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MeditationMeditation (lat. meditatio = "das Nachdenken über" oder lat. medius = "die Mitte") ist eine Konzentrationsübung mit dem Zweck, einen veränderten Bewusstseinszustand oder letztlich sogar die Erleuchtung zu erreichen. Im älteren Sprachgebrauch bezeichnet "Meditation" einfach ein Nachdenken über ein Thema oder die Resultate dieses Denkprozesses. In manchen Religionen wird die Meditation als eine besondere Form des Gebets betrachtet.
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Unter Meditation kann man jede absichtslose Konzentration auf eine Tätigkeit oder einen Gegenstand verstehen. Die Konzentration wird dabei nicht durch den Verstand gesteuert, sondern ergibt sich als Folge der Versenkung. Die Tätigkeit kann aktiv manipulierend sein, es kann sich aber auch um innere Kontemplation eines Gegenstandes oder einer Idee handeln. Wesentlich ist in jedem Fall ein Zustand der "entspannten Aufmerksamkeit", förderlich ist eine Umgebung ohne Störreize, bzw. die Fähigkeit, seine Sinne ruhen zu lassen. Neurologisch geht ein meditativer Zustand oft mit einer Änderung des Hirnwellenmusters einher.
Es wird unterschiedlich diskutiert: Einerseits wird die Position eingenommen, dass das Ziel der Meditation vielfältig sei, andererseits wird vorgebracht, dass es bei dem Ziel der Meditation einzig darauf ankäme, sich als "eins mit dem Ganzen zu erleben".
Der Begriff Meditation wird als Beschreibung eines Zustands und auch als eine Technik des Meditierens benutzt.
Der Zustand, der erreicht werden soll, kann je nach Art der Meditation recht unterschiedlich sein. Insbesondere bei einigen Varianten der aktiven Meditation ist er kaum von den Begriffen Trance und Ekstase abzugrenzen.
Der Gegenstand der Meditation kann beinahe beliebig sein, so dass auch Musizieren oder sogar einfache, d. h. nicht Aufmerksamkeit fordernde Arbeiten auf meditative Art ausgeführt werden können. Einige der bekanntesten Meditationstechniken beziehen sich auf den Atem, die Beobachtung des Atems (Zen Meditationstechniken, Yoga). Andere wiederum wie in der christlichen Tradition verankerte auf das "Gehen" (z.B. Sankt Jakobs Weg in Spanien) oder das Arbeiten ("ora et labora").
Eine Meditationstechnik kann allein oder in einer Gruppe unter Anleitung durchgeführt werden.
Man kann die verschiedenen Meditationstechniken grob in zwei Gruppen einteilen, in die passive (kontemplative) Meditation und die aktive Meditation. Des Weiteren ist zu unterscheiden, ob äußere Reize (wie Musik oder Lichteffekte) und entheogene Substanzen eine Rolle spielen. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist oft nur die passive Form ohne äußere Reize mit dem Wort Meditation gemeint, andere Formen werden dann meist als Rituale, Übungen oder ähnliches beschrieben.
Meditation ist wesentlicher Bestandteil vieler Religionen, in denen das Sich-Versenken als Übung zur Annäherung an ein höheres Wesen ("Gott") oder einen höheren Bewusstseinszustand verstanden wird. Dabei ist es allerdings recht unterschiedlich, ob eine stille, passive Form oder eine aktive gewählt wird.
Stille Meditation
Die christlichen Traditionen von Jesusgebet und Eucharistie sind Techniken, die neben ähnlichen Gebets- und Konzentrationsübungen ursprünglich als Meditation bezeichnet wurden. Dieses Wort wurde dann später für die aus dem Osten importierten Techniken übernommen. Das führt manchmal zur Verwirrung, weil sich die verschiedenen Traditionen in Form und Wirkung zum Teil wesentlich unterscheiden.
Die stille (passive, kontemplative) Meditation ist vor allem im Hinduismus und Buddhismus, einigen Schulen des Daoismus sowie im Christentum verbreitet. Auch moderne, westliche Varianten folgen meist dieser Form. Eine Extremform der stillen Meditation bedient sich der Reizdeprivation, um eine Veränderung des Bewusstseinszustandes herbeizuführen.
Im Hinduismus und Buddhismus ist die Meditation (sanskrit: dhyana) ein zentrales Element. Sie wird traditionellerweise im Lotus-Sitz ausgeübt. Meditation hat vor allem als Bestandteil des Yoga Verbreitung gefunden.
Seit einigen Jahrzehnten wurde in den westlischen Ländern Meditation als Mittel gegen Zivilisationsfolgen wie Lärm, Hektik, Leistungsdruck und anderen Stress beliebt.
Autogenes Training dient der Entspannung und der Lenkung des Bewusstseins, wird aber in der Regel nicht als Meditation oder Yoga verstanden, weil Suggestionen eine größere Rolle als bei traditionellen Formen des Meditierens haben. Auch werden im klassischen Yoga mit der Meditation spirituelle Ziele verfolgt, wohingegen beim Autogenem Training medizinisch-therapeutische Aspekte eine größere Bedeutung haben. Therapeutische Meditation als ein Weg der Hypnotherapie gehört ebenfalls in diese Kategorie.
Musikalische Meditation
Viele Schulen verwenden rhythmische Klänge und Musik, um die Meditation zu erleichtern. In der christlichen Tradition sind das insbesondere Choräle, aber auch das Rosenkranz-Gebet kann ähnlich einem Mantra meditativ sein. Im Hinduismus und Buddhismus werden sowohl Mantras entweder lautlos, leise gesprochen oder als Gesänge (Chanting) benutzt. Die Gospels der Christen sind im Allgemeinen keine musikalischen Meditationen, da sie zwar Gesang beinhalten, aber hauptsächlich der Bestätigung des eigenen Glaubens dienen und zur Aufhellung der Stimmung beitragen. In einigen Formen kann der Gospel-Gesang aber durchaus zu einem Trance-Zustand führen.
Eine der aktiven Formen ist die durch Tanzen unterstützte "Meditation", die vor allem in der orientalischen Tradition (z. B. Dhikr im Sufismus, der islamischen Mystik) und bei vielen Naturvölkern zu finden ist. Hierbei werden meist sehr monotone Tanzbewegungen über lange Zeit ausgeführt, oft gestützt durch einen schnellen Trommelrhythmus oder durch Schellen oder Rasseln, die die Tänzer selbst tragen. Durch diese Technik ist es möglich, einen tranceartigen Bewusstseinszustand zu erreichen. Ob diese Techniken noch unter den Begriff der Meditation fallen ist allerdings unklar.
In diesem Sinne könnte man heutige Techno-Raves auch als musikalische Meditation betrachten. Die Musik besteht im wesentlichen aus schnellen, wiederkehrenden Rhythmen, und auch hierbei werden monotone Tanzbewegungen teils stundenlang ausgeführt.
Körperliche Meditation
Häufig wird auch eine körperliche Tätigkeit benutzt, um einer Meditation einen Fokus zu geben. Die einfachste Tätigkeit, die so benutzt wird, ist wohl das Gehen, das sowohl in der christlichen Kultur (bei verschiedenen Mönchsorden, etc.) als auch in der fernöstlichen Kultur Anwendung findet.
In der Tradition des Yoga werden verschiedene Körperhaltungen und Übungen, sowie Fasten und andere Arten der Askese verwendet, um die Meditation zu unterstützen. Im Zen-Buddhismus hingegen können ganz unterschiedliche Tätigkeiten Gegenstand der Meditation sein, wie z. B. das Blumenbinden (Ikebana), die Kalligraphie (Shodō) oder das Bogenschießen (Kyūdō).
Auch Kampfkünste können Gegenstand und Vehikel der Meditation sein: besonders in den daoistischen Traditionen der inneren Kampfkünste (z. B. Taijiquan) spielt der meditative Aspekt eine große Rolle. In manchen Stilen tritt dabei der kämpferische Ursprung fast völlig zurück. Auch in vielen der äußeren Kampfkünste werden meditative Praktiken geübt.
In einigen Traditionen, zum Beispiel beim so genannten roten Tantra, werden auch sexuelle Handlungen und Reize zur Meditation eingesetzt.
In neuerer Zeit (ab Ende 1970) hat Bhagwan Shree Rajneesh auch in seinem Ashram in Poona auf den "westlichen" Menschen zugeschnittene Meditationstechniken entwickelt. Hierunter fallen die Dynamische Meditation, die Kundalini-Meditation, die Nataraj-Meditation und die Nadabrahma-Meditation. Eine weitere im Westen bekannte Meditationsschule ist die Transzendentale Meditation (TM). Die Organisationen, die Kurse in diesen Meditationstechniken anbieten, sind umstritten.
Die medizinischen Wirkungen, wie sie die Gehirnstrommessungen sogar nachweisen, werden auch mit dem gemeinsamen Wortstamm mit "Med"izin gefunden: als das ursprüngliche Ziel der inneren Mitte. Früher waren Ärzte zugleich Priester.
Entheogene Meditation
Manche Kulturen setzen auch entheogene Substanzen (bewusstseinserweiternde Drogen) bei der Meditation ein. Dazu muss allerdings bemerkt werden, dass die Einnahme einer Droge allein i. A. nicht zu einem meditativen Zustand führt — hierzu sind auch die entsprechenden mentalen Techniken notwendig. Auch ist es bei vielen dieser Praktiken unklar, ob sie noch unter den Begriff der Meditation zu fassen sind.
Das Spektrum der verwendeten Substanzen ist sehr breit, und auch die erzielte Wirkung ist je nach Art und Dosis der Droge recht unterschiedlich. Es beginnt bei leichten Stimulanzien, wie zum Beispiel dem im Katholizismus verwendeten Weihrauch, über psychotrope Substanzen wie Cannabis, das vor allem bei den Rastafari zu religiösen und meditativen Zwecken eingesetzt wird. Auch bei dem Schwitzhüttenritual nordamerikanischer Indianer werden zum Teil psychoaktive Pflanzen angewandt. Starke Halluzinogene werden vor allem in schamanistisch geprägten Kulturen benutzt, um, meist in Verbindung mit einem Tanz oder ähnlichem Ritual, in einen Trance-Zustand einzutauchen.
Meditationsarten
- Autogenes Training
- Jesusgebet
- Mantra
- Qigong
- Samatha
- Tafeln von Chartres
- Taijiquan
- Transzendentale Meditation
- Vipassana
- Gehmeditation
- Zazen
- Kontemplation
Literatur
- Sakyong Mipham (Vorwort von Pema Chödrön): Wie der weite Raum. Die Kraft der Meditation, dtv 2005
Weblinks
- [http://www.zeit.de/2005/38/Dalai-Bewusstsein Dalai Lama: Mehr Licht im Labor! Über Meditation] - Dalai Lama in einem Beitrag der zeit.de/2005/38
- [http://www.kontemplation.at Sitzmeditation in der Stille]
- [http://www.bio.com/newsfeatures/newsfeatures_research.jhtml?cid=14400147 bio.com: Meditation Associated with Increased Grey Matter in the Brain (engl.)] - Bericht über eine in NeuroReport (16: 1893-1897, 2005) veröffentlichte Studie über die durch Meditation vermittelte Dickenzunahme bestimmter kortikaler Regionen des Gehirns
Kategorie:Buddhismus
Kategorie:Religion
Kategorie:Selbsthilfe
Kategorie:Spiritualität
Kategorie:Esoterik
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Kategorie:Zen
Kategorie:Yoga
ja:瞑想
Konzentration (Psychologie)Konzentration ist die willentliche Fokussierung der Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Tätigkeit, einen Reiz oder ähnliches, wobei lediglich auf das momentan Ausgeübte oder Empfundene, jedoch nicht auf Vorhergehendes oder Kommendes geachtet wird.
Konzentration erfordert Anstrengung und Energie und lässt daher naturgemäß mit der Zeit nach.
Bei der Aufmerksamkeitssteuerung werden verschiedene Prozesse unterschieden: die Wachheit (Vigilanz), also die Grundaufmerksamkeit, und die kritische Aufmerksamkeit.
Die Messung von Konzentration erfolgt mit Hilfe standardisierter Tests (Aufmerksamkeits-Belastungs-Tests), die die Fähigkeit abbilden, bestimmte Aufgaben über eine bestimmte Zeit hinweg durchzuführen. Die Auswertung erfolgt nach Menge der bewältigten Aufgaben und Anzahl der Fehler, die gemacht wurden.
