:: wikimiki.org ::
| Qigong |
QigongQigong (氣功 - pinyin: qì gōng, Wade-Giles: ch'i kung) ist eine chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist, die auch Teil der traditionellen Chinesischen Medizin ist. Auch Kampfsport-Übungen werden darunter verstanden. Zur Praxis gehören Atemübungen, Körper- und Bewegungsübungen, Konzentrationsübungen und Meditationsübungen der inneren Stille. Die Übungen dienen zur Anreicherung und Harmonisierung des Qi.
Der Ursprung der Übungen liegt weit zurück, schon im Zhuangzi werden bestimmte Formen angedeutet und aus der Zeit der Han-Dynastie liegen Seidenbilder vor. Der Name "Qigong" wurde zum ersten Mal von dem Daoisten Xu Xun aus der Jin-Zeit verwendet und er bezeichnet seitdem bestimmte Übungen in der Kampfkunst. In der Geschichte Chinas hat diese Praxis als Gesundheitsvorsorge immer eine große Rolle gespielt, wurde aber auch für religiös-geistige Zwecke, insbesondere im Daoismus und Buddhismus, eingesetzt und in den Klöstern überliefert. Die Bezeichnung Qigong für diese Übungen findet jedoch erst seit den 50er Jahren des 20.Jahrhunderts Verwendung und die unterschiedlichen Stilarten des Qigong sind zum Teil ganz neue Entwicklungen, die jedoch auf den jahrtausendealten Traditionen basieren.
In den Fünfzigerjahren wurde der Name Qi Gong von dem Arzt Liu Guizhen für diese Gesundheitsübungen verwendet, der in seiner Arbeit Techniken alter Tradition zur Förderung und Stabilisierung des Energiehaushaltes des Körpers und zur Behandlung von Krankheiten verwendete.
Etymologie
"Qi" steht in der chinesischen Philosophie und Medizin sowohl für die bewegende als auch für die vitale Kraft des Körpers, aber auch der gesamten Welt. In der chinesischen Sprache hat es die Bedeutung von Atem, Energie und Fluidum. Man betrachte diesen Begriff besser phänomenologisch als nur rein substanziell. Er umfasst viele Ausprägungsformen und Wirkungsweisen. "Gong" als chinesischer Begriff bedeutet einerseits "Arbeit", aber auch "Fähigkeit" oder "Können". Somit kann man "Qigong" übersetzen als "stete Arbeit am Qi" oder auch als "Fähigkeit, Können, mit Qi umzugehen, es zu nutzen".
Die Praxis des Qigong soll die Lebensenergie stärken, das Leben verlängern und zu einer gesunden geistigen Verfassung verhelfen.
Geschichte
Die für uns nachvollziehbare historische Entwicklung des Qigong ist verbunden mit inhaltlichen Veränderungen und ihren Zielsetzungen. Die wichtigsten Einflüsse kamen dabei aus dem Daoismus, dem Buddhismus, den Kampfkünsten und natürlich der klassischen chinesischen Medizin. Hierbei lassen sich keine strengen Trennlinien ziehen, die verschiedenen Strömungen flossen ineinander, verzweigten sich wieder und wurden miteinander verflochten. Heute stehen wir vor einem mitunter verwirrenden, lebendigen Mosaik, das vor unseren Augen sein Bild verändert und unter unserer Mitwirkung ständig neue, verwundernde Aspekte offenbart.
Die Einflüsse der klassischen chinesischen Medizin
Das älteste überlieferte Werk der klassischen chinesischen Medizin, Huang Di Nei Jing So Wen (Fragen und Antworten des Gelben Kaiser zum Inneren) wird auf die Zeit um 200 v.u.Z. datiert. In ihm finden wir die ersten schriftlichen Hinweise auf Körperübungen zur Erhaltung der Gesundheit.
1973 wurden in dem Dorf Mawangdui, nahe bei Changsha, in einem Grab aus der frühen Han Zeit mehrere Seidentücher gefunden, teilweise beschrieben mit historischen Texten wie dem Daodejing, teilweise bemalt. Ihr Alter datiert man auf ca. 2500 Jahre. Ein Fragment zeigt 44 Menschen bei Übungen zum Führen des Atems und zum Dehnen des Körpers. Sie sind nach Tierstellungen benannt oder den Krankheiten, denen sie entgegen wirken sollen Obwohl aus jener frühen Epoche der chinesischen Kultur mehrere Hinweise auf Qigong-Praktiken überliefert sind, ist es nicht möglich, eine nachvollziehbare Methode daraus abzuleiten.
Wenn auch die Konzepte der chinesischen Medizin eine völlig andere Vorstellung der Lebensfunktionen zeichnen als die Naturwissenschaften, so erstellten sie damit dennoch "Landkarten", die effektive Diagnose- und Therapiemethoden ermöglichen. Wie und warum sie wirken, ist bisher auch nur in der Sprache der chinesischen Medizin beschreibbar.
Die chinesische Medizin geht selbstverständlich davon aus, dass der Fluss des Qi, seine Qualitäten und seine Veränderungen für das Wohlbefinden bzw. das Auftreten von Krankheiten verantwortlich sind. Mit diesem Verständnis wurden die Konzepte von Yin und Yang und den 5 Wandlungsphasen kontinuierlich weiter entwickelt und verfeinert.
Qi soll im Körper nach verschiedenen Mustern zirkulieren. So steht das Qi der inneren Organe miteinander in Verbindung, es kreist in den Leitbahnen (Meridianen) und hat einen schützenden Aspekt in der Körperoberfläche und dicht um den Körper herum.
Im medizinischen, also die Gesundheit fördernden und stabilisierenden Yangsheng - Qigong soll das harmonische Zusammenspiel der Substanzen Qi, Jing = Essenz, Xue = Blut und Jinye = Körpersäfte durch die Übungen gewährleistet werden. Dabei spielt das Mehren und Lenken des Qi die wichtigste Rolle.
Gemäß dem Leitspruch, dass es besser ist, Gesundheit zu erhalten, statt Krankheit zu heilen, gibt es im medizinischen Qigong eine Fülle von Übungsreihen, die dem System Stabilität verleihen sollen, um einem Ungleichgewicht vorzubeugen. Ein schönes Beispiel bildet die Reihe des Dao Shi Qigong, Übungen im Einklang mit den Jahreszeiten. Hier wird deutlich wie sehr das Innere und das Äußere als sich bedingenden Einheiten verstanden werden.
Oft wird den einzelnen Übungen zusätzlich eine besondere Wirkung auf ein bestimmtes Organ bzw. dem damit verbundenen Funktionskreis zugesprochen, oder ein Effekt bei definierten Krankheitsbildern.
Man kannte aber auch schon im Altertum Übungen oder Bewegungsfolgen, die gegen erklärte Symptome eingesetzt wurden. Solche Praktiken konnten mit sich verbesserndem Wissen verfeinert werden. In den Epochen der Sui- und Tang-Zeit (589 907 u.Z.) verbanden sich erstmals medizinische Vorstellungen und Qi-Konzepte der daoistischen Yangsheng-Literatur zu einer eigenen medizinische Fachrichtung.
Die Einflüsse des Daoismus
Als den Anfang dessen, was wir als Daoismus bezeichnen, können wir eine kleine Schrift ansehen, die nach neuesten Erkenntnissen wohl um ca. 600 v.u.Z. entstanden ist. Als Autor wird ein Weiser namens Laozi angegeben, wobei seine tatsächliche Existenz nicht nachgewiesen ist. Bei dem Buch Daodejing handelt es sich wohl eher um eine Sammlung älterer, lange Zeit mündlich überlieferter Sprüche, die mit späteren Kommentaren vermischt wurden. Der knapp 5000 Schriftzeichen umfassende Text befasst sich in oft rätselhaften und vieldeutigen Formulierungen mit dem Wirken des Dao und der Tugend. Schon in der ersten Zeile verweigert der Autor eine klare Festlegung auf das, was "Dao" sei:
"Das Dao, das enthüllt werden kann, ist kein ewiges Dao."
Die von den Konfuzianern so hoch geschätzte Zivilisation ist demnach lediglich eine Entfremdung von der natürlichen Ordnung. Statt dessen empfiehlt das Buch ein Leben in Einfachheit und die Pflege des Qi. Der beste Herrscher ist einer, der durch "Nichteingreifen" (Wu wei) den Dingen ihren natürlichen Lauf lässt. Noch radikaler sind die Ideale des Zhuangzi, einem Nachfolger Laozis, der jegliche Reglementierung ablehnt, das öffentliche Leben verspottet und die individuelle Ungebundenheit preist.
Im 3. Jahrhundert v.u.Z. verbreitete sich der Huang -Lao Daoismus, der sich auf die medizinischen Lehren des Huangdi in Vermengung mit den Lehren Laozis berief. In dieser Form erhielt der Daoismus eine starke politische Bedeutung und in Bezug auf die Erhaltung des Körpers eine gewisse "Wissenschaftlichkeit". Andererseits verbreitete sich in jener Zeit der Glaube, durch bestimmte Qigong-Techniken körperliche Unsterblichkeit zu erlangen. Das Ideal der Unsterblichkeit steht in direktem Zusammenhang mit dem Konzept von der Unversehrtheit einer kosmischen Ordnung. Versteht man es, den Körper nach den Regeln des Dao zu organisieren, so wird er ebenso beständig und unbeschadet funktionieren wie das gesamte Universum.
Aus der Zeit um 200 u.Z. ist uns von dem Arzt Hua To die Kunst der 5 Tiere überliefert. "... darum übten die Weisen der Vorzeit die Kunst des Atmens. Sie streckten ihre Lenden und Gliedmaßen und bewegten die Muskeln des Unterbauchs. Auf diese Weise suchten sie das Altern aufzuhalten. Ich besitze eine Methode, welche die Kunst der 5 Tiere heißt, des Tigers, des Hirschen, des Bären, Affen und Vogels:"
Unter den verschiedenen Techniken zur Lebensverlängerung nimmt die Alchemie eine Schlüsselstellung ein. Bei dieser von den Daoisten gepflegten Kunst unterscheidet man zwei Arten: die äußere (waidan) und die innere (neidan) Alchemie. In der äußeren Alchemie versuchte man, aus möglichst reinen Substanzen ein Elixier herzustellen, das den Körper unvergänglich macht. Die innere Alchemie bewirkt durch meditative Techniken, kombiniert mit Atem- und Bewegungsübungen, Vorgänge im Körper, die im übetragenen Sinne geistige Unsterblichkeit herbeiführen sollten. Die Möglichkeiten der Lebensverlängerung, Verjüngung und Erhalt der Gesundheit sammeln sich unter dem Begriff Yangsheng (den Körper nähren), der heute für das medizinisch ausgerichtete Qigong verwendet wird.
Leicht zu verwechseln ist die Bezeichnung mit Yangshen (den Geist nähren), welches sich auf die mehr meditativen Methoden bezieht, in der die Alchemie als eine Transformation des Bewusstseins verstanden wird.
Als eine der höchsten Schulen dieses alchemistischen Qigong gilt das Tai Yi Jin Hua Zong Zhi, "Das Geheimnis der Goldenen Blüte". Die Technik geht wohl auf ältere daoistische Quellen zurück und wird in einem Werk von Wei Bo Yang (um 140 u.Z.) als älteste Überlieferung beschrieben. In späteren Ausführungen wird der buddhistische Einfluss dann unübersehbar und die Methode wurde in Abwandlungen zu einem wichtigen Bestandteil des Chan-Buddhismus (Zen). Dieses Qigong ist rein meditativ und beginnt mit dem Führen und Lenken des Atems. Es werden keine körperlichen Übungen ausgeführt.
Um die Mitte des 2. Jh. u.Z. spaltete sich, vermutlich als Antwort auf den sich ausbreitenden Buddhismus, eine religiöse Form des Daoismus ab, die Himmelsmeister.
Eine wichtige Rolle darin spielte die Heilung von Krankheiten mittels Ritualen und Talismanen. Außerdem hatte mediale Wahrsagerei einen großen Stellenwert. Im Gegensatz zum philosophischen Daoismus entwickelte der religiöse Daoismus ein ausuferndes Götter-Pantheon, das sich einer systematischen Darstellung entzieht. Während in den Tempeln eine mehr volksnahe Religiosität betrieben wurde, pflegte ein sich entwickelndes Mönchswesen ab dem 12.Jh. in zurückgezogenen Klöstern die Techniken des Yangshen Qigong.
Seit dem Ende des 6. Jh. nahm der Einfluss des Buddhismus auf das geistige Leben Chinas enorm zu. Aber auch der Daoismus wurde, vor allem in den oberen gesellschaftlichen Schichten, geschätzt und gefördert. Während dieser Blütezeit, die bis zum Ende der Tang-Dynastie (907 u.Z.) dauerte, vermischten sich die Inhalte beider Lehren, ein Prozess, der bis in die Theorien der klassischen Medizin hineinwirkte. Rituelle Praktiken, heilkundliche Vorstellungen und weltanschauliche Ideen verbanden sich zu neuen Konzepten. Aus dieser Zeit dürften Übungen stammen, die sich auf die jahreszeitlichen Epochen des chinesischen Kalenders beziehen, um das Qi des Körpers mit dem der Atmosphäre in Einklang zu bringen.
Das um die Jahrtausendwende entstandene Werk Yuanqi Lun (Textsammlung über das ursprüngliche Qi) verweist immer wieder auf die Bedeutung der "Leere des Herzens" als Grundvoraussetzung für einen Zugriff auf das ursprüngliche Qi und somit die Wirksamkeit der Atem- und Körperübungen.
