und die Nomadenstämme an den Grenzen zum Ackerbau zu überreden.
Die wachsende Wirtschaftskraft Han-Chinas und seine politisch-militärische Expansion begünstigten den Handelsverkehr zwischen den chinesischen Ländern und diversen Regionen Asiens. Konkret breitete sich Han-China im Rahmen des Krieges mit den Hsiung-nu und ihren Vasallen (102/101 v. Chr. und 73 - 94, letzteres unter General Pan Chao) entlang der Seidenstraße aus. Dem folgte eine Ansiedlung chinesischer Soldaten (die sich hier als Bauern in sogenannten Militärkolonien tuntian selbst versorgten) und ein Strom von Zwischenhändlern in diese Region. Die Loyalität der besiegten Nomaden erkaufte man sich mit umfangreichen Geschenken, die über 1/6-tel der Gesamteinkünfte Chinas (einschließlich der des Kaisers) ausmachten.
Eine ähnliche Expansion vollzog sich in den Tropen-Gebieten, wo man über Kanton und Nordvietnam die Anbindung an den indo-iranischen Seehandel schaffte. Es entstanden erste Kontakte Han-Chinas nach Persien und sogar zum Römischen Reich. So tauchten Gesandte der Römer (Land "Da Qin") erstmals zur Zeit von Marc Aurel in China auf (166, dann 226, 284). Indische Gesandtschaften erreichten zwischen 89 und 105 den Hof, für 132 erwähnte man offizielle Beziehungen nach Java.
Zwischenperiode der Wang
Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Erfolge wurden im Laufe der Zeit reiche Provinzfamilien immer einflussreicher, insbesondere wenn sie die Landwirtschaft mit industriellen Unternehmungen und Handel kombinieren konnten. Eine Familie namens Zhuo in Chengdu beschäftigte z.B. 800 Handwerkssklaven (Eisen, Lacke, Textilien), betrieb Salzhandel und besaß riesige Ländereien.
Unnötig zu erwähnen, dass dieser wirtschaftliche Erfolg über Darlehen und Wucherzinsen zur Enteignung der kleinen Bauern führte, was auch die hohe Zahl von "Sklaven" (u.a. Strafverurteilte und zahlungsunfähige Schuldner) erklärt. Kaufleute stellten ihren Reichtum offen zur Schau, so dass es zeitweise Verbote hagelte. Als das nichts half, erhob man Abgaben auf Schiffe und Wagen und führte o.g. Staatsmonopole ein. Trotzdem geriet das gesellschaftliche Gleichgewicht durcheinander, was sich zur Regierungszeit des Wang Mang (reg. 6-23) im Bürgerkrieg entlud.
Der Sturz der Frühen Han-Dynastie vollzog sich durch die Familie Wang, d.h. die einer Kaiserin. Deren Neffe Wang Mang riss mit ihrer Erlaubnis die Regierung an sich und ernannte sich im Jahr 6 schließlich selbst zum Kaiser. Er wurde durch den gleichzeitigen Bauernaufstand der "Roten Augenbrauen" und dreier Han-Prinzen 23 gestürzt. Von den Han-Prinzen bestieg Liu Xiu (Kaiser Guang Wu) in mehreren Kämpfen 25 den Thron und begründete die Späte Han-Dynastie.
Die Thronbesteigung der Späten Han löste die angesammelten Probleme nicht, sie vertagte sie nur. Im Prinzip waren es die Großgrundbesitzer, welche die Späten Han-Kaiser unterstützten, während die Frühen Han noch die Kleinbauern als Gegengewicht zu den Lehensträgern und reichen Familien benutzt hatten.
Zur Zeit der Späten Han kam es zu zunehmenden Bevölkerungsverschiebungen von Norden nach dem Roten Becken in Szechuan und dem Yangtse. Der Grund waren die Unruhen unter den ehemaligen Nomaden (Süd-Hsiung-nu, Proto-Tibeter) - um 107 erwog man schon einen allgemeinen Rückzug im Nordwesten. Die so entwurzelten Bauern und ehemaligen militärischen Siedler waren auf Landsuche, vermehrten die Arbeitskräfte im Süden und wurden von den reichen Großgrundbesitzern abhängig, die riesige Vermögen anhäuften und eigene Milizen aufstellten.
Der Untergang der Späten Han-Dynastie kam zur Regierungszeit von Kaiser Ling-ti (168-189) zunächst mit Unruhen und Banditentum. Dann brach 184 unter den Zhang-Brüdern der religiös-soziale Bauernaufstand der "Gelben Turbane" aus, deren Armee sofort 360 000 Mann umfasste. Er führte zum Machtzuwachs der Soldateska und somit 189 indirekt zum Staatsstreich. Dazu gesellte sich die sozial-religiöse Bewegung "Fünf-Reisscheffel" des Zhang Daoling, die ab 190 ebenfalls ein unabhängiges Territorium kontrollierte.
Unter dem letzten Han-Kaiser Xian-Di (190-220) herrschte bereits entsetzliche Anarchie, so dass sich General Cao Cao 196 der Person des Kaisers bemächtigte und das Reich durch ein Bündnis mit den Süd-Hsiung-nu zu retten versuchte, während sich andere Generäle für unabhängig erklärten und unter der Beratung von Zhuge Liang gegen Cao Cao antraten. Als Cao-Cao kurz vor seiner eigenen Thronbesteigung starb, dankte Xian-Di ab. Die Zeit der drei Reiche begann.
