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Schießpulver

Schießpulver

Schießpulver Oft einfach Pulver genannte Treibmittel für Feuerwaffen und Feststoffraketen, die im Gegensatz zu dem früher verwendeten Schwarzpulver aus den sogenannten rauchschwachen Cellulosenitratpulvern bestehen. Anstatt der historisch vom Schwarzpulver stammenden Bezeichnung Schießpulver wird heute meist der Begriff Treibladungspulver verwendet. Diese gehören zusammen mit den Initialsprengstoffen, Sprengstoffen, Schwarzpulver, Zündmitteln und pyrotechnischen Sätzen zu den Explosivstoffen. ---- Nach der Zusammensetzung werden die Schießpulver in drei Klassen eingeteilt: 1. Einbasige Schießpulver (Cellulosenitrat-Pulver): Mischungen von 80% Schießbaumwolle u. 20% Collodiumwolle, die mit Alkohol-Ether-Gemischen gelatiniert und nach dem Formen und Trocknen mit Weichmachern wie Centraliten, Campher und Dibutylphtalat u.ä. phlegmatisiert werden. 2. Zweibasige Schießpulver: Mischungen von Glycerintrinitrat und Cellulosenitrat die man mit Aceton/Alkohol gelatiniert, anschließend zu Schnüren formt und dann das Lösemittel entfernt. Ein typisches Beispiel ist das britische Kordit, das der Schnurform seinen Namen verdankt. 3. Dreibasige Schießpulver: Mischungen von Diethylenglykoldinitrat oder Triethylenglykoldinitrat und Cellulosenitrat, denen Nitroguanidin als dritte Komponente zugesetzt wird; diese Pulver haben einen niedrigen Energiegehalt bei großem Gasvolumen. Sie schonen dadurch die Rohre und werden besonders bei Feldartillerie (Dauerfeuer) und Flak (hohe Kadenz) verwendet. ---- Als POL-Pulver (Pulver ohne [organische] Lösemittel)werden zwei- od. dreibasige Treibladungspulver für Artillerie oder auch als Raketentreibstoffe bezeichnet. Die Gelatinierung und Homogenisierung erfolgt mit Wasser durch Walzen-, Strangpreß- od. Schneckenpreß-Prozesse, wobei Diethylenglykoldinitrat bzw. Glycerintrinitrat als „Lösungs- und Quellmittel“ für Cellulosenitrat fungiert, dann wird das Wasser bis auf etwa. 1% verdampft, und anschließend das Pulver maschinell geformt. Für die sogenannten Tropenpulver wurde in Deutschland wegen der geringeren Flüchtigkeit Triethylenglykoldinitrat statt Diethylenglykoldinitrat verwendet. Glycerintrinitrat war ja während beider Weltkriege wegen der Knappheit an Fetten und Ölen als Rohstoffe nur wenig verfügbar. Die fertigen Pulver werden graphitiert um statische Aufladung beim Schütten zu vermeiden und somit Funkenbildung zu vermeiden. ---- Weitere Zusatzstoffe: Zur Verringerung der Rauchentwicklung und Erhöhung der Lagerstabilität können 0,5 % bis 2% Diphenylamin zugegeben werden. Ein Zusatz von 1% Natriumoxalat oder 2% Kaliumsulfat verhindert die Entzündung der Rauchgase und somit den Mündungsblitz. Dinitrotoluol kann als Ersatz für Glycerintrinitrat oder Diethylenglykoldinitrat verwendet werden, ist allerdings bedeutend giftiger. Für denselben Zweck kann auch Ethylenglykoldinitrat verwendet werden, allerdings findet wegen des viel niedrigeren Siedepunktes durch Verdunstung und Rückkondensation eine langsame Entmischung statt, deswegen ist dieses Pulver nicht lange lagerfähig. Als Ersatz für Cellulosenitrat können bis zu 50% Ammoniumnitrat zugegeben werden, allerdings ist das Schießpulver dann sehr feuchtigkeitsempfindlich. Preßlinge aus Kohlenstaub und Ammoniumnitrat wurden im 1. und 2. Weltkrieg in Deutschland als Treibmittel für die Artillerie eingesetzt; ---- Nach der Form unterscheidet man Röhrenpulver, Plattenpulver, Streifenpulver, Ringpulver, Nudelpulver und sonstige Formen. Die Form und Größe der Pulverteile wird weitgehend von der Größe und Form der Treibladung sowie dem gewünschten Abbrandprofil bestimmt. In großkalibrigen Kanonen verwendet man meistens Röhrenpulver, in Steilfeuergeschützen Plattenpulver, in Handfeuerwaffen hauptsächlich feinkörnige Pulver. Treibsätze für Raketen werden in Form zylindrischer Preßlinge hergestellt, die zusätzlich Bohrungen und Rillen zur Vergrößerung der Abbrandoberfläche erhalten. Um zu verhindern dass eine Artillerietreibladung detoniert statt zu deflagrieren, wird diese nicht direkt von der Initialladung gezündet, sondern über eine Schwarzpulverzwischenladung. Dadurch wird auch die gleichmäßige Zündung der Gesamtladung sichergestellt.

Schwarzpulver

Schwarzpulver (auch Schießpulver genannt; engl. gun powder) war der erste Explosivstoff, der als Treibladung für Schusswaffen verwendet wurde. Die Mischung verbrennt rasend schnell, überschreitet hierbei jedoch nicht die innerstoffliche Schallgeschwindigkeit, weswegen statt von einer Detonation von einer Deflagration gesprochen wird. Bei der Verbrennung entsteht eine Temperatur von ca. 2.270 Kelvin (ungefähr 2.000°C).