Neben dem Herz, dem Palast des Geistes, spielen im daoistischen Qigong auch die drei Dantian und der sogenannte "Kleine Himmlischer Kreislauf" und "Großer Himmlischer Kreislauf" eine entscheidende Rolle. In oftmals sehr verschlüsselten, schwer nachvollziehbaren Anweisungen, wird der Adept darin gelehrt, sein Qi zu reinigen und zu schmelzen, die drei Dantian zu vereinigen oder zum Ursprünglichen zurück zu kehren. Man lehnt es ab, sich mit Äußerlichkeiten abzugeben, richtet sein Augenmerk ausschließlich auf das Studium des Dao, was auch das Studium der Wahrhaftigkeit genannt wird. Man weiß über die große Zahl der Übungen des Kultivierens und Schmelzen, doch es genügt, sein Selbst zu beschränken, dann wird das Qi unermesslich strömen.
Mit dem Beginn der Song-Dynastie übernahmen neokonfuzianische Theorien die Entwicklung des chinesischen Geisteslebens. Qi wurde nun mehr naturwissenschaftlich untersucht, was für den medizinischen Fortschritt sehr förderlich war.
Daoistische Praktiken wurden in die Klöster und Tempel zurückgedrängt. Die wichtigsten Zentren dieser Kultur sind Wudang in der Provinz Hu, Emei im Süden und Laoshan an der Ostküste.
Die Einflüsse des Buddhismus
Der im 5. Jahrhundert v.u.Z. in Indien entstandene Buddhismus gelangte um die Zeitenwende nach China. Die Übertragung seiner Texte, der Sutren, ins Chinesische krankte in der Anfangsphase vor allem an den mangelnden Termini. So wurden Begriffe des Daoismus verwendet. Dao stand wechselnd für Dharma, die Lehre des Buddha, oder für Bodhi, Erleuchtung. Der Begriff Wu Wei, nicht-Handeln, wurde nun zum Synonym für Nirvana.
Im Wesentlichen fanden in der Frühzeit des chinesischen Buddhismus die Texte der dhyana-Übungen Verbreitung, die Atem-, Konzentrations und Meditationstechniken enthielten. Hier lässt sich auch eine größere Begriffsnähe in den Konzepten "Prana" und "Qi" finden.
"Prana" bedeutet wie "Qi" Atem, Atmung, Leben, Vitalität, Wind, Energie, Kraft und ist ebenso sinnverwandt der menschlichen Seele. Es vereint in sich sowohl die Vorstellungen einer universellen als auch einer individuellen Kraft. Da andererseits viele Grundgedanken des indischen Buddhismus den chinesischen Idealen aus konfuzianischem und daoistischem Denken entgegengesetzt waren, dauerte der Prozess der Assimilierung mehrere Jahrhunderte.
Um 500 kam der buddhistische Mönch Da Mo (Bodhidharma) aus Indien nach China. Da er der Legende mach am kaiserlichen Hof nicht Gehör fand, zog er sich in das Shaolin Kloster zurück. Dort meditierte er ununterbrochen neun Jahre in einer Höhle. Danach unterrichtete er die Mönche in der Methode Yi Jin Jing (Umwandlung der Muskulatur), um einerseits ihre schwächliche Konstitution zu stärken und gleichzeitig den Geist wach zu halten. Ebenso wie die Technik des Knochenmark-Waschens, wurde Yi Jin Jing in die Kampfkünste integriert, welche die Grundlagen der heute als Shaolin Gongfu bekannten Methoden darstellen. Auch sind aus buddhistischer Tradition Übungen bekannt, die der Reinigung des Körpers dienen sollen und vermutlich aus dem indischen Yoga abgeleitet wurden.
In der Hauptsache aber kultivierte der an der Erlangung einer Erleuchtung interessierte Buddhismus eher meditative Techniken, die oftmals auf daoistische Wurzeln zurückgingen.
Wenn auch in chinesisch buddhistischen Texten der Begriff des Qi auftaucht, so ist damit eine gänzlich andere Betrachtung verbunden als im Daoismus. Es sind dann eher Parallelen mit der medizinischen Auffassung zu finden. So sind Vorstellungen von Kanälen beschrieben, die den Leitbahnen ähneln und die Dantian können mit den Chakren verglichen werden.
Die schon oben erwähnten Techniken der Shaolin-Mönche fanden nur langsam Eingang in andere Kampfkunst-Schulen. Die Methode Yi Jin Jing besteht vorwiegend aus einem wechselnden Anspannen und Entspannen einzelner Muskelpartien. Dadurch wird Qi und Blut in der bearbeiteten Region gesammelt und langsam verteilt. Das gesamte Trainingsprogramm kann bis zu 16 Stunden täglich in Anspruch nehmen. Dafür zeigen die Kampfmönche allerdings auch hervorragende Leistungen.
Aus den Vorbereitungstechniken für eine hohe Kampfbereitschaft wurden Praktiken, die sich für die allgemeine Gesundheitsvorsorge eigneten, wie zum Beispiel das Eisenhemd Qigong, in die Yangsheng Tradition übernommen.
Es ist eine Frage, wie weit man den Qi-Begriff fassen will, ob alle Techniken aus den Kampfkünsten tatsächlich als Qigong bezeichnet werden dürfen. Sicherlich in die Reihe der tausend Qigong Methoden gehören die inneren Kampfkünste Taijiquan, Baguazhang und Xingyiquan, die zum Besiegen des Gegners Qi anstelle von Körperkraft, Geschicklichkeit oder Geschwindigkeit einsetzen.
Einflüsse der Neuzeit
Nach der sogenannten Kulturrevolution in der VR China, während der alle Traditionen als revanchistisch verpönt waren und verfolgt wurden, erlebte die Kunst des Qigong langsam eine Renaissance. Man betrachtet sie als einen einmaligen Schatz der chinesischen Kultur und ist bemüht, die Wirksamkeit des Qi wissenschaftlich zu erforschen. Viele neue Systeme, vor allem im therapeutischen Bereich, wurden entwickelt, andere, angeblich sehr alte, tauchten auf und fanden oft spektakuläre Verbreitung. Vor allem in den letzten dreißig Jahren, seit Qigong in China wieder öffentlich verbreitet und staatlich gefördert wird, hat sich auf diesem Gebiet viel getan. Es werden zum Teil erstaunliche Heilungserfoge gemeldet. Nicht unerwähnt bleiben darf jedoch in diesem Zusammenhang, dass in den letzten Jahren auch vermehrt Fälle von Erkrankungen durch falsch angewandtes Qigong aufgetreten sind und in einigen Kliniken Spezialabteilungen für solche Phänomene eingerichtet wurden. Neben der Pflege alt überlieferter Übungen scheint eine Epoche des Experimentierens angebrochen zu sein, in der Techniken unterschiedlicher Herkunft vermischt werden. Auch im Westen werden Qigong Übungen mit Methoden aus der eigenen Geschichte, z.B. Bioenergetik, Atemtherapie, autogenes Training, kombiniert. Es ist zu befürchten, dass in Folge dieses modernen Synkretismus, der auf schnelle Erfolge schielt, ein über Jahrtausende gewachsenes Wissen über tiefgreifende energetische Vorgänge in Körper und Psyche als Verpackungsmüll dem Recycling zugeführt wird. Auch die chinesischen Bemühungen einer Verwissenschaftlichung des Qi-Phänomens nach abendländischen Maßstäben wird uns kaum dem Mysterium des Lebens näher bringen.
Formen des Qigong
Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Richtungen des Qigong.
Darunter Praktiken aus der Richtung des Buddhismus und Praktiken aus der Richtung des Daoismus. (Insgesamt wurden über 1000 verschiedene Richtungen beim Forschungsinstitut für Qigong in Peking angemeldet, von denen allerdings nur etwa 100 anerkannt wurden.)
Qigong wird erst dann zu Qigong, wenn wenigstens zwei von vier Komponenten sich zu einer Einheit in der Übung verbinden: - Entspannung - Ruhe - Natürlichkeit - Bewegung - Atmung - mentale Vorstellung - Ton - .
Die unterschiedlichen Formen haben unterschiedliche Merkmale:
Im Daoismus wird Waidan, das äußere Elixier, zu den Bewegungsübungen und Kampfkünsten gerechnet. Dazu gehört auch Taijiquan.
Neidan, das innere Elixier, bezeichnet Atemübungen und innere (meditative und konzentrative) Qigong-Übungen. Innerhalb des Neidan gibt es noch Unterscheidungen zwischen Übungen mit Bewegung oder in bestimmten Körperhaltungen, Übungen des Nährens des Qi, Qigong-Massage, medizinischem Qigong und Heilmethoden mit Qi.
Einige Qigong-Methoden wie das Shenjifa (Weg zu übernatürlichen Fähigkeiten), sind geheim und werden nur von Lehrern an Schüler vermittelt und andere meditative Methoden werden auch als spirituelle Erleuchtungsübungen verstanden.
Brokate: Die 8 Brokate (chinesisch: Pa Tuan Chin / Baduanjin) ist die wohl berühmteste Übungsreihe. "Brokate" nimmt Bezug auf die kostbare, feine Brokatseide. In der chinesischen Bevölkerung sind die 8 Brokate bekannt und beliebt und werden seit Jahrhunderten als Übung zur Gesunderhaltung, Verjüngung und Langlebigkeit in verschiedenen Variationen weitergegeben.
Die acht Übungen:
- Den Himmel mit beiden Händen stützen,
- Den Bogen spannen und auf den Adler zielen,
- Die Hände einzeln heben und die Milz und den Magen stärken,
- Nach hinten schauen und fünf Krankheiten und sieben Leiden vertreiben,
- Mit dem Kopf nicken, mit dem Schwanz wedeln und das Feuer aus dem Herzen vertreiben,
- Die Fäuste ballen und mit den Augen funkeln, um die Kräfte des Lebens zu mehren,
- Mit beiden Händen die Füße fassen, um Nieren und Hüfte zu stärken,
- Die Ferse heben und den Rücken fallen lassen und hundert Krankheiten vertreiben.
Bekannte Schulen
Die derzeit bekannteste - aber auch stark umstrittene - Qigongschule ist Falun Gong. Eine weitere Qigong-Bewegung ist Zhonggong. Beide Bewegungen leiden in China unter starker Verfolgung.
Siehe auch
- Taijiquan
Weblinks
- [http://www.tqj.de www.tqj.de Taijiquan & Qigong Journal]
- Kritischer Artikel zu Qigong von Jia Zhiping in Hagia Chora: [http://www.geomantie.net/content/printable/id__art_3a8613439270a.html Teil I] | [http://www.geomantie.net/content/printable/id__art_3a86135db49ec.html Teil II] | [http://www.geomantie.net/content/printable/id__art_3a86135c94e1b.html Teil III]
- [http://www.tai-chi-zentrum.de Deutscher Qigong-Verband]
- [http://www.qigong-literatur.de Buchtipps zum Thema Qigong]
Kategorie:Meditation
Kategorie:Kultur (China)
Kategorie:Chinesische Medizin
Kategorie:Chinesische Philosophie und Religion
ja:気功
PinyinPinyin (chin. 拼音 pīnyīn) ist die offizielle chinesische Romanisierung der chinesischen Sprache Mandarin in der Volksrepublik China. Eigentlich heißt es 汉语拼音文字/漢語拼音文字 Hànyǔ Pīnyīn Wénzì, dt. Zeichen zur Fixierung der Laute im Chinesischen. Diese phonetische Umschrift auf der Basis des lateinischen Alphabets wurde vom Staatsrat 1956 offiziell beschlossen und Ende 1957 genehmigt. Sie löste damit auf dem Festland die 1921 eingeführte nicht-lateinische Zhùyīn (oder Bopomofo)-Umschrift ab, die eher den japanischen Kana nachempfunden war.
Die durch die Pinyin-Umschrift angegebene Aussprache basiert auf dem Peking-Dialekt. Gleichzeitig wurden damit die vereinfachten chinesischen Schriftzeichen zum offiziellen Schriftsystem der VR China.
Hànyǔ Pīnyīn ist bei der Internationalen Standard Organisation ISO als ISO 7098:1991 registriert und damit als internationaler Standard anerkannt.
Zur Aussprache
Da die chinesischen Zeichen immer genau eine Silbe beschreiben, ist auch die Pīnyīn-Umschrift silbenbasiert. Die chinesische Silbe besteht aus einem Anlaut und einem Auslaut. Die Silbe 'ba' besteht aus dem Anlaut 'b' und dem Auslaut 'a'. Die meisten Auslaute können auch ohne Anlaut gesprochen werden. Da sich das chinesische und das deutsche Lautsystem in einigen Punkten erheblich unterscheiden, sind die Aussprachehinweise nur Näherungen (in eckigen Klammern jeweils die Aussprache nach dem Internationalen Phonetischen Alphabet).