Verweise
- Kaiser der Han-Dynastie
- Gesellschaft zur Zeit der Han-Dynastie (Theorien über die Entstehung der Eigenart der chinesischen Gesellschaft)
- Zeittafel China
- Gartenkunst in China
- Westliche Han-Dynastie
- Östliche Han-Dynastie
Weblinks
- [http://www.sino-liedtke.de/Chin__Geschichte/Han_Dynastie/han_dynastie.html Texte über die Han-Dynastie]
- [http://www.jaduland.de/asia/china/text/han.html Text über die frühen Han]
- [http://www.jaduland.de/asia/china/text/han1.html Text über Wang Mang und die späten Han]
- [http://www.uglychinese.org/han.htm Englisch geschriebene Ostasienseite]
Han
ja:漢
ko:한나라
Zeit der Streitenden ReicheZur gleichnamigen Zeit in der japanischen Geschichte siehe Sengoku-Zeit.
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Die Zeit zwischen 475 v. Chr. und 221 v. Chr. wird in der chinesischen Geschichte als die Zeit der streitenden Reiche bezeichnet. Die Aufteilung der Zeit von 770 v. Chr. bis zur Einigung Chinas durch die Qin-Dynastie im Jahre 221 v. Chr. in den beiden Perioden Zeit der Frühlings- und Herbstannalen sowie Zeit der kämpfenden Staaten kann bis auf die Han-Dynastie zurückgeführt werden. Diese Aufteilung ist jedoch eher traditioneller Natur, da ein einschneidendes Ereignis dafür nicht gefunden werden kann. Deswegen hat es in der Geschichte auch Streit darüber gegeben, wann diese Teilung tatsächlich zu setzen sei. Ein bedeutendes Geschichtsbuch aus der Song-Dynastie (资治通鉴, Zī Zhì Tōng Jìan) setzte die Teilung zum Beispiel auf das Jahr 403 v. Chr. und damit über 70 Jahre später.
Die Zeit der kämpfenden Staaten war eine wirre Zeit. Die Autorität des Königs der östlichen Zhou-Dynastie war völlig verloren gegangen. Später nannten sich die Fürsten selbst Könige und setzten sich somit mit den Zhou-Königen gleich. Zu Anfang der Periode gab es in den heutigen chinesischen Gebieten etwa 16 dieser Fürststaaten, dazu kamen noch die Nomadenvölker im Norden und Stämme im Westen, die ebenfalls eine Rolle in der Politik jener Zeit spielten. Etwa in der Mitte der Periode blieben sieben stärkeren Fürstenstaaten übrig, die um die Beherrschung des gesamten Landes kämpften. Schließlich ging aus diesem Kampf Qin als der stärkste hervor und konnte die anderen sechs vernichten. Qins Vereinigung Chinas gilt bei den Historikern als das Ende der Antike in China und als Beginn der Zeitalter der Kaiserdynastien.
Die Periode der kämpfenden Staaten, wie auch die Periode davor, die Zeit der Frühlings- und Herbstannalen, war eine Zeit der Umwälzung und der Veränderung. Traditionen wurden umgeworfen, neue Ideen entstanden. Die Konkurrenz zwischen den Staaten um bessere Technologien, Verwaltung und Ideen ließ Philosophie, Literatur und Wissenschaft aufblühen. Handel und Städte entwickelten sich zu bis dahin ungesehener Größe. Viele heutige chinesische Städte entstanden zu jener Zeit.
Geschichtlicher Überblick
östlichen Zhou-Dynastie
Zu Anfang der Periode existierten etwa 16 Fürstenstaaten. Das Königshaus der Zhou war zu dieser Zeit bereits in die Bedeutungslosigkeit versunken. Im Jahr 403 v. Chr. geschah ein großes Ereignis, und zwar die Teilung des Staates Jin (晋) in drei Staaten Wei (魏), Zhao (赵) und Han (韩). Obwohl diese Teilung erst im Jahre 403 v. Chr. geschah, wird sie meistens als ein Ereignis der späten Frühlings- und Herbstzeit behandelt. Jin war der stärkste Staat aus der Frühlings- und Herbstzeit. Durch innere Konflikte jedoch hatte sich das Fürstenhaus selbst vernichtet, so dass das herrenlose Land unter den drei Mächtigen des Staates aufgeteilt wurde. Traditionell verbanden diese drei Staaten gute Beziehung zu einander. Neben Wei, Zhao und Han zählten noch die Staaten Qi (齐), Yan (燕), Chu (楚) und Qin (秦) zu den mächtigsten Parteien dieser Periode. Um die Mitte der Periode haben sie dann die restlichen Staaten alle einverleibt. Der Name kämpfende Staaten meinte hauptsächlich diese sieben Staaten.
Wei war der erste Staat, der gesellschaftliche Reformen einleitete. Allen voran wird das Beamtensystem reformiert. So soll ein Amt nicht mehr von Vater auf den Sohn weitergegeben werden, statt dessen sollen nur die fähigen Menschen ein Amt übernehmen, dabei wird nicht mehr auf Herkunft geachtet, so dass selbst Nichtadlige ein hohes Amt bekleiden konnten. Auch im Militär wird die Tradition unterbrochen, derzufolge nur Adlige als Offizier dienen dürfen. Der Rang eines Offiziers wird nach seinem Erfolg gehoben oder gesenkt. Selbst normale Soldaten können so aufsteigen. Dazu werden die Bauern ermutigt, mehr Getreide anzubauen. Schließlich wird das Justizwesen reformiert. Ein Gesetzesbuch wurde ausgegeben. Dadurch soll die Rechtsprechung vereinheitlicht werden.