Chemie

Schwarzpulver besteht aus einer Mischung von 75% Kaliumnitrat, 15% Holzkohle, vornehmlich aus dem Holz des Faulbaums gewonnen, und 10% Schwefel, welcher absolut säurefrei sein muss. Pulver auf Natriumnitrat-Basis, das billiger, aber sehr hygroskopisch ist, wurden in Form von Preßlingen hergestellt und mit Bitumen gegen Feuchtigkeit imprägniert. Da sie in dieser Form als Geschützpulver wenig geeignet waren, wurden sie vornehmlich im Bergbau verwendet, die eigentliche Bezeichnung lautet Sprengsalpeter. Salpeter dient als Sauerstofflieferant, Kohlepulver als Brennstoff und Schwefel als Brennstoff und Sensibilisierer, damit es bei kleinster Berührung mit Funken zu brennen anfängt. Diese Bestandteile müssen fein zermahlen und gleichmäßig vermischt werden, wobei jeder Vorgang mehrere Stunden dauert und meistens in einer Pulvermühle geschieht. Danach wird das Gemisch in so genannte Kuchen feucht verpresst und getrocknet, die wiederum zerstoßen bzw. gekörnt werden. So erlangt man eine größere Oberfläche und Abbrandgeschwindigkeit. Zur Vergrößerung bzw. Vergleichmäßigung der Abbrandgeschwindigkeit wurde das Pulver teilweise in komplizierte Formen gebracht. Etwa sechseckige Stäbe mit mehreren Bohrungen, um die Oberfläche während des Abbrandes zu vergrößern.Pulvermühle Das fertige Pulver wird noch getrocknet und kann dann abgefüllt bzw. verpackt werden. Es kann verhältnismäßig lange (luftdicht) gelagert werden. Zur Erzielung von Flammenfärbungen in pyrotechnischen Mischungen kann das Kaliumnitrat durch Nitrate ersetzt werden, deren Kation eine entsprechende Flammenfärbung liefert. Chemische Reaktion (sehr vereinfacht): 16 C + 4 S + 10 KNO_3 \rightarrow 15 CO + K_2CO_3 + 4 K_2SO_3 + 5 N_2 Diese Reaktionsgleichung ist angenähert an Schwarzpulver mit 15% Holzkohle-, 10% Schwefel- und 75% Kalisalpeteranteil. Nicht berücksichtigt wurde dabei die Restfeuchtigkeit sowie der Sauerstoff-, Wasserstoff- und Ascheanteil in der Holzkohle. Schwarzpulver deflagriert mit 300 bis 600 m/s, dabei spielen die Restfeuchtigkeit, die Gründlichkeit der Mahlung und Vermischung der Bestandteile, die Größe und Dichte der Ladung sowie die Körnung eine große Rolle. Während bei Handwaffen feinkörniges Pulver verwendet wurde um überhaupt eine akzeptable Schußleistung zu erreichen, mußte bei großkalibrigen Geschützen entsprechend grobkörniges Pulver verwendet werden, um den Enddruck zu begrenzen und damit Rohrsprengungen zu vermeiden. Das Schwadenvolumen (bei Normalbedingungen) liegt um 337 l/kg, außerdem entstehen etwa 0,58 kg feste Kaliumsalze. Die Nachteile von Schwarzpulver sind die recht niedrige Leistung, durch die brennbaren Gase bedingtes starkes Mündungsfeuer und starke Rauchentwicklung durch die großen Mengen fester Kaliumsalze. Aus diesem Grund wurde es weitgehend durch rauchschwaches Schießpulver auf der Basis von Nitrozellulose verdrängt. Vorsicht! Schwarzpulver ist empfindlich gegenüber Schlag, Reibung und statischer Elektrizität (Funken!). Die Anzündtemperatur liegt sehr niedrig (ca. 170°C). Schwarzpulver ist massenexplosiv, das heißt, ab einer bestimmten Menge von ca. einem Kilogramm ist keine Verdämmung mehr erforderlich, um eine Explosion auszulösen. Die eigene Herstellung von Schwarzpulver ist nach deutschem Recht verboten. In der Schweiz ist das Herstellen von Schwarzpulver statthaft.[http://en.wikipedia.org/wiki/Gun_politics_in_Switzerland#Historical_Firearms]

Geschichte

Die Byzantiner kannten bereits im Jahre 671 eine Mischung aus Kolophonium, Schwefel und Salpeter, Griechisches Feuer genannt, erfunden von Kallinikos aus Heliopolis. Dieser selbst auf Wasser brennbare Stoff spielte eine entscheidende Rolle bei der Verteidigung von Konstantinopel. In den folgenden Jahrhunderten wurde das „griechische Feuer“ vor allem in Seegefechten gegen die Flotten der vordringenden Muslime eingesetzt.
Im Kaiserreich China werden Salpeterhaltige Brandsätze im Wu Ching Tsung Yao von 1044 erwähnt. Das Buch ist aber nur in seiner frühesten Kopie von 1550 überliefert, daher ist nicht mehr erkennbar ob die Vermerke zu den Brandsätzen nicht später hinzugefügt wurden. Echtes Schiesspulver scheint es nur während der Mongolischen Zeit (1260-1368) in China gegeben zu haben. Wie es seinen Weg nach Europa fand, ist nicht genau geklärt. Es könnte durch arabische Händler nach Europa gelangt sein, wahrscheinlich wurde es hier aber auch ein zweites Mal erfunden. In seinem Buch über berittenen Kampf und den Einsatz von Kriegsmaschinen (Al-Furusiyya wa al-Manasib al-Harbiyya) aus dem 13. Jahrhundert beschreibt der syrische Autor Hassan ar-Rammah die Herstellung von Schwarzpulver, insbesondere die erforderliche Reinigung des Salpeters. Das Liber Ignium (Buch des Feuers) von Marcus Graecus, ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert, enthält gleich mehrere Rezeptvarianten.
Im Mittelalter nannte man das Schwarzpulver auch „Donnerkraut“. Der heutige Name Schwarzpulver geht keineswegs auf den Franziskanermönch Berthold Schwarz aus Freiburg zurück, der im 14. Jahrhundert einer Legende zufolge ein besseres Mischverhältnis von Schwefel, Holzkohle und Salpeter gefunden hat (diese Mischung unterscheidet sich von der chinesischen hinsichtlich des Salpetergehalts) sondern auf dessen Aussehen, gegen Ende des 19. Jhd. brauchte man eine Unterscheidung des Schwarzpulver von den neuen (weissen) Cellulosenitratpulvern. Schon im Jahre 1267 beschrieb Roger Bacon die Herstellung von Schwarzpulver in einem Brief an den Bischof von Paris, wobei er noch nicht das optimale Mischungsverhältnis fand. Marcus Graecus und Albertus Magnus verbesserten wenige Jahre später das Mischungsverhältnis auf die oben genannten Werte. Das Schwarzpulver blieb bis zur Erfindung der modernen Sprengstoffe der einzige militärische und zivile Explosivstoff und einziges Treibmittel für Artillerie- und Handfeuerwaffen. Im 19. Jahrhundert wurde seine Handhabung als Treibmittel durch die Entwicklung der Patrone vereinfacht. Seit dem 19. Jahrhundert verdrängten brisante Sprengstoffe wie das Nitroglyzerin, das darauf basierende Dynamit, die Nitrozellulose (Schießbaumwolle) und Nitroaromaten und Nitramine etc. das Schwarzpulver weitgehend als Explosivstoff und Treibmittel. Heute wird Schwarzpulver vor allem für Feuerwerke verwendet. Es dient dabei als Antriebsmittel für einfache Raketen, als Ladung von Böllern und als Ausstoß- und Zerlegerladung für größere Effektträger wie z.B. Bombetten. Im Schießsport wird Schwarzpulver nur noch als Reminiszenz an die Geschichte des Schützenwesens verwendet, wo es in verschiedenen Disziplinen des Vorderlader- und Westernschießens oder zum Salutschießen zum Einsatz kommt.