Anlaute
- b - wie deutsches b, aber stimmlos wie in Bayern, Österreich, Schweiz
- p - behaucht (mit Atemdruck) wie auf englisch
- m - wie deutsches m [m]
- f - wie deutsches f [f]
- d - wie deutsches d, aber stimmlos wie in Bayern, Österreich, Schweiz
- t - behaucht wie auf englisch
- n - wie deutsches n [n]
- l - wie deutsches l [l]
- z - ähnlich wie ds in (Lan)ds(mann), beginnt stimmlos, nicht behaucht
- c - wie deutsches z, aber stark behaucht
- s - scharfes s, wie deutsches ß in (Mu)ß(e) [s]
- zh - wie z, aber mit nach hinten an den Gaumen gekrümmter Zungenspitze
- ch - wie zh, aber stark behaucht
- sh - ähnlich wie deutsches sch, aber mit gekrümmter Zunge wie bei zh und ch
- r - englisches "r" und französisches "j" gleichzeitig, Zunge gekrümmt wie bei sh, ch, zh (wird oft auf eine der beiden Komponenten reduziert)
- x - sagen wir... deutsches ch in (i)ch, deutsches s und deutsches sch gleichzeitig, und dann einen [j]-ähnlichen offglide dahinter (wie bei französisch gn)
- q - x mit t davor und stark behaucht
- j - wie q, aber nicht behaucht, und endet stimmhaft
- g - wie deutsches g, aber stimmlos wie in Bayern, Österreich, Schweiz
- k - wie deutsches k, aber sehr stark behaucht wie im Tirolerischen
- h - wie deutsches ch in (a)ch [x]; außer vor u, dort wie auf deutsch [h]
- y - wie deutsches j; wenn Auslaute mit i oder ü ohne Anlaut vorkommen, dann wird ein y davorgesetzt, das von den meisten nicht ausgesprochen wird, also i -> yi (ausgesprochen i, selten ji) oder iang -> yang (ausgesprochen jang), bei ü verschwinden die Punkte, also ü -> yu (ausgesprochen ü, selten jü) oder üe -> yue (ausgesprochen üe, selten jüe)
- w - wie auf englisch; wenn Auslaute mit u ohne Anlaut vorkommen, dann wird w davorgesetzt, also u -> wu oder uo -> wo (Aussprache analog zu y)
Auslaute
- a – wie deutsches a
- o – kurzes oa, (fast) wie uo
- e – ähnlich wie kurzes norddeutsches e und englisches er (Kehlkopf nach unten ziehen) , außer in ye, dort wie deutsch Bett und in der Silbe e (ein ungewohnter Zwielaut:
- i – wie deutsches i, außer nach z, c, s, zh, ch und sh, wo es extrem weit unten im Rachen gesprochen wird (Kehlkopf weit nach unten ziehen)
- ia, iao, ie, ian, in, iang, ing, iong – wie bzw. fast wie die Silben ya, yao, ye, yan, yang, ying, yong; in -ian und yan wird das a wie in englisch "an" ausgesprochen; e in -ie und ye wie deutsch Bett
- iu – Zwielaut aus deutsch ich und deutsch und
- u – wie deutsches u. Ein u nach y, j, q und x ist eigentlich ein ü (siehe übernächster Eintrag), da dort kein echtes u vorkommen kann.
- ua, uo, uai, ui, uan, uang – fast wie die Silben wa, wo, wai, wei, wan, wang
- ü – wie deutsches ü, kann mit anderen Auslauten kombiniert werden: üe (e wie deutsch Bett), üan (a wie in englisch an), ün; nach y, j, q und x (wo die Aussprache u nicht vorkommt) wird das ü vereinfacht als u geschrieben, der Buchstabe kommt also nur nach n und l vor
- ai – gesprochen wie norddeutsch ei in Osterei oder ai in Mai; fast wie englisch I und eye
- ei – wie englisch day
- er – kurzes e und r, wird manchmal zu r alleine verkürzt: na'er -> nar
- ao – fast wie deutsch au
- ou – ähnlich wie englisch low
- an, en, in, un – n wie auf deutsch, e meistens wie in deutsch Bett, u ist hier ein Zwielaut ähnlich wie deutsch gurgeln
- ang, eng, ing, ong – ng wie auf deutsch, recht nasal gesprochen; ong klingt eher wie deutsches -ung; e in eng siehe oben (aber ebenfalls nasal); nicht die nächste Silbe mit g beginnen, außer es steht extra da, wie in Yīngguó!
Besonderheiten
Bei den Anlauten y, j, q, und x beginnt ein mit u geschriebener Auslaut mit einem gesprochenen ü (Blau).
Der Anlaut y wird bei nachfolgendem u oder i nicht gesprochen ("pinyin" wird also "pinin" gesprochen).
Der Anlaut w wir wie ein u ausgesprochen, in der Kombination "wu" gar nicht.
Nach den Anlauten z, c, zh, sh und r wird das i alveolar, d.h. im Rachen, gebildet - "es bleibt einem im Halse stecken" (Gelb).
Die Auslaute ui, un und iu, werden uei, uen und iou gesprochen (Grün).
Nachfolgend einige Beispiele. Der Zeilentitel gibt den geschriebenen Anlaut, der Spaltentitel den geschriebenen Auslaut. In der Zelle findet sich eine Annäherung an die Aussprache in deutscher Lesart. Das "(i)", deutet ein alveolares i an. Das "ch" in der angenäherten Aussprache, wird wie das ch im ich gesprochen. Ein "-" bedeutet, dass es diese Silbe im pinyin nicht gibt.
Bezeichnung der Töne
Internationalen Phonetischen Alphabet
Außerdem werden in der chinesischen Sprache Töne für die Unterscheidung von Bedeutungen benutzt. Es gibt im Mandarin eigentlich 5 Töne, meist wird der "leichte Ton" aber nicht gezählt und man spricht von 4 Tönen. In der Pinyin-Umschrift werden diese durch diakritische Zeichen (also kleine Buchstaben-Markierungen) an den Vokalen dargestellt. Steht kein Zeichensatz mit Tonmarkierungen zur Verfügung, wird der Ton stattdessen oft durch eine Zahl charakterisiert, z.B. bedeutet hao3, die Silbe hao im 3. Ton (hǎo) zu sprechen.
Beim ersten Ton bleibt die Stimme gleichmäßig hoch, beim zweiten Ton steigt die Tonhöhe an (ähnlich wie deutsch "?"), beim dritten fällt die Stimme erst ab, um dann anzusteigen (ähnlich wie deutsch "?!?"), beim vierten fällt die Stimme (ähnlich wie deutsch "!"). Daneben gibt es auch Silben, die zu kurz und unbetont sind, um einen unterscheidbaren Ton zu haben; diese haben den sogenannten "leichten Ton", der nicht markiert wird.
Der 1. Ton wird durch ein Makron (ā), der 2. Ton durch ein Akut (á), der 3. Ton durch ein Caron (ǎ, Achtung, keine Breve – unten spitz, nicht rund) und der 4. Ton durch einen Gravis (à) dargestellt. Der leichte Ton wird meistens nicht markiert, aber gelegentlich durch einen Punkt oder Ring auf dem Vokal oder durch einen Punkt vor der Silbe (·ma) dargestellt. Finden sich mehrere Vokale in einer Silbe, wird die Tonmarkierung über dem dominierenden Vokal gesetzt, d.h. dem Vokal, bei dem der Mund am weitesten geöffnet ist. Der Vokal einer Silbe der in der folgenden Aufzählung weiter vorne steht, erhält das diakritische Zeichen: a, o, e, i, u, ü.
Wird Pīnyīn nur verwendet, um chinesische Eigennamen innerhalb nicht-chinesischer Texte wiederzugeben, so lässt man die Tonangaben gewöhnlich ganz weg. In Umschriften ganzer chinesischer Sätze oder Texte müssen die Töne aber markiert werden, da sich sonst oft durch die Homografie Mehrdeutigkeiten ergeben können.
Andere Umschriftsysteme
Neben Pīnyīn existieren noch zahlreiche andere Romanisierungen der chinesischen Schrift.
Das Wade-Giles-System ist das bekannteste. Bis vor kurzem wurde es von einigen großen amerikanischen Universitäten als offizielles Romanisierungssystem verwendet, wobei jede Universität jedoch eigene Lösungen (wie die Yale-Umschrift) für die Inkonsistenzen im System entwickelte, weswegen es niemals wirklich zu einem einzigen konsistenten Wades-Giles-System gekommen ist.
Daneben gibt es auch das von der chinesischen Regierung 1928 offiziell anerkannte Gwoyeu Romatzyh, das sich aber nie richtig durchsetzen konnte.
In Taiwan wurde im Jahr 2000 neben Zhùyīn, Yale und Hanyu Pinyin ein neues Umschrift-System (Tongyong Pinyin) eingeführt.
Hauptgründe für die heutige weite Verbreitung des Pīnyīn sind u.a. die in der VR China gedruckten, guten und sehr preiswerten Chinesisch-Lehrbücher für Ausländer, die heute rund um die Welt in Chinesisch-Kursen Verwendung finden und die durchgängig das Pīnyīn-System benutzen, außerdem die Tatsache, dass Hànyǔ Pīnyīn bei der Internationalen Standard Organisation ISO als ISO 7098:1991 registriert ist.
Pīnyīn in HTML
Die folgenden HTML-Kürzel können für die speziellen Zeichen des Pīnyīn verwendet werden:
Siehe auch
- Chinesische Schrift
Literatur
- Yǐn Bīnyōng 尹斌庸, Mary Felley [Fù Mànlì 傅曼丽]: Chinese romanization. Pronunciation and Orthography / Hànyǔ Pīnyīn hé zhèngcífǎ 汉语拼音和正词法 (Beijing, Sinolingua 1990), ISBN 7-80052-148-6 / ISBN 0-8351-1930-0. Yin Binyong war führend an der Entwicklung von Pinyin beteiligt.
Weblinks
- [http://www.foolsworkshop.com/ptou/ Pinyin-Unicode erstellen]
Kategorie:Chinesische Schrift
Kategorie:Chinesische Sprache
Kategorie:Transkription
ja:ピン音
ko:병음
th:พินอิน
Wade-GilesDas Wade-Giles-System zur phonetischen Umschrift der chinesischen Zeichen bzw. Sprache in lateinische Schrift geht auf Thomas Wade (1818-1895) und Herbert A. Giles (1845-1935) zurück. Thomas Wade war der erste Professor für Chinesisch in Cambridge und Herbert A. Giles sein direkter Nachfolger. Professor Wade hatte ein Latinisierungssystem entwickelt, das von Professor Giles in seinem Lexikon für chinesische Zeichen in der Aussprache von Peking im Jahre 1912 verwendet und vervollständigt wurde.
Das System wurde in Robert H. Matthews (1877-1970) Chinese-English Dictionary, herausgegeben 1931 in Shanghai, weiter vervollständigt. Verschiedene Fachleute haben ausgehend von diesem System ihre eigenen Systeme entwickelt, die alle unter dem Namen "Wade-Giles"-System firmieren. So unterscheidet sich das System des Harvard-Yenching Institutes von Matthews System und von dem System, das angeblich offiziell in Taiwan benutzt wird. Das System, das als "Wade-Giles-System" in Morohashi Tetsujis Chinesisch-Japanischem Lexikon Verwendung findet, ist wiederum um Nuancen anders.
Ein großes Problem bei dem System nach Wade-Giles sind die vielen diakritischen Zeichen, die beim Schreiben auf der Tastatur sehr hinderlich sind und deswegen gerne weggelassen werden. Dies führt jedoch in vielen Fällen zur Unlesbarkeit wegen der vielen Homophone, die die Chinesischen Sprache aufweist.
In Taiwan wird allerdings neben dem Wade-Giles-System noch das Bopomofo-System zur Verschriftung der chinesischen Laute verwendet. Es hat sich in Taiwan als dem Wade-Giles-System überlegen erwiesen, so dass mit Lesungen annotierte Klassiker oder Kinderbücher meist dieses System verwenden.
Seit der Demokratisierung Taiwans setzt sich auch immer mehr die Erkenntnis durch, dass das in der VR China entwickelte phonetische Pinyin-System als Standard besser geeignet ist als die in der Regel recht kühne Interpretation des Wade-Giles-Systems, die man z. B. bei taiwanesischen Straßenschildern und öffentlichen Aufschriften zu lesen bekommt.
Kategorie:Chinesische Schrift
Kategorie:Transkription
ms:Wade-Giles
China
Die Volksrepublik China [] bzw. []; (vereinfacht 中华人民共和国, traditionell 中華人民共和國, Pinyin Zhōnghuá Rénmín Gònghéguó ) ist der flächengrößte Staat in Ostasien. Das bevölkerungsreichste Land der Erde hat mit 1,3 Milliarden Staatsbürgern mehr Einwohner als die Europäische Union und Afrika zusammen.
Seit ihrer Gründung 1949, als sich nach dem Bürgerkrieg die Kuomintang nach Taiwan zurückzog, wird die Volksrepublik von der Kommunistischen Partei Chinas regiert.
Die Bezeichnungen China und Sino- stammen wahrscheinlich von dem chinesischen Wort Qín. Im Chinesischen ist Qín der Name der Dynastie des Gründungskaisers des chinesischen Reiches. Über mehrere Stationen und Sprachen gelangten der Begriff entlang der Seidenstraße bis nach Europa. Das chinesische Äquivalent zu unserem Wort "China" ist Zhōngguó, das im Deutschen recht gut mit Reich der Mitte wiedergegeben ist.
Die Volksrepublik China ist flächenmäßig der drittgrößte Staat der Erde und umfasst das gesamte als China bekannte kulturell-geografische Gebiet Asiens, mit Ausnahme Taiwans und einiger kleiner Inseln vor der Küste Fujians. Der politische Status Taiwans ist nach wie vor umstritten; die mit 23 Millionen Einwohnern dichtbevölkerte Insel heißt offiziell Republik China. Weitere Bezeichnungen für die VR China sind der veraltete Begriff Rotchina und das vor allem im englischen Sprachraum verbreitete Festlandchina (mainland China). Beide Begriffe schließen die an der Küste gelegenen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao aus, die seit 1997 bzw. 1999 zum Staatsgebiet gehören.
Das Staatsgebiet gliedert sich in 22 Provinzen und 5 autonome Gebiete (siehe Administrative Gliederung der VR China). Davon machen die größten 3 Provinzen 45 Prozent der Staatsfläche aus: Xinjiang und Tibet im Westen sowie die Innere Mongolei im Norden. Allerdings sind diese Gebiete mit einem Anteil von 4% an der Bevölkerung der Volksrepublik sehr dünn besiedelt.