Siehe auch: Daueraufmerksamkeit, Sorgfalt, Konzentrationsstörung, Hyperaktivität
Kategorie:PsychologieKategorie:Pädagogische Psychologie
ErleuchtungErleuchtung (ahd. arliuhtan - Lehnübersetzung zu lat. illuminare: „erhellen“, „erleuchten“) bezeichnet eine religiös-spirituelle Erfahrung, bei der das Alltagsbewusstsein eines Menschen überschritten wird und eine besondere dauerhafte Einsicht in eine, wie auch immer geartete, letztendliche Wirklichkeit erlangt werden soll.
In den Konzepten, was Erleuchtung ist und wie Erleuchtung erlangt werden kann, gibt es in den Überlieferungen der Religionen erhebliche Unterschiede. Erleuchtung kann sowohl als aus eigener Kraft erlangtes Endstadium eines Prozesses geistiger Entwicklung, aber auch als Vereinigung mit einem universalen Bewußtsein verstanden werden. Ob ein solches universales Bewußtsein konkret als göttliches Wesen gedacht wird, ist aber von der Überlieferung der jeweiligen mystischen Tradition abhängig. Unter Erleuchtung ist nicht selbstverständlich eine psychologisch-emotionale Erfahrung zu subsumieren.
In der europäischen Religionsphilosphie wird der Sachverhalt „Erleuchtung“ zu den „mystischen Erfahrungen“ gezählt; im Kontext asiatischer Religionsphilosophie bezeichnet Erleuchtung das höchste Ziel der spirituellen Wege, das sich deutlich von anderen „mystischen Erfahrungen“ unterscheidet.
Buddhismus
Der Begriff Erleuchtung bodhi hat im Buddhismus zentrale Bedeutung und findet sich in „Buddha“ (der Erleuchtete) und „Bodhisattva“ (Erleuchtungswesen) wieder. Erleuchtung im Buddhismus, dort auch das Erlangen des Nirvana genannt, bezeichnet die Überwindung des Leidenskreislaufs der fühlenden Wesen (Samsara). Bodhi kommt von der Sanskrit-Wurzel budh, die „aufwachen, erkennen, wahrnehmen, verstehen“ bedeutet.
Nach buddhistischer Vorstellung erlangte Buddha in Bodhgaya die Erleuchtung, nachdem er viele Wochen unter dem sogenannten Bodhibaum meditiert hatte. Einige Zeit danach begann er seine Erkenntnis in Lehrreden mitzuteilen. Er lehrte über 50 Jahre, starb in hohem Alter und ging in das Parinirvanam ein.
Nach den Lehren des Theravada strebt der buddhistische Übende Erleuchtung an, um dem Leidenskreislauf des Samsara zu verlassen. Nach den Darlegungen des Mahayana ist die Entwicklung des Erleuchtungsgeistes (sanskrit bodhicitta), die Motivation zum Nutzen aller fühlenden Wesen Erleuchtung erlangen zu wollen und solange nicht ins Nirvana einzutreten, bevor nicht alle anderen fühlenden Wesen zur Erleuchtung geführt sind, Ausgangsmotivation des Erleuchtungsweges.
Jainismus
Im Jainismus ist der Begriff bodhi für Erleuchtung ebenfalls geläufig. Als Ehrentitel für den Religionsgründer Mahavira werden „Jina“ und auch „Buddha“ verwendet. Der Buddhismus und der Jainismus sind etwa zeitgleich entstanden. Die wörtliche Bedeutung von bodhi ist: perfektes Wissen oder Weisheit (wodurch ein Mann zum Buddha oder Jina wird), der erhellte oder erleuchtete Geist eines Buddha oder Jina. Wie auch im Buddhismus und Hinduismus ist Erleuchtung im Jainismus gleichbedeutend mit der Befreiung vom Samsara.
Der Jainismus geht davon aus, dass durch jede Betätigung des Menschen feine Materie in die Seele (Jiva) einströmt und sich an ihr festsetzt. Diese Materie bezeichnen die Jainas als Karma und sie ist es, die die Bindung der Seele bewirkt. Im Jainismus wird durch Askese danach gestrebt, das in die Seele eingedrungene Karma zu vernichten und auf diese Weise die Verstrickung in den Wesenskreislauf zu beenden. Allwissenheit wird erreicht, wenn die Seele durch Vernichtung des eingedrungenen Karmastoffs in den unbeschränkten Besitz ihrer natürlichen Fähigkeiten (Schauen, Erkennen, Kraft, Wonne) und damit auch ihres unbegrenzten Wissens gelangt.
Hinduismus
Im Jnana Yoga wird für „höheres Wissen“ der Begriff Jnana verwendet. Dieses spirituelle Wissen beinhaltet die endgültige Erkenntnis der Einheit zwischen Atman (individueller Seele) und Brahman (absolutem Bewusstsein, Weltseele). Das Ziel ist die Erlösung (Moksha) aus dem Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara).
Im Raja Yoga ist die höchste Stufe Samadhi, die völlig Ruhe des Geistes. Das letztendlich angestrebte Stadium ist Nirvikalpa-Samadhi, der formlose Zustand, in dem es keine Unterscheidung mehr zwischen Subjekt und Objekt gibt und die Einheit mit Brahman erreicht ist. Nirvikalpa Samadhi wird jedoch von einigen als temporärer Zustand angesehen. Als permanenter Zustand der Nicht-Dualität gilt Sahaja-Samadhi, der natürliche Zustand, in dem das universelle Selbst während aller Aktivitäten verwirklicht ist und die Identifikation mit dem begrenzten Ego aufgehoben ist.
In der Samkhya-Philosophie wurde der Begriff buddhi etabliert, der „Erkennen“ bedeutet. Ziel des Samkhya, wie auch des Yoga, ist es, eine Unterscheidung zwischen Purusha (absoluter Geist) und Prakriti (Urmaterie) herbeizuführen. Der Purusha wird sozusagen von der Prakriti befreit. Zur Prakriti zählen die Elemente, die Sinneswahrnehmungen, Denken (Manas), Unterscheidungsfähigkeit (Buddhi), und Ich-Bewusstsein (Ahamkara). Yoga wie Samkhya sind (im Gegensatz zu Advaita Vedanta) streng dualistisch und bilden die philosophische Grundlage für den Shivaismus. In Hindi bedeutet buddhi heute „Verstand, Intelligenz, Wissen.“
Im Hinduismus gibt es viele Strömungen, in denen der Themenkomplex Erkenntnis/Wissen/Erleuchtung keine Rolle spielt wie z.B. im Bhakti Yoga.
Daoismus
Daoistische Erleuchtung wird als die Einswerdung mit und Erlangung des ewigen Dao erklärt. Der Daoismus erklärt Erleuchtung ohne dabei Bezug auf eine göttliche Wesenheit zu nehmen, jedoch können im religiösen Kontext Götter eine Rolle spielen. Das grundlegende Werk ist auch für den religiösen Daoismus das Daodejing von Laozi, daneben werden aber im Daozang eine Vielzahl von Methoden zur Erlangung der Erleuchtung dargestellt.
Bei den Daoisten heißt es: „Um zu deinem wahren Sein zurückzukehren, musst du ein Meister der Stille werden. Sitze regungslos wie ein Stein und lasse deinen Geist ruhig werden. Kehre den Geist in sich selbst und betrachte das innere Leuchten.“ Im Unterschied zu den indischen Religionen geht der Daoismus nicht von einem Kreislauf der Wiedergeburten aus.
Der Unterschied zwischen dem buddhistischen Nirvana und dem Dao besteht darin, dass es sich bei dem Dao um ein transzendentes Wirkprinzip handelt, das der manifestierten Welt immanent ist. Es gilt als die Ursache von allem und als das einzig wahrhaft Seiende; es stellt die Ordnung der Dinge dar. Es geht im Daoismus nicht darum, die (illusionshafte) Welt zu überwinden, sondern die Harmonie zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos zu finden.
Abrahamitische Religionen (Judentum, Christentum, Islam)
Judentum, Christentum und Islam zielen jeweils in ihrer Glaubenspraxis primär auf Erlösung. Dazu stützen sich die Gläubigen vornehmlich auf Glaubensinhalte, die in ihren Heiligen Schriften institutionalisiert (über einen Einigungsprozess) sind: autoritativ niedergelegt worden sind (Synoden, Versammlungen). Erleuchtungserfahrungen sind in diesen Religionen kein primäres religiöses Ziel, sondern religiöses Ziel ist das Moralischsein (Willen Gottes tun) und das „Sich-in-Gott-absolut-geborgen-Wissen,“ also das Gläubigsein. Dennoch gibt es viele Zeugnisse im christlichen Kulturkreis von Erleuchtungserfahrungen. Sie werden u.a. als „visio dei“ (Gottesschau) oder „unio mystica“ (Vereinigung der Seele mit Gott) bezeichnet.
Erleuchtung im Judentum
Erleuchtung im Christentum
In der Theologie spricht man über „Erleuchtung“ unter den Begriffen „visio dei“.
Das katholische Lehramt kennt drei Begriffe von „Offenbarung Gottes“: Schöpfungsoffenbarung, Wortoffenbarung und Privatoffenbarung. Die Begriff „visio dei“ als theologischer Begriff und der Begriff „Privatoffenbarung“ sind für die katholische Theologie gleich. Der „Katechismus der katholischen Kirche“, herausgegeben im Jahre 1993 von Johannes Paul II. lehrt im Abschnitt 67: „Im Laufe der Jahrhunderte gab es sogenannte „Privatoffenbarungen,“ von denen einige durch die kirchliche Autorität anerkannt wurden. Sie gehören jedoch nicht zum Glaubensgut. Sie sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi zu „vervollkommnen“ oder zu „vervollständigen,“ sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben.“
In den Ostkirchen spielen im Kontext der Erleuchtung (griech. Photismos) Lichterscheinungen wie etwa das Taborlicht eine wichtige Rolle. Besonders unter den orthodoxen Mönchen ist die individuelle Erleuchtung nach wie vor ein wichtiges Ziel; Erleuchtete werden aber auch von den Laien gern aufgesucht und genießen vor allem als Beichtvater äußerst hohes Ansehen. Dabei handelt es sich meist nicht um Priester oder Theologen.
Helligkeit und Lichterscheinungen sind in diesem Kontext bekannt und finden sich auch in den ikonographischen Darstellungen (Heiligenscheine) und auch in Nahtodberichte.
Erleuchtung im Islam
Die Sufis (islamische Mystiker) glauben, daß Gott in jeden Menschen einen göttlichen Funken gelegt hat, der im tiefsten Herzen verborgen ist. Gleichzeitig wird dieser Funke auch durch die Liebe zu allem, was nicht Gott ist, verschleiert, genauso wie durch die Aufmerksamkeit gegenüber den Banalitäten der (materiellen) Welt, sowie durch Achtlosigkeit und Vergeßlichkeit. Laut des Propheten Muhammad sagt Gott zu den Menschen: „Es gibt siebzigtausend Schleier zwischen euch und Mir, aber keinen zwischen Mir und euch.“
Individuelle Erleuchtung ohne Religionskontext
Mehrere Menschen haben selber über ihre eigene Erleuchtung berichtet oder es sind entsprechende Zeugnisse aus ihrer unmittelbaren Umgebung bekannt geworden. Darunter sind Buddha und Mahavira aus fernerer Vergangenheit, Krishnamurti und Bhagwan Shree Rajneesh aus jüngerer Zeit, Beispiele für Personen, die daraufhin eine große Zahl Interessierte, Bewunderer, Anhänger, Schüler, wie auch immer, angezogen haben und teilweise sogar zu Religionsbegründern geworden sind. Allerdings gibt es auch mehrere, die trotz einschlägiger Buchveröffentlichungen bisher weitgehend unbeachtet geblieben sind. Erleuchtung wird dabei eher als eine persönliche Erfahrung und eine zumeist plötzliche Veränderung von ungeheurer subjektiver Tragweite erlebt. Vielfach besteht hinterher das Bedürfnis, Freunde und Mitmenschen daran teilhaben zu lassen. Allerdings wird mehr oder weniger regelmäßig auch von Vermittlungsproblemen gesprochen; es scheint für „Unerleuchtete“ schwierig bis unmöglich zu sein, den Bewusstseinszustand der „Erleuchtung“ nachzuvollziehen oder zu verstehen, ohne ihn selbst erlebt zu haben. Bhagwan Shree Rajneesh hat darum in den 1970er Jahren diesen Bereich als Forschungsgebiet für die Psychologie vorgeschlagen. Die transpersonale Psychologie hatte unabhängig davon einige Randaspekte aufgegriffen, gesicherte wissenschaftliche Ergebnisse liegen bisher nicht vor.