Rechtliche Hinweise zum Erwerb (Schweiz, Österreich, Deutschland)

In der Schweiz und Österreich ist jede Privatperson zum Erwerb von Schwarzpulver berechtigt. Der Verkauf an Kinder ist beschränkt oder verboten. Feuerwerk In Deutschland sind Privatpersonen zum Erwerb von Schwarzpulver berechtigt, sofern sie nach einem entsprechenden Lehrgang eine Prüfung gemäß §32 der Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz abgelegt haben. Landläufig werden solche Lehrgänge auch Böllerlehrgang oder Vorderladerlehrgang genannt. Zu diesen Lehrgängen werden nur Personen zugelassen, die gemäß §34 der Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz eine sogenannte Unbedenklichkeitsbescheinigung vorlegen, die, abhängig von den jeweiligen behördlichen Zuständigkeiten, z.B. vom Landratsamt oder vom Gewerbeaufsichtamt ausgestellt wird. Im privaten Bereich wird nach erfolgreichem Lehrgang (nachgewiesen durch ein amtliches Zeugnis) und bei Vorliegen eines berechtigten Bedürfnisses (Brauchtum bei Böllerschützen und Ausüben des entsprechenden Schießsportes bei Vorderlader-Schützen) eine Umgangserlaubnis nach § 27 SprengG zum Umgang mit Böllerpulver / Schwarzpulver im privaten Bereich, die sogenannte "27-iger" ausgestellt, die ebenfalls vom Landratsamt oder Gewerbeaufsichtsamt erteilt wird.

Literatur


- Manuel Baetz: Schwarzpulver für Survival - Band 1 - Improvisation von Schwarzpulver und ähnlichen Mischungen. SurvivalPress, 2004 ISBN 3898114198
- Richard Escales: Schwarzpulver und Sprengsalpeter. SurvivalPress, 1914 Reprint 2003, ISBN 3833011246
- Thomas Fatscher/Helmut Leiser: Ausarbeitung zum neuen Waffenrecht. Krüger Druck+Verlag, Dillingen/Saar 2003 ISBN 3000120009 ja:火薬 Kategorie:Sprengstoff Kategorie:Pyrotechnik Kategorie:Pulver Kategorie:Stoffgemisch

Sprengstoff

Ein Sprengstoff ist ein chemischer Stoff oder eine Mischung chemischer Stoffe, die unter bestimmten Bedingungen sehr schnell reagieren und dabei eine relativ große Energiemenge in Form von Hitze und einer Druckwelle freisetzen können (Explosion oder Detonation). Diese gehören zusammen mit den Initialsprengstoffen, Treib- und Schießstoffen (Schwarzpulver und Schießpulver oder Treibladungspulver), Zündmitteln und pyrotechnischen Erzeugnissen zu den Explosivstoffen. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Reaktion im Sprengstoff ausbreitet, bestimmt die Brisanz des Sprengstoffes. Moderne Sprengstoffe basieren meist auf energetischen Verbindungen, welche die chemischen Elemente Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H), Stickstoff (N) und Sauerstoff (O) enthalten. Bei der Explosion verbindet sich der ursprünglich am Stickstoff schwach gebundene Sauerstoff mit dem Kohlenstoff zu CO und CO2 sowie mit dem Wasserstoff zu Wasserdampf, während der Stickstoff das sehr stabile Stickstoffmolekül N2 bildet. Bei dieser Umsetzung werden große Energiemengen freigesetzt. Sprengstoffen werden auch Sauerstoffträger zugesetzt, einerseits um die Sauerstoffbilanz zu verbessern, andererseits um Hochleistungssprengstoffe zu strecken und auf diese Weise hohen Bedarf zu decken. So wurden in Deutschland gegen Ende des 2. Weltkrieges in militärisch verwendeten Sprengmitteln die Anteile an Hochleistungssprengstoffen immer weiter gesenkt und durch alle verfügbaren Salpeter sowie sauerstoffarmen Ersatzsprengstoffe ersetzt. Kurz vor Kriegsende wurden dann sogar alkalichloridhaltige Wettersprengstoffe zur Füllung von Munition verwendet. Sowohl die zivilen als auch militärischen Sprengstoffe enthalten mitunter noch Metalle wie Aluminium oder Zink. Während feingepulvertes Aluminium durch höhere Temperatur die Gasschlagwirkung steigert, dienen Aluminium- oder Zinkgrieß in Fla-Munition zur Erhöhung der Brandwirkung im Ziel. Zur Initiierung von Sprengstoffen werden Sprengzünder verwendet. Es gibt elektrische, nichtelektrische und elektronische Zündsysteme. Weltweit führender Hersteller von Zündsystemen für den zivilen Bereich ist der Orica Konzern mit Sitz in Melbourne, Australien. Daneben werden gelegentlich noch Sprengkapseln eingesetzt, die mittels Sicherheitszündschnur oder Sprengschnur gezündet werden. Wenn die Hauptladung aus einem sehr unempfindlichen Sprengstoff besteht, so ist zwischen Sprengzünder und Hauptladung noch eine zusätzliche Verstärkungsladung (Booster, Schlagverstärker) erforderlich.

Auswahl an Sprengstoffen

Energetische Verbindungen für Sprengstoffe von praktischer Bedeutung


- Ammoniumpikrat
- Trinitrotoluol (TNT, Fp.02)
- Trinitrophenol (Pikrinsäure, Granatfüllung 88)
- Tetryl (N-Methyl-N,2,4,6-tetranitroanilin)
- Ethylenglykoldinitrat (Nitroglykol)
- Diethylenglykoldinitrat (Diglykoldinitrat)
- Triethylenglykoldinitrat (Triglykoldinitrat)
- Glycerintrinitrat (Nitroglycerin)
- Nitropenta (PETN)
- Cellulosenitrat
- Nitroguanidin
- Ethylendinitramin (EDNA, PH-Salz)
- Hexogen (RDX)
- Oktogen (HMX)
- Hexanitrostilben (HNS)
- Pikrylaminodinitropyridin (PYX)
- Nitrotriazolon (NTO)
- Hexanitrohexaazaisowurtzitan (HNIW oder CL20)
- Triaminotrinitrobenzol (TATB)

Energetische Verbindungen für Sprengstoffe von geringerer Bedeutung


- Trinitrobenzol (TNB)
- Trinitro-m-xylol
- Trinitro-m-kresol
- Trinitroanisol
- Trinitroanilin (Pikramid)
- Hexanitrodiphenylamin (Hexamin)
- Methylnitrat
- Nitromethan
- Tetranitromethan