Die Volksrepublik China wurde bis in die 1990er Jahre als Entwicklungsland eingestuft, entwickelt sich aber seit seiner teilweisen Öffnung nach der "Kulturrevolution" zunehmend zu einer Großmacht. Sie vertritt international die "Ein-China-Politik", deren offizielle Anerkennung sie seit Anfang der 70er Jahre auch im Westen durchsetzt. Wirtschaftlich weist China derzeit eine hohe Dynamik auf, so dass der aktuelle Fünfjahrplan bereits eine Drosselung gegen eine allfällige Überhitzung vorsieht.
Um das rasche Bevölkerungswachstum einzudämmen, gilt die Ein-Kind-Politik, die allerdings in den letzten Jahren gemildert worden ist. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zunahme der Bevölkerung von über 3% auf 1-2% eingependelt.
Geografie
Lage und geografische Gliederung
Ein-Kind-Politik
Die Volksrepublik China grenzt an 14 Staaten, kein Staat hat mehr direkte Nachbarländer. Im Uhrzeigersinn sind dies: Indien, Pakistan, Afghanistan, Tadschikistan, Kirgisien, Kasachstan, Russland, Mongolei, Nordkorea, Vietnam, Laos, Myanmar, Bhutan und Nepal.
Festlandchina ist mit 9,5 Millionen Quadratkilometern etwa so groß wie die USA oder ganz Europa bis zum Ural. Die physische Oberfläche, die klimatischen Bedingungen und damit die Bewohnbarkeit der einzelnen Regionen des Landes unterscheiden sich sehr stark. China ist durch eine Reihe natürlicher Grenzen von seinen Nachbarn getrennt: im Osten und Südosten durch Meere (Gelbes Meer, Ostchinesisches Meer und Südchinesisches Meer), im Süden, Südwesten, Westen und Nordwesten durch hohe Bergmassive, im Norden durch Steppen und Wüsten und im Nordosten durch Flüsse (Amur und Ussuri).
Ussuri
Die Nord-Süd-Ausdehnung Chinas beträgt ca. 4.500 km; die Ost-West-Ausdehnung 4.200 km. Die Küstenlänge aller Seegrenzen Chinas beläuft sich auf 14.000 km. Der längste Fluss Chinas ist mit 6.300 km der Jangtse (Pinyin: Chángjiāng), der höchste Berg der Mount Everest mit 8.844 m und der größte See der Qinghai-See mit ca. 5.000 km².
Das Territorium kann man grob in drei Bereiche unterteilen:
- Der Osten Chinas ist von vier großen, dicht besiedelten Schwemmebenen geprägt. An den Küsten befinden sich die Deltas seiner größten Flüsse. Der südöstliche Küstenstreifen ist gebirgig, während der Süden eher hügelig ist. Das Gebiet hat eine Höhe von maximal 500 Meter über dem Meeresspiegel.
- Westlich an die Ebenen schließen sich zahlreiche Gebirge mit Hochebenen und großen Becken an: die Mongolische Hochebene, das Tarimbecken, das Sichuan-Becken, das Lössplateau oder das Yunnan-Guizhou-Hochland. Die Berge haben hier Höhen von etwa 1000 bis 2000 Metern.
- Westchina hat einen ausgesprochenen Hochgebirgscharakter mit dazwischen liegenden Hochebenen. Die größten Gebirge sind: Himalaya, Tianshan, Pamir und das Hochland von Tibet. Die Gesamtregion liegt durchschnittlich 4000 Meter über dem Meeresspiegel und gehört damit zu den höchstgelegenen Ebenen der Welt. Der Westen ist zusammen mit der Inneren Mongolei auch der trockenste Landesteil, für dessen ausgeprägtes Wüstenklima die Gobi und die Taklamakan stehen.
Taklamakan
Die zwei wichtigsten - und längsten - Flüsse sind der Jangtse und der Gelbe Fluss, gefolgt von Mekong, Perlfluss, Brahmaputra und Amur. Die Flüsse fließen den geografischen Gegebenheiten folgend von Westen nach Osten, d.h. aus den Hochregionen mit Schnee und Gletschern aber wenig Niederschlag in die Ebenen mit viel Niederschlag.
Die Hauptstadt Chinas ist Peking.
Weitere wichtige Städte sind Shanghai, Guangzhou, Wuhan, Harbin, Nanjing, Xi'an, Chengdu, Tianjin, Chongqing und Shenzhen.
Die Fläche Chinas besteht zu 1,5 Prozent aus Städten, 2 Prozent aus Feuchtgebieten, 6,5 Prozent aus Ödland, 9 Prozent aus Wald, 21 Prozent aus Wüste, 24 Prozent aus Grasland und zu 36 Prozent aus Ackerland.
Das Klima ist so vielfältig wie die Geografie: Im Westen, Norden und Nordosten herrscht ausgeprägtes Kontinentalklima mit sehr kalten Wintern und heißen Sommern. Im Süden ist das Klima hingegen subtropisch bis tropisch. Tibet hat ein spezielles Hochgebirgsklima.
Koordinaten
ca. 78° - 130° E Länge
ca. 22° - 50° N Breite
Naturkatastrophen
Besonders der Osten Chinas, aber auch die südlichen Provinzen und der Himalaya sind häufig von Erdbeben betroffen. Durch Bodenerosion entsteht die Gefahr von Erdrutschen. An den Flüssen Jangtse und Huang He kommt es häufig zu Überschwemmungen. Der Bau des Drei-Schluchten-Damms bringt völlig neue Gefahren für die Umwelt mit sich, weitreichende Veränderungen der Landschaft und Vernichtung von natürlichen Lebensräumen durch Überflutung, wird aber auch die Überflutungen flussabwärts stark einschränken können.
Die Küsten im Süden und Osten des Landes sind häufig Taifunen ausgesetzt.
Bevölkerung
China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde und viele seiner Regionen gehören zu den am dichtesten besiedelten der Welt. In der Geschichte des Landes waren Überbevölkerung und die damit verbundenen Probleme bei der Ernährung der Menschen Ursache für tiefe politische und wirtschaftliche Krisen und Hungersnöte. Die Volksrepublik China geht deshalb in der Bevölkerungspolitik Wege, die weltweit einzigartig sind und im Inland wie Ausland Kontroversen auslösen.
Völker
Hauptartikel: Völker Chinas
91,59 Prozent der Bevölkerung Chinas sind Han-Chinesen und obwohl die 55 offiziell anerkannten nationalen Minderheiten gegenüber der Han-Mehrheit einige Vorrechte haben, wird der Regierung der Volksrepublik China vielerseits vorgeworfen, besonders die muslimischen Minderheiten zu unterdrücken. Einer der Brennpunkte ist Xinjiang, welches die Heimat der muslimischen Uiguren ist. Bereits seit der Eroberung durch das kaiserliche China gibt es eine starke chinesische Einwanderung nach Xinjiang, um einerseits die übervölkerten ostchinesischen Gebiete zu entlasten und andererseits die Bodenschätze Xinjiangs zu erschließen. Auch das Atomtestgelände des chinesischen Militärs befindet sich in der dünn besiedelten Region, wodurch es bei der einheimischen Bevölkerung zu Strahlenschäden kam.
Bevölkerungsdichte
Die Volksrepublik China weist eine Bevölkerungsdichte von etwa 136 Einwohnern pro Quadratkilometer auf. Dass diese Zahl nicht sehr groß ist, liegt vor allem daran, dass etwa Westchina eine sehr niedrige Bevölkerungzahl auf großem Territorium aufweist; dieses Territorium kann aber aufgrund des Klimas auch nicht sehr viele Menschen aufnehmen. In Tibet, dem am dünnsten besiedelten Teil des Landes, leben auf einem Quadratkilometer durchschnittlich nur zwei Menschen.
Der bei weitem größte Teil der Bevölkerung lebt in den Küstenregionen.
Etwa 115 Millionen Menschen, also fast 10 % der chinesischen Bevölkerung, konzentrieren sich auf einer Fläche von nur 50.000 km². Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt auf 10 % der Fläche, was einer Bevölkerungsdichte von 740 Personen pro Quadratkilometer entspricht; und 90 % der Bevölkerung leben auf einem Drittel des Staatsterritoriums, was bedeutet, dass 90 % der Bevölkerung in Gebieten leben, die mit durchschnittlich 350 Einw./km² so dicht bevölkert sind wie Europas dichtestbesiedelte Länder.
Urbanisierung
Bei der Gründung der Volksrepublik im Jahre 1949 lebte nur einer von zehn Chinesen in Städten. Bis heute ist der Urbanisierungsgrad mit knapp über 30 % relativ gering. Dies hat seine Ursache vor allem darin, dass der Zuzug in die Städte die meiste Zeit nicht möglich war, und auch heute herrscht kaum Freizügigkeit. Zudem gab es in den 1960er Jahren große Kampagnen, bei denen Menschen von den Städten auf das Land umgesiedelt wurden, teilweise um die überfüllten Städte mit hoher Arbeitslosigkeit zu entlasten, teilweise aus dem ideologischen Anspruch, Klassenunterschiede und damit Unterschiede zwischen Stadt- und Landbewohnern aufzuheben. Der Urbanisierungsgrad blieb deshalb in den 1960er und 1970er Jahren weitgehend gleich, zeitweise sank er sogar. Dies ist ein einzigartiges Vorkommen in der Weltgeschichte.
Migration
Seit 1949 sind immer wieder geplante Umsiedelungen aus dicht besiedelten Gebieten in kaum besiedelte Regionen Nord-, Nordost- und Westchinas durchgeführt worden. Solche Aktionen gab es allerdings schon während der Kaiserzeit. Die Motivationen waren strategischer (Erschließung neuer Gebiete, Sinisierung von Gebieten, die überwiegend von ethnischen Minderheiten bewohnt wurden) oder wirtschaftlicher Natur (Modernisierung der Landwirtschaft und Entwicklung der Wirtschaft in abgelegenen Regionen oder Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in überbevölkerten Regionen), häufig erfolgten die Umsiedelungen auch als Straf- oder Umerziehungsmaßnahme gegen politische Gegner.
Ein konkretes Beispiel für das Vorgehen bei der Erweiterung des Lebensraumes für das chinesische Volk ist Tibet: Am 20. Juni 1996 verurteilten alle Parteien des deutschen Bundestags "die Politik der chinesischen Behörden, die im Ergebnis gerade auch in Bezug auf Tibet zur Zerstörung der Identität führt, insbesondere mittels Ansiedelung und Zuwanderung von Chinesen in großer Zahl, Zwangssterilisierungen von Frauen und Zwangsabtreibungen, politischer, religiöser und kultureller Verfolgung und der Unterstellung des Landes unter eine chinesisch kontrollierte Administration." (Resolution zur Verbesserung der Menschenrechtssituation in Tibet, [http://dip.bundestag.de/btd/13/044/1304445.asc Bundestagsdrucksache 13/4445])
Seit Ende der 1970er Jahre gibt es diese Zwangsumsiedelungen nicht mehr. Trotzdem ist die Möglichkeit, den Wohnsitz und Arbeitsplatz zu wählen, eingeschränkt. Dies liegt am starken Migrationsdruck aus den armen Provinzen West- und Zentralchinas in die Küstengebiete. Zudem würde eine vollständige Liberalisierung eine starke Landflucht bedingen, und es wird befürchtet, dass dies die Städte destabilisieren würde. Bereits jetzt wird geschätzt, dass mehrere Millionen Wanderarbeiter größtenteils illegal und unangemeldet in den chinesischen Städten leben und arbeiten.
Der Wissenschaftsrat der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, Zhou Ganzhi, hat im September 2005 auf der Jahresitzung über Planung für chinesische Städte 2005 in der westchinesischen Stadt Xi'an erklärt, dass die Urbanisierungsrate in China im Jahr 2020 zwischen 50 Prozent und 55 Prozent liegen werde.
Mit schnellem Wirtschaftswachstum sei die Urbanisierungsrate in China in den vergangenen 10 Jahren von 20 Prozent auf 40 Prozent gestiegen. Die anhaltende Zunahme der Urbanisierungsrate sei darauf zurückzuführen, dass zahlreiche Bauern in die Städte geströmt seien und große Geldsummen in den Städtebau investiert würden, sagte Zhou.
Bevölkerungsentwicklung
Tibet
Nach der Gründung der Volksrepublik im Jahre 1949 lebten in China etwa 540 Millionen Menschen. In den 1950er Jahren stieg die Bevölkerungszahl trotz niedriger Lebenserwartung stark an. Die politische Führung um Mao Zedong war der Ansicht, dass ein mächtiger Staat eine hohe Bevölkerungszahl benötigt. Erst am Ende des Jahrzehnts begann man zögerlich mit Kampagnen zur Geburtenkontrolle.
Die Gesamtbevölkerung Chinas sank vorübergehend während des Großen Sprungs nach vorn, der eine große Hungerkatastrophe mit auslöste. Da die Überbevölkerung ein zusätzlicher Grund für die Hungersnot war, wurden in den 1960er Jahren zahlreiche Geburtenplanungskampagnen durchgeführt. Abtreibungen waren von da an erlaubt und Verhütungsmittel, wo vorhanden, kostenlos erhältlich. Die Kulturrevolution brachte die Kampagnen wiederum vorübergehend zum Stillstand.