Die Reformen in Wei bewirkten eine Stärkung des Staates, so dass Wei bald zum stärksten Staat wurde. Das Beispiel wurde sofort von den anderen Staaten nachgeahmt, allen voran Chu und Qin. Chu und Qin waren zwei Staaten am Rand des damaligen chinesischen Gebietes. Chus Zentrum befand sich südlich des Jangtsekiang. Es gehörte ursprünglich gar nicht ins Territorium von Zhou. Qin wurde erst zu Beginn der östlichen Zhou-Dynastie zu einem Fürstenstaat erhoben. Er befand sich an der nordwestlichen Grenze des Landes. Beide Staaten wurden damals als Halbbarbaren betrachtet und sogar belächelt. Qins Reform war am radikalsten. So wurde die Bindung der Bauern an das Land aufgehoben, und das Belehnungssystem völlig aufgehoben. Statt dessen wird das Land direkt an die Bauern verteilt. Damit wurden die Bauern de facto befreit und erlangten persönliche Freiheit. Beamte werden nicht mehr mit Land belehnt, statt dessen wird ihnen ein Sold gegeben. Dieses System stärkte zugleich auch die Loyalität der Beamten, da sie ohne ihr Amt keine Lebensgrundlage mehr haben. Der Militärdienst wird besonders betont. Adlige, die keine militärische Erfolge aufweisen können, verlieren automatisch ihren Stand. Im Militärdienst wird die Belohnung durch getötete Feinde bestimmt. Wer mehr Feinde tötet, bekommt mehr Belohnung, die auch als Erhebung in den Adelsstand ausgedrückt werden kann. Auch hier wird das Justizwesen reformiert. So gelten die Gesetze für alle Menschen. Zwar genießen Adlige, und das heißt bei Qin jene, die besonders im Militärdienst ausgezeichnet waren, eine Milderung der Strafe, dennoch werden auch sie mit gleichem Recht gemessen. Durch die Abschaffung des Lehnsystems muss die Verwaltung des Landes ebenfalls geändert werden. Dafür werden die Verwaltungseinheiten Landkreis (县) eingeführt. Die Reformen hatten den Grundstein für die spätere Einigung Chinas durch Qin gelegt.
Zur Mitte der Zeitperiode wurden alle restlichen kleineren Staaten von den Großen annektiert, so dass die Pufferzone zwischen diesen Staaten wegfielen. Der Kampf zwischen ihnen wurde erbitteter geführt. Besonders die militärische Stärke von Qin wurde immer deutlicher, so dass zeitweise die anderen sechs Staaten Bündnisse gegen Qin schlossen. Durch geschickte Diplomatie, Einschüchterung, Bestechung und auf Grund von Opportunismus, Rivalitäten unter einander und Kurzsichtigkeit vieler Herrscher konnte Qin jedoch immer wieder diese Bündnisse sprengen.
247 v. Chr. kam der 13-jährige Zheng auf den Thron des Qin-Königs. Mit 22 erlangte er die volle Regierungsmacht und begann seinen Eroberungskrieg. 230 v. Chr. wurde Han als der schwächste Staat zuerst Opfer der Qin-Armee. 228 v. Chr. wurde die Hauptstadt von Zhao eingenommen und der König gefangengenommen. Ein Prinz konnte zwar flüchten und weiter Widerstand leisten, doch auch er wurde 222 v. Chr. gefangen. Ein Attentat auf den Qin-König, initiiert von dem Kronprinz von Yan, nahm der Qin-König als willkommenen Anlass für den Angriff auf Yan. Yans Hauptstadt fiel 227 v. Chr.. 225 v. Chr. griff Qin Wei an, nach einer dreimonatigen Belagerung der Hauptstadt gab der König von Wei auf. 224 v. Chr. kam das im Süden liegende Chu an der Reihe. Als schließlich 221 v. Chr. Qins Armee in Qi einfiel, begegnete sie kaum noch Widerstand.
Nach der Einigung des Landes ließ König Zheng sich zum Ersten Kaiser von China ausrufen und gründete die erste Kaiserdynastie der Qin.
Wirtschaft
Während der Periode der kämpfenden Staaten haben fast alle Staaten Reformen durchgeführt, die das Lehenssystem abschafften und die Bauern von ihrer Bindung an das Land befreiten. Die riesigen Farmbetriebe wurden zusehends durch Familienbetriebe in der Landwirtschaft ersetzt. Dementsprechend musste auch das Steuersystem reformiert werden. Fortan mussten die Bauern je nach Landbesitz Steuern an den Staat entrichten.
Eine besondere Blüte erlebte der Handel. Der Reichtum mancher Händler konnte mit dem der Könige verglichen werden. Sie unterhielten Handelsstationen und Informationsnetze in mehreren Staaten. Dem Händler Lü Buwei wurde sogar die Stellung eines Großwesirs von Qin angeboten.
Im Handwerk erlangten besonders Salz- und Erzgewinnung große Bedeutung.
Wissenschaft und Technik
Die größte technische Erneuerung während der kämpfenden Staaten war die verbreitete Einführung von Eisenwerkzeuge. Nicht nur im Handwerk, sondern auch in der Landwirtschaft und in der Militärtechnik wird Eisen der vorherrschende Werkstoff und löst Bronze ab.
Aus der Zeit der kämpfenden Staaten waren einige sehr bedeutende Bewässerungsanlagen überliefert worden, unter anderen die Dujiangyan-Anlage (都江堰, Dū Jiāng Yàn), die bis heute das Frühlingshochwasser und die Sommertrockenheit von der Kesselebene von Sichuan abwendet. Bruchstücke des großen chinesischen Kanals werden bereits in dieser Zeit angelegt.
Zur Verteidigung gegen die Nomaden aus dem Norden haben die drei nördlichen Staaten Qin, Zhao und Yan eine Mauer errichtet. Sie bildet die Grundlage der späteren großen Mauer.
Zur Zeit der kämpfenden Staaten entdeckten die Chinesen die Benutzung eines Magnets für die Anzeige der Richtung. Sie fertigten aus Magnet einen Löffel und platzierten ihn auf eine glatte Kupferplatte. Der Löffel wurde so geformt, dass sein Griff stets Richtung Süden zeigte.