Erleuchtung ist der Verlust von Identität und Konzepten. Wenn ein Mensch noch nicht reif genug ist, kommen die Konzepte wieder, dann spricht man von Satori im Zen. Satori ist ein Aufblitzen der höchsten Wahrheit. Satori kann von wenigen Sekunden bis zu mehreren Wochen andauern. Man sagt, dass z.B. auch Buddha mehrere Satoris hatte in seinem Leben, bevor er endgültige Erleuchtung erlangte. Nach einem Satori gilt es, die Erfahrung zu integrieren. Dies ist ein intensiver Prozess.
Westliche Esoterik
Mit dem Bekanntwerden der asiatischen religiösen Traditionen im Westen während der letzten zwei Jahrhunderte hat sich deren Begriff der Erleuchtung zunehmend auch im Westen verbreitet.
Infolgedessen finden sich in der westlichen Geisteswelt vermehrt ähnliche Vorstellungen, aber oft mit eigenen, durch den westlichen Kulturhintergrund geprägten Interpretationen. Der Begriff hat zum Beispiel Eingang in die Philosophie gefunden und wird dort auch als geistiges Eins-werden mit dem unendlichen Sein bezeichnet. Auch einige westliche Esoteriker benutzen den Begriff der Erleuchtung, oft mit ganz eigenen, vom historischen Kontext unabhängigen Erklärungen. Dies führt bisweilen zu inflationärem Gebrauch des Begriffs, in verschiedensten spirituell-religiösen Gemeinschaften, Lehren und Zusammenhängen.
Weblinks
Literatur
- Dilgo Khyentse: Das Herzjuwel der Erleuchteten. Die Übung von Sicht, Meditation und Verhalten. 2. Aufl. Theseus, Berlin 1996, ISBN 3-89620-102-6
- Edward Conze: Eine kurze Geschichte des Buddhismus. 3. Aufl. Suhrkamp (u.a.), Frankfurt 1991 (u.ö.), ISBN 3-518-37797-3
- John Blofeld: Der Taoismus oder die Suche nach Unsterblichkeit. 6. Aufl. Diederich, München 1998, ISBN 3-424-00871-0
- Günther K. Lehmann: Die Erleuchtung: Die Unio Mystica in Philosophie und Geschichte. Leipziger Uni-Verlag, Leipzig 2004, ISBN 3-937209-99-9
- Peter Dyckhoff: Gibt es für Christen Erleuchtung? Don Bosco, München 2003, ISBN 3-7698-1430-4
- Mariana Caplan: Auf halbem Weg zum Gipfel der Erleuchtung. Die Gefahren und Irrtümer verfrühter Ansprüche, erleuchtet zu sein. Vianova, Petersberg 2002, ISBN 3-928632-95-7
- OWK: Erleuchtung. The real is illusion, the illusion is real, oder: Ausbruch aus der Matrix. Bohmeier, Leipzig 2001, ISBN 3-89094-337-3
Kategorie:Buddhismus
Kategorie:Hinduismus
Kategorie:Daoismus
Kategorie:Mystik
ja:啓蒙思想
Sinne
Mit den Sinnen bezeichnet man üblicherweise die schon von Aristoteles erkannten fünf Sinneskanäle des Menschen, also Gehörsinn, Geruchssinn, Geschmackssinn, Gesichtssinn, und Tastsinn. Die moderne Physiologie kennt für den Menschen noch vier weitere Sinne, die Thermozeption (Temperatursinn), Nozizeption (Schmerzempfindung), den Gleichgewichtssinn und die Propriozeption (Körperempfindung oder Tiefensensibiliät), bei Tieren kommen weitere Sinne (beispielsweise für die Polarisierung von Licht oder das Magnetfeld der Erde) hinzu.
Die Sinne haben unterschiedliche Aufnahmekapazitäten. So werden über den Gesichtssinn pro Sekunde etwa 10 Millionen Bit aufgenommen, über den Tastsinn etwa 1 Million Bit, über den Gehörsinn etwa 100 000 Bit, über den Geruchssinn etwa 100 000 Bit und über den Geschmackssinn etwa 1000 Bit.
Bei "Synästhetikern" gibt es ein "Übersprechen" zwischen Sinneskanälen oder deren Verarbeitungszentren, so dass z.B. Klänge als farbige Muster wahrgenommen werden.
Unterteilung in Nah- und Fernsinne
Die Sinneskanäle des Menschen können in Fernsinne (Gehörsinn und Gesichtssinn) und Nahsinne (alle übrigen Sinne) unterschieden werden. Bei einer Schädigung der Fernsinne spricht man von Sinnesbehinderung, da diese Sinne die wichtigsten Informationsträger des Menschen sind gibt es für diese Personengruppe spezielle Sonderschulen.
Der "6. Sinn" und der "7. Sinn"
Mit "6. Sinn" wurde vielfach die Fähigkeit bezeichnet, Dinge wahrzunehmen, die anscheinend nicht mit den Sinnesorganen aufgenommen wurden, vor allem die so genannten Psi-Fähigkeiten (Telepathie, Hellsehen, Präkognition). Biologen benutzen diesen Begriff allerdings zunehmend, um damit elektrische und magnetische Sinne von Tieren zu beschreiben: Zitteraale erkennen im Dunkeln ihre Gegner durch die Wahrnehmung von Änderungen elektrischer Felder, die sie selbst aussenden; Zitterrochen nehmen die Körperelektrizität ihrer Beute wahr; Klapperschlangen haben einen Wärmesinn; Webspinnen erkennen durch einen Schwingungssinn die kleinsten Bewegungen in ihren Netzen; an Rotkehlchen, Tauben und diversen anderen Vögeln wurde ein Magnetsinn experimentell nachgewiesen (erstmals 1967 von Wolfgang Wiltschko in Frankfurt am Main). Alle diese Sinne, die inzwischen genauer erforscht werden, haben eine Verankerung im Biologischen und sind nichts Übernatürliches (mehr). So konnten Wissenschaftler von der Washington Universität in St. Louis (USA) mittels kernspintomographischen Untersuchungen nachweisen, dass eine bestimmte Hirnregion, der Anterior Cingulate Cortex (ACC), ein Frühwarnsystem darstellt, dass bei drohender Gefahr einer Fehlentscheidung aktiv wird. Offensichtlich empfängt diese in der Nähe der vorderen Stirnhirnlappen liegende Hirnregion Umgebungssignale, die dann unverzüglich auf potentielle Gefahren hin analysiert werden. Sollte eine Situation als "gefährlich" interpretiert werden, schlägt es sofort Alarm, so dass das Individuum die Möglichkeit hat, eine Änderung seines momentanen Verhaltens einzuleiten. Menschen, die auf diese Weise rechtzeitig einer Gefahrensituation entronnen sind, führen dies dann gerne auf ihren "6. Sinn" zurück. Ursprünglich wird dem Anterior Cingulate Cortex auch eine wichtige Funktion bei der Verarbeitung von Konflikten zugeschrieben.
Darum erscheint es naheliegend, für die paranormalen Wahrnehmungen (oder Pseudowahrnehmungen) den Ausdruck "7. Sinn" zu verwenden. Damit kommt zum Ausdruck, dass hiermit weder die fünf normalen Sinne noch die verschiedenen, ebenfalls auf physikalischen Wahrnehmungen beruhenden sechsten Sinne gemeint sind. "Der siebte Sinn" ist darum seit langem der Name einer Informationssendung im deutschen Fernsehen (ARD), die über das korrekte Verhalten im Straßenverkehr informieren will.
Siehe auch:
Sinnesorgan, Wahrnehmung, Sinneswahrnehmung, Sinnesphysiologie, Psychophysik, Deprivation, Sensorische Deprivation
Weblinks
- [http://news-info.wustl.edu/news/page/normal/4767.html "Offizieller" Artikel der Washington Univeristy St. Louis zum erbrachten Beweis des 6. Sinns" (englisch)]
- [http://iac1.wustl.edu/~ccpweb/pdfs/05ScienceBrownBraver.pdf Originalartikel "Learned Predictions of Error Likelihood in the Anterior Cingulate Cortex"]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/249337.html wissenschaft.de: "Wo der sechste sinn wohnt"]
- [http://www.nachrichten.at/leben/335894?PHPSESSID=6e8c411bf761f552dc00bec2e5f1065a nachrichten.at: "Sechster Sinn" gilt jetzt als erwiesen]
Kategorie:Physiologie
Kategorie:Wahrnehmung
ja:五感
simple:Sense
GehirnstromGehirnstrom (auch Gehirnwelle) bezeichnet die elektrische Aktivität des Gehirns, wie sie mit einer Elektrode an der Kopfhaut gemessen werden kann.
Ursächlich für dieses 1924 von Hans Berger entdeckten Phänomens ist die räumliche Anordnung von Nervenzellen (Neurone) innerhalb der Großhirnrinde, die zu einer Aufsummierung der mikroskopischen Ladungsänderungen einzelner Zellen zu makroskopischen Hirnströmen führt. Die graphische Darstellung der gemessenen Hirnströme heißt Elektroenzephalogramm (EEG). Zur klinischen Bewertung wird eine Aufzeichnung in mindestens 12 Kanälen von verschiedenen Elektrodenkombinationen benötigt (siehe: Elektroenzephalograph).
Ein anderes Verfahren zur Messung von Hirnströmen, das ebenfalls eine vielfältige Anwendung in der Medizintechnik findet, ist die Indizierung der Gehirnströme anhand ihres Magnetfeldes, welches mithilfe der SQUID-Technologie vermessen wird (siehe auch: MEG).
MEG
Einteilung der EEG-Bänder
Die makroskopisch sichtbare elektrische Hirnaktivität kann Motive aufweisen, die rhythmischer Aktivität gleichen (siehe auch: Alpha-Wellen). Grundsätzlich gleicht das EEG jedoch dem 1/f-Rauschen und beinhaltet keine langandauernden Oszillationen.
Verschiedene Wachheitsgrade von Änderungen des Frequenz-Spektrums der EEG-Signale begleitet, so dass sich durch eine Analyse der gemessenen Spannungskurven vage Aussagen über den Bewusstseinszustand treffen lassen.
Häufig wird das EEG in Frequenzbänder (sogenannte EEG-Bänder) eingeteilt, wobei die Anzahl von Bändern wie auch die genaue Einteilung von verschiedenen Autoren verschieden angegeben wird.
Eine erhöhte Amplitude innerhalb jener Frequenzbereiche geht häufig mit gewissen mentalen Zuständen oder Aktivitäten einher (siehe Tabelle). Die Spalte Effekt verweist auf behauptete Effekte, die sich durch gezielte Anregung der Hirnaktivität erzielen lassen, beispielsweise durch Neurofeedback einer Spezialform des Biofeedbacks. Die Existenz dieser Effekte ist wissenschaftlich nicht erwiesen und umstritten.
Im Neurofeedback wird der Bereich 12 bis 15 Hz auch als SMR-Band bezeichnet (SMR = Sensorimotor Rhythm).
Anwendungen in der Medizin
Das Elektroenzephalogramm ist eine Standarduntersuchung der Neurologie.
Epilepsie
Das Elektroenzephalogramm dient zur Diagnose und Verlaufskontrolle der Epilepsie. Außer durch die hochamplitudige Aktivität während eines Anfalls, fallen besonders geformte Graphoelemente auch im anfallsfreien Intervall auf.
Hirntod
Das Erlöschen der Hirnströme (also ein Ausbleiben von Spannungsschwankungen im EEG) ist ein Hauptkriterium bei der Bestimmung des Hirntods.
Beeinflussung der Gehirnwellen
Gehirnwellen lassen sich nicht nur messen, sondern auch beeinflussen: Das kann durch einen visuellen oder akustischen Reiz geschehen, durch Neurofeedback, einer Spezialform des Biofeedbacks oder durch direkte Manipulation der Gehirnwellen mittels elektromagnetischer Wellen (siehe auch: Transkranielle Magnetstimulation, TMS). Geräte, die das ermöglichen sollen, sind seit den 1980er Jahren unter dem Begriff Mind Machines oder Brainwave Stimulator erhältlich, zu sehr unterschiedlichen Preisen und mit sehr umstrittenem Erfolg.
Ferner ist es möglich, den Bewusstseinszustand (und damit die Gehirnströme) mittels Meditation oder durch Drogen zu beeinflussen.