Nach der Kulturrevolution wurden die Aktivitäten erneut verstärkt. Neben Kampagnen wurden das Heiratsalter erhöht und eine Zwei-Kind-Beschränkung eingeführt. Ab dem Ende der 1970er Jahre galten nochmals verschärfte Maßnahmen: In Zeiten der Wirtschaftsliberalisierungen und der Öffnung des Landes gegenüber dem Ausland galt die Überbevölkerung als Haupthindernis für den wirtschaftlichen Fortschritt. Die seit 1979 geltenden Regeln sehen die Ein-Kind-Familie und sofortige Abtreibung bei ungenehmigten Schwangerschaften vor. Die Kontrolle der Geburtenbegrenzung wird jedoch auf einer recht niedrigen administrativen Ebene durchgeführt und von der Zentralregierung nicht kontrolliert, sodass es erhebliche Unterschiede in der Handhabung der Regelungen gibt: In manchen Gebieten drohen bei jedem Verstoß drakonische Strafen, in anderen werden massenweise Ausnahmen gemacht. Vor allem außerhalb der Städte sind Familien mit zwei oder drei Kindern keine Besonderheit. Den nationalen Minderheiten wurden höhere Kinderzahlen zugestanden, ebenso Bauern, deren erstes Kind eine Tochter ist, und Zwillinge wurden als besonderes Glück angesehen, da in diesem Fall auch Han-Chinesen beide Kinder behalten durften und auch beide Kinder die vollen staatlichen Leistungen bekamen. Die Sanktionierung von ungenehmigten Geburten reicht von Entzug von Sozialleistungen über Geldstrafen bis zu Entlassungsdrohungen. Insgesamt dürfte sich die Durchführung der Politik schwierig gestalten, man geht von einer hohen Dunkelziffer an Zweitgeburten aus, was durch Geld- und Personalmangel sowie Korruption ermöglicht wird.
Dennoch wird geschätzt, dass durch die Geburtenkontrolle zwischen 300 und 340 Millionen Geburten verhindert wurden. Trotz dieser Maßnahmen wird die Bevölkerung weiter wachsen, wobei für etwa 2030 mit 1,5 Milliarden Menschen der Gipfel erwartet wird. Danach wird ein Rückgang der Einwohnerzahl bis 2050 auf 1,3 Milliarden prognostiziert. Das aktuelle Bevölkerungswachstum liegt bei etwa 0,6 % pro Jahr.
Die Ein-Kind-Politik ist auch in China selbst nicht unumstritten. Jedoch ist das Problem der Überbevölkerung so gravierend, dass die Regierung an eine Milderung der Maßnahmen vorerst nicht denkt. Als Alternative ist eine steuerliche Benachteiligung von Familien mit mehreren Kindern im Gespräch. Das wäre auch eine Möglichkeit, dem Problem der Überalterung der Gesellschaft, die sich bereits abzeichnet, vorzubeugen. Eine andere Alternative schlug anfang Oktober 2004 der Chef der Bevölkerungskommission Chinas vor: die Geburtenkontrolle solle zugunsten einer Zwei-Kind-Politik aufgelockert werden. Zunächst soll ab 2010 Frauen über 35 Jahren ein zweites Kind erlaubt und nachfolgend jedes Jahr die Altersgrenze um ein Jahr gesenkt werden.
Aufgrund von Abtreibungen weiblicher Föten kommen in China auf 100 Mädchen etwa 120 Jungen. Deshalb wurde das Feststellen des Geschlechtes per Ultraschall in der Volksrepublik unter Strafe gestellt, um wieder ein natürliches Gleichgewicht herzustellen.
Nachfolgend sind die Einwohnerzahlen der Volksrepublik China von 1950 bis 2050 angegeben. Die Zahlen von 2010 bis 2050 sind Prognosen.
Die Angaben basieren auf folgender Quelle: [http://www.library.uu.nl/wesp/populstat/Asia/chinac.htm]
Religion
Hauptartikel: Religion in der Volksrepublik China
Die Volksrepublik ist nach wie vor ein offiziell atheistischer Staat. Nach mehr als einem halben Jahrhundert sozialistischer Herrschaft bekennt sich die überwältigende Mehrheit der Chinesen zu keiner Konfession. Es gibt keine offiziellen Statistiken über Religionszugehörigkeit. In Zahlen gegossene Aussagen über die Verbreitung einzelner Religionen sind allesamt problematisch. Dies liegt unter anderem daran, dass es im asiatischen Kulturkreis normal ist, sich zu mehr als einer Religion zu bekennen.
Traditionelle Religionen sind Buddhismus, Daoismus, Islam, Christentum und Lamaismus (in Tibet und der Inneren Mongolei), daneben ist alter chinesischer Volks- und Aberglauben sehr einflussreich. Der Konfuzianismus, der eigentlich eher eine Sozialethik denn Religion ist, beeinflusst bis heute die moralischen Verhaltensweisen der Chinesen, obwohl er speziell unter Mao Zedong bekämpft wurde.
Laut Umfragen bekennen sich 20% der Bevölkerung zum Konfuzianismus, 20% zum Taoismus, 18% zum Buddhismus, 4% sind Moslems, 2% Christen, 2% Volksglauben und 4% andere Religionen(Hinduismus etw.). 4% geben an aus politischen Gründen ihre Religion zu verleugnen. 26% bekennen sich als Atheist, Agnostiker u.a..
Der Glaubensausübung sind nach wie vor strenge Grenzen gesetzt, auch wenn die einschlägigen Regelungen viel liberaler gehandhabt werden als noch in den frühen 1980er Jahren. Die Toleranz der Behörden ist andererseits auch stark abhängig von der generellen politischen Lage. So erfahren Tempel und Klöster seit einiger Zeit wieder starken Zulauf, was vor allem mit der größer gewordenen sozialen Unsicherheit seit den Reformen in Zusammenhang steht. Im gleichen Kontext sind zahlreiche neue religiöse Bewegungen zu sehen, die seit den späten 1980er Jahren entstanden sind und die von den Behörden zunächst ignoriert wurden. Die bekannteste dieser Bewegungen ist Falun Gong.
Speziell dem Christentum steht die chinesische Regierung skeptisch gegenüber, was nicht zuletzt historische Ursachen hat. Nur die sich dem Staat unterordnenden "patriotischen" Kirchen, etwa die Chinesische Katholisch Patriotische Vereinigung, sind erlaubt. Diese erkennen als oberste Instanz nicht den Papst, sondern die Kommunistische Partei an. Für Aufsehen erregte die Verhaftung von Cai Zhuohua. Weitere Spannungsfelder ergeben sich mit der muslimischen Minderheit, die vor allem in Nordwestchina lebt, sowie mit der lamaistischen Strömung des Buddhismus, vor allem in Tibet.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Chinas
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs endete der chinesische Bürgerkrieg zwischen der kommunistischen Partei Chinas und der Kuomintang damit, dass die Kommunisten die Kontrolle über das Festland hatten, wohingegen die Kuomintang die Insel Taiwan innehatten, auf die sie kurz zuvor geflohen waren. Am 1. Oktober 1949 proklamierte Mao Zedong die Volksrepublik China und errichtete einen kommunistischen Staat. Damit wurde zwar Chinas Unabhängigkeit wieder hergestellt, jedoch kostete die teils desaströse Politik Maos Dutzende Millionen von Menschen das Leben, wie zum Beispiel im großen Sprung nach vorn oder der Kulturrevolution.
Nach Maos Tod übernahm der pragmatischere Deng Xiaoping die Führung. Die KPCh blieb an der Macht, die Kontrolle über das persönliche Leben der Menschen wurde aber schrittweise gelockert. Im politischen Leben sind die Lockerungen weniger stark ausgeprägt. Die Zentralverwaltungswirtschaft wird schrittweise reformiert, mit dem Ziel, eine sozialistische Marktwirtschaft zu schaffen.
Jedoch wird China von vielen westlichen Beobachtern wie auch von seinem Nachbarn in Indien, den Menschen in Taiwan und von Oppositionellen im eigenen Land weiterhin als autoritäre Diktatur bewertet. Auch wurde im Jahr 1999 ein Zeichen gesetzt: In jenem Jahr erschien in der Volksrepublik eine neue Serie von Banknoten. Wo zuvor nur der 100-Yuan-Schein das Konterfei Maos zeigte, findet sich sein Gesicht nun auf allen neuen Geldscheinen.
Siehe auch: Liste der Staatsoberhäupter der Volksrepublik China, Liste der Ministerpräsidenten der Volksrepublik China
Politik
System
China ist ein autoritärer Staat unter der Führung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Es gibt ein Einparteiensystem und das sozialistische Wirtschafts- und Staatssystem ist in der Verfassung verankert.
Nominell das höchste Staatsorgan ist der Nationale Volkskongress (NVK), das Parlament der Volksrepublik China. Er wählt den Staatspräsidenten, den Staatsrat (die Regierung der VR China), den Obersten Volksgerichtshof, die Zentrale Militärkommission und die Oberste Staatsanwaltschaft. Doch alles dies nur auf Vorschlag der Kommunistischen Partei, deren Organisation den Staatsapparat auf allen Stufen durchdringt und oft kaum von ihm zu trennen ist.
Die eigentliche politische Führung der Volksrepublik China liegt bei einem engen Kreis von Politbüro- und Militärführern, die sich jeweils um den Vorsitzenden scharen, welcher die höchsten Ämter in Staat, Partei und Armee auf sich vereinigt. Dies sind das Amt des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Chinas, Staatspräsidenten der Volksrepublik China sowie der Vorsitzende der Zentralen Militärkommission. Derzeit hat Hu Jintao diese Positionen inne, der die Nachfolge von Jiang Zemin antrat. Die Übergabe der Ämter erfolgt jedoch im Allgemeinen innerhalb eines längeren Zeitraums. So wurde Hu bereits 2002 Generalsekretär, aber erst 2004 Vorsitzender der Zentralen Militärkommission. Im Unterschied zu westlichen Demokratien sind im Einparteienstaat China generell die Parteiämter (z.B. das des KP-Generalsekretärs) wichtiger und als mächtiger anzusehen als die Staatsämter (z.B. das des Präsidenten).
Die Volksrepublik ist zwar offiziell ein zentralistischer Einheitsstaat, dessen Zentralregierung die absolute Verfügungsgewalt über die ihr untergeordneten Provinzen hat. In der Realität ist die Beziehung zwischen Zentrale und Region aber weniger eindeutig: Besonders die wirtschaftlich prosperierenden Küstenprovinzen haben zum Teil eine beträchtliche politische Verhandlungsmacht. So gibt es beispielsweise bis heute kein einheitliches System zur Verteilung der Steuereinnahmen zwischen Provinzen und Zentralregierung, ebenso wenig wie ein Ausgleichsprogramm zur Unterstützung ärmerer Provinzen. In Krisensituationen verfügt die Regierung allerdings trotzdem über die nötige Macht ihren Willen durchzusetzen; so kann sie beispielsweise Mitglieder der Provinzregierungen zumindest theoretisch nach Belieben versetzen.
Obwohl die Volksrepublik China während ihres gesamten Bestehens immer nur von einer einzigen Partei regiert wurde, erlebten die Menschen mehrere tief greifende politische Umwälzungen, die durch die verschiedenen Strömungen innerhalb der KPCh und ihrer Machtkämpfe verursacht wurden. Einerseits versuchte die maoistische Strömung, China zu einem mächtigen und wohlhabenden Staat aufzubauen, der von Staatseigentum an Produktionsmitteln, geplanter Wohlstands- und Ressourcenverteilung, der Abschaffung von sozialen Unterschieden und der absoluten Kontrolle der arbeitenden Bevölkerung gekennzeichnet sein sollte. Dem gegenüber standen die Pragmatiker Liu Shaoqi und Deng Xiaoping, die zur Erreichung des gleichen Zieles marktwirtschaftliche Mechanismen, Privateigentum und die Förderung von Unternehmertum einsetzen wollten. Zu Beginn der fünfziger Jahre bis zum Ende der siebziger Jahre hatten die Maoisten meist die Überhand. Sie lösten Revolutionen wie den Großen Sprung nach vorn oder die Kulturrevolution aus. Seit der Regierungszeit von Deng Xiaoping befindet sich China auf einem Kurs in Richtung sozialistische Marktwirtschaft, obwohl es in vielen Bereichen schon lange nicht mehr als sozialistischer Staat betrachtet werden kann. Dies ist ein neuer bedeutender Einschnitt in die Gesellschaftsordnung – weg vom Kollektivismus hin zur Marktwirtschaft, die die wieder entstandenen Klassendifferenzen verschärft.
Vorläufiger Höhepunkt des marktwirtschaftlichen Kurses war der Beschluss des Volkskongresses am 14. März 2004, die Abschaffung des Privateigentums rückgängig zu machen und den Schutz des Privateigentums in der Verfassung zu verankern. Dagegen bleibt die Verfügung über Grund und Boden von einer privatbesitzrechtlichen Regelung weiterhin ausgeschlossen.
Siehe auch: Völker Chinas, Liste der Staatsoberhäupter der Volksrepublik China
Opposition
Der Widerstand gegen die aus westlicher Sicht diktatorische Führung der Partei ist kaum organisiert. Gegen die Partei Widerstand zu organisieren ist strafbar. Jede Art von Organisationsbildung, die sich nicht der Partei unterordnet, ist strafbar. Dazu gehört die Zerschlagung der Demokratiebewegung nach dem Massaker am Platz des Himmlischen Friedens. Bei Strafe verboten ist auch die Gründung von unabhängigen Gewerkschaften. Oppositionelle werden aber nicht nur kriminalisiert und inhaftiert, sondern als weitere Bedrohung wirkt auch die Psychiatrisierung von Oppositionellen, die bei normabweichendem Verhalten "zu ihrem eigenen Besten" besondere staatliche Fürsorge erfahren.