Energetische Verbindungen für Ersatzsprengstoffe


- Dinitrobenzol (DNB)
- Dinitrotoluol (DNT)
- Dinitroanisol
- Dinitronaphtalin
- Trinitronaphtalin
- Methylammoniumnitrat (MAN-Salz)
- Tetramethylammoniumnitrat (TETRA-Salz)
- Guanidinnitrat

Sauerstoffträger für Sprengstoffe


- Ammoniumnitrat (Ammonsalpeter)
- Kaliumnitrat (Kalisalpeter)
- Natriumnitrat (Natronsalpeter)
- Bariumnitrat (Barytsalpeter)
- Calciumnitrat (Kalksalpeter)
- Kalkammonsalpeter (Mischung aus Kalk und Ammonsalpeter)
- Alkalichlorate
- Alkaliperchlorate
- Ammoniumperchlorat
- Distickstofftetroxid (in Panclastit)
- flüssige Luft oder Sauerstoff (in Oxyliquit)

Energetische Stoffe im experimentellen Stadium


- Diaminodinitroethylen (DADE oder FOX-7)
- Trinitroazetidin (TNAZ)
- Octanitrocuban
- poröses Silizium: ein erst 2001 durch Zufall an der TU München entdeckter Sprengstoff mit extrem schneller (500 Milliardstel Sekunde) und heftiger Reaktion. Anwendung für Airbags geplant.

Sprengstoffarten

Technisch verwendete Sprengstoffe sind in der Regel Stoffgemische aus energetischen chemischen Verbindungen, Bindemitteln, Plastikatoren und anderen Zusatzstoffen. Sie werden in folgende Gruppen eingeteilt:
- Sprengpulver (zu Sprengzwecken verwendeter Schießstoff)
- Chloratsprengstoffe
- Dynamite
- Gelatinöse Sprengstoffe
- Pulverförmige Sprengstoffe
- ANFO (Ammonium Nitrate Fuel Oil)
- Sprengschlämme
- Emulsionssprengstoffe
- Wettersprengstoffe
- Oxyliquite
- Hochbrisanzsprengstoffe
- Formbare Sprengstoffe (Plastiksprengstoff)
- Polymergebundene Sprengstoffe (PBX)
- zweibasige Flüssigsprengstoffe Schwarzpulver (ältester bekannter Explosivstoff) ist kein Sprengstoff, sondern den Schießstoffen zuzuordnen. Dennoch wurde es in Form von Sprengpulvern zur Gewinnung wertvoller Werksteine wie Marmor oder Granit verwendet. Der Grund war, dass es keine zerschmetternde, sondern schiebende Wirkung hat und die Steine auf diese Weise schonender losgebrochen werden. Nach dem Aufkommen von Sägemethoden verliert dieses Verfahren jedoch zunehmend an Bedeutung. Chloratsprengstoffe bestehen aus Alkali- und Erdalkalichloraten in Verbindung mit organischen Substanzen wie Wachsen, Ölen, Holzmehl oder Ersatzspprengstoffen (Dinitroaromate). Nach ihrer Entwicklung am Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie häufig verwendet, kamen jedoch wegen der hohen Reibeempfindlichkeit außer Gebrauch. Zu Dynamiten gehört sowohl das von Alfred Nobel entwickelte Kieselgurdynamit als auch die aus Sprenggelatine entwickelten "Gelatine-Dynamite" . Gelatinöse Sprengstoffe bestehen aus Sprengölen wie Glycerintrinitrat, Ethylenglykoldinitrat oder Diethylenglykoldinitrat bzw. deren Gemischen die zur Verringerung der Schlagempfindlichkeit mit 6 bis 8% Cellulosenitrat oder Kollodiumwolle gelatiniert sind. Pulverförmige ANC-Sprengstoffe (Ammonium Nitrate/Carbone) sind besonders sicher, da sie eine Verstärkerladung (Booster) zum Zünden benötigen. Sie bestehen aus Ammonsalpeter und Kohlenstoffträgern wie Kohlepulver, Naphtalin oder Holzmehl. Die Ammonale enthalten zusätzlich Aluminiumpulver. ANFO (Ammonium Nitrate/Fuel Oil) bestehen im einfachsten Fall aus 94,5 % Ammonsalpeter und 5,5% Heizöl. Zu Sprengschlämmen zählen heute vor allem Mischungen aus konzentrierten wässrigen Ammoniumnitratlösungen mit niedrigem Anteil an brisanten Explosivstoffen, welche sich durch besonders hohe Verarbeitungs- und Transportsicherheit auszeichnen. Emulsionssprengstoffe bestehen aus konzentrierten wässrigen Ammoniumnitratlösungen mit darin emulgiertem Mineralöl. Im Kohlebergbau werden untertage spezielle "Wettersprengstoffe" eingesetzt, deren Explosionstemperatur aufgrund von Zusätzen von Alkalichloriden nicht ausreicht, um Staub- oder Methangasexplosionen ("schlagende Wetter") auszulösen. Oxyliquite bestehen aus saugfähigen Materialien wie Holz- oder Korkmehl, die kurz vor der Verwendung in flüssige Luft oder flüssigen Sauerstoff getaucht werden. Da diese wieder verdunsten, muss kurz darauf gezündet werden. Aus diesem Grund sind Oxyliquite für groß angelegte Sprengungen nicht geeignet. Ihr Vorteil besteht darin, dass nicht gezündete Ladungen nach Verdunsten des Oxidators absolut ungefährlich sind. Zu den ältesten militärischen Sprengstoffen zählte die Pikrinsäure, die später weitgehend durch das TNT ersetzt wurde. Moderne Sprengstoffe enthalten oft noch das brisantere Hexogen, Ethylendinitramin oder Nitropenta. Die militärisch verwendeten formbaren Plastiksprengstoffe wie zum Beispiel C4 oder Semtex enthalten Nitropenta, Hexogen und Plastifizierungsmittel. Sie werden vornehmlich für Pionierzwecke verwendet, sind jedoch auch bei Terroristen beliebt, da sie leicht in unauffällige Form zu bringen sind.

Polymergebundene Sprengstoffe (PBX)

Panclastit besteht aus 70% Distickstofftetroxid und 30% Nitrobenzol, die erst kurz vor der Verwendung gemischt werden. Eine ähnliche Mischung aus 86,5% Tetranitromethan und 13,5% Toluol erreicht eine Detonationsgeschwindigkeit von 9300 m/Sek.