In der Medizin wurde die Anwendung der Akupunktur zum ersten Mal festgehalten.
Kriegsführung war zur Zeiten der kämpfenden Staaten für die damaligen Staaten lebenswichtig. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass zu dieser Zeit viele Neuerungen in der Kriegsführung eingeführt worden waren. Durch die Befreiung der Bauern aus ihrer Gebundenheit an das Land sowie die Öffnung des Militärdienstes auch für sie steigt die Zahl der Fußsoldaten. Die Armee zu Fuß wird die vorherrschende Truppengattung. Yan war der erste Staat, der die Kavallerie einführte, die Technik wird von den Nomaden adaptiert. Schnell lösten die schnellbeweglichen Reiter die Streitwagen ab. Während der Zeit der kämpfenden Staaten wurde die Armbrust in China erfunden. Zudem gab es auch Verbesserungen in Belagerungs- und Verteidigungstechniken, die dazu führten, dass zum Beispiel Städte jahrelang belagert wurden.
Kultur
Die Zeit der kämpfenden Staaten war eine Blütezeit der chinesischen Philosophie. In einer Atmosphäre, in der die Fürstenhäuser miteinander um Macht, Technologien und Ideen konkurrierten, zogen viele dieser Denker mit ihren Schülern und Gefolgschaften von Staat zu Staat, in der Hoffnung, einen Herrscher zu finden, der Gefallen an ihren Ideen fand. Viele dieser Philosophen waren auch begnadete Schriftsteller und haben zahlreiche Werke hinterlassen, die bis heute Unterrichtsstoff für das antike Chinesisch in den chinesischen Schulen sind.
Besonders hervorzuheben sind an dieser Stelle die Gedichte des Chu-Poeten Qu Yuan (屈原, 340 v. Chr. bis 278 v. Chr.), dessen Werk für jene Epoche einzigartig ist. Statt der damals gängigen Gedichte aus nur vier Schriftzeichen und relativer Kürze schrieb Qu Yuan sehr lange und relativ freie Gedichte, die voller Emotionen sind. Von den etwa 20 ihm zugeschriebenen Gedichte sind vor allem Der Kummer der Trennung (离骚, Lí Sāo) und Fragen an Himmel (天问, Tiān Wèn) besonders hervorzuheben. In Der Kummer der Trennung drückte er seinen Schmerz durch die Trennung von seinem geliebten König aus. In Fragen an Himmel werden die Verzweiflung des verfolgten Dichters mit Fragen an den Himmel dargestellt. Die emotionsvollen Zeilen sind für die damalige Verhältnisse einzigartig.
Aus der Zeit der kämpfenden Staaten stammen auch die ältesten Funde chinesischer Malerei.
Weblinks
Kategorie:Chinesische Geschichte
Kategorie:5. Jahrhundert v. Chr.
Kategorie:4. Jahrhundert v. Chr.
Kategorie:3. Jahrhundert v. Chr.
ja:戦国時代 (中国)
ko:전국시대
Dao
Schreibweisen
Pinyin: dào (dao4)
Wade-Giles: tao (tao4)
Chinesisch: 道
Japanisch: 道; Onyomi: どう (dō, dou), とう (tō, tou); Kunyomi: みち (michi)
Koreanisch: 도 do
Dào bedeutet wörtlich aus dem Chinesischen übersetzt „Weg“, „Straße“, „Pfad“ und in der klassischen Zeit Chinas nahm es die Bedeutung von „Methode“, „Prinzip“, „der rechte Weg“ an, was der Bedeutung des Wortes im Konfuzianismus entspricht. Diese Übersetzung ist allerdings nur eine sehr grobe Annäherung an den abstrakten Gehalt des Wortes im daoistischen Kontext, denn im Dàodéjīng des Lǎozǐ wurde der Begriff des Dào zum ersten mal als eine Art von transzendenter höchster Wirklichkeit und Wahrheit dargestellt.
Das chinesische Schriftzeichen für „Dào“ setzt sich zusammen aus dem Zeichen für „Kopf“ (首 shǒu) und einem so genannten Radikal oder Determinativum 辶, welches „gehen“ (辵 chuò) bedeutet. Wahrscheinlich sollte Dào besser als unübersetzbarer, eigenständiger Begriff gebraucht werden, da die Inhalte dieses Begriffes zu umfassend sind, um sie in einem Wort übersetzen zu können.
『吾不知其名。字之曰道』
Ich kenne seinen Namen nicht,
darum nenne ich es Dào.
(aus Kapitel 25 des Dàodéjīng (道德經) von Lǎozǐ (老子))
Dào bezeichnet in der daoistischen chinesischen Philosophie ein ewiges Wirk- oder Schöpfungsprinzip, das für den Ursprung der Einheit und Dualität und damit für die Entstehung der Welt („Zehntausend Dinge“) verantwortlich ist. Aus Dao entstehen die Polaritäten Yīn und Yáng und dadurch die Gegensätze, aus deren Zusammenspiel, Wandel, Bewegung und gegenseitiger Durchdringung die Welt entsteht.
Dào ist allumfassend und beinhaltet sowohl die dualistischen Bereiche der materiellen Welt, als auch die transzendenten Bereiche jenseits der Dualität. Das Dào ist also sowohl ein Prinzip der Immanenz als auch der Transzendenz. Es stellt den höchsten Seinszustand dar. In seiner transzendente Funktion, als undifferenzierte Leere ist es die Mutter des Kosmos, als immanentes Prinzip das was alles durchdringt.