Neben den Beschränkungen der Opposition, die existenzbedrohend für jeden Organisator von Oppositionsbildung sind, werden außerdem kulturell bedingte Gründe für den Mangel an Widerstand angeführt: Ein häufiger kulturkritischer Erklärungsansatz verweist darauf, dass es die konfuzianische Tradition Chinas sei, die dem Volk gebiete, das existierende Herrschaftssystem nicht in Frage zu stellen, denn es wisse nicht, was gut für das Volk sei. Konfuzianisches Ideal ist die Herrschaft durch Weise (oder durch von Weisen beratene Führer). Widerstand gegen Herrscher wurde durchaus thematisiert, als Ablösung versagender Führer durch bessere Führer, nie jedoch im Vertrauen auf die Übernahme der Führerschaft durch das Volk. Dieser kulturgeschichtliche Hintergrund kann zu der Annahme verleiten, dass Demokratie auch heute vom Volk in China nicht gewollt sei oder sogar, dass die Chinesen für eine Demokratie nicht geeignet seien. Dabei sollte man sich allerdings vor Augen halten, dass dieser Ansatz häufig von Gruppen vertreten wird, in deren Interesse er liegt: also von den Kreisen der Machthaber und derjenigen, die von ihrer stabilen Machtausübung profitieren (z.B. auch westliche Unternehmerkreise), während er unter Chinesen selbst auch auf Widerspruch stößt. Die These erinnert an die vor einigen Jahren auch in anderen Teilen Asiens geführte Debatte um die "Asiatischen Werte" (Asian Values), die in den Augen neokonservativer Vertreter "den Asiaten" angeblich ungeeignet machen für die Demokratie, auch damals wurde der Konfuzianismus als demokratiehinderlich ins Spiel geführt. Die Entwicklung der Demokratien in Taiwan und Südkorea und anderswo haben diese Stimmen jedoch zum Verstummen gebracht.
Rechtssystem
Die Entwicklung des Rechts in der Vergangenheit der VR China spiegelt bis heute die Anstrengungen der Kommunistischen Partei wider, ihr Machtmonopol zu erhalten. Als 1949 die Volksrepublik gegründet wurde, übernahmen die Kommunisten die Macht über das Rechtssystem in der Überzeugung, dass sie für die politische Macht auch die Macht über das Recht benötigen. Später, während der Kulturrevolution, wurde das geschriebene Recht so weit außer Kraft gesetzt, dass nicht einmal das formelle Staatsoberhaupt vor der Willkür der Roten Garden sicher war.
Mit Beginn der Wirtschaftsreformen wurde bald auch offensichtlich, dass Gesetze und Rechtssicherheit für die marktwirtschaftliche Entwicklung grundlegend wichtig sind. Seitdem hat die Volksrepublik eine beeindruckende Zahl an Gesetzen und neuen Institutionen bekommen. Die Gesetze wurden zu Beginn nach sowjetischem, später nach europäischem und nordamerikanischem Vorbild formuliert, wobei die Möglichkeit, Recht aus der westlichen Umgebung in die chinesische Umgebung zu transplantieren, natürlich begrenzt ist.
Wie tief das Recht und das Rechtsbewusstsein bereits verwurzelt sind, wurde 1989 sichtbar, als die Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz Transparente voll mit rechtlicher Symbolik mit sich trugen, wohingegen das Kriegsrecht offiziell deshalb verhängt wurde, um Recht und Ordnung wiederherzustellen.
Wichtig ist, sich klarzumachen, dass im Chinesischen der Begriff "Rechtsstaatlichkeit" verschieden ausgelegt werden kann. Der Slogan der KP ist "yi fa zhi guo". Westliche Beobachter haben darauf hingewiesen, dass dieser Slogan in der chinesischen Praxis oft besser übersetzt ist als "Herrschaft mithilfe des Rechts" (rule by law) statt wie im westlich-demokratischen Sinne als "Herrschaft des Rechts" (rule of law). Auch das Recht ist in der Volksrepublik China im Moment nur eines der Instrumente, mit welchen die Kommunistische Partei das Land regiert. Für die Partei- und Staatsführung ist wichtig, dass die Gesetze und Entscheidungen die ihr genehmen Resultate zeigen. Gleichzeitig wächst das Rechtsbewusstsein bei den Bürgern und erfordert die moderne Marktwirtschaft, die China anstrebt, echte Rechtssicherheit. Es ist ein Spannungsfeld, in dem sich Recht und Gesetze in China bewegen. Für die Ernennung von Richtern ist noch immer die Parteizugehörigkeit ein wichtiges Kriterium, und eine Ausbildung in den Rechtswissenschaften ist erst seit Mitte der 1980er Jahre Pflicht. Trotzdem gibt es mittlerweile auch Gesetze, die die Allmacht der Bürokratie beschränken, bis hin zu einem Gesetz, welches es Bürgern erlaubt, den Staat zu verklagen, wenn sie durch rechtswidrige Entscheidungen der Verwaltung geschädigt wurden. Auch gibt es Anstrengungen, das Strafrecht so zu verbessern, dass die Möglichkeit für willkürliche Bestrafung ausgeräumt wird.
Während die Qualität und Anzahl der Gesetze auch dank ausländischer Beratung stark gestiegen ist, gibt es große Mängel in der Praxis der Rechtsprechung selbst. Die Anzahl der professionell ausgebildeten Richter ist nach wie vor zu niedrig. Aus diesem Grund kommt einer formellen Schlichtung, die ein Mittelding zwischen der traditionellen Schlichtung durch angesehene Laien und einer Entscheidung eines ordentlichen Gerichts ist, eine hohe Bedeutung zu. Gleichzeitig ist die politische Beeinflussung der Gerichte und Richter durch die so genannten "Gerichtskommissionen" vor Ort enorm. In diesen Kommissionen sitzen vor allem Parteikader, oft geben sie den Richtern das Urteil vor, und das nicht nur bei politisch heiklen Prozessen, sondern auch bei Verfahren, die mächtige wirtschaftliche Interessen berühren.
Menschenrechtssituation
China ist ein Land mit Todesstrafe. Absolut und relativ (Hinrichtungen pro Einwohner) gesehen werden in keinem Land der Welt so viele Menschen exekutiert wie in China. Nachdem parallel zu den Wirtschaftsreformen seit den 1980er Jahren auch Probleme wie Suchtgift- und Bandenkriminalität sowie Korruption akut wurden, wurde eine Kampagne namens "hartes Durchgreifen" gestartet, durchaus mit Billigung von weiten Teilen der Bevölkerung. Die Todesstrafe steht daher auf eine Vielzahl von Delikten, wozu auch Drogendelikte, Korruption, Wirtschaftskriminalität und die Tötung von Pandas gehören - aber auch Weitergabe von "Staatsgeheimnissen" (Tiananmen Papers, Januar 2001), was u.a. sehr freizügig interpretiert wird. In der Vergangenheit wurde z.B. die Veröffentlichung von der tatsächlichen AIDS-, SARS- oder Vogelgrippeverbreitung als Staatsgeheimnis geahndet.
Organisationen wie amnesty international geben an, dass im Jahre 2004 mindestens 3400 Menschen hingerichtet wurden und 6000 Todesstrafen verhängt wurden. Die Dunkelziffer sei jedoch bedeutend höher, so wurden im März 2004 Aussagen von Chen Zhonglin, einem Abgeordneten des nationalen Volkskongresses und Direktor des Rechtsinstituts der Universität Chongqing, publik, wonach jährlich etwa 10.000 Menschen hingerichtet würden. Alle Todesurteile müssen von Gerichten auf Provinzebene bestätigt werden. Sie werden danach in der Regel sofort vollstreckt, wozu in ein paar Provinzen (zum Beispiel in Yunnan) spezielle Exekutionsbusse mit Giftspritzen eingeführt wurden. Da die Handhabung der Todesstrafe zwischen den Provinzen sehr unterschiedlich erfolgt, wird seitens vieler Intellektueller gefordert, dass der oberste Gerichtshof Chinas alle Todesurteile bestätigen muss. Vieles deutet zudem darauf hin, dass mit den Organen von Hingerichteten Handel getrieben wird.
Nach dem bis heute ungesühnten Tian'anmen-Massaker von 1989 und der damit verbundenen Machtübernahme von Jiang Zemin 江泽民 wurden und werden in der Volksrepublik Millionen von Menschen, darunter Tausende von politischen Dissidenten, in Arbeitslagern gefangen gehalten.
Darunter befinden sich von der Partei verfolgte Gruppen wie Demokraten, Falun Gong (法轮功) Übende, Qigong (气功) Schulen, Menschenrechtler, Gewerkschafter und viele mehr.
Von den zum Zeitpunkt des Tian'anmen-Massakers verhafteten Menschen sitzen heute (2005) noch 250 in Gefängnissen und Lagern.
Hin und wieder verschwinden Oppositionelle, die sich gegenüber dem Regime kritisch äußern. So ist Anfang Juni 2004 der Militärarzt Jiang Yanyong, der im Februar desselben Jahres das Vorgehen der Regierung 1989 auf dem Tiananmen-Platz kritisierte und dem es zu verdanken ist, dass das wahre Ausmaß der SARS-Epidemie an die Öffentlichkeit gelangte, spurlos verschwunden. Man geht davon aus, dass er sich nun in Polizeigewahrsam befindet.
Das Internet wird in China stark zensiert (siehe Weblinks) und überwacht. Internet-Cafes müssen eine Überwachungssoftware installieren, Diskussionen im Internet stehen unter ständiger Beobachtung. Immer wieder kommt es zu Verhaftungen von Bürgern, die mehr Demokratie und Menschenrechte fordern. Ein Aids-Aktivist wurde beispielsweise ohne Gerichtsverfahren auf unbestimmte Zeit in ein Arbeitslager geschleppt, weil er einen Aids-Skandal in der Provinz Henan öffentlich machte, den die Regierung an Bauern verschuldet hatte: Die Provinzregierung hatte Mitte der Neunziger Jahre Blutspende-Kliniken eröffnet, in denen viele Bauern Blutplasma spendeten - und sich mit dem HI-Virus ansteckten. Ganze Dörfer sind in Henan heute mit dem Virus verseucht. Über Jahre hinweg verschwieg die Provinzregierung den Skandal und überließ die Bauern sich selbst, und auch Peking begann erst 2004, sich des Problems anzunehmen.
In Deutschland kommt es bei gegenseitigen Staatsbesuchen immer wieder zu innenpolitischen Diskussionen. Dabei geht es um die Frage, ob und in welcher Form die Menschenrechtsverletzungen angesprochen werden sollen. Dabei werden größte Widersprüche seitens der europäischen Außenpolitik hingenommen, um beispielsweise Geschäfte in China zu sichern:
So konnte der französische Präsident Jacques Chirac einen Vertrag über den Verkauf von Airbus-Flugzeugen in China abschließen, woraufhin ein chinesischer Vertreter verkündete, dass der Vertrag nur deswegen zustande gekommen sei, weil Frankreich und Deutschland China in der Menschenrechtsfrage "entgegengekommen" seien. Deutschland hatte nämlich in dem Jahr auf der 58. Menschenrechtskommission keine Resolution gegen China eingebracht, wie es die USA, die damals nicht teilnehmen durften, üblicherweise getan hatten.
Ferner wurde von der rot-grünen Regierung eine U-Boot-Lieferung an Taiwan mit der Begründung, dass man keine Waffen in Krisengebiete liefere, unterbunden. Im Gegensatz dazu hat Gerhard Schröder aber Ende des Jahres 2003 der Volksrepublik China Unterstützung für die Aufhebung des EU-Waffenembargos zugesagt, obwohl China keine zwei Wochen zuvor Taiwan mit einer Invasion drohte. Das EU-Waffenembargo wurde nach dem Tian'anmen-Massaker gegen China verhängt.
Am 23. März 2004 kam es in dieser Angelegenheit zu einem Konflikt mit den USA. Der US-amerikanische Botschafter wurde einbestellt, um gegen die Pläne der USA, die VR China bei der Jahressitzung der UN-Menschenrechtskommission in Genf zu verurteilen, Protest einzulegen.
Der chinesische Nationale Volkskongress (NVK) hat am 14. März 2004 weitgehende Änderungen der chinesischen Verfassung beschlossen. So wurden erstmals seit Gründung der VR China die Achtung von Menschenrechten und des Privateigentums in der Verfassung aufgenommen. Wörtlich heißt es in der neuen Verfassung:
„Das legale Privateigentum ist unantastbar.“
„Der Staat respektiert und schützt die Menschenrechte.“ (In offiziellen Verlautbarungen wird von einem Menschenrechtsbegriff mit einer „chinesischen Eigenart“ ausgegangen.)
Die alte Verfassung ist derzeit noch bis März 2005 gültig und soll ab dann von der neuen abgelöst werden. Der ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses will in den nächsten 5 Jahren rund 60 Gesetzesentwürfe überprüfen, darunter Gesetze zur Verantwortlichkeit bei Rechtsverletzungen, zur sozialen Absicherung und zur Sozialhilfe sowie ein Gesetz über den Arbeitsvertrag. Insgesamt zeichnet sich ein Umbruch des chinesischen Rechts und Sozialsystems ab.
Immer wieder werden auch Fälle von Ausbeutung von Arbeitskräften bekannt, so starb im November 2005 eine Arbeiterin nach einer Vierundzwanzig-Stunden-Schicht ohne Unterbrechung an Erschöpfung. Die Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken werden von Menschenrechtsorganisationen als katastrophal und vorkapitalistisch angesehen.
Außenpolitik
Im Bereich der Außenpolitik - soweit sie den Außenhandel, der an anderer Stelle behandelt wird, nicht betrifft - verfolgt die Volkrepublik vor allem die weltweite Durchsetzung der Ein-China-Politik und die Anerkennung der chinesischen Herrschaft über Tibet und Ostturkestan sowie die Bekämpfung von Separatismus und Terrorismus. Zu diesem Zwecke wurde zusammen mit Russland und einigen zentralasiatischen Staaten die Shanghai Cooperation Organization (SCO) gegründet, die zunächst nur gegen Separatismus und Terrorismus gerichtet war, sich inzwischen aber zu einem Machtblock im Kampf um politischen Einfluss und die Rohstoffe in Zentralasien entwickelt hat.