Geschichte

Die ersten synthetischen Sprengstoffe waren Nitrozellulose und Glycerintrinitrat (fälschlicherweise fast ausschließlich als Nitroglycerin bekannt). Da ungenügend neutralisierte Nitrozellulose zur Selbstentzündung neigt und Glycerintrinitrat sehr erschütterungsempfindlich ist, war die Handhabung gefährlich. Alfred Nobel gelang es 1867, Nitroglycerin durch Aufsaugen in Kieselgur weniger erschütterungsempfindlich zu machen und so Dynamit herzustellen. Um die durch den Anteil von 25% inertem Kieselgur entstehende Leistungssenkung zu kompensieren, wurde durch Gelatinieren von Glycerintrinitrat mit 6 bis 8% Nitrozellulose die Sprenggelatine entwickelt, der stärkste gewerbliche Sprengstoff. Da auch die Sprenggelatine noch ziemlich schlagempfindlich und teuer war, wurden durch Zumischen von Holzmehl und Nitraten die sogenannten "Gelatine-Dynamite" entwickelt. Wegen der immer noch nicht ausreichenden Sicherheit wurden sie jedoch von Ammoniumnitrat-Sprengstoffen vom Typ ANC/ANFO verdrängt, die zu Sprengschlämmen und Emulsionssprengstoffen weiterentwickelt wurden. Zu den ältesten militärischen Brisanzsprengstoffen zählten die Pikrinsäure und das m-Trinitrokresol, deren Ausgangsstoffe aus Steinkohleteer gewonnen wurden. Diese hatten jedoch den großen Nachteil, dass sie an der Innenwandung der Granaten stoßempfindliche Schwermetallpikrate bildeten, die zu Rohrkrepierern führten. Aus diesem Grund wurden zunächst die Granaten vor dem Befüllen innen lackiert. Als die Erdöldestillation genügend Toluol bereitstellen konnte, verdrängte TNT seine Vorgänger als häufig genutzter, sehr handhabungssicherer, brisanter Militärsprengstoff. Moderne Sprengstoffe mit höherer Brisanz basieren oft auf Hexogen, Nitropenta oder Ethylendinitramin. Octogen galt bislang als das brisanteste Material, ist aber in der Herstellung aufwendig und sehr teuer. Es wird fast ausschließlich für Spezialladungen verwendet, zum Beispiel Hohlladungen, wenn hohe Brisanz gefragt ist.

Daten einiger ausgewählter Sprengstoffe

Parameter zur Charakterisierung von Sprengstoffen

Sauerstoffbilanz

Die Sauerstoffbilanz gibt die Sauerstoffmenge (in Massenprozent) eines Explosivstoffes an, die bei vollständiger Umsetzung frei wird. Ist zuwenig Sauerstoff vorhanden, wird die Bilanz negativ und es entstehen wegen der unvollständigen Verbrennung giftige Substanzen wie Kohlenmonoxid oder Blausäure. Bei militärischen Anwendungen von Sprengstoffen ist die Sauerstoffbilanz nebensächlich, bei Sprengstoffen für gewerbliche Zwecke sollte sie grundsätzlich positiv sein. Die Sauerstoffbilanz von Sprengstoffen, die in reiner Form eine negative Sauerstoffbilanz aufweisen, kann durch Zuschlag von Sauerstoffträgern (z.B. Ammoniumnitrat) beeinflusst werden.

Spezifisches Schwadenvolumen (Normalgasvolumen)

Gasvolumen unter Normalbedingungen, welches bei der vollständigen Umsetzung von 1 kg Explosivstoff entsteht.

Ladedichte

Verhältnis des Gewichts des Explosivstoffes zum Volumen des Explosionsraumes. Von der Ladedichte ist die Detonationsgeschwindigkeit abhängig.

Schlagempfindlichkeit

Die Empfindlichkeit von Sprengstoffen gegen mechanische Einwirkung (Schlag, Stoss) kann durch Zusatz von phlegmatisierenden Stoffen wie Paraffin herabgesetzt werden. Die Phlegmatisierung explosionsfähiger Gemische wird als Inertisierung bezeichnet. Desgleichen kann durch Zugabe sogenannter Sensibilisierer die Empfindlichkeit erhöht werden.

Nutzung

Zivile Sprengstoffe werden zum größten Teil zur Gewinnung von Gestein in Tagebauen (Steinbruch: Basalt, Granit, Diabas, Kalk etc.), zur Werksteingewinnung und im Bergbau (Steinkohle, Kali & Salz, Gips, Erzabbau etc.) eingesetzt. Daneben finden sie im Verkehrswegebau, im Tunnelbau, bei Abbruchsprengungen, in der Sprengseismik und in der Pyrotechnik (Feuerwerk) Verwendung. Die Produktion von gewerblichen Sprengstoffen in Deutschland betrug im Jahre 2004 rund 65.000 Tonnen. ANC-Sprengstoffe machten davon ca. 36.000 Tonnen aus, gelatinöse Sprengstoffe auf NG-Basis ca. 10.000 Tonnen, gepumpte und patronierte Emulsionssprengstoffe ca. 16.000 Tonnen. Die restliche Menge verteilt sich auf Wettersprengstoffe für den Steinkohlenbergbau und auf Schwarzpulver für die Werksteingewinnung. Führende Hersteller von industriellen Sprengstoffen in Deutschland sind Orica, Troisdorf und Wasag, Sythen. Militärische Sprengstoffe werden als Füllmittel für Granaten, Bomben, Minen, Gefechtsköpfe von Raketen und Torpedos sowie als Bestandteile von Treibsätzen verwendet. Weiterhin werden sie in verschiedenen pyrotechnischen Ladungen mitverwendet. Ein spezieller Punkt ist die Verwendung in Atomwaffen zur Einleitung einer Kettenreaktion. In Deutschland gibt es seit 1980 keine Produktionsstätte mehr für militärische Sprengstoffe. Für terroristische Zwecke werden sowohl militärische wie zivile Sprengstoffe als auch aus leicht zugänglichen Chemikalien herstellbare Stoffe und Gemische verwendet. Beispiele sind das Gemisch aus Puderzucker und einem chlorathaltigem Unkrautvernichter als auch Gemische auf Ammonsalpeterbasis.

Rechtliches

Der Umgang, dazu gehören das Herstellen, Bearbeiten, Verarbeiten, Verwenden, Verbringen, der Transport und das Überlassen innerhalb der Betriebsstätte, das Wiedergewinnen und Vernichten; der Verkehr (Handel) und die Einfuhr werden aufgrund der möglichen Gefährdung im Sprengstoffrecht geregelt.