Gemäß Lǎozǐ bringt das Dào die Einheit hervor, die Einheit bringt die Zwei hervor, diese die Drei und diese die manifestierte Welt der zehntausend (≅ aller) Dinge (萬物/万物/wànwù). Dies deutet darauf hin, dass das Dào die Potentialität aller Formen ist, denn es ist mehr als die Einheit. Gleichzeitig ist es aber die Kraft, die den ganzen Schöpfungsprozess und die Schöpfung durchzieht. Da das Dào alles umfasst, auch die Gegensätze von Leere und Dasein (無/无/wú, 有/yǒu), ist es in intellektuellen Begriffen eigentlich unbeschreiblich, weshalb den Erklärungen der chinesischen Philosophie immer das Paradoxe anhaftet. So kann vom Dào nicht gesagt werden, es besitze eine Existenz, denn das hieße, seine Nicht-Existenz oder Leere auszuschließen, doch sagte man, es existierte nicht, so würde man seine Erscheinung in der Fülle der manifestierten Welt leugnen.
In den Begriffen der klassischen daoistischen Literatur erscheint das Dào als unergründlicher, weiter und ewiger reiner Geist, der die Mutter des Kosmos ist. Auch ist es das alles Durchdringende, das Umfassende und das Ziel der Existenz. Es ist selbst Nichtsein, aber auch der Ursprung des Daseins. Es ist ohne Aktivität und Absicht, jedoch gehen die Dinge aus ihm hervor und erhalten ihre Ordnung durch das Dào. Es bewirkt jeglichen Wandel und ist doch selbst leer und ohne Aktivität. Es ordnet ohne zu herrschen und jedes Wesen und jedes Ding besitzt sein eigenes Dào, seinen eigenen Weg, weshalb es als weise angesehen wird, dem Dào zu folgen, indem man Nichthandeln, Wú Wèi (無謂/无谓), praktiziert, denn das Dào ordnet von selbst und man sollte in diese natürliche Ordnung nicht eigreifen.
Das Dào ist am ehesten als ein umfassendes Weltprinzip zu verstehen, das dem Menschen rein rational nicht zugänglich ist. Der Mensch soll dieses Prinzip möglichst wenig durch bewusstes Handeln und Streben stören, sondern in mystisch-intuitiver Weise im Einklang mit diesem Gesetz leben.
Doch nicht nur der Mensch hat Teil am Dào, sondern jedes Ding und Wesen hat sein eigenes Dào, seinen eigenen Weg. Jedes Wesen ist auf seinem Weg einmalig in seinen Wandlungen und Entwicklungen und durch diesen ständigen Fluss offenbart sich das Dào als Bewegung und Wandlung, die auf die Erfahrung von Existenz hindeutet und nicht auf das Verständnis starrer intellektueller Konzepte.
In den Kommentaren zum I Ging (Yì Jīng, 易經) wird dieses Urprinzip Tài Jí (太極/太极) genannt. Der Begriff Dào wurde von Lǎozǐ im Dàodéjīng als Synonym für Tàijí eingeführt. Allerdings existierte er schon vor dem Dàodéjīng und auch Konfuzius (Kǒngzǐ, 孔子) benutzt ihn, allerdings im Sinne von „der (rechte) Weg zu handeln“, aber erst Lǎozǐ gab dem Begriff Dào die umfassende Bedeutung des absoluten Wirkprinzipes.
In der Geschichte des Daoismus wurden auch noch andere Gestaltungen umfassender Prinzipien mit dem Dào in Verbindung gebracht. So ist es Tàixū (太虛), die große Leere, als auch Tàiyì (太易), das Wandlungsprinzip, und in einer begrenzten Form auch Tiān (天), der Himmel, die Quelle und Ausdruck der Ordnung. Das Dào als immanentes Prinzip, das alles Sein durchdringt, ist ein Prinzip der Wandlung (Yì, 易) und des Fließens (Qì, 氣/气), jedoch nicht in chaotischer Form, denn auch die natürliche Ordnung der Dinge wird durch das Dào bewirkt und die Wandlungen des Dào sind zyklisch.
In der traditionellen chinesischen Kultur ist Dào ein Schlüsselprinzip für viele Bereiche der Wissenschaft und der Kunst (z.B. Kampfkunst, Medizin, Kriegskunst, Malerei, Kalligraphie, Teezeremonie). In den japanischen Künsten ist die Namenssilbe DŌ (=Dào), neben ihrer wörtlichen Bedeutung „Weg“, auch ein Hinweis auf die spirituellen Dimensionen und den Einfluss des Dào auf die Praxis der einzelnen Disziplinen (z.B. Budō (武道), Bushidō (武士道), Kendō (剣道), Iaidō (居合い道), Kyūdō (弓道), Aikidō (合気道), Jūdō (柔道), Sadō (茶道), Shodō (書道), Kadō (花道)).
Durch die Auflösung der Gegensätze (z.B. durch Meditation) kann der Dào-Praktizierende (siehe Daoismus) Dào erfahren - beschreiben kann man Dào nach Lǎozǐ jedoch nicht.
『道可道。非常道。名可名。非常名 無名天地之始。有名萬物之母』
Das nennbare Dào - ist nicht das absolute (ewige/dauerhafte) Dào.
Der nennbare Name - ist nicht der absolute (ewige/dauerhafte) Name.
Das Namenlose ist der Ursprung des Universums (von Himmel und Erde).
Das Benannte ist die Mutter aller Dinge (der zehntausend Dinge).