Administrative Gliederung
Shanghai Cooperation Organization
Hauptartikel: Administrative Gliederung der Volksrepublik China
Die Volksrepublik China ist administrativ in 22 Provinzen, 5 autonome Gebiete, 4 regierungsunmittelbare Städte und die Sonderverwaltungsgebiete Hongkong und Macao aufgeteilt. Darüber hinaus betrachtet die chinesische Führung Taiwan als "abtrünnige" Provinz der Volksrepublik, jedoch gelangte die Insel seit dem Bestehen der Volksrepublik 1949 nie unter deren Herrschaftseinfluss.
Infrastruktur
Verkehr
Taiwan
Die Verkehrsinfrastruktur in China wird ständig verbessert. Hohe Summen werden in den Bau von Straßen, vor allem auch in den Städten, Eisenbahnlinien und neue Flughäfen investiert. Speziell in den Ballungsregionen gibt es bereits viele Verkehrswege, die mitteleuropäischem Standard entsprechen. In abgelegenen Gebieten gibt es nach wie vor meist nur eine unzureichende Verkehrsanbindung.
Das chinesische Eisenbahnnetz ist - vor Indien - das längste der Welt und deckt alle Provinzen ab, wobei Tibet als letztes mit einer Eisenbahnstrecke nach Lhasa an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. Züge werden generell nur im Fernverkehr eingesetzt, Vorortzüge gibt es fast keine. Nach wie vor werden neue Strecken gebaut und auf den meisten Strecken kann die Bahn über mangelnde Auslastung nicht klagen, weshalb ständig neue Züge und Verbindungen eingeführt werden. Die Servicequalität ist recht zwiespältig: Während regional bereits internationaler Standard erreicht ist und auch Hochgeschwindigkeitsstrecken in Arbeit sind, gibt es auch Regionen, wo alte Lokomotiven und Wagen über marode Gleise fahren und Großstädte, welche fast keine Bahnanbindung besitzen. Unfälle sind, betrachtet man die Größe des Streckennetzes und die Zahl der Züge, relativ selten. Eine Besonderheit des Verkaufs von Zugfahrkarten in China ist die fehlende Möglichkeit Zugfahrkarten für Strecken zu kaufen die nicht vom momentanen Aufenthaltsort abfahren. Grundsätzlich sind Zugfahrkarten erst ab 10 Tage vor der Abfahrt erhältlich.
Mit dem Straßennetz verhält es sich analog wie mit dem Schienennetz. Für Reisende sind Fernreisebusse häufig eine brauchbare Alternative zur Bahn, vor allem da, wo das Bahnnetz nicht gut ausgebaut ist oder wenn Bahntickets nicht mehr zu haben sind. Luxuriös ausgestattete Reisebusse sind gefragt, wobei jedoch die Anzahl der Unfälle recht hoch ist.
Die Anzahl der Flugverbindungen von und nach China ist stark im Wachsen begriffen, immer mehr chinesische Großstädte werden etwa von Europa aus direkt angeflogen. Viele Städte besitzen neue Flughäfen bzw. bauen gerade welche, meist mit riesigen Dimensionen. Es gibt eine große Anzahl von Fluglinien. Nur wenige davon sind international tätig, die meisten konzentrieren sich auf den Inlandsverkehr. Die Tickets sind in der Regel günstig, das Angebot liegt meist leicht über der Nachfrage und die Sicherheit hat sich in den letzten zehn Jahren stark verbessert. Nach wie vor gibt es keine regelmäßigen Flugverbindungen zwischen der Volksrepublik China und Taiwan.
In verkehrspolitischer Hinsicht wird in China auf das traditionelle, mit fossilen Brennstoffen betriebene Fahrzeug gesetzt. Seit dem Ende der 1980er Jahre wird dem Ausbau des Autobahnnetzes eine höhere Priorität eingeräumt als dem Ausbau des Eisenbahnnetzes (im Gegensatz zu den Jahren zuvor). Dies bedeutet jedoch, dass sich China, wie auch der Rest der Welt, in die Abhängigkeit von Erdöl begibt, welches eine schwindende Ressource ist. Dazu bedeutet die Übernahme von städteplanerischen Konzepten aus dem Westen, wo Städte für das Auto geschaffen werden, dass trotz riesiger investierter Summen Stau und Smog weiterhin zum Stadtbild großer chinesischer Städte gehören werden.
Wirtschaft
Wirtschaftsgeschichte
Smog
Nachdem im Jahr 1949 die Volksrepublik China ausgerufen wurde, interessierte im Ausland vor allem die Frage, wie das Land wohl jemals seine riesige Bevölkerung ernähren wolle. Mehr als 50 Jahre später sieht sich die Welt einem Land gegenüber, das nicht nur eine Bevölkerung ernährt, die sich seither mehr als verdoppelt hat, sondern welches außerdem einen schnell wachsenden Teil davon mit Mobiltelefonen und Computern versorgt und dazu zu den größten Exportnationen der Welt gehört.
Die Wirtschaftspolitik unter Mao Zedong war von der Einführung einer Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild geprägt. Ein Plan sollte den Markt bei der Verteilung von Ressourcen und Investitionen ersetzen. Das Ziel war, eine schnellstmögliche Industrialisierung und höchstmögliches Wirtschaftswachstum zu erreichen. Dabei wurde die Planwirtschaft in einigen Bereichen entscheidend an die chinesischen Verhältnisse adaptiert. Zum einen sah sich China nicht in der Lage, genug planerische und administrative Kräfte aufzubringen, um eine Planwirtschaft nach streng sowjetischem Vorbild einzuführen. Anstelle dessen wurden bereits in den 1950er Jahren Maßnahmen zur Dezentralisierung getroffen und den Verantwortlichen auf Provinz- und Betriebsebene mehr Freiraum zur Umsetzung der Vorgaben gegeben. Zum anderen legte Mao großen Wert auf autarke Entwicklung. Nicht nur China, sondern auch einzelne Provinzen oder Regionen sollten sich selbst versorgen können. Dadurch isolierte sich das Land vom Rest der Welt gerade in einer Zeit, als andere Entwicklungsländer durch aktive Förderung der Integration in den Weltmarkt einen wirtschaftlichen Aufholprozess erfuhren.
Der dritte Unterschied zum sowjetischen Wirtschaftsmodell lag darin, dass Mao in der Wirtschaftsentwicklung auf Massenkampagnen setzte, etwa den Großen Sprung nach vorn oder die Kulturrevolution. Diese beiden vor allem politisch motivierten Bewegungen warfen das Land jedoch um viele Jahre zurück, Historiker schätzen heute, dass der Große Sprung nach vorn (1959-61) bis zu 30 Millionen Menschen das Leben gekostet hat: die meisten verhungerten, weil Maos Politik zu gewaltigen Missernten führte. Die Kulturrevolution (1966-1976) legte China für ein ganzes Jahrzehnt praktisch lahm: Schulen und Universitäten waren geschlossen, man hatte im maoistischen Slang "rot" zu sein (also politisch korrekt) und kein "Experte" (also technisch oder ökonomisch fähig).
Das wirtschaftliche Erbe Maos ist somit zwiespältig: Einerseits wuchs das BIP zwischen 1952 und 1975 um jährlich durchschnittlich 6,7 %, die Möglichkeiten für Bildung (insbesondere für Frauen), medizinische Versorgung und soziale Sicherheit erreichten ein Niveau, das es in der Geschichte des Landes zuvor nie gegeben hatte und der Anteil der Industrie an der Wirtschaftskraft wurde von etwa 20 % 1952 auf 45 % 1975 gesteigert. Diese Erfolge beruhten jedoch größtenteils auf der Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen, die Investitionen wurden zunehmend ineffizienter und das relativ hohe Wirtschafswachstum konnte nur zu einem sehr geringen Anteil in höheren Konsum der Bevölkerung umgesetzt werden. Letzten Endes musste Mao sich auch selbst eingestehen, dass sich seine von utopischen Visionen geleitete Wirtschaftspolitik in einer Sackgasse befand. Er brachte in den frühen 1970er Jahren die wirtschaftlich pragmatischen Politiker Deng Xiaoping und Zhou Enlai zurück an die Macht, obwohl sie vorher schon in Ungnade gefallen waren.
Der Tod von Mao 1976 eröffnete die Möglichkeit zu Reformen. Es ist unwahrscheinlich, dass eine Fortsetzung der Wirtschaftspolitik, wie sie unter Mao gemacht wurde, noch lange möglich gewesen wäre. Deng Xiaoping ging die dringendsten Probleme daher zuerst an und erlaubte lokalen Parteiführern schrittweise, die Kollektivierung der Landwirtschaft zurückzunehmen. Die Bauern hatten von da an Eigentumsrechte an ihren Produkten, Landbesitz war jedoch weiterhin nicht möglich. Landwirtschaftliche Produkte wurden bald wieder den frei zugänglichen, ländlichen Märkten gehandelt. Ab Mitte der 1980er Jahren wurden auch nicht-staatliche Unternehmen in der Industrie zugelassen und die Staatsunternehmen mussten auf den sich entwickelnden Märkten mit Privatunternehmen konkurrieren.
Später wurde es ausländischen Unternehmen erlaubt, in China zu investieren und der Außenhandel wurde liberalisiert. Auch institutionelle Reformen an staatlichen Investitionen oder dem Steuersystem wurden notwendig. An den politischen Rahmenbedingungen wurde jedoch zunächst nichts geändert, weshalb das Wirtschaftssystem als Staatskommunismus oder offiziell als „sozialistische Wirtschaft chinesischer Prägung“ bezeichnet wurde. Im Jahre 1995 wies die Wirtschaft ein stabiles hohes Wachstum auf, das vorher isolierte Land war der siebentgrößte Teilnehmer am internationalen Handel und der Lebensstandard wuchs schnell, wobei die Konsumausgaben der Haushalte zu konstanten Preise jährlich um mehr als 7 % stiegen.
Seitdem stellt sich die Frage, wie lange die chinesische Wirtschaft noch in diesem Tempo wachsen kann. Mittlerweile gibt es in China kaum noch Marktsegmente, welche man leicht liberalisieren könnte, um damit ein schnelles und vor allem großes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erzeugen. Dazu gibt es einige wirtschaftliche Problemfelder, zu deren Lösung es schmerzhafter Einschnitte bedarf. Dazu gehören Staatsunternehmen, die nicht privatisiert wurden und die teils hohe Verluste machen. Diesen Staatsunternehmen werden durch die Staatsbanken immer neue Kredite zur Verfügung gestellt, um sie am Leben zu halten. Dadurch haben die dominierenden staatlichen Banken hohe Summen an faulen Krediten angehäuft, wodurch das Bankensystem illiquid geworden ist. Sollten die Bankkunden plötzlich in einem Bankensturm ihre Einlagen zurückverlangen, so könnten die Forderungen nicht bedient werden. Eine Reform des staatlichen Sektors wird von der Regierung der Volksrepublik aber nur sehr zögerlich angegangen, denn es ist zu befürchten, dass eine Schließung von unrentablen Staatsunternehmen zu einer stark steigenden Arbeitslosigkeit in den Städten führen würde.
Die heutige Phase wird angesichts des zunehmenden Gewichts der Privatwirtschaft in China von ausländischen Wirtschaftsführern und Politikern oft als Chinas Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft bezeichnet. Chinaexperten wie der deutsche Politikwissenschaftler Sebastian Heilmann weisen jedoch darauf hin, dass in China keineswegs die freie Marktwirtschaft regiert, vielmehr sprechen sie von einem autoritären "Kader-Kapitalismus": Wirtschaftlich erfolgreich sind meist Unternehmer mit guten Beziehungen zu den Mächtigen, Korruption ist ein großes Problem.
Energiepolitik
Deng Xiaoping
Durch die rasche Industrialisierung sowie den Anstieg des Lebensstandards stieg der Energiebedarf stark an. Im Jahr 1985 wurde etwa 13 Mal so viel Energie verbraucht wie im Jahr 1957. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Energie liegt jedoch im internationalen Vergleich niedrig, nämlich bei etwa der Hälfte des internationalen Schnitts und bei etwa einem Zehntel des Pro-Kopf-Verbrauches der USA. Deshalb kann ein weiteres starkes Ansteigen des Energiebedarfs prognostiziert werden. Das Jahr 1990 markierte einen ersten Wendepunkt in der Energieversorgung: China wurde zum Nettoi
MeditationMeditation (lat. meditatio = "das Nachdenken über" oder lat. medius = "die Mitte") ist eine Konzentrationsübung mit dem Zweck, einen veränderten Bewusstseinszustand oder letztlich sogar die Erleuchtung zu erreichen. Im älteren Sprachgebrauch bezeichnet "Meditation" einfach ein Nachdenken über ein Thema oder die Resultate dieses Denkprozesses. In manchen Religionen wird die Meditation als eine besondere Form des Gebets betrachtet.
__TOC__
Unter Meditation kann man jede absichtslose Konzentration auf eine Tätigkeit oder einen Gegenstand verstehen. Die Konzentration wird dabei nicht durch den Verstand gesteuert, sondern ergibt sich als Folge der Versenkung. Die Tätigkeit kann aktiv manipulierend sein, es kann sich aber auch um innere Kontemplation eines Gegenstandes oder einer Idee handeln. Wesentlich ist in jedem Fall ein Zustand der "entspannten Aufmerksamkeit", förderlich ist eine Umgebung ohne Störreize, bzw. die Fähigkeit, seine Sinne ruhen zu lassen. Neurologisch geht ein meditativer Zustand oft mit einer Änderung des Hirnwellenmusters einher.
Es wird unterschiedlich diskutiert: Einerseits wird die Position eingenommen, dass das Ziel der Meditation vielfältig sei, andererseits wird vorgebracht, dass es bei dem Ziel der Meditation einzig darauf ankäme, sich als "eins mit dem Ganzen zu erleben".