Literatur


- Der kleine Sprengmeister 2 (Programm eines unbekannten schweizerischen Autors)
- S.J. von Romocki: Geschichte der Explosivstoffe, Band 1. Sprengstoffchemie, Sprengtechnik und Torpedowesen.. Survival Press, Radolfzell, 1895, Reprint 2003 ISBN 3833007028
- S.J. von Romocki: Geschichte der Explosivstoffe, Band 2. Die rauchschwachen Pulver in ihrer Entwicklung bis zur Gegenwart Survival Press, Radolfzell, 1896, Reprint 2004 ISBN 393793300X
- Fritz Hahn: Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933-1945. Bernard & Graefe (1998) ISBN 3763759158

Weblinks


- [http://www.r-haas.de/v11.html Lexikon der deutschen Explosivmischungen]
- [http://www.av.fh-koeln.de/professoren/rieckmann/chemischeprozesstechnik/lab_explosives/explosives.html Explosives - Introduction]
- [http://www.lfas.bayern.de/vorschriften/gesetze/A-Z/sprengg.htm Bayerisches Landesamt für Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Sicherheitstechnik - Sprengstoffgesetz]
- [http://home.feuerwerk.net/ home.feuerwerk.net]
- [http://www.ordnance.org/portal Beschreibung von Waffensystemen, engl.]
- [http://dc2.uni-bielefeld.de/dc2/kampfst/kampfst.htm Über die Leichtigkeit, Spreng- und Kampfstoffe herzustellen] ! Kategorie:Bergbau Kategorie:Waffe ja:火薬

Zündmittel

Zündmittel sind Hilfsmittel, die zum Auslösen von Sprengladungen bestimmt sind und meistens explosionsfähige Stoffe enthalten. Die Zündung eines Explosivstoffes setzt die Explosion oder Detonation in Gang. Eines der einfachsten und ältesten Zündmittel ist die Lunte, die aus einer mit Salpeter getränkten und danach mit Bleiacetat gebeizten, glimmfähigen Hanfschnur besteht, mit deren Hilfe Pulver- und Sprengsätze gezündet wurden. Zündschnüre bestehen aus 5–6 mm starken gedrehten oder gewirkten Gewebeschläuchen mit einer Seele aus Schwarzpulver, sind zur Haltbarmachung mit Leim oder mit Teer imprägniert, können durch einen Kunststoffüberzug wasserbeständig gemacht sein und dienen zur Zündung von Sprengkapseln und Erzeugnissen der Pyrotechnik. Die ähnlich aufgebauten Sprengschnüre enthalten einen brisanten Sprengstoff wie etwa Pentaerythrittetranitrat und sollen die Übertragung der Detonation einer Sprengkapsel auf verschiedene Sprengladungen mit einer Geschwindigkeit von 7000 m/s bewirken. Als mechanische Zündmittel dienen z.B. Zündhütchen, das sind kleine, den Zündsatz enthaltende Metallnäpfchen, die im Boden von Patronen angebracht werden und die auf Stoß od. Schlag eine den Treibsatz zündende Stichflamme liefern. Anders als bei Munition werden in den meisten technischen Anwendungen der Explosivstoffe heute elektrische Zünder eingesetzt. Bei chemischen Zündern sind reaktionsfähige Substanzen in verschiedenen Ampullen eingeschlossen. Nach Zerbrechen der Ampulle durch Schlag oder Druck vereinigen sich die Inhalte unter Wärmeabgabe und leiten so die Explosion ein. Diese sogenannten Säurezünder werden z.B. bei Geschossen und Minen verwendet. Kategorie:pyrotechnik

Pyrotechnische Erzeugnisse

Bezeichnungen für Produkte der pyrotechnischen Industrie in denen explosionsgefährliche Stoffe oder Stoffgemische enthalten sind. Je nach Verwendungsziel sollen damit Licht-, Schall-, Rauch-, Nebel-, Heiz-, Druck- oder Bewegungswirkungen erzeugt werden. Man unterscheidet entsprechend:
- Treibsätze
- Knallsätze
- Leuchtsätze
- Pfeifsätze
- Rauchsätze
- Nebelsätze
- Gassätze
- Heizsätze
- pyrotechn. Sätze für spezielle Effekte. Hauptbestandteile sind Oxidationsmittel wie z. B. Nitrate, Chlorate und Perchlorate, Brennstoffe wie Holzkohle, Schwefel, Aluminium, Magnesium, Zink, Schwefel, Phosphor und viele andere Stoffe) sowie Hilfsstoffe zur Erzielung der erwünschten Effekte. Als Zündmittel dienen Zündschnüre, Reibeköpfe, für militärische Zwecke auch elektrische oder Abreißzünder. Militärisch genutzte Produkte sind Brandwaffen, Nebelwaffen, Rauchkerzen und Leuchtsätze. Feuerwerksraketen enthalten Treibsätze aus Schwarzpulver und die Effektfüllungen, die aus Leuchtsätzen, manchmal auch aus Knall- und Pfeifsätzen bestehen. Die Steighöhe ist bei Feuerwerks-Raketen auf 100 m bis 200 m begrenzt. In Kleinfeuerwerkskörpern wird meist Schwarzpulver in fester Umhüllung eingedämmt. Die so genannten Schwärmer bestehen aus einer pfeifenden Treibladung mit abschließendem relativ schwachem Knallsatz. Mischungen aus Oxidatoren und Metallpulvern nennt man Blitzsätze oder auch ggf. Blitzknallsatz (BKS), wenn sie primär zur Erzeugung eines Knalls bestimmt sind. Wie der Name schon sagt, explodiert ein BKS mit einem hellen Lichtblitz und einem lauten Knall unter enormer Energieabgabe, wobei manche Blitzsätze auch in Detonation übergehen können. Eine weitere wesentliche Eigenschaft dieser Explosivstoffe ist es, ohne Verdämmung zu explodieren, was von der Art und der Zusammensetzung der Mischung abhängt. Diese Eigenschaft macht sie für die Pyrotechnik sehr interessant, da man mit geringen Mengen einen vielfach lauteren Knall erzeugen kann, als das mit Schwarzpulver möglich ist. Das in der Pyrotechnik fast ausschließlich angewandte Gemisch aus Kaliumperchlorat und sehr feinteiligem Aluminiumpulver (Aluminiumpyroschliff / Dark Pyro Alu) explodiert bereits in geringer Menge offen gezündet mit einem ohrenbetäubenden Knall. Diese Eigenschaft macht die Handhabung von BKS gefährlich, zumal das Gemisch empfindlich auf statische Aufladung reagiert. Zu finden ist diese Mischung in Vogelschreckpatronen und Salutbomben in der Großfeuerwerkerei. Ferner werden die sog. Flashmischungen in kleinen Bombetten als Zerlegerladung eingesetzt, wobei diese dann häufig auch aus Bariumnitrat, Schwefel und hochfeinem Aluminiumpulver bestehen. Pfeifsätze enthalten meist Chlorate oder Perchlorate als Oxidationsmittel sowie Salze organischer Säuren. Die Geräuschentwicklung entsteht nicht durch Form der Austrittsöffnung sondern durch oszillierend pulsierenden Abbrand in offener Papphülse. Außer in Raketen finden Pfeifsätze Verwendung in Luftheulern. In Knallerbsen wird Silberfulminat, ein Salz der Knallsäure verwendet. In einer Knallerbse sind höchstens 25 mg enthalten, die mit einer kleinen Menge Quarzsand in Seidepapier eingewickelt sind. Der Quarzsand verleiht der Knallerbse einerseits das notwendige Gewicht, zweitens löst er beim Auftreffen auf harte Unterlage durch zerdrücken der Fulminatkristalle die Explosion aus. Der Stoff kann nicht in sehr großen Mengen hergestellt werden, da er auch am Eigengewicht der Kristalle zur Explosion gebracht werden kann. Auch geringe Reibung oder Erschütterung kann zur Explosion führen. Auch feuchtes Silberfulminat ist explosiv. Als pyrotechnische Erzeugnisse für technische Zwecke seien erwähnt: Gassätze zum Füllen von Airbags oder Austreiben von Löschpulver; Heizsätze zum Verschweißen von Kunststoffen oder schweißen von Stahl (Thermit); Rauch- bzw. Schwelsätze entsprechender Zusammensetzung können zum Begasen von Ungeziefer eingesetzt werden; in der Anfangszeit der Photographie wurde Blitzlicht durch verbrennendes Magnesium erzeugt. Rechtliches
Der Umgang, dazu gehören das Herstellen, Bearbeiten, Verarbeiten, Verwenden, Verbringen, der Transport und das Überlassen innerhalb der Betriebsstätte, das Wiedergewinnen und Vernichten; der Verkehr (Handel) und die Einfuhr werden aufgrund der möglichen Gefährdung im Sprengstoffrecht geregelt. Kategorie:Pyrotechnik