(aus Kapitel 1 des Dàodéjīng (道德經) von Lǎozǐ (老子))
Literatur
- Jean C. Cooper: Was ist Daoismus? ISBN 3-502-62112-8
Weblinks
- [http://www.canonical.org/~kragen/tao-of-programming.html The Tao of Programming] (Scherztext der das Daodejing in einen Informatikkontext setzt)
- [http://www.tao-te-king.org/index.html 老子/Lǎozĭ: 道德經/Dàodéjīng trilingual: Pīnyīn/Chinese + English + German, word-by-word]
Siehe auch:
Laozi,
Daoismus,
I Ging,
Taiji,
Yin und Yang,
Konfuzianismus,
5 Elemente
Kategorie: Chinesische Philosophie und Religion
Kategorie: Daoismus
ja:道 (哲学)
DaodejingDas Daodejing () ist eine Sammlung humanistischer sowie metaphysischer Aphorismen und Sinnsprüche, die dem legendären Weisen Laozi zugeschrieben wird. Sie entstand um 400 v. Chr. in China. Die heutige Textgestalt stammt aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Das Buch wird auch nach seinem Autor "Laozi" genannt.
Dao (Tao) bedeutet „Weg, Methode, Prinzip, der rechte Weg“ oder „Sinn“, De (Te) kann man mit „Kraft, Wirkkraft, Leben, Charisma“ oder „Tugend, Güte, Qualität“ übersetzen, und Jing (King) bezeichnet einen Leitfaden bzw. einen klassischen Text. Schon an den beiden namengebenden Begriffen zeigt sich die Bedeutungsvielfalt altchinesischer Schriftzeichen. Diese beiden werden jedoch in einer eher algebraischen Weise verwendet, auf ihre eigentliche Bedeutung möchte das Buch hindeuten. Es offenbart eine vielschichtige Naturanschauung und Lehre, die sich sowohl an den Herrscher des Landes richtet, als auch an den Einzelnen, der sich berufen fühlen mag, "den natürlichen Lauf der Dinge" zu fördern.
Das Werk gilt als die Gründungsschrift des Daoismus. Obwohl dieser verschiedene Strömungen umfasst, die sich von der Lehre des Daodejing erheblich unterscheiden können, wird es von den Anhängern aller daoistischen Schulen als heiliger Text angesehen.
Daoismus
Urheberschaft und Textgestalt
Hauptartikel: Laozi
Der Name Laozi heißt wörtlich übersetzt „der alte Meister“ und bezeichnet den Autor des Daodejing. Seine Biografie ist von Legenden umrankt und äußerst umstritten. Ob es einen Denker namens Laozi wirklich gegeben hat, wird heute daher angezweifelt.
Der chinesischen Tradition zufolge soll Laozi zur Zeit der Streitenden Reiche im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben, die von Unruhen und Kriegen geprägt war. Es war eine Blütezeit der chinesischen Philosophie, weil viele Gelehrte sich Gedanken machten, wie wieder Frieden und Stabilität erreicht werden könnten.
Der Legende nach war Laozi ein kaiserlicher Archivar und Bibliothekar. So wird erzählt, dass Konfuzius ihn aufsuchte, um von ihm zu lernen. Um den Wirren der Zeit zu entfliehen, soll Laozi sich in die Einsamkeit der Berge zurückgezogen haben. Der Grenzwächter des Bergpasses forderte ihn jedoch auf, der Welt seine Weisheit nicht vorzuenthalten, woraufhin Laozi das Daodejing schrieb und dem Grenzwächter überreichte. Diese Legende fußt allerdings wahrscheinlich ebensowenig auf Tatsachen wie die anderen Teile der Biographie des "alten Meisters".
Zeit: Über die genaue Entstehungszeit des Daodejing gehen die Meinungen der Forschung sehr auseinander: Die Mutmaßungen reichen von 800 bis 200 vor Christus. Wahrscheinlich ist der Text aber um 400 v. Chr. entstanden. Zwar finden sich Zitate aus dem Daodejing in vielen anderen Überlieferungen dieses Zeitraums, es lässt sich aber nicht mit Sicherheit klären, wer wen zitiert hat. Es enthält eine Handvoll expliziter Zitate, jedoch nicht die Namen der Urheber. Und es enthält keinerlei historische Bezüge. Deshalb ist die Zeitbestimmung für die Auffassung des Textes unwichtig.
Form: Den Titel Daodejing bekam das Werk erst von dem Han-Kaiser Han Jindi (156–140 v. Chr.). Auch die heute gebräuchliche Einteilung in 81 Abschnitte erhielt der Text wahrscheinlich erst lange nach seiner Entstehung. Man vermutet, dass der Text die schriftliche Fassung einer älteren mündlichen Überlieferung ist und er weitere Überlieferungen aufgegriffen und integriert hat.
Die überlieferte Form des Textes ist nicht die einzige, die je existierte. In einem Grab in Mawangdui wurde eine Textfassung gefunden, die aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. stammt und teilweise vom tradierten Text, der erst später fixiert wurde, abweicht. Auch gibt es den vor kurzem entdeckten, sogenannten Guodian-Text, der aber noch nicht genügend in der Fachliteratur Beachtung gefunden hat, um daraus Schlüsse ziehen zu können.
Merkmale: Das Daodejing stellt sowohl eine Art Leitfaden zur Persönlichkeitsentwicklung als auch einen politischen Leitfaden zur Haltung des Herrschers und zur Entwicklung des Staates dar. Sein Stil und Wortschatz sind typisch für das klassische Chinesisch. Die durch die linguistische Struktur des klassischen Chinesisch bereits vorhandene Informationsdichte wird durch die Form des Textes als Gedicht noch verstärkt. Es besteht eine extreme Kontextabhängigkeit zur Interpretation des Textes. Diese dichte Struktur wird durch rätselhafte Textstellen, die schwierig oder gar nicht zu verstehen sind, noch erhöht.