Der Begriff Meditation wird als Beschreibung eines Zustands und auch als eine Technik des Meditierens benutzt.
Der Zustand, der erreicht werden soll, kann je nach Art der Meditation recht unterschiedlich sein. Insbesondere bei einigen Varianten der aktiven Meditation ist er kaum von den Begriffen Trance und Ekstase abzugrenzen.
Der Gegenstand der Meditation kann beinahe beliebig sein, so dass auch Musizieren oder sogar einfache, d. h. nicht Aufmerksamkeit fordernde Arbeiten auf meditative Art ausgeführt werden können. Einige der bekanntesten Meditationstechniken beziehen sich auf den Atem, die Beobachtung des Atems (Zen Meditationstechniken, Yoga). Andere wiederum wie in der christlichen Tradition verankerte auf das "Gehen" (z.B. Sankt Jakobs Weg in Spanien) oder das Arbeiten ("ora et labora").
Eine Meditationstechnik kann allein oder in einer Gruppe unter Anleitung durchgeführt werden.
Man kann die verschiedenen Meditationstechniken grob in zwei Gruppen einteilen, in die passive (kontemplative) Meditation und die aktive Meditation. Des Weiteren ist zu unterscheiden, ob äußere Reize (wie Musik oder Lichteffekte) und entheogene Substanzen eine Rolle spielen. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist oft nur die passive Form ohne äußere Reize mit dem Wort Meditation gemeint, andere Formen werden dann meist als Rituale, Übungen oder ähnliches beschrieben.
Meditation ist wesentlicher Bestandteil vieler Religionen, in denen das Sich-Versenken als Übung zur Annäherung an ein höheres Wesen ("Gott") oder einen höheren Bewusstseinszustand verstanden wird. Dabei ist es allerdings recht unterschiedlich, ob eine stille, passive Form oder eine aktive gewählt wird.
Stille Meditation
Die christlichen Traditionen von Jesusgebet und Eucharistie sind Techniken, die neben ähnlichen Gebets- und Konzentrationsübungen ursprünglich als Meditation bezeichnet wurden. Dieses Wort wurde dann später für die aus dem Osten importierten Techniken übernommen. Das führt manchmal zur Verwirrung, weil sich die verschiedenen Traditionen in Form und Wirkung zum Teil wesentlich unterscheiden.
Die stille (passive, kontemplative) Meditation ist vor allem im Hinduismus und Buddhismus, einigen Schulen des Daoismus sowie im Christentum verbreitet. Auch moderne, westliche Varianten folgen meist dieser Form. Eine Extremform der stillen Meditation bedient sich der Reizdeprivation, um eine Veränderung des Bewusstseinszustandes herbeizuführen.
Im Hinduismus und Buddhismus ist die Meditation (sanskrit: dhyana) ein zentrales Element. Sie wird traditionellerweise im Lotus-Sitz ausgeübt. Meditation hat vor allem als Bestandteil des Yoga Verbreitung gefunden.
Seit einigen Jahrzehnten wurde in den westlischen Ländern Meditation als Mittel gegen Zivilisationsfolgen wie Lärm, Hektik, Leistungsdruck und anderen Stress beliebt.
Autogenes Training dient der Entspannung und der Lenkung des Bewusstseins, wird aber in der Regel nicht als Meditation oder Yoga verstanden, weil Suggestionen eine größere Rolle als bei traditionellen Formen des Meditierens haben. Auch werden im klassischen Yoga mit der Meditation spirituelle Ziele verfolgt, wohingegen beim Autogenem Training medizinisch-therapeutische Aspekte eine größere Bedeutung haben. Therapeutische Meditation als ein Weg der Hypnotherapie gehört ebenfalls in diese Kategorie.
Musikalische Meditation
Viele Schulen verwenden rhythmische Klänge und Musik, um die Meditation zu erleichtern. In der christlichen Tradition sind das insbesondere Choräle, aber auch das Rosenkranz-Gebet kann ähnlich einem Mantra meditativ sein. Im Hinduismus und Buddhismus werden sowohl Mantras entweder lautlos, leise gesprochen oder als Gesänge (Chanting) benutzt. Die Gospels der Christen sind im Allgemeinen keine musikalischen Meditationen, da sie zwar Gesang beinhalten, aber hauptsächlich der Bestätigung des eigenen Glaubens dienen und zur Aufhellung der Stimmung beitragen. In einigen Formen kann der Gospel-Gesang aber durchaus zu einem Trance-Zustand führen.
Eine der aktiven Formen ist die durch Tanzen unterstützte "Meditation", die vor allem in der orientalischen Tradition (z. B. Dhikr im Sufismus, der islamischen Mystik) und bei vielen Naturvölkern zu finden ist. Hierbei werden meist sehr monotone Tanzbewegungen über lange Zeit ausgeführt, oft gestützt durch einen schnellen Trommelrhythmus oder durch Schellen oder Rasseln, die die Tänzer selbst tragen. Durch diese Technik ist es möglich, einen tranceartigen Bewusstseinszustand zu erreichen. Ob diese Techniken noch unter den Begriff der Meditation fallen ist allerdings unklar.
In diesem Sinne könnte man heutige Techno-Raves auch als musikalische Meditation betrachten. Die Musik besteht im wesentlichen aus schnellen, wiederkehrenden Rhythmen, und auch hierbei werden monotone Tanzbewegungen teils stundenlang ausgeführt.
Körperliche Meditation
Häufig wird auch eine körperliche Tätigkeit benutzt, um einer Meditation einen Fokus zu geben. Die einfachste Tätigkeit, die so benutzt wird, ist wohl das Gehen, das sowohl in der christlichen Kultur (bei verschiedenen Mönchsorden, etc.) als auch in der fernöstlichen Kultur Anwendung findet.
In der Tradition des Yoga werden verschiedene Körperhaltungen und Übungen, sowie Fasten und andere Arten der Askese verwendet, um die Meditation zu unterstützen. Im Zen-Buddhismus hingegen können ganz unterschiedliche Tätigkeiten Gegenstand der Meditation sein, wie z. B. das Blumenbinden (Ikebana), die Kalligraphie (Shodō) oder das Bogenschießen (Kyūdō).
Auch Kampfkünste können Gegenstand und Vehikel der Meditation sein: besonders in den daoistischen Traditionen der inneren Kampfkünste (z. B. Taijiquan) spielt der meditative Aspekt eine große Rolle. In manchen Stilen tritt dabei der kämpferische Ursprung fast völlig zurück. Auch in vielen der äußeren Kampfkünste werden meditative Praktiken geübt.
In einigen Traditionen, zum Beispiel beim so genannten roten Tantra, werden auch sexuelle Handlungen und Reize zur Meditation eingesetzt.
In neuerer Zeit (ab Ende 1970) hat Bhagwan Shree Rajneesh auch in seinem Ashram in Poona auf den "westlichen" Menschen zugeschnittene Meditationstechniken entwickelt. Hierunter fallen die Dynamische Meditation, die Kundalini-Meditation, die Nataraj-Meditation und die Nadabrahma-Meditation. Eine weitere im Westen bekannte Meditationsschule ist die Transzendentale Meditation (TM). Die Organisationen, die Kurse in diesen Meditationstechniken anbieten, sind umstritten.
Die medizinischen Wirkungen, wie sie die Gehirnstrommessungen sogar nachweisen, werden auch mit dem gemeinsamen Wortstamm mit "Med"izin gefunden: als das ursprüngliche Ziel der inneren Mitte. Früher waren Ärzte zugleich Priester.
Entheogene Meditation
Manche Kulturen setzen auch entheogene Substanzen (bewusstseinserweiternde Drogen) bei der Meditation ein. Dazu muss allerdings bemerkt werden, dass die Einnahme einer Droge allein i. A. nicht zu einem meditativen Zustand führt — hierzu sind auch die entsprechenden mentalen Techniken notwendig. Auch ist es bei vielen dieser Praktiken unklar, ob sie noch unter den Begriff der Meditation zu fassen sind.
Das Spektrum der verwendeten Substanzen ist sehr breit, und auch die erzielte Wirkung ist je nach Art und Dosis der Droge recht unterschiedlich. Es beginnt bei leichten Stimulanzien, wie zum Beispiel dem im Katholizismus verwendeten Weihrauch, über psychotrope Substanzen wie Cannabis, das vor allem bei den Rastafari zu religiösen und meditativen Zwecken eingesetzt wird. Auch bei dem Schwitzhüttenritual nordamerikanischer Indianer werden zum Teil psychoaktive Pflanzen angewandt. Starke Halluzinogene werden vor allem in schamanistisch geprägten Kulturen benutzt, um, meist in Verbindung mit einem Tanz oder ähnlichem Ritual, in einen Trance-Zustand einzutauchen.
Meditationsarten
- Autogenes Training
- Jesusgebet
- Mantra
- Qigong
- Samatha
- Tafeln von Chartres
- Taijiquan
- Transzendentale Meditation
- Vipassana
- Gehmeditation
- Zazen
- Kontemplation
Literatur
- Sakyong Mipham (Vorwort von Pema Chödrön): Wie der weite Raum. Die Kraft der Meditation, dtv 2005
Weblinks
- [http://www.zeit.de/2005/38/Dalai-Bewusstsein Dalai Lama: Mehr Licht im Labor! Über Meditation] - Dalai Lama in einem Beitrag der zeit.de/2005/38
- [http://www.kontemplation.at Sitzmeditation in der Stille]
- [http://www.bio.com/newsfeatures/newsfeatures_research.jhtml?cid=14400147 bio.com: Meditation Associated with Increased Grey Matter in the Brain (engl.)] - Bericht über eine in NeuroReport (16: 1893-1897, 2005) veröffentlichte Studie über die durch Meditation vermittelte Dickenzunahme bestimmter kortikaler Regionen des Gehirns
Kategorie:Buddhismus
Kategorie:Religion
Kategorie:Selbsthilfe
Kategorie:Spiritualität
Kategorie:Esoterik
!
Kategorie:Zen
Kategorie:Yoga
ja:瞑想
KonzentrationUnter Konzentration versteht man:
# Die Verteilungsdichte von Objekten in einem gegebenen Raum
# - speziell die Stoffkonzentration auch "Volumenkonzentration" genannt, in der Chemie; gängige Einheit ist mol/l
# Die Bündelung elektromagnetischer Strahlung (einschließlich des sichtbaren Lichts) auf einen kleineren Querschnitt: Konzentration (Optik)
# Die Einengung der Gedankengänge auf ein Thema, siehe Konzentration (Psychologie). In diesem Zusammenhang wird auch oft die Phrase "eine Aktion konzentriert ausführen" verwendet. Im niederbayrischen Sprachgebrauch auch als "zwicken" (bayr. "zwicka") bekannt
# In der Ökonomie den Zustand oder Prozess der Verdichtung von Merkmalen, siehe Konzentration (Wirtschaft)
KampfsportKampfsport ist im deutschsprachigen Raum der in der Öffentlichkeit (außerhalb der Fachkreise) benutzte Sammelbegriff für die vielen verschiedenen Kampfstile.
In der Öffentlichkeit wird mit dem Begriff Kampfsport häufig die asiatische Tradition des Budo verknüpft, bei dem auch die geistige Entwicklung und Reifung Teil des Trainingsprozesses sein soll.
In Fachkreisen wiederum wird eine genauere Differenzierung zwischen Kampfsport als sportlichem Wettkampf und Kampfkunst als ernsthaftem Kampf benutzt. Bei der Kampfkunst wird noch einmal differenziert in Techniken, die den Sieg über einen Gegner zum Ziel haben (japanisch: Bujutsu), wie beispielsweise in der Selbstverteidigung, bei polizeilichen Eingriffstechniken und im militärischen Nahkampf, und solchen, die eine Auflösung von Konflikten - ja sogar deren grundsätzliche Vermeidung - zum Inhalt haben (japanisch: Budo), also auf die körperlich-geistige Charakterbildung abzielen.
Kennzeichen des Kampfsports im engeren (=sportlichen) Sinne ist die Regelorientierung und das Ziel, den Gegner nicht dauerhaft zu verletzten. So sind bestimmte Techniken, wie beispielsweise Stiche zu den Augen, Schläge in den Genitalbereich und ähnliches stets verboten.
Kampfkunst und Kampfsport in engerem Sinne
Kampfkunst und Kampfsport unterscheiden sich im deutschen Sprachgebrauch, Kampfkunst steht für den realen Kampf mit einem Gegner, Kampfsport mehr für den sportlichen Wettkampf. Diese Unterscheidung lässt sich exemplarisch mit einigen Beispielen untermauern:
Die wenigen Beispiele zeigen schon, dass Kampfkunst und Kampfsport sehr unterschiedlich in den Inhalten ihrer Ausbildung sein müssen. In der Praxis gibt es allerdings nur wenige Stile, die reine Kampfkunst sind, häufig findet man neben reinem Kampfsport (z.B. olympisches Boxen, Ringen) Mischungen aus Kampfsport und Kampfkunst.
Ursache ist vor allem die praktische Entwicklung in einem unreglementierten 'Markt'. Jeder darf einen neuen Stil erfinden und sich aufgrund eigener Erklärung zum Meister seines Stils ausrufen. Regelmäßig werden bekannte Stile zu neuen vermischt, so dass Sport und echter Kampf kaum noch auseinander zuhalten sind. Nur wenige Stile - es sind vor allem die olympischen Kampfsportarten - werden durch weltweit zentrale Organisationen zusammengehalten, so dass ein einheitliches Leistungs- und Ausbildungsniveau für den Anfänger nur selten garantiert ist.
Stile
Bekannte Vertreter des Kampfsports in weiterem Sinne sind:
- Unbewaffnet: Tai Kien Boxen,Boxen, Judo, Jiu-Jitsu, K1, Karate, | | |