Steuerung durch Gehirnwellen
Neuere Forschungen unter dem Schlagwort Brain Computer Interface erzielen beim direkten steuern von Computern durch Veränderung der Gedanken Fortschritte. Unter anderem das Fraunhofer Institut und die New York State Department of Health and State University of New York in Albany können mit EEGs von den Hirnströmen einen Mauscursor nach einiger Übung präzise bewegen. Das ist ein gewaltiger Fortschritt wenn man bedenkt das bisherige Tier- und Menschen-Versuche noch mit implantierten Drähten zur Messung der Hirnströme arbeiteten. Diese wurden als Fremdkörper behandelt und vom Körper abgestossen. Die betreffenden Affen überlebten nur wenige Monate.
Inzwischen hat das Brain Computer Interface mittels EEG bereits Einzug in die medizinische Praxis gehalten und dient schwergelähmten Menschen zur Kommunikation mit der Aussenwelt.
In wieweit Steuerung via EEG in der Militärtechnologie zum Einsatz kommt ist der Öffentlichkeit nicht unumschränkt zugänglich. Sicher ist, dass es seit Jahren Versuchsprojekte zur kurzzeitigen "körperlosen" Steuerung von Kampfjets bei extremen Beschleunigungs-Belastungen gibt. Der Trend hierbei geht jedoch eher in eine rein maschinelle Steuerung, da unter den hohen G-Belastungen auch die Zuverlässigkeit des menschlichen Bewusstseins leidet.
Beispiele in Science Fiction oder Phantastischer Literatur
Im Thriller Firefox von Craig Thomas ISBN 0061000515 wird ein experimenteller Düsenjäger durch Gedanken gesteuert. Ein Helm wandelt die Signale des Gehirns in Steuerungsbefehle um. Auch taucht die Idee Geräte durch Gedankenkraft zu steurern in vielen Science-Fiction Büchern auf.
Ein durch den Film Matrix aktuelles Beispiel ist auch die Idee, das Gehirn direkt mit einem Computer zu verbinden und so mit einer virtuellen Welt zu interagieren. Ursprünglich ist diese Idee von William Gibson.
siehe auch
- Elektroenzephalografie
- Neurophysiologie
- Neurologie
- Portal:Neurowissenschaften
Weblinks
- [http://openeeg.sourceforge.net/doc/index.html OpenEEG: EEG Hardware unter GPL Lizenz] (englisch)
- [http://www.br-online.de/wissen-bildung/thema/mensch-computer/hirn.xml EEG-gesteuerte Computer-Maus am Fraunhofer Institut]
- [http://news.bbc.co.uk/2/hi/technology/4074869.stm BBC über EEG-gesteuerte Computer-Maus]
Kategorie:Neurologie
Kategorie:Neurophysiologie
EkstaseDer Begriff Ekstase (von griech.: ekstaseo = aus sich heraus treten, außer sich sein) bezeichnet eine Zustandsveränderung des Bewusstseins zu gleichermaßen höchster Hingabe und höchstem Aufnahmevermögen.
Allgemein
Ekstatische Erfahrungen sind durch die gesamte Geschichte und Kultur der Menschheit sowohl als individuelle wie auch kollektive Erscheinungen verbreitet. Ekstatische Erfahrungen werden gesucht. Neben häufigen Formen religiöser Ekstase gab es auch philosophische Ekstatiker. Heute wird Ekstase häufig auf direktem "synthetischen" Wege gesucht, d.h. ohne Vermittlung etwa durch religiöse Zeremonien oder meditative Praktiken (die ihrerseits freilich immer mit Musik- bzw. Drogenkonsum verbunden sein konnten), sondern durch Musik- und Rauschmittelkonsum allein. Zwei unterschiedliche Wege können zum gleichen Ziel führen. Beide sind als Wege der Mystik in der Geschichte gleichermaßen gegangen worden, gewissermaßen komplementär. In der Gegenwart zeichnet sich eine Reduzierung auf einen Weg ab.
Ekstase durch Minderung
Alle Erfahrungen natürlicher Einschränkung erscheinen dem Ekstatiker auf diesem Weg förderlich:
- Askese,
- Isolation,
- Schmerz,
- Krankheit,
- Fasten,
- Meditation u.a.
Ekstatiker begreifen dieses als Voraussetzung, aus dem eigenen Selbst herauszutreten, leer zu werden, damit der Träger der ekstatischen Erfahrung (ein Dämon, Jesus, Gott) stattdessen Platz nehmen und Besitz von dem Individuum ergreifen kann. Sie erfahren dieses als Befreiung von Dämonen, Krankheiten und Belastungen.
So gelten östlich-buddhistische Ekstaseerfahrungen als minimalistisch bewirkte Erfahrungen.
Ekstase durch Steigerung
Ebenso vermögen zahlreiche sensorische Reize identische ekstatische Erfahrungen auszulösen. Dazu zählen:
- Musik,
- Tanz, z.B. drehender Derwisch (Tanz)
- Trommeln,
- Gesänge,
- Lichteffekte (z.B. mittels [http://en.wikipedia.org/wiki/Mind_machine mind machines (wiki.en)])
- berauschende Getränke.
- Hyperventilation
Dazu tritt auch im Westen die in traditionellen Kulturen verankerte Praxis des Drogengenusses mit natürlichen wie auch synthetischen (Ecstasy) Rauschmitteln. Auch von Ohnmachtszuständen (z.B. auch Nahetoderlebnissen) werden ekstatische Erlebnisse berichtet.
Ziel: Der ekstatische Höhepunkt
Um das Ziel der Ekstase zu erlangen, wurden verschiedene abstufende Systeme erarbeitet. Es gibt eine höchste Stufe der Ekstase. Diese sieht man im östlich-asiatischen Bereich im tiefsten Nichts, dem Nirvana (siehe Yoga); im mehr westlichen Bereich ganz im Gegensatz dazu im höchsten Genuss (der Vergottung). Erotisch-orgastische Erfahrungen stimmen mit ekstatischen Erfahrungen überein.
Die Erfahrung der Ekstase reicht von Momenten tiefster Verzweiflung bis zu überschäumender Lebensfreude. So werden - wie Ekstatiker berichteten - symbolhaft Erlebnisse von Tod oder Geburt nacherlebt.
Überblick
Die schamanische Reise
Schamanen erreichen einen bewusst herbeigeführten visionären Zustand mit Hilfe von Ritualen, die sehr oft von Trommeln, Rasseln, Gesang und Tanz begleitet werden, in manchen Kulturen auch von der Einnahme pflanzlicher Drogen wie Fliegenpilz, Peyote, Ayahuasca und Cannabis. Ziel der schamanischen Reise ist es, Informationen aus der nicht-alltäglichen Wirklichkeit zu erhalten. Je nach Aufgabenstellung reist der Schamane in die Unter-, Mittel- oder Oberwelt. In der Unterwelt wird Kontakt zum Erdbewusstsein (Tiere, Pflanzen, Elemente) aufgenommen. Die Oberwelt repräsentiert die Welt des Geistigen. Reist der Schamane in die Mittelwelt, dann hat er etwas auf der uns bekannten, gegenwärtigen Erde zu erledigen.
Ekstase im Altertum
Der Dionysoskult
Dionysos (Bacchus), einer der ältesten und beliebtesten griechischen Götter, gilt als Bringer ursprünglicher ekstatischer Erfahrungen durch berauschenden Wein oder erotischen Genuss Satyrspiel. Im Gegensatz zu Herakles, dem Sinnbild der Askese verkörpert Dionysos den höchsten ekstatischen Genuss. Aufgepeitschte Wildheit äußert sich sowohl bei Männern in den Bacchanalien wie auch bei Frauen, die als wilde Mänaden lebendige Opfertiere zerreißen. Später wird Dionysos bei den Mystikern der Orphik als die Hauptgestalt des Erlösers verehrt.
Das Heiligtum von Delphi
Aus Delphi sind sowohl Schilderungen von Massenekstasen der Thyaden überliefert, als auch Einzelekstasen. Pythia berauscht sich an den aus der Erdspalte steigenden Dünsten, um dann Orakel zu verkünden.
Auch der Attiskult wie der Isiskult zählen ekstatische Erfahrungen zu ihren Grundelementen. Insbesondere die Mithrasliturgie schildert ekstatische Erfahrungen in Form von Entrückungen und Vereinigungen mit der Gottheit, die wie der Atem ein- und ausgestoßen werden. Ebenso zählen Philo als auch der Neuplatonismus zu den Schöpfern ekstatischer Methoden.
Als philosophische Ekstatiker begegnen Heraklit, der sich der rasenden Sibylle zuwandte sowie Plato, der die Quelle der Kunst in der enthusiastischen Entrückung fest macht.
Ekstase im Judentum
Das Alte Testament schildert die ekstatische Vision des geöffneten Himmels, die dem Erzvater Jakob auf der Flucht vor Esau zuteil wird. Es kennt die Gestalt des Nabi, und anderer "exzentrischer" ekstatischer Propheten, denen Visionen zuteil werden, aufgrund derer sie weissagen. Auch Ekstatikerinnen (Debora) werden geschildert. Auch die großen Propheten, allen voran der in Babylonien aktive Ezechiel, berufen sich auf Visionen und Auditionen. (Jes. 6, Jer. 1, Ez. 1.). Die Schilderungen der Apokalyptik basieren wesentlich auf ekstatischer Erfahrung (Daniel (Buch)).
Auch das rabbinische Judentum kennt ekstatische Züge und insbesondere der Chassidismus schildert intensive Ekstaseerfahrungen, wobei Baal Schem Tow als wichtigster Ekstatiker gilt.
Ekstase im Islam
Der Prophet Mohammed schildert zahlreiche Entrückungen bzw. Himmelsreisen. In seiner Nachfolge haben die schiitische Trauerreligion und die mystischen Orden (Tariqas) der Sufis mit ihren asketischen Praktiken (Tänzen, Gesängen; seltener auch Selbstgeiselungen) während des Dhikr (Gedenken an Gott) systematische Voraussetzungen für ekstatische Erfahrungen geschaffen.
Ekstase im Hinduismus
siehe: Bhakti
Ekstase im Christentum
Bibel und Alte Kirche
Johannes der Täufer wird vom Neuen Testament als asketischer Ekstatiker geschildert. Von Jesus werden Verzückungserlebnisse um seine Taufe (Mk 4) oder seine Verklärung Mk 9 berichtet. Ob sie als direkte ekstatische Visionen zu verstehen sind, wird teilweise bezweifelt..
Ab dem Urchristentum bricht die Ekstase sich kraftvoll Bahn. Mit dem Pfingstereignis wachsen Visionen und Auditionen an begleiten die ersten Märtyrer (Stefanus).
Der Apostel Paulus, selbst seit seiner Bekehrung lebhafter Ekstatiker, lehnt eine Überbetonung dieser Erfahrungen ab.
Die Alte Kirche wie auch die häretischen Bewegungen (z.B.: Montanus) kennen zahlreiche teilweise außergewöhnlich aggressiv auftretende Ekstatiker. Polykarp von Smyrna sah im Traum sein Kopfkissen in Flammen stehen, worauf er sein Martyrium prophezeite.
praktiziert asketische Übungen, um ekstatische Erfahrungen zu machen. Es entsteht gleichsam mit dem Ende der Christenverfolgungen, als das durch das Martyrium als Quelle ekstatischer Erfahrung keine Rolle mehr spielt. Der Mönch übernimmt stellvertretend die Rolle des Märtyrers, wodurch ihm ekstatische Erfahrungen intensiver Gottesnähe zuteil werden.
Die um 500 verfassten Schriften des Dionysius Areopagita - ein ganzes Jahrtausend als quasiapostolisch geschätzt - beschrieben Ekstase als Heraustreten aus sich selbst und zum Gehobenwerden hin zum überwesentlichen Strahl des göttlichen Dunkels [http://www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/nfranz/Texte/Autoren/d/DionysiusAreopagites/MystischeTheologie.htm Quelle].
Die Mittelalterliche Mystik
Die Mittelalterliche Mystik findet z.B.: in Bonaventura 1221-1274 einen Führer durch die ekstatische Erfahrung, die er einstuft als:
:Feuer, Salbung, Ekstase, Kontemplation, Verkostung, Ruhe, Herrlichkeit ("gloria").
In der Ekstase werde die Seele durch den "betörenden Duft der vorausgehenden Salbung hingerissen und aller leiblichen Empfindungen entrückt".
Den flämischen Gelehrten Jan van Ruysbroek nannte man aufgrund seiner intensiven Beschäftigung mit dem Phänomen der Ekstase den doctor ecstaticus.
Auch Franz von Assisi zählt zu den Empfängern in Ekstase erfahrener Offenbarungen. Das gesamte Mittelalter wird durch zahlreiche inspirierte Gruppen gekennzeichnet, die sich zwischen Kirche und Häresie bewegen.