Explosivstoffe

Als Explosivstoffe bezeichnet man feste oder flüssige Stoffe oder Stoffgemische, die sich dadurch auszeichnen, das sie durch chemische Reaktion Wärmeenergie und Gase entwickeln können, wodurch Arbeit verrichtet beziehungsweise Zerstörungen entstehen können. Explosivstoffe werden eingeteilt in:
- Initialsprengstoffe
- Sprengstoffe
- Treibmittel (Schwarzpulver und rauchlose Schießpulver)
- Zündmittel
- Pyrotechnika Explosivstoffe bestehen meist aus chemischen Verbindungen oder Stoffgemischen, die verfügbaren Sauerstoff enthalten, welcher die verbrennbaren Bestandteile des Moleküls oder die brennbaren Komponenten des Gemisches oxidiert. Der verfügbare Sauerstoff ist meist an Stickstoff in Nitro- und Nitratgruppen oder an Chlor in Chloraten und Perchloraten gebunden, die verbrennbaren Bestandteile sind fast immer Kohlenstoff und Wasserstoff, in Gemischen auch Schwefel, Aluminium oder Zink. Ausnahmen bilden beispielweise Azide, Fulminate und Tetrazen. Bei deren Zerfall in die Elemente werden genügend Energie und Gase für die Explosion frei. Die Wahrscheinlichkeit für die Reaktion eines explosionsfähigen Stoffes hängt von seiner Empfindlichkeit gegen mechanische oder thermische Einwirkung ab. Sehr empfindliche Explosivstoffe wie die Initialsprengstoffe können nur in kleinen Mengen auf einmal hergestellt und verarbeitet werden. Gewerbliche Sprengstoffe auf Basis von Sprengölen und Ammoniumnitrat gehören in die Gruppe der weniger empfindlichen Explosivstoffe. Unempfindliche Explosivstoffe wie die ANC- und Wettersprengstoffe oder gegossenes TNT benötigen neben der Sprengkapsel noch eine Verstärkerladung (booster). Parameter zur Charakterisierung von Explosivstoffe sind: Sauerstoffbilanz: Als Sauerstoffbilanz wird die Sauerstoffmenge in Gewichtsprozent bezeichnet, die bei vollständiger Umsetzung des Explosivstoffe frei wird (positive Sauerstoffbilanz) bzw. zur vollständigen Umsetzung zusätzlich benötigt wird (negative Sauerstoffbilanz). Normalgasvolumen: Das Normalgasvolumen (Schwadenvolumen) ist das Gesamtvolumen der bei der vollständigen Umsetzung des Explosivstoffs entstehenden Gase, bezogen auf Normalbedingungen. Explosionswärme: Die Explosionswärme ist die bei der Explosion freigesetzte Wärmeenergie. Aus Explosionswärme und Normalgasvolumen ergibt sich die Arbeitskraft eines Explosivstoffs. Die Dichte wird nach üblichen Methoden bestimmt. Für Explosivstoffe ist der Begriff der Ladedichte gebräuchlich, definiert als Verhältnis des Gewichts des Explosivstoffs zum Volumen des Explosionsraumes. Bei Explosivstoffen gleicher Zusammensetzung kann die Dichte variiert werden. Hierbei führt eine geringe Dichte wegen größerer innerer Oberfläche und Porosität zu erhöhter Detonationsfähigkeit, eine Erhöhung der Dichte bei Verringerung der Detonationsfähigkeit zu erhöhter Brisanz und Sprengkraft. Die Explosionsgeschwindigkeit ist die Geschwindigkeit in m/Sek., mit welcher die Explosion in einem Explosivstoffe fortschreitet. Sie kann von wenigen m/Sek. (Deflagration) bis zu 10000 m/Sek. (Detonation) reichen. Ihre Bestimmung erfolgt auch heute noch teilweise nach der Dautriche-Methode. Dabei wird der in einem Metallrohr verdämmte Explosivstoff gezündet und löst an zwei Messpunkten Sprengkapseln aus. Diese lösen beidseitig die Detonation einer Sprengschnur aus, deren Mitte auf einer Bleiplatte markiert ist. Die zusammentreffenden Detonationswellen hinterlassen eine Einkerbung auf der Bleiplatte. Aus der bekannten Detonationsgeschwindigkeit der Sprengschnur, dem Abstand der Messpunkte und dem Abstand der Einkerbung von der Markierung der Bleiplatte kann die Explosionsgeschwindigkeit errechnet werden. Für genauere Messungen gibt es elektrische und optische Meßmethoden. Die Bestimmung der Sprengkraft beruht auf Vergleichsmethoden. Eine Möglichkeit besteht in der Bestimmung einer Bleiblockausbauchung nach Trauzl. Dabei werden in einem Bleizylinder von 200-mm-Durchmesser und 200-mm-Höhe am Boden einer Bohrung von 125-mm-Tiefe und 25-mm-Durchmesser 10 g des in Stanniol gewickelten Sprengstoffes mit einer Sprengkapsel von 2 g Füllung gezündet. Danach wird die mit Quarzsand verdämmte Bohrung wieder gesäubert, der aufgebauchte Hohlraum dient dann zur Beurteilung der Leistung. Eine andere Möglichkeit bietet der seitlich ausschwingende ballistische Mörser, wobei der erzielte Pendelausschlag als Maß für die Leistungsfähigkeit des Explosivstoffe dient. Die Brisanz oder Stoßdruck eines Explosivstoffe als Produkt aus Dichte, spezifischem Explosionsdruck und Detonationsgeschwindigkeit wird mit dem Kastschen Apparat bestimmt, in dem ein Kupferzylinder gestaucht wird. Schlagempfindlichkeit, Reibeempfindlichkeit und Stahlhülsentest sind Kriterien für die Empfindlichkeit eines Explosivstoffs gegen mechanische und thermische Beanspruchung. Beispiele für die Berechnung der Sauerstoffbilanz und des Normalgasvolumens: Tetranitromethan: CN_4O_8 \rightarrow CO_2 + 2 N_2 + 3 O_2 Bei der Detonation werden außer einem Mol Kohlendioxid und zwei Mol Stickstoff drei Mol Sauerstoff frei. Die Masse des Sauerstoffs (3