Übersetzungen
Der Text ist vermutlich einer der am häufigsten übersetzten chinesischen Texte. Es gibt allein über 50 deutsche und englische Übersetzungen. Der Umgang mit Übersetzungen dieses Textes ist problematisch: Schon im Chinesischen bereiten Überlieferungsschäden und inhaltliche Vieldeutigkeit den Interpreten Schwierigkeiten, weshalb mehrere hundert Kommentare zum Text entstanden sind. Durch die Übersetzung in eine andere Sprache verliert die Schrift nochmals an Klarheit und schließlich lässt es sich kaum vermeiden, dass der Übersetzer in dem Bestreben, einen lesbaren Text zu liefern, mit seiner Übersetzung zugleich eine Deutung vorlegt.
Den folgenden Ausführungen liegen diese Übersetzungen zugrunde:
1) Laotse: Tao te king, übersetzt von Richard Wilhelm, Jena 1911 (W)
2) Lao-tse: Tao-Tê-King, übersetzt von Günther Debon, Stuttgart 1961 (D)
3) Lao Tse: Tao-Te-King , übersetzt von Hans Knospe & Odette Brändli , Zürich 1985 (CH)
Dao und De
Der heutige Titel des Werks – „Das Buch vom Dao und vom De“ – verweist auf die beiden zentralen Begriffe der Weltanschauung und Lehre Laozi. Es gibt verschiedene Übersetzungen dieser beiden Wörter; relativ verbreitet sind „Weg“ für Dao und „Tugend“ oder „Kraft“ für De. Die Begriffe finden in allen Richtungen chinesischer Philosophie Verwendung, erhalten im Daodejing aber eine besondere Bedeutung. Hier wurde der Begriff Dao erstmals im Sinne einer höchsten Wahrheit und eines umfassenden Prinzips gebraucht.
Anders als andere chinesische philosophische Texte geht das Daodejing weder definitorisch noch anschaulich erklärend vor, sondern beschränkt sich auf dunkle, oft paradoxe Andeutungen und assoziative Verknüpfungen. Zum Beispiel behauptet der erste Satz des Textes gleich, dass das Dao, von dem man sprechen kann, nicht das ewige Dao sei. Trotzdem will das Daodejing natürlich auch vom ewigen Dao sprechen – aber das kann nur sehr indirekt geschehen.
Diese Art und Weise, wie der Leser die ganze Zeit um unbestimmte, leere Wörter, also um „nichts“ kreisen muss, um zu verstehen, entspricht dem wesentlichen Inhalt der Schrift: Es geht um ein Nichts, ein Unsagbares, Unbegreifbares, dass den Ursprung und Mittelpunkt der Welt bildet. Dieses „Nichts“ ist das Dao, von Wilhelm mit „Sinn“, von Debon mit „Weg“ übersetzt. Indem ein Mensch sein Leben nach dem Dao ausrichtet, erlangt er zunehmend De, von Wilhelm als „Leben“, von Debon als „Tugend“ übersetzt. Das De ist in der Sprache des klassischen Chinesisch ursprünglich eine Art Charisma oder Wirkkraft. Dies geht wahrscheinlich auf Vorstellungen einer Kraft zurück, wie sie im China der Shang-Dynastie mit der Gestalt der Schamanen assoziiert war, die eine magische Kraft besaßen, die heute und in älteren Zeiten mit dem Begriff des Qi (Ch'i) verbunden ist. Diese Kraft wird also erlangt, wenn man das Dao verwirklicht.
Das Werk versucht, sich diesem Unnennbaren sprachlich anzunähern. Immer wieder weist es jedoch darauf hin, wie unzulänglich dieser Versuch bleiben muss (z.B. Kapitel 5). Als Ursprung und Quelle allen Seins durchzieht das Dao alle Erscheinungen der Welt, es durchdringt als Prinzip alles, was es gibt. Da es immer in dieser Welt und gleichzeitig immer jenseits von dieser Welt ist, ist es Sein und Nicht-Sein zugleich. So ist es in allem wirksam und doch wie leer, es ist das Eigentliche und ist doch nichts. Diese paradoxe Aussage veranschaulicht Laozi anhand von Gleichnissen:
:Das Tao ist wie die Luft zwischen den Speichen des Rades, es ist nichts und doch das, was das Rad zum Rad macht. Es ist wie die Leere im Innern eines Topfes, durch die der Topf erst nützlich wird. Wie Löcher in der Wand als Tür und Fenster dienen, dient das Tao, indem es nicht ist. (Kap. 11)
Der Mensch, so Laozi, kann die Wirkung des Dao auf zweierlei Weise erkennen: Zum einen, indem er die Erscheinungen der Welt beobachtet und das Dao am Werke sieht; zum anderen, indem er seine Sinne verschließt und sich von allen Erscheinungen der Welt abkehrt. Auf diese Weise kann er das Dao unmittelbar erleben.
Gleichnissen
Von der ersten Weise zeugen die bei Laozi zahlreichen Gleichnisse aus Natur und menschlicher Gesellschaft: Das Wasser bahnt sich seinen Weg, indem es nachgibt und unten bleibt. Ein Mensch, der viel besitzt, zieht Räuber und Feinde an (Kap. 8 u. 9). Wer die Welt beobachtet, so vermittelt es Laozi, wird feststellen, dass sie sich unentwegt verändert, also stetem Wechsel unterworfen ist. In diesem Wechsel aber wird ein grundlegendes und unveränderliches Gesetz wirksam. Es ist das Gesetz vom Ausgleich der Gegensätze. (Schwer und leicht vollenden einander, lang und kurz gestalten einander, hoch und tief verkehren einander, Kap. 2). Hier greift Laozi eindeutig auf eine ältere Tradition zurück, wie sie im Yijing (I Ging), dem „Buch der Wandlungen“ festgehalten worden ist. Im Yijing wird das Treiben der Welt aus der Wechselwirkung von Yin und Yang erklärt, d.h. zweier gegensätzlicher, jedoch komplementärer Prinzipien, wovon das eine männlich, aktiv, hell etc. ist (Yang) und das andere weiblich, passiv, dunkel etc. (Yin).