Die Frauenmystik, besonders die deutsche Mystik beschrieb die Höhepunkte ekstatischer Erfahrung im Wesentlichen mit Hilfe erotischer Kategorien. Hier finden entsprechende Passagen des Hohelied Aufnahme und Reflexion.
Ekstatische Frömmigkeit und hingebende Verliebtheit verschmelzen bei Mechthild von Magdeburg 1210 - ca. 1285
: O Du gießender Gott in Deiner Gabe!
: O Du fließender Gott in Deiner Liebe!
: O Du brennender Gott in Deiner Begier!
: O Du schmelzender Gott in der Einigung mit Deiner Geliebten!
: O Du ruhender Gott an meinen Brüsten, ohne den ich nicht sein kann!
oder:
: ""O Herr, minne mich gewaltig, oft und lang. Je öfter du mich minnest, umso reicher werde ich. Je gewaltiger du mich minnest, um so schöner werde ich. Je länger Du mich minnest, umso heiliger werde ich hier auf Erden."
Ähnliche Erfahrungen und Sehnsüchte schildern Frauen wie Mechthild von Magdeburg und Gertrud die Große oder Männer wie Johannes vom Kreuz oder Bernhard von Clairvaux.
Der Mystiker Meister Eckhart (1260-1328) prägte für das Fremdwort Ekstase die deutschen Äquivalente Verzückung bzw. Entzückung.
Reformation und Gegenreformation
Der linke Flügel der Reformation verstand die im 15. Jahrhundert aufbrechenden ekstatischen Erfahrungen als geistliche Legitimation für sein Vorgehen gegen die etablierte Kirche. Wenn Martin Luther auch die mystische Theologia Deutsch veröffentlicht hatte, stand er der Wucht dieses Phänomens, das in Thomas Müntzer seinen theologischen Wortführer fand, verständnislos und mit völliger Ablehnung gegenüber. In reformatorischer Rationalität prägte er für vom Enthusiasmus inspirierten Ekstatiker die abwertende Bezeichnung "Schwärmer".
Um so mehr fand die aufkommende Gegenreformation in dieser Situation einen für ekstatische Erfahrungen bereiten Nährboden, in dem zahlreiche Ekstatiker und Ekstatikerinnen Wurzeln schlugen. Die wichtigste scheint Theresa von Ávila (1515-1582), die in der religiösen Ekstase der Unterschied zwischen geistlicher und körperlicher Hingabe nahezu aufhob: "Es gibt nur eine Liebe", und eine Stufenfolge schuf von der "Vereinigung" über die "Verzückung" bis hinauf zur "Liebeswunde". Der Bildhauer Gian Lorenzo Bernini hat dieses unzweideutige Ineinanderfallen von körperlichem und geistlichem Lustgefühl in der Statue der Heiligen Theresa zum Ausdruck gebracht und durch einen auf sie gerichteten Speer zusätzlich unterstrichen. [http://www.unf.edu/classes/saints/images/sttheresa-bernini-2.jpg Bild]
Religiöse Ekstase in der Neuzeit
Zu den großen deutschen Ekstatikern zählt u.a. der von seiner Kirche ungeliebte Protestant und Schuhmacher Jakob Böhme, der auch in seinen ekstatischen Schilderungen Frömmigkeit und Erotik verschmolz:
:»die züchtige Jungfrau...wird dich führen zu deinem Bräutigam, der den Schlüssel hat zu den Toren der Tiefe... der wird dir geben von dem himmlischen Manna zu essen: das wird dich erquicken und du wirst stark werden und Ringen mit den Toren der Tiefe. Du wirst durchbrechen als die Morgenröte.«
Im England des 17. Jahrhunderts war es der Visionär, Ekstatiker und Wanderprediger George Fox, der Massenekstasen auslöste, die sich in Gestalt eines Zitterns äußerten, wonach die von ihm gegründete Gemeinschaft der Freunde Quäker (v. quake) genannt wurden.
Für John Wesley und die methodistische Mission bildeten Ekstasen einen Prüfstein ihres Missionserfolges, über deren Heftigkeit und Stärke sich Wesley während seiner Erweckungsreden akribische Notizen anfertigte. Bei den Anfang des 19. Jahrhunderts ausgelösten Gruppen- und Massenekstasen während der methodistischen Camp Meetings in den USA wurden insbesondere Frauen und Afroamerikaner berührt.
Ekstase in der Gegenwart
Im Rahmen der charismatischen Bewegung haben ekstatische Erlebnisse wieder an Bedeutung gewonnen, bekanntgeworden unter dem Schlagwort Torontosegen.
Ekstase - Symbol oder Wirklichkeit?
Frauen sehen sich nach ekstatischen Erfahrungen - historisch und weltweit gesehen - in besonderer Weise als die Geliebten Gottes, wie die Tradition des Hieros gamos, oder rätselhafte Erzählungen wie Genesis 6,1-4 u.v.a. belegen. Im Voodoo feiern Frauen Götterhochzeiten, bis hin zur Ausstellung von Trauurkunden und der Geburt von Geisterkindern. Nicht immer sind diese mystischen Ekstasen Sublimierungen und "rein symbolisch" (Walter Nigg).
In Kudagama (Sri Lanka) strömen besessene Frauen auf der Suche nach Heilung zum katholischen Schrein. Bei dem Exorzismus wird der Dämon vertrieben, indem er mit Christus mystisch seinen Platz vertauscht. Dabei "umklammern die Frauen den Schaft des hl. Kreuzes mit den Beinen und masturbieren darauf" (Stirrat, 1997) Ziel ist, dass die Durchdringung durch Christus und der Orgasmus zusammenfallen. In diesem Fall gibt es
keine symbolische Sublimation. Erotik und Religion fallen in der Ekstaseerfahrung ineinander. Die Grenzen zwischen Symbolik und Wirklichkeit - in der Ekstase werden sie relativ.
Ekstase in der Psychologie
Außer in der Transpersonalen Psychologie haftet dem Erleben der Ekstase eher ein Makel der Bewertung als Kontroll- und damit Realitätsverlust an. In der traditionellen Psychologie wird nur unzureichend zwischen krankhaften Veränderungen und spirituellen Erfahrungen differenziert.
Die Ekstase entsteht bei übermäßig starkem Affekt in religiöser Entzückung, Tanzexzessen und als Zustand höchster Beglückung bei Angst-Glücks-Psychosen (nach Leonhard). Die Bewusstseinslage trägt in diesem Zustand den Stempel des Traumhaften, es können Offenbarungen erlebt werden.
Ähnliche Bilder sind auch bei Haftpsychosen und bei hysterischen Ausnahmezuständen möglich, hier aber mit deutlichen psychogenen Halluzinationen.
In desorientiertem Dämmerzustand bei Epileptikern sieht man gelegentlich ekstatische Entrückungen, unter Umständen mit kriminellen Handlungen. Die Kranken sehen den Himmel offen, verkehren mit Abwesenden, hören sphärische Musik, empfinden die wunderbarsten Gerüche und Geschmäcke und ein nicht zu beschreibendes sexuell gefärbtes Entzücken, das den ganzen Körper durchzieht.
In unerträglichen, psychisch belastenden Situationen kann man bei Schizophrenen geradezu eine Flucht in den Dämmerzustand sehen. Es wird eine andere Welt mit direkter Wunscherfüllung herbeiphantasiert. Auch hierbei ist ein ekstatischer Charakter der abnormen Wahrnehmung und Beobachtung möglich.
Literatur
- (engl.) Stoned Free - How to get High Without Drugs; Patrick Wells with Douglas Ruschkoff; Loompanics Unlimited; ISBN 1-55950-126-X;
Siehe auch
Ethnologie, Psychologie, Transpersonale Psychologie, Religion, Musik, Kunst, Rausch, Trance, Fest, Kult, Voodoo, Besessenheit
Kategorie:Religion
EntheogenDas Adjektiv entheogen setzt sich aus den altgriechischen Ausdrücken ἔν (en = in), θεος (theos = Gott) und γενέσθαι (genesthai = bewirken) zusammen. Der Begriff wurde 1970 bei einem informellen Komitee von Richard Gordon Wasson, Jonathan Ott u. a. eingeführt. Er ersetzt abschätzige Bezeichnungen für psychoaktive Pflanzen mit halluzinogenen Wirkeigenschaften. Damit wird speziell die Erfahrung der Alleinheit beschrieben, erreichbar mit Hilfe bestimmter Drogen. Als Beispiel sei Salvia divinorum genannt.
Mit entheogen wird die Eigenschaft eines Stoffes beschrieben, die dazu führt, dass die unter Einfluss stehende Person das Gefühl hat, mit Gott verbunden zu sein oder das ganze Universum zu erfassen und "zu schauen". Der Zustand ist vergleichbar mit einem Schamanen, der durch die Wirkung eines Elixiers in die Lage versetzt wird, mit den Geistern zu kommunizieren. Wie man die entheogene Wirkung tatsächlich auffasst, hängt entscheidend mit den eigenen "religiösen" Vorstellungen zusammen.
Entheogen (Substantiv) = Wirkstoff, der die entheogene Wirkung verursacht.
Siehe auch: Ethnopharmakologie, Trance, Psychedelikum, Halluzinogen
Weblinks
- [http://www.entheogene.de Zeitschrift Entheogene Blätter]
- [http://www.lycaeum.org/ Lycaeum: Entheogenic Database and Community] (englisch)
- [http://www.meta-landdesign.com/research.htm Plants used for Spiritual Purposes] (englisch)
Kategorie:Halluzinogen
ReligionAls Religion wird oftmals ein in größeren Bevölkerungsgruppen verankertes System von Vorstellungen über die Existenz von Gegebenheiten jenseits des sinnlich Erfahrbaren, bezeichnet.
Diese in langen Traditionen entstandene Welterklärung bzw. Anleitung zur Lebensbewältigung wird in der westlichen Welt aufgrund christlicher Traditionen häufig mit der Kurzformel "Glaube" zusammengefasst. Hierbei handelt es sich um den zumeist institutionalisierten und organisierten Glauben an eine oder mehrere persönliche oder auch unpersönliche transzendente Wesenheiten, z.B. eine Gottheit, Geister und Ahnen) und/oder Prinzipien (z.B. Dao, Dhamma) und/oder andere Vorstellungen, wie z.B. Nirvana und Jenseits.
Nähere Bestimmung
Allerdings erfasst dieser westliche Ansatz einer Definition mit Hilfe des Begriffs "Glauben" nicht alle Religionen, da dieser Terminus in einigen Religionen nicht oder kaum existiert und damit nicht das eigentliche Merkmal dieser Religion sein kann.
Ein weiteres Problem stellt die Bestimmung einer Gemeinschaft als Religion dar. Einige Religionen beruhen auf philosophischen Systemen, bei anderen ist die politische Orientierung oder die Spiritualität sehr ausgeprägt. Eine klare Abgrenzung ist kaum möglich, Überschneidungen finden sich in nahezu allen Religionen und insbesondere bei der Rezeption durch einzelne Menschen. Den meisten Religionen sind Heilslehren, Symbolsysteme und Rituale zu eigen. Auf diesem Hintergund werden populäre Einteilungen vorgenommen.
Religiöse Vorstellungsbilder weiterzugeben und damit zu vergesellschaften, ist an die Sprachfähigkeit des Menschen gekoppelt und daher so alt wie das Sprachvermögen der Hominiden.
Als Hochreligionen werden meist Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus, Daoismus, Sikhismus, Konfuzianismus, Baha'i und Shinto verstanden (siehe auch Liste der Religionen der Welt).
Mit der wissenschaftlichen Erforschung von Religionen befassen sich insbesondere die Religionswissenschaft/Religionsgeschichte, die Religionssoziologie, die Religionsphänomenologie und die Religionsphilosophie.
Begriff und Etymologie
religio hatte im Lateinischen die unterschiedlichsten Bedeutungen: "Gottesfurcht", "Frömmigkeit", "Heiligkeit", aber auch "Rücksicht", "Bedenken", "Skrupel", "Gewissenhaftigkeit" oder "Aberglaube".
Die weitere Etymologie des Begriffs ist nicht mit Sicherheit geklärt. religare bedeutet im Lateinischen "anbinden, zurückbinden" und auch "festhalten, an etwas festmachen".
Der Begriff religio ist kein Terminus altrömischer Religion. Die frühesten Belege finden sich vielmehr erst in den Komödien des Plautus (ca. 250-184 v. Chr.) und in den politischen Reden des Cato (234-149 v. Chr.).