- 2
- 15,9994) geteilt durch die Gesamtmolmasse (196,03) ergibt eine positive Sauerstoffbilanz von 49,0%. Das Gasvolumen beträgt 6 Mol pro Mol oder 30,6 Mol/kg. Multipliziert mit der Normalgaskonstanten von 22,414 l/Mol ergibt sich ein Gesamtvolumen von 686 l/kg. Ethylenglykoldinitrat: C_2H_4N_2O_6 \rightarrow 2 CO_2 + 2 H_2O + N_2 Bei der Detonation werden zwei Mol Kohlendioxid, zwei Mol Wasserdampf und ein Mol Stickstoff frei. Da weder Sauerstoff zur vollständigen Oxidation benötigt noch frei wird, ist die Sauerstoffbilanz ausgeglichen und beträgt ±0%. Das Gasvolumen beträgt 5 Mol pro Mol oder 32,88 Mol/kg. Multipliziert mit der Normalgaskonstanten von 22,414 l/Mol ergibt sich ein Gesamtvolumen von 737 l/kg. Im Gegensatz dazu verläuft bei einer Deflagration die Umsetzung unvollständig: 3 C_2H_4N_2O_6 \rightarrow CO_2 + 5 CO + 5 H_2O + H_2 + 6 NO Statt der 1020 kJ/Mol bei einer Detonation werden nur 293 kJ/Mol frei. Trinitrotoluol: C_7H_5N_3O_6 \rightarrow 3,5 C + 3,5 CO + 2,5 H_2O + 1,5 N_2 Bei der Detonation werden 1,5 Mol Stickstoff frei. Aufgrund der höheren Affinität wird der Wasserstoff komplett zu Wasserdampf oxydiert. Der restliche Sauerstoff reicht nur um 3,5 Mol Kohlenstoff zu Kohlenmonoxid zu oxydieren. Es verbleiben 3,5 Mol Kohlenstoff die als Feststoff nicht in die Gasvolumenberechnung eingehen. Die Masse des zur vollständigen Oxidation benötigten Sauerstoffs (5,25
- 2
- 15,9994) geteilt durch die Gesamtmolmasse (227,13) ergibt eine negative Sauerstoffbilanz von 74,0%. Das Gasvolumen beträgt 7,5 Mol pro Mol oder 33,02 Mol/kg. Multipliziert mit der Normalgaskonstanten von 22,414 l/Mol ergibt sich ein Gesamtvolumen von 740 l/kg. Verwendung: Für gewerbliche und militärische Zwecke als Sprengstoffe (z.B. im Kohlebergbau als Wettersprengstoffe, beim Bau von Straßen, Tunneln, Stauseen etc. als Gesteinssprengstoffe), für geologische Zwecke als seismische Sprengstoffe, als Initialsprengstoffe und Zündmittel zur Auslösung der Detonation weniger empfindlicher Explosivstoffe, als Treib- u. Schießstoffe zum Antrieb von Geschossen, auch als Raketentreibstoffe, ferner zur Herstellung pyrotechnischer Artikel wie Feuerwerkskörper und ähnlichem. Der Umgang und die Verwendung von Explosivstoffen ist durch eine Reihe gesetzlicher Vorschriften und Verordnungen geregelt (Sprengstoffgesetz). Geschichtliches: Die erste verbürgte Darstellung vom Gebrauch von Explosivstoffen stammt aus China im Jahre 1232. Um die Mitte des 13. Jh. wird von Roger Bacon und Magnus Albertus über Schwarzpulverähnliche Mischungen berichtet. Die Wiedererfindung des Schwarzpulvers wird dem legendären Mönch Berthold Schwarz zugeschrieben, es wurde in der 2. Hälfte des 13. Jh. erstmalig zum Verschießen noch pfeilförmiger Geschosse aus geschlossenen Rohren verwendet. Die Geschichte der Explosivstoffe in der Folgezeit ist eng verbunden mit der Entwicklung von Schießrohren und Kanonen ab dem 14. Jh. Bis weit in das 19. Jh. hinein blieb das Schwarzpulver das einzige Treibmittel für Schußwaffen. Die Verwendung von Schwarzpulver für gewerbliche Zwecke begann um 1620 mit Sprengungen in Steinbrüchen und Erzbergwerken. Das Zeitalter des technischen Fortschritts auf dem Gebiet der Explosivstoffe begann mit der Entdeckung der Nitrozellulose sowie des Nitroglycerins Mitte des 19. Jh. Ihre sichere Handhabung lernte man erst ab ca. 1885. Wichtige Erfindungen auf diesem Gebiet stammen von Alfred Nobel. In der Folgezeit wurden weitere Explosivstoffe auf Nitroaromatenbasis entwickelt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden in den USA die besonders sicheren und preiswerten ANFO-Sprengstoffe sowie die wasserhaltigen Sprengschlämme erfunden. Neueste Entwicklung auf diesem Gebiet sind Emulsionen von konzentrierter wässrigen Ammoniumnitrat-Lösung in Mineralöl. Kategorie:Chemie

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