Weithin bekannt ist das Symbol Taiji, welches symbolisch Yin und Yang in einem Kreis vereinigt. Der Kreis selbst symbolisiert die Ureinheit dieser beiden Kräfte, welche bei Laozi das Dao ist. Wer die Wechselwirkungen der äußeren Welt studiert und das dahinterliegende Prinzip erkannt hat, kann dieses Prinzip wiederum auf die Welt anwenden. (Was du vernichten willst, das musst du erst richtig aufblühen lassen. Wem du nehmen willst, dem musst du erst richtig geben. W36).
Ethik im Daodejing: das Nicht-Eingreifen
Eine Grundlage, die sich aus der Kenntnis um das Dao ergibt, ist das Nicht-Handeln (Wu Wei). Dieses Nicht-Eingreifen in allen Lebensbereichen erscheint dem westlichen Leser zunächst utopisch und weltfremd. Es beruht auf der Einsicht, dass das Dao, welches aller Dinge Ursprung und Ziel ist, von selbst zum Ausgleich aller Kräfte und damit zur optimalen Lösung drängt. Tun ist für Laozi ein Abweichen vom natürlichen Gleichgewicht durch menschliche Maßlosigkeit. Jede Abweichung hat darum eine Gegenbewegung zur Folge, die das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen sucht. (Das Unglück ist´s, worauf das Glück beruht, das Glück ist es, worauf das Unglück lauert. Wer erkennt aber, dass es das Höchste ist, wenn nicht geordnet wird? Denn sonst verkehrt die Ordnung sich in Wunderlichkeiten, und das Gute verkehrt sich in Aberglaube. Und die Tage der Verblendung des Volkes dauern wahrlich lange. W58) Indem der Mensch tut, was spontan den natürlichen Gegebenheiten entspricht, greift er nicht in das Wirken des Dao ein und wählt damit den segensreichen Weg.
Ein solcher Mensch lässt sowohl von persönlichen Wünschen und Begierden, als auch von gesellschaftlich anerkannten Zielen und Regeln ab. Insofern versucht er auch nicht mehr, moralisch gut zu sein. Moral ist bei Laozi bereits die Endstufe des Verfalls der Motive: Ist der SINN verloren, dann das LEBEN. ... dann die Liebe. ... die Gerechtigkeit. ... die Sitte. Die Sitte ist Treu und Glaubens Dürftigkeit und der Verwirrung Anfang. (W38) Die Regierung soll dem nicht Vorschub leisten: Tut ab die Sittlichkeit, werft weg die Pflicht, so wird das Volk zurückkehren zu Kindespflicht und Liebe. (W19)
Hiermit steht Laozi in starkem Gegensatz zu der einflussreichen Sittenlehre des Konfutse. Während jener Sitte und Gesetz als Ausformungen der letzten Wahrheit hochhielt und pflegte, verwarf dieser alle Sitten als Verfallserscheinungen. Erst wenn das Dao verloren sei, erfänden die Menschen Sitten und Gebote. Das Festhalten an den Sitten entferne den Menschen aber noch weiter vom natürlichen Tun (38). Desgleichen spricht Konfutse davon, bei der Führung des Staates seien zunächst die "Namen" (Worte) richtigzustellen, von denen Laozi wiederum sagt, sie seien nicht zu entbehren, um zu überschauen alle Dinge (W21), aber sie träfen nicht deren ewiges Wesen (1). Er empfiehlt den Verzicht: Macht selten die Worte, dann geht alles von selbst. (W23) Der SINN als Ewiger ist namenlose Einfalt. (W32) Aber viele Worte erschöpfen sich daran. Besser ist es, das Innere zu bewahren. (W5)
Ein Mensch, so Laozi, der von gewolltem Tun ablässt, wird nachgiebig und weich. Er stellt sich an die unterste Stelle und erlangt dadurch die Oberhand. Weil er weich und biegsam ist wie ein junger Baum, überlebt er die Stürme der Zeit; weil er nicht streitet, kann niemand mit ihm streiten. (66) Auf diesem Wege lebt ein Mensch in Übereinstimmung mit dem Ursprung des Lebens. Doch das Leben schließt auch den Tod in sich ein. Und doch heißt es bei Laozi, wer gut das Leben zu führen weiß habe keine sterbliche Stelle (W50).
Ethik im Daodejing: die Menschenliebe
Das Daodejing fordert aber nicht nur das Nicht-Eingreifen, sondern auch das Eintreten für den Mitmenschen, die Güte und Nachsicht, ähnlich der christlichen Nächstenliebe und Feindesliebe.
Dazu das Kapitel 62:
:Das Dao ist die Zuflucht der zehntausend Dinge.
:Es ist ein Schatz für den guten Menschen
:und ein Schutz für den schlechten Menschen.
:Durch Freundlichkeit wirst du geachtet,
:und gutes Tun schafft gute Beziehungen.
:Auch wenn ein Mensch schlecht ist,
:lass ihn nicht fallen.
:Aber schicke keine Geschenke, wenn der Kaiser gekrönt wird
:oder wenn die höchsten Minister ihre Ämter erhalten;
:sende auch kein Gespann mit vier Pferden,
:sondern verhalte dich ruhig
:und weise nur auf das Dao hin.
:Warum verehrten schon die Alten das Dao?
:Hieß es nicht,
:dass man mit Hilfe des Daos
:bekam, was man wollte,
:und die Folgen nicht zu tragen brauchte,
:wenn man einen Fehler beging?
:Darum verehrt die Welt das Dao.
Erfahrung des Dao und Erlangung des De
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