Nach Cicero (De Natura Deorum 2, 72) geht religio zurück auf relegere, was wörtlich "wieder aufwickeln", im übertragenen Sinn "bedenken, Acht geben" bedeutet. Cicero dachte dabei an den Tempelkult, den es sorgsam zu beachten galt. Lactantius (Divinae Institutiones 4, 28) führt das Wort zurück auf religare: "an-, zurückbinden". Mögliche ursprüngliche Bedeutungen von "Religion" sind demnach "frommes Bedenken" oder die "Rückbindung" an einen von Gläubigen an- bzw. wahrgenommenen universellen göttlichen Ursprung oder an sonstiges Höheres.
Religion und Religiosität
Der Begriff religio bzw. religiosus wurde im Mittelalter vor allem für den Ordensstand benutzt. Diese Bedeutung hat der Begriff bis heute im römisch-katholischen Kirchenrecht. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren für das Wort "Religion" die Bezeichnungen fides (Glaube), lex (Gesetz) und secta (Richtung, Partei) gebräuchlich. Der heutige Begriff "Religion" wurde erst nach der Reformation eingeführt. Darunter verstand man zunächst Lehren, die je nach Auffassung, entweder richtig oder falsch sein sollten. In der Aufklärung entwickelte sich dann ein abstrakterer Religionsbegriff, auf den die gegenwärtigen Definitionsansätze zurückgehen.
Im Deutschen sind die Begriffe Religion und Religiosität zu unterscheiden. Der Begriff Religiosität wird seit Ende des 18. Jh. verwendet. Religion bezeichnet demgemäß ein System - also das Äußerliche, Strukturelle, Gemeinschaftliche -, während Religiosität auf das Subjektiv-Individuelle bezogen ist, insbesondere auf das Erleben des Einzelnen.
Begriffliche Problematik
Religiosität
Wichtig bei der Betrachtung der Herkunft des Wortes ist die kritische Beobachtung seiner (ideologischen) Verwendung. Abgesehen von diesen etymologischen Unsicherheiten ist der Terminus auch heute noch problematisch. Mit der europäischen "Entdeckung" bisher in der so genannten Alten Welt unbekannter Kulturen wurde der Begriff auf Sachverhalte angewendet, die zwar Ähnlichkeiten mit dem europäischen Religionskonzept haben (zum Beispiel die Gottesverehrung), in mancher Hinsicht aber auch sehr gegensätzlich sind (zum Beispiel der Ausschließlichkeitsanspruch). Diese Differenz besteht auch zu den östlichen Religionen, was z.B. an den Übersetzungen des Wortes Religion in der jeweiligen Sprache zu erkennen ist.
Eine Folge ist, dass heute zwar viele verschiedene Religionen und Religionsformen bekannt und erforscht sind, jedoch eine auf alle Religionsgemeinschaften und -formen anzuwendende Definition aussteht und wahrscheinlich - wegen der heterogenen Theoriesysteme - auch in Zukunft nicht existieren wird.
Wissenschaftliche Ansätze zur Definition von Religion
Die Religionssoziologie und Religionswissenschaft untersuchen seit ca. 100 Jahren auf empirischer und theoretischer Grundlage Religionen als gesellschaftliche Phänomene. Dabei gibt es unterschiedliche Auffassungen über Definition und Funktion von Religion. In beiden Wissenschaften konnte man sich bisher auf eine wissenschaftliche Definition, die beschreibt, was Erkennungsmerkmale von Religionen sind und wann eine Weltanschauung als Religion bezeichnet wird, nicht einigen. Dennoch gab es vielversprechende Ansätze, an die die weitere Forschung anknüpfen kann.
Religionswissenschaft
Nach Karl Marx u. a. sind Religionen ursprünglich an eine unilaterale gesellschaftliche Praxis gekoppelt. Demnach sind Jäger-, Nomaden- und Ackerbauernreligionen (als Basalreligionen) zu unterscheiden. Nur die Nachfolger der beiden letzteren, mit dem Neolithikum entstandenen Religionen hatten noch wesentlichen Einfluß auf die heutigen Religionen Europas.
Erich Fromm bildete eine weite, sozialpsychologische Definition von Religion als jedes von einer Gruppe geteilte System des Denkens und Handelns, das dem einzelnen einen Rahmen der Orientierung und ein Objekt der Hingabe bietet.
Religionssoziologische Ansätze
- Nach Émile Durkheim, Begründer der Soziologie, trägt Religion zur Festigung sozialer Strukturen aber auch zur Stabilisierung des Einzelnen bei. Sein Religionsbegriff ist somit ein funktionalistischer. Gemäß Durkheim ist die Religion ein solidarisches System, das sich auf Überzeugungen und Praktiken bezieht, die heilige Dinge beinhalten und in einer moralischen Gemeinschaft wie beispielsweise der Kirche, alle vereinen, die dieser angehören. Daraus ergeben sich drei Aspekte von Religion, die Glaubensüberzeugungen (Mythen), die Praktiken (Riten) und die Gemeinschaft, auf die diese bezogen sind. Durkheim bezeichnet unter anderen Faktoren den Glauben als ein Element der Macht, die die Gesellschaft über ihre Mitglieder ausübt.
- Ferdinand Tönnies unterscheidet Ende des 19. Jh. zwischen 'Gesellschaft' und 'Gemeinschaft'. Er betont die sinnstiftende Funktion von Religion als typisch "gemeinschaftlich" und erforscht ihre Symbolsysteme. Religiöse Gemeinschaften - wie andere traditionelle Gemeinschaften - dienen demnach der kulturellen Bindung des Individuums. Sie verlieren zugunsten der Prägung durch die Gesellschaft in der Moderne an Bedeutung für den Einzelnen. Als Kirche, das heißt als Institution, behalten sie jedoch hohen gesellschaftlichen Einfluss. Laut Tönnies ("Geist der Neuzeit") folgt gegenwärtig einem Zeitalter der Gemeinschaft ein Zeitalter der Gesellschaft. Die Funktion der Religion im ersteren werde nunmehr von der öffentlichen Meinung mehr und mehr übernommen.
- Max Weber, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts ausführlich mit dem Phänomen "Religion" aus soziologischer Sicht befasste, unterschied zwischen Religion und Magie. Unter Religion versteht er ein dauerhaftes, ethisch fundiertes System mit hauptamtlichen Funktionären, die eine geregelte Lehre vertreten, einer organisierten Gemeinschaft vorstehen und gesellschaftlichen Einfluss anstreben. Magie dagegen ist nach Weber lediglich kurzfristig wirksam, gebunden an einzelne Magier oder Zauberer, die als charismatische Persönlichkeiten vermeintlich Naturgewalten bezwingen und eigene moralische Vorstellungen entwickeln. Diese Abgrenzung versteht Weber als idealtypisch. Reinformen sind selten, Überschneidungen und Übergänge werden konstatiert.
Religionswissenschaftliche Ansätze
- Nach Clifford Geertz (1973) ist Religion ein kulturell-geschaffenes Symbolsystem, das versucht, dauerhafte Stimmungen und Motivationen im Menschen zu schaffen, indem es eine allgemeine Seinsordnung formuliert. Diese geschaffenen Vorstellungen werden mit einer solch überzeugenden Wirkung ("Aura von Faktizität") umgeben, dass diese Stimmungen und Motivationen real erscheinen. Solche "heiligen" Symbolsysteme haben die Funktion, das Ethos - das heißt das moralische Selbstbewusstsein einer Kultur - mit dem Bild, das diese Kultur von der Realität hat, mit ihren Ordnungsvorstellungen zu verbinden. Die Vorstellung von der Welt wird zum Abbild der tätsächlichen Gegebenheiten einer Lebensform. Die religiösen Symbolsysteme bewirken eine Übereinstimmung zwischen einem bestimmten Lebensstil und einer bestimmten Metaphysik, die einander stützen. Religion stimmt demnach menschliche Handlungen auf eine vorgestellte kosmische Ordnung ab. Die ethischen und ästhetischen Präferenzen der Kultur werden dadurch objektiviert und erscheinen als Notwendigkeit, die von einer bestimmten Struktur der Welt erzeugt wird. Die Glaubensvorstellungen der Religionen bleiben demgemäß nicht auf ihre metaphysischen Zusammenhänge beschränkt, sondern erzeugen Systeme allgemeiner Ideen, mit denen intellektuelle, emotionale oder moralische Erfahrungen sinnvoll ausgedrückt werden können. Da somit eine Übertragbarkeit von Symbolsystem und Kulturprozess vorliegt, bieten Religionen nicht nur Welterklärungsmodelle, sondern gestalten auch soziale und psychologische Prozesse . Durch die unterschiedlichen Religionen wird eine Vielfalt unterschiedlicher Stimmungen und Motivationen erzeugt, sodass es nicht möglich ist, die Bedeutsamkeit von Religion in ethischer oder funktionaler Hinsicht festzulegen.
- Jacques Waardenburg bezeichnet die Definition von Religion als 'Glauben' als ein Produkt westlicher Tradition. Dieser Begriff treffe daher nicht auf die Vorstellungen anderer Kulturen zu und sei für die Beschreibung von Religionen eher ungeeignet. Religionen können nach seiner Auffassung als Bedeutungsgefüge mit darunterliegenden Grundintentionen für Menschen angesehen werden.
- Der amerikanische Religionswissenschaftler Ninian Smart entwirft ein multidimensionales Modell von Religion und unterscheidet dabei sieben Dimensionen: 1. die praktische und rituelle, 2. die erfahrungsmäßige und emotionale, 3. die narrative oder mythische, 4. die doktrinale und philosophische, 5. die ethische und rechtliche, 6. die soziale und institutionale und 7. die materielle Dimension (z.B. sakrale Bauwerke).
Phänomene und religionsspezifische Begrifflichkeit
Um Religionen zu beschreiben, haben Menschen, die sich mit Religion(en) beschäftigten, Kriterien und Begriffe für gefundene Phänomene geschaffen. Viele dieser Begriffe sind selbst Produkte religiöser Sichtweisen und damit problematisch für das Beschreiben religiöser Phänomene, da sie oftmals religiöse Interpretationen des jeweiligen Objektes sind und höchstens einen Ausschnitt des eigentlichen Phänomens zeigen können. So ist z.B. der Begriff "Gebet" ein christlicher und beschreibt eine christliche Praktik, die nicht auf Dinge wie Meditation oder Versenkung angewandt werden kann, obgleich dies immer wieder geschieht. Dennoch gibt es in vielen Religionen ähnliche Konzepte, die miteinander verglichen und einander gegenüber gestellt werden können, wodurch ein Ordnen und Beschreiben von Religionen erst möglich wird.
Theismus und Atheismus
Versenkung]
Religionen, die einen Gott verehren, werden als monotheistisch bezeichnet, Religionen, die mehrere Götter verehren, als polytheistisch, Religionen, die das Göttliche in der gesamten Welt sehen, als pantheistisch, Religionen die sich nicht auf ein oder mehrere transzendente Wesen beziehen als atheistisch, obwohl der Atheismus als solcher keine Religion ist. Dennoch gibt es atheistische Religionen wie z.B. den Theravada-Buddhismus.
Auch einige atheistische Weltanschauungen haben an religiöse Rituale erinnernde ideologisch geprägte Formen. Man denke z.B. an die Aufmärsche und Feiern kommunistischer Staaten oder an die sozialistischen Jugendweihen. Der Faschismus bzw. Nationalsozialismus trägt ebenfalls die Züge eines extremistischen religiösen Systems. Ein Beispiel ist die quasigöttlichen Verehrung des Führers. Neuere Forschungen zur Entstehung des Nationalsozialismus widmen dieser Thematik besondere Aufmerksamkeit. Die These, dass scheinbar nichtreligiöse Systeme sich religiöser Formen bedienen, wird wissenschaftlich diskutiert (siehe auch: Politische Religion). Weitere Kategorien zur Bezeichnung von (weniger weit verbreiteten) Religionen sind indigene und animistische Religionen.
Schöpfungsmythen und Kosmologie
Häufig vermitteln Religionen eine Vorstellung, wie die Welt entstanden ist, eine Schöpfungsgeschichte und ein Bild der letzten Dinge, eine Eschatologie. Dazu gehört immer die Hauptfrage, was mit dem Menschen nach dem Tod geschieht. Themen wie Reinkarnation, Nirwana, Ewigkeit, Jenseits, Himmel oder Hölle, und was letztlich mit der Welt geschehen wird (Weltuntergang, Apokalypse, Ragnarök, Reich Gottes), sind in vielen Religionen zentral.
Religiöse Spezialisten
Die meisten Religionen kennen Priester, Prediger, Geistliche, Magier, Druiden oder Schamanen, die die Religion überliefern, lehren, ihre Rituale ausführen und zwischen Mensch und Gottheit vermitteln. Manche Religionen sprechen einzelnen dieser Menschen übernatürliche Eigenschaften zu. In vielen Religionen sind diese Personen innerhalb einer formellen Organisation tätig, in anderen unabhängig. Sie werden bezahlt oder üben ihre Tätigkeit unentgeltlich aus. In einigen Religionen werden die religiösen Rituale vom Familienoberhaupt durchgeführt oder geleitet. Es existieren auch Religionen, in denen es keinen autorisierten Vermittler zwischen dem Übernatürlichen und dem Menschen gibt.
Spiritualität und Rituale
Häufig pflegen Religionen und Konfessionen eine eigene Art von Spiritualität. Spiritualität - insbesondere im Christentum - ist das geistliche Erleben, im Gegensatz zur Dogmatik, welche die festgesetzte Lehre einer Religion darstellt. Das Ritual hingegen ist durch die Religion formalisierte Spiritualität. Im heutigen westlichen Sprachgebrauch wird Spiritualität als seelische Suche nach Gott oder einem anderen transzendenten Bezug bezeichnet, ob im Rahmen von spezifischen Religionen oder jenseits davon. In einigen Religionen finden sich Strömungen, deren Anhänger die Begegnung mit der Transzendenz oder dem Göttlichen in mystischen Erfahrungen finden.
Zu religiösen Riten gehören unter anderem Gebet, Meditation, Gottesdienst, religiöse Ekstase, Opfer, Liturgie, Prozessionen und Wallfahrten. Daneben gibt es im Alltag gelebte Frömmigkeit wie Almosen geben, Barmherzigkeit oder Askese.
Schismen und Synkretismus
Aufgrund ihrer ideologischen Momente haben Religionen die latente Tendenz zur Spaltung. Neue Religionen sind oft durch die Abtrennung einer Gruppe aus der ursprünglichen Religionsgemeinschaft entstanden.
Der Begriff Synkretismus beschreibt das gleichzeitige Ausüben von Praktiken verschiedener Religionen. Im klassischen Sinne ist er aber der Versuch, Religionen zu vereinen oder die Schaffung einer neuen Religion aus unterschiedlichen Vorgängern zu initiieren.
Seit der Aufklärung wird - vor allem im westlichen Kulturkreis - zwischen institutionalisierter Religion und persönlicher Haltung zum Transzendenten unterschieden.
Hinzu kommen seit den 1980er Jahren postmoderne Ansätze, nach denen Gruppen oder Individuen Ideen, Rituale usw. aus Religionen und anderen Weltanschauungen neu zusammenstellen und auf ihre Bedürfnisse zuschneiden. Dieses eklektizistische Vorgehen wird von Vertretern traditioneller Religionen zuweilen "Patchwork- bzw. Cafeteria-Religion" oder "Supermarkt der Weltanschauungen" genannt.
Religionen in Zahlen
Viele Menschen haben das Bedürfnis, zu erfahren, wie viele "Gläubige" sich zu einer Religion bekennen. Obwohl immer wieder Statistiken auftauchen, ist die Quellenlage zumeist fraglich. Auch gibt es Religionen wie das Christentum oder den Buddhismus nicht (man vergleiche das "Christentum" in Südamerika und Skandinavien). Daher sollte stets beachtet werden, dass solche Statistiken im besten Falle nur etwas über die Anzahl der Mitglieder einer Religionsgemeinschaft (ähnlich einer Vereinsmitgliedschaft) und über die Ideologie der Statistikveröffentlicher aussagen. Darüber hinaus gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft. Beispielsweise werden zum Judentum häufig auch diejenigen gerechnet, die sich als Atheisten bezeichnen, zum Christentum in Deutschland alle Kirchensteuerzahler, auch wenn sie nicht gläubig sind.
eklektizistische
Statistik A - Religionen der Welt - Zugehörige
(Quelle: [http://www.adherents.com/Religions_By_Adherents.html adherents.com])
- Christentum (2,1 Milliarden)
- Islam (1,3 Milliarden)
- Atheismus, Nichtreligiöse (1,1 Milliarden)
- Hinduismus (900 Millionen)
- Traditionelle Chinesische Religionen (394 Millionen)
- Buddhismus (376 Millionen)
- Nichtafrikanische Indigene Religionen (300 Millionen)
- Traditionell Afrikanische Religionen (100 Millionen)
- Sikhismus (23 Millionen)
- Spiritismus (15 Millionen)
- Judentum (14 Millionen)
- Baha'i (7 Millionen)
- Jainismus (4,2 Millionen)
Statistik B - Religionen der Welt - Zugehörige
(Quelle: [http://www.globalchristianity.org/resources.htm David B. Barrett])
- Islam (1,313 Milliarden)
- Römisch Katholische Kirche (1,119 Milliarden)
- Hinduismus (870 Millionen)
- Nichtreligiös (769 Millionen)
- Unabhängige Christliche Kirchen (427 Millionen)
- Traditionelle Chinesische Religionen (405 Millionen)
- Buddhismus (379 Millionen)
- Protestantische Kirchen (376 Millionen)
- Ethnoreligionen (256 Millionen)
- Orthodoxe Kirchen (220 Millionen)
- Atheismus (152 Millionen)
- Afrikanische Religion (100 Millionen!)
- Neue Religionen (108 Millionen)
- Anglikaner (80 Millionen)
- Sikhismus (25 Millionen)
- Judentum (15 Millionen)
Stand Mitte 2005, Weltbevölkerung: 6,454 Milliarden.
Statistik C - Religionen in Deutschland - Zugehörige
(Quelle: [http://www.remid.de/remid_info_zahlen.htm REMID])
- Römisch-Katholische Kirche (26,46 Millionen)
- Evangelische Landeskirchen (26,21 Millionen)
- Islam (gesamt: 3,3 Millionen)
- Hinduismus (gesamt: 0,092 Millionen)
- Neuapostolische Kirche (0,38 Millionen)
- Buddhismus (gesamt: 0,21 Millionen)
- Judentum (gesamt: 0,189 Millionen)
Religion und Ethik
eklektizistischeen, in welchen ethisches Verhalten festgelegt und über die Schrift weitergegeben wird.]]
Die meisten alten Religionen hatten zugleich den Anspruch menschliches Zusammenleben durch Gesetze zu regeln (10 Gebote). Die meisten Religionen der Gegenwart haben ein ethisches Wertesystem, dessen Einhaltung sie fordern. Dieses System umfasst Vorstellungen darüber, was richtig und falsch und was gut und böse ist, wie ein Angehöriger der jeweiligen Religion zu handeln und teilweise zu denken hat. Immer also findet sich eine zugrundeliegende Auffassung über die Welt, die Natur und die Stellung des Menschen dazu darin. Obgleich sich diese Vorstellungen historisch wandeln, stehen hinter solchen religiösen Pflichten in fast allen Religionen ähnliche moralische Prinzipien. Diese sollen das konfliktarme Miteinander der Mitglieder der Religionsgemeinschaft regeln, sollen Gesellschaft und zum Teil Politik positiv beeinflussen und die Menschen individuell dem jeweiligen religiösem Ziel näher bringen. Zum Teil bieten sie für den Einzelnen einen moralischen Rahmen, der ihn psychisch und physisch stabilisieren kann.
In einigen Religionen sollen diese moralischen Gesetze der jeweiligen Überlieferung nach direkt dem Religionsstifter von der entsprechenden Gottheit überbracht worden sein und somit höchste Autorität besitzen. Nach dieser Vorstellung müssen sich auch weltliche Herrscher diesen ethischen Anforderungen beugen. Gehorsam wird teilweise unter Androhung von diesseitigen oder jenseitigen Strafen gefordert oder als einziger Weg zum Heil dargestellt.
Häufig existieren noch weitere Regeln, die nicht direkt vom Stifter der Religion stammen, sondern aus den heiligen Schriften und anderen Tradierungen der jeweiligen Religion abgeleitet werden (z.B. Talmud, Sunna). Einige dieser Normen verloren im Laufe der historischen Entwicklung für viele Gläubige ihren Sinn und wurden in einigen Fällen den sehr unterschiedlichen Wertesystemen der entsprechenden Zeit angepasst.
Ethik im Judentum und Christentum
Die gelebte Ethik von Judentum und Christentum unterscheidet sich unter anderem dadurch, ob die jeweilige Religion mit einem weiten individuellem Denk- und Handlungsspielraum, traditionell oder fundamentalistisch ausgelegt wird. Auch innerhalb der einzelnen Religionen gibt es häufig unterschiedliche Schulen, welche die jeweilige Morallehre verschieden auslegen und anwenden. So gab es z.B. im Christentum Strömungen, die das Alte Testament aufgrund der darin sehr gewalttätig wirkenden Gottheit "verbannen" wollten.
Judentum und Christentum verbindet in ihren ethischen Systemen beispielsweise der Gedanke an eine Endzeit. Dieses lineare Verständnis von Zeit bedeutet, dass die Gläubigen im Diesseits nach den von ihrer Gottheit geforderten Regeln leben, um den Lohn dafür in einer späteren Zeit zu erhalten; obgleich die Gottheit auch im Diesseits schon wirken kann. Allerdings wird im Protestantismus ebenso oftmals die göttliche Gnade für ausschlaggebend gehalten, auch teilweise unabhängig von der Befolgung moralischer Postulate. Das Judentum ist weniger jenseitsbezogen jedoch gebotreicher als das Christentum, was sich u.a. im hebräischen Wort für Religion, nämlich Torah (Gesetz), widerspiegelt. Ähnlich wie im Hinduismus gibt es genaue Anweisungen, wie die Handlungsweisen des Mitglieds in der Gruppe sein sollen. In den christlichen Religionen sind durch die Relativierungen ihres Stifters und die neuplatonischen Einflüsse weit weniger Richtlinien vorgegeben - beispielsweise die Zehn Gebote.
Ethik im Islam
Die Ethik im Islam ist ähnlich wie im Judentum sehr stark an Gebote für einzelne Situationen gebunden. Der Koran gibt genaue Anweisungen für die Handlungen des Einzelnen in der Gruppe. Wichtig für den Islam ist eine kollektive Verantwortung für Gut und Böse. Dies wird beispielsweise in der Anweisung al-amr bil ma'ruf wa n-nahi an al-munkar (das Gute befehlen und das Schlechte verbieten) deutlich. In Folge besteht die Gefahr einer unumschränkten Befehlsgewalt der Gemeinschaft (siehe auch Hisba). Der Islam geht in seinen Hauptrichtungen Sunna und Schia von der Prädestination (Vorherbestimmung) aus, die dem Individuum nur begrentzten Handlungsspielraum zugesteht.
Ethik bei den "östlichen Religionen"
Religionen wie der Buddhismus, der Hinduismus oder auch der Daoismus stellen ebenso ethische Anforderungen, wie unter anderem die Überwindung von Hass, Habgier, Lüge sowie besonders Gewaltlosigkeit. Dabei werden die Regeln an einer angenommen kosmischen Gesetzmäßigkeit bzw. einem Weltprinzip ausgerichtet (z.B. Dharma im Hinduismus und im Buddismus, Dao im Daoismus). Dieses kosmische Weltprinzip beinhaltet ethische Vorgaben für jedes Individuum. Von den Anhängern wird erwartet, die Gesetzmäßigkeiten des Daseins zu erkennen und entsprechend zu handeln. So existieren z.B. Tötungsverbote, die sich teilweise auch auf Tiere beziehen.
Abweichendes Verhalten wird in solchen Religionen weniger von der Religionsgemeinschaft sanktioniert, sondern soll vor allem negative Konsequenzen für das Individuum z.B. in einer der nächsten Existenzen nach sich ziehen (im Hinduismus, Buddhismus, Jainismus innerhalb der Vorstellung von Karma und Wiedergeburt, Samsara); im Daoismus und chinesischen Buddhismus äußern sich diese Konsequenzen z.B. innerhalb der daoistischen bzw. buddhistischen "Hölle", wo grausame Strafen auf Missetäter warten.
Die populäre Annahme, dass "östliche Religionen" bedingt durch deren Ethik weniger zu Gewalt neigen, kann wissenschaftlich nicht bestätigt werden, da Gewalt eher von den jeweiligen Machthabern, als von den religiösen Autoritäten selbst ausgeht. Aber, religiös motivierte Gewalt, wie wir sie aus der Kreuzzugs-, Conquista-, Missionierungs-Historie im christlichen Kulturkreis oder auch im Rahmen der islamischen Expansion kennen, tritt im Kulturkreis östlicher Religionen deutlich seltener auf.
Siehe auch: Buddhistische Ethik
Ethik bei indigenen Kulturen
Indigene Kulturen, die oftmals auch mit den problematischen Begriffen "Naturvölker" oder "Stammeskulturen" bezeichnet werden, weisen häufig Moralsysteme auf, welche die Gemeinschaft schützen sollen. Da nur durch ein funktionierendes Sozialbewusstsein das Überleben der Gruppe gesichert werden kann, steht ein prosoziales Verhalten im Mittelpunkt der mündlich weitergegebenen Verhaltensweisen. Diese "Naturreligionen" beinhalten weiterhin Rituale zur Beeinflussung ihrer Götter bzw. Naturgewalten.
Religion nach der Aufklärung
Die Aufklärung bringt einen Wandel des Religionsverständnisses: Verstand man in den vormodernen Gesellschaften unter Religion die öffentliche Verehrung der Götter (lat. religio), so verschiebt sich die Religion jetzt ins Private. Sie wird zur Religiosität, zur inneren Haltung des frommen Individuums. Als Vordenker dieser Haltung gilt der Theologe Schleiermacher, der in seinem Buch Über die Religion (1799) schrieb: "Religion ist nicht Metaphysik und Moral, sondern Anschauen und Gefühl".
Dementsprechend ist seitdem - im Gegensatz zu den vorzeitlichen und vormodernen christlichen Gesellschaften, in denen alle Bereiche menschlichen Lebens unter der Autorität der Religion standen - eine Tendenz bemerkbar, die zunehmend Bereiche der Gesellschaft aus dem Herrschaftsbereich der Religion ausgliedert. Beispielsweise beanspruchen die Natur- und Geisteswissenschaften verbunden mit der Idee eines natürlichen Grundrechts Autorität in Fragen zu Evolution oder Ethik/ Recht - Bereiche, die zuvor der Religion unterstanden. Diese Entwicklung wird als Säkularisierung bezeichnet. Erklärungsversuche für dieses Phänomen beziehen sich oft auf die Industrielle Revolution, die allmähliche Überwindung des Ständestaates und den damit verbundenen ökonomischen, sozialen, kulturellen und rechtlichen Wandel.
In Europa verlor das Christentum im späten 19. Jahrhundert Jahrhundert und im gesamten 20. Jahrhundert hinsichtlich seiner Reputation, seines gesellschaftlichen und politischen Einflusses und seiner Verbreitung an Bedeutung. Einige traditionell christliche westliche Länder verzeichnen sinkenden Klerikernachwuchs, Verkleinerung der Klöster und ein Anwachsen von Kirchenaustritten oder andere Formen von Distanzierung. In den meisten europäischen Staaten gehörten im Jahr 2005 mehr als 50 % der Einwohner einer christlichen Kirche an.
Besonders im Gebiet der ehemaligen DDR, deren Regierung die Verbreitung einer atheistischen Weltanschauung förderte und in Frankreich, wo Napoleon die Schließung und Enteignung von Klöstern anordnete und Anfang des 20. Jahrhunderts eine strikte Trennung von Kirche und Staat durchgesetzt wurde, ging der gesellschaftliche Einfluss der Kirchen zurück. Studien im Vereinigten Königreich belegen rückläufige Besucherzahlen in Kirchen, Synagogen und anderen religiösen Einrichtungen, obwohl die Kirchen hier Umfragen zufolge weiterhin zu den reputierten öffentlichen Einrichtungen zählen. In Polen, Irland, Spanien und Italien gilt die katholische Kirche, der jeweils mehr als 80 % der Bewohner angehören, als einflussreich.
In den meisten europäischen Ländern wurde früher oder später das Recht auf Religionsfreiheit gesetzlich verankert. Davor waren auch nichtreligiöse Menschen in aller Regel in religiöse Organisationen eingebunden, da eine demonstrative Abwendung von der Religion zu Diskriminierungen führen konnte. Diese Gruppe sieht derzeit weniger Gründe, sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen. Während des Kommunismus konnte in einigen Ostblockstaaten eine religiöse Orientierung zu formellen und informellen Benachteiligungen führen. In vielen europäischen Ländern ist es nach wie vor üblich, zumindest formell, einer Religion anzugehören.
Parallel zur Säkularisierung kam es sowohl im protestantischen als auch im katholischen Raum zu einer vertieften und bewussteren Teilnahme am kirchlichen Leben von Seiten einer Minderheit von engagierten und häufig kritischen Laien. Auch junge Menschen wenden sich im Zuge ihrer Sinnsuche seit Ende des vorigen Jahrtausends häufiger wieder der Religion zu.
Im Gegenzug zur Säkularisierung in Europa gewinnt die Religion in der übrigen Welt partiell an Einfluss. In den USA und Lateinamerika beispielsweise zeigen empirische Studien , dass die Religion nach wie vor ein wichtiger Faktor ist. In Afrika südlich der Sahara wuchs das Christentum im 20. Jahrhundert von 8 auf 335 Millionen Gläubige. In der oft konservativen arabischen Welt ist der Islam nach wie vor das prägende Element der Gesellschaft. Auch in China zählen, trotz jahrelangem staatlich verordnetem Atheismus, die Weltreligionen wieder circa 100 Millionen Anhänger.
Positive und negative Wirkungen von Religion
Oft wird der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern einer Religion in Form einer Schaden-Nutzen-Analyse ausgetragen. Allerdings sagt das wenig über den Wahrheitswert von religiösen Botschaften aus. Dies sollte im Folgenden bedacht werden.
Positive Wirkungen
Dass viele Menschen trotz Aufklärung und moderner Religionskritik an ihrem Glauben festhalten, hat mit positiven Erfahrungen zu tun, die sie mit ihrer Religion verbinden.
Religionen postulieren eine Realität jenseits des physisch Wahrnehmbaren sowie oft ein Leben nach dem Tod. Sie ermöglichen so eine Sinngebung, die als fundierter empfunden wird als eine Sinngebung, die durch die als unbefriedigend erlebte Welt und die eigene Sterblichkeit limitiert ist. Sie bieten ihren Anhängern häufig stabile soziale Strukturen. Fast alle Religionen setzen einen, oft rigorosen, ethischen Standard. Manche Menschen befürchten, ohne solches religiöses Fundament würden ethische Standards in der Praxis stark reduziert ("Ohne Gott ist alles erlaubt."). Diese moralischen Postulate sind wichtig, um die Gesellschaft und den einzelnen selbst vor destruktiven Exzessen zu schützen.
Religiöse Aktivitäten, wie Gebet oder Meditation oder auch die Sinneseindrücke und Symbolik von religiösen Zeremonien, führen bei manchen Menschen zu spirituellen Empfindungen. Religiöse Gemeinschaften können ihren Mitgliedern Inspiration für Mitgefühl, praktische Nächstenliebe und moralische Selbsteinschränkung bieten.
Alle Weltreligionen und darüber hinaus die meisten kleineren Religionen, fordern Barmherzigkeit von ihren Mitgliedern, das heißt, sie sollen sich fürsorglich um andere Menschen kümmern. Hierbei ist es weitgehend unerheblich, ob diese der eigenen Religionsgemeinschaft angehören oder nicht. So ist im Islam z.B. vorgeschrieben, dass jeder einen festen Anteil seines Einkommens für soziale Zwecke spenden soll. Besondere Hilfe und Fürsorge wird den Mitgliedern der eigenen Religionsgemeinschaft zuteil. Ein besonderer Aspekt der Religion ist der Frieden stiftende, welche besonders im Gebot der, in einigen Religionen postulierten, Feindesliebe Ausdruck findet. Alle diese Werte und Haltungen werden in unterschiedlicher Weise auch in nicht religiös orientierten Gruppierungen vertreten.
Es lässt sich beobachten, dass beispielsweise das Christentum in der Vergangenheit für die Gründung vieler großer Universitäten und Schulen, den Aufbau von Hospitälern, den Vorläufern der heutigen Krankenhäuser, das Verteilen von Nahrungsmitteln und die Schaffung von Waisenhäusern verantwortlich war. Andere Religionen und weltliche Organisationen haben im Rahmen ihrer Kulturen und im Verhältnis zu ihrer Größe und ihrem Reichtum vergleichbare Leistungen vorzuweisen.
Forschungen von Abraham Maslow nach dem Zweiten Weltkrieg zeigten, dass die Überlebenden des Holocaust oft diejenigen mit starken religiösen Überzeugungen (nicht notwendigerweise Tempelbesuch etc.) waren. Die humanistische Psychologie untersuchte, ob eine religiöse oder spirituelle Persönlichkeitsprägung mit längerer Lebensdauer und besserer Gesundheit verknüpft ist. Viele Menschen brauchen möglicherweise insbesondere religiöse Bindungen, weil diese verschiedene emotionale Bedürfnisse, wie das Bedürfnis, geliebt zu werden, das Bedürfnis, zu einer gleichförmigen Gruppe zu gehören, das Bedürfnis nach verständlichen Erklärungen oder das Bedürfnis nach Gerechtigkeit befriedigen.
Maslows Ergebnisse haben sich in anderen Zusammenhängen nicht als wiederholbar erwiesen. Die These einer Korrelation zwischen Religion und Gesundheit bzw. Lebensdauer eines Individuums ist daher wissenschaftlich umstritten. Der besondere Umstand, dass Maslow ausschließlich Überlebende des Holocaust befragt hatte, und dass Religion das primäre Auswahlkriterium für die Forschungssubjekte war, könnte zu einer Verzerrung der Ergebnisse geführt haben.
Religion kann auch, soweit sie moralische Leistungen - gute Taten - fordert, neben Hilfe im Einzelfall, begrenzte oder umfassende Reformen und Verbesserungen des rechtlichen oder wirtschaftlichen Systems einer Gesellschaft motivieren.
Negative Wirkungen
Die stärkste Form negativer Wirkung stellen Kriege und andere Gewalttaten dar, die mit religiösen Auffassungen begründet werden. Dies werten Gläubige zumeist als Missbrauch ihrer Religion, während Religionskritiker von einer allen Religionen immanenten Tendenz zu "Fanatismus und Grausamkeit" ausgehen.
Im Westen beispielsweise wurde der römisch-katholischen Kirche die Inquisition vorgeworfen. Andere Verbrechen im Namen der Religion vor christlichem Hintergrund sind beispielsweise Kreuzzüge, Hexenverfolgung, Judenverfolgung, Gewalttätige Formen der Missionierung sowie teilweise die Unterstützung von an sich atheistischen Diktaturen und die ambivalente Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus. Der Kirchen- und Religionskritiker Karlheinz Deschner hat in seinem auf zehn Bände angelegten Werk Kriminalgeschichte des Christentums eine Fülle historischen Materials zu diesem Thema ausgewertet, kommentiert und für den Laien verständlich aufbereitet.
In den meisten demokratisch regierten Ländern werden Religionen von der Politik mehr oder weniger getrennt. Wenn man die Auswirkungen einer Säkularisierung im direkten Vergleich mit einem religiös gebundenen System wissenschaftlich, d.h. empirisch, untersucht, werden die Vor- und Nachteile beider Ansätze deutlich. Hierbei wird das oben behandelte Problem der Definition eine Rolle spielen: denn nicht alles, was unter dem Terminus "Religion" subsummiert wird, hat die gleichen Konsequenzen, wenn politische Macht ausgeübt wird. (vgl. hierzu die Untersuchungen Max Webers zu der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung in protestantischen und katholischen Ländern).
Wo religiöse Kräfte zu viel Einfluss auf nationale und supranationale politische Strukturen haben, prägen sie entweder die Gewalt der jeweiligen Regierung oder werden von ihr geprägt. Die beiden Fälle lassen sich nicht immer deutlich unterscheiden:
- Seit der islamistischen Revolution von 1979 wurden in Iran tausende von Menschen wegen sogenannter Verbrechen gegen die Religion inhaftiert, gefoltert und oft sogar ermordet. Frauen werden systematisch benachteiligt und schon wegen einer Nichteinhaltung von Bekleidungsvorschriften bestraft. Wegen sogenannter moralischer Verfehlungen können sie legal öffentlich gesteinigt werden. Homosexualität gilt als Verbrechen. Religiöse Minderheiten und politische Dissidenten werden strafrechtlich und von den sogenannten Religionswächtern verfolgt.
- Im christlichen Namibia kam es in den 1990er Jahren zu Gewalttätigkeiten gegenüber Homosexuellen, die von religiösen Autoritäten aber teilweise auch von der Regierung für eine langdauernde Dürre verantwortlich gemacht wurden